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JK 214 Samstag, den 18. September 1897 2L Jahrgang

mit Unterhaltungs-Keilagr „Sterne und Blumen"

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Encyclica Papst Leos XIII. über den Marianischen Rosenkranz.

Ehrwürdige Brüder!

Gruß und Apostolischen Segen.

Wie viel daran gelegen ist, daß der Kultus der hehren Gottesmutter Maria beständig gepflegt werde, sowohl öffentlich wie privatim, wird ohne Mühe Jedermann erkennen, der sich zu Gemüthe geführt hat, auf eine wie hohe Stufe der Würde und des Ruhmes Gott dieselbe gestellt hat. Er hat sie näm­lich von Ewigkeit her dazu bestimmt, daß sie die Mutter des den menschlichen Leib annehmenden sollenden Wortes werden solle, und hat sie daher mit allen Gaben der Natur, der Gnade und des Ruhmes derart ausgestattet, daß die Kirche mit Recht auf sie die Worte angewendet hat: „Ich bin aus dem Munde des Allerhöchsten geboren vor jeglicher Kreatur" (Eccles. XXIV, 5). Als aber erst die Jahrhunderte zu verrinnen begannen, und das erste Menschenpaar die Schuld auf sich geladen und deren Fluch auf seine gesammten Nachkommen übertragen hatte, da war sie dazu ausersehen, gewissermaßen das Unterpfand des Friedens und des Heils zu werden. — Und der eingeborene Sohn Gottes zeichnete auch mit nicht zweifelhaften Ehrenbezeugungen seine heiligste Mutter aus, denn er machte sie, als er während seines Erdenlebens noch nicht in die Oeffentlichkeit getreten war, zur Zeugin des doppelten Wunders, welches et verrichtete: das Wunder der Gnade, daß das Kind im Schooße Elisabeths bei dem Gruße Mariens auf­jauchzte, und das Wunder der Natur, daß er bei der Hochzeit zu Kana Waffer in Wein verwandelte. Und als er in der letzten Zeit seiner öffentlichen Wirksam­keit das neue Testament begründete, welches mit seinem Blute besiegelt werden sollte, da übergab er sie seinem geliebten Jünger mit den überaus süßen Worten: „Siehe, das ist Deine Mutter" (Joh. XIX, 27). Wir also, die wir, wiewohl unwürdig, die Statthalterschaft Jesu Christi auf Erden führen und seine Person vertreten, werden niemals aufhören, das Lob einer so großen Mutter anzustimmen, so lange Wir uns noch des Lichtes der Sonne erfreuen werden. Und da Wir es fühlen, daß mit steigendem Alter wir uns dieser Wohlthat nicht lange mehr erfreuen werden, fo können auch Wir nicht umhin, allen unfern Söhnen in Christo und jedem im besonderen seine am Kreuze ausgesprochenen, uns gewissermaßen als Testament zurückgelassenen Worte zu wiederholen: Siehe, das ist Deine Mutter. Und es wird vortrefflich um Uns bestellt sein, wenn Unsere Empfehlungen die Wirkung hervorgebracht haben, daß Niemand etwas Lieberes, etwas Theueres haben wird, als den Marien- kultus, und daß jedermann auf sich die Worte Johannis beziehen kann: „Und er nahm sie auf als seine Mutter." (Joh. XIX, 27). Da nun also der Monat Oktober herannaht, so können Wir, Ehrwürdige Brüder, auch in diesem Jahre nicht umhin, in Unserer Encyclica euch wiederum angelegentlichst zu ermahnen, dem Rosenkranzgebet obzulegen und für die bedrängte Kirche zu beten. Diese Gebetsübung hat, wie es scheint, durch Gottes Vorsehung gegen Schluß dieses Jahr­hunderts einen wunderbaren Aufschwung genommen und damit die erlahmende Frömmigkeit der Gläubigen einen neuen Ansporn erhalten. Ein ausgezeichnetes Zeugniß hierfür sind die hervorragenden Gotteshäuser und die berühmten Heiligthümer der Gottesmutter. Wir wollten nur zu gerne, daß der Gottesmutter, welcher wir im Monat Mai die Blumen geweiht haben, auch der früchtetragende Oktober durch besondere Gebetsübungen geweiht sei. Es geziemt sich nämlich, daß diese beiden Zeiten des Jahres ihr geweiht seien, die von sich sagte: „Meine Blumen sind die Früchte der Ehre und der Ehrhastigkeit (Eccles. XXIV, 23).

Die Menschen haben einen natürlichen Trieb, sich einander anzuschließen. Die dieselben verbindenden Bande waren vielleicht niemals so enge, wie zu un­serer Zeit und niemals mit dem gleichen Eifer ge­pflegt. Niemand hätte Ursache, sich darüber zu be­

klagen, wenn dieser an sich sehr edle Trieb nicht auch häufig von seinem Ziele abgelenkt und auf das Böse gerichtet worden wäre. Man sieht in der That sich Gruppen verschiedener Menschen zusammenschließen, welche ihre Bemühungen „gegen den Herrn und gegen Christus" vereinigen. (Ps. L, 2.) Indessen kann festgestellt werden — und das gereicht Uns zu großer Freude, daß man unter den Katholiken mehr denn je die frommen Vereinigungen hochschätzt, d«ß dieselben immer zahlreicher werden, und daß dieselben wie ein gemeinschaftliches Heim die Gläubigen bis zu dem Grade vereinigen, fo zu sagen verschmelzen, daß sie in der That den Namen Brüder verdienen und es in Wirklichkeit zu sein scheinen.

Wenn man dagegen die Liebe Christi beseitigt, dann kann sich Niemand dieses Namens rühmen und auch nicht dieser Vereinigung. Das hat einstmals Tertullian in folgenden Ausdrücken kraftvoll zusammen­gefaßt: „Wir sind eure Brüder durch das Natur­recht, weil wir nur eine Mutter haben, wiewohl ihr keine Menschen seid, da ihr schlechte Brüder seid. Wie sehr dagegen verdienen Brüder genannt und als solche angesehen zu werden diejenigen, welche an einen einzigen Gott glauben, welche denselben Geist der Heiligkeit getrunken haben, welche aus demselben Schooße der Unwissenheit hervorgegangen und zitternd und zagend dem einzigen Licht der Wahrheit nahe getreten sind."

Unter den vielfachsten Formen pflegen die Menschen die heilsamen Vereinigungen zu bilden, von denen wir sprechen. Es gibt Zirkel, ländliche Kassen, Ver­einigungen, welche der Erholung an Sonn- und Fest­tagen dienen, Jugendpatronate, Bruderschaften und viele andere Vereinigungen, welche ausgezeichnete Zwecke verfolgen. Sicherlich sind all diese Einricht­ungen, wiewohl sie durch ihre Bezeichnung, ihre Form und ihre besonderen und nächsten Ziele jüngeren Datums zu sein scheinen, in Wirklichkeit sehr alt. In der That ist es sicher, daß schon beim Beginn des Christenthums solche Vereinigungen vorhanden waren. Ader in der Folgezeit wurden dieselben gesetzlich be­stätigt, durch die Abzeichen ausgezeichnet, mit Privi­legien ausgestattet, dem Kultus in den Tempeln ge­weiht, der Pflege der Seele oder des Leibes gewidmet. Sie erhielten verschiedene Namen je nach Zeitepochen: Ihre Zahl vermehrte sich im Laufe der Jahrhunderte derart, daß es besonders in Italien keinen Landstrich, keine Stadt und fast keine Pfarrei gibt, welche nicht mehrere oder wenigstens die eine oder die andere dieser Vereinigungen zählt.

Wir stehen nicht an, unter dieser Vereinigung den Ehrenplatz der Rosenkranzbruderschaft zuzuer­kennen. Wenn man in der That deren Ursprung betrachtet, so leuchtet sie unter allen Bruderschaften der gleichen Art durch ihr Alter hervor, weil sie den hl. Dominikus selbst als ihren Gründer bezeichnen kann. Und wenn man nach ihren Privilegien fragt, so hat sie Dank der Freigebigkeit Unserer Vorgänger foviele davon erhalten, als nur möglich war.

Die Form und sozusagen die Seele dieser Institution ist der marianische Rosenkranz, dessen Vorzüge Wir bei einer anderen Gelegenheit ausführlich dargelegt haben. Aber die Kraft und die Wirksamkeit des­selben Rosenkranzes, insofern als derselbe den Mit­gliedern der Bruderschaft, welcher er den Namen ge­geben hat, eine Verpflichtung auferlegt, sind ganz besonders beträchtlich. In der That ist es Niemanden unbekgont, wie sehr nothwendig für alle Menschen es ist, zu beten, nicht als ob dadurch die Entschließungen Gottes abgeändert werden könnten, sondern weil, wie Gregorius es gesagt hat, „die Menschen, wenn sie beten, das zu erhalten verdienen, was vor allen Jahrhunderten der allmächtige Gott für sie bestimmt hat." (Dialog. I, 8.)

(Fortsetzung folgt.)

Deutsches Deich*

Berlin, 17. September.

* Der Kaiser wird nun voraussichtlich doch nach England gehen. Die ,Engl. Korr/ meldet, er werde die Königin Viktoria wahrscheinlich anfangs Oktober in Balmoral auf zwei Tage besuchen, und zwar werde der Kaiser von Kiel auf der Jacht „Hohenzollern" nach Aberdeen kommen.

ft Mit der künftigen Session des Aeichstags beschäftigt sich nun auch die ,PosL. Die von uns wiedergegebene Auslassung des ,Hannov. Kur/, wo­nach der Reichstag früh einberufen und die Neuwahlen schon im April abgehalten werden sollten, scheint ihr auf schlechter Information zu beruhen. Vielmehr fei, fo weit ihr bekannt fei, in Kreisen, die sie für gut unterrichtet halte, bisher damit gerechnet worden, daß die Neuwahlen zum preußischen Landtag bald nach Ostern, dagegen die zum Reichstag erst einige Monate später stattfinden würden. Eine Entscheidung sei bis­her noch nicht getroffen worden. Bezüglich der Dauer der nächsten Reichstagssession schreibt nun auch die ,Mil. Pol. Korr/, in Regierungskreisen werde all­gemein angenommen, daß dieselbe von einer verhältniß- mäßig nur kurzen Dauer sein werde.

* Zur Frage der Zroröereitnng neuer Kan- deksverlräge hat der Generalsekretär des Central- Verbandes deutscher Industrieller, Bueck, eine Denkschrift verfaßt, in welcher er die Bildung einer Centralstelle empfiehlt. Diese soll bestehen aus Vertretern der betheiligten Reichsämter und dem preußischen Ministerium sowie der Regierungen der Einzelstaaten und aus Vertretern der Landwirthschast, des Handels und der Industrie. Letztere sollen in 3 Abtheilungen, entsprechend den drei Erwerbsgruppen, zerfallen und jede soll aus 5 Vertretern der betr. Gruppe bestehen. Von den 5 Vertretern der Industrie soll der Centralverband 3 wählen und der Reichs­kanzler 2 ernennen. Diesem soll es überlassen bleiben, ob er auch andere Vereinigungen von Industriellen als Wahlkörper heranziehen will, in welchem Falle eventuell die Zahl der Vertreter der Industrie zu vermehren sein würde. Warum der Centralverband deutscher Industrieller von vornherein das Ueber- gewicht in der Abtheilung haben soll, vermögen wir vorläufig nicht abzufehen. Von den 5 Vertretern des Handels soll der deutsche Handelstag 3 wählen, der Reichskanzler 2 ernennen. Für die Landwirthschast macht Herr Bueck keine Vorschläge. Die Centralstelle soll dreimal im Jahre, im Oktober, im Januar und im April, vom Reichskanzler zu Plenarsitzungen be­rufen werden. Auf Antrag von 3 Mitgliedern einer Abtheilung soll er die Abtheilung zu einer besondern Sitzung berufen. Für längere Arbeiten können die Abtheilungen eine Kommission einsetzen. Den Vorsitz führt überall ein Vertreter der Regierung. Für die Centralstelle soll eine dauernde Geschäftsstelle, mit einem akademisch gebildeten, die internationalen Handels­und Zollverträge beherrschenden Nationalökonomen an der Spitze und den ersorderlichen Hilfskräften ge­bildetwerden. — Der deut scheLandwirth schäft s- rath versendet zu derselben Frage eine Mittheilung des Inhalts, daß seine Verhandlungen mit dem Cen­tralverband deutscher Industrieller über diese Ange­legenheit noch zu keinem Abschluß geführt hätten, der Staatsfekretär des Innern inzwischen eine Konferenz von Vertretern der hauptsächlich beteiligten wirt­schaftlichen Organe anberaumt habe und auf An­regung des Vereins zur Wahrung der Interessen der chemischen Industrie Deutschlands unter Zuziehung von 48 Vereinen des Handels und der Industrie eine Centrale gebildet worden und bereits in Thätigkeit getreten fei. Sollte keine Vereinbarung über eine einzige gemein­same Centralstelle erfolgen, so werde die Landwirth­schast sich der Stelle anzuschließen haben, welche die sicherste Garantie für die uneingeschränkte und nach­drückliche Vertretung der landwirthschaftlichen Inter­essen geben. Die ,Nat.-Ztg/ verwahrt sich schon jetzt lebhaft dagegen, daß eine Erhöhung der Getreide­zölle oder gar die Abweisung jeber Bindung dieser Zölle gefordert und Abmachungen darüber unter den verschiedenen Gruppen nach dem Grundsätze des do ut des getroffen würden. Es dürsten lediglich die Bedürfnisse der verschiedenen Prvduktionsgruppen klar- gestellt werden. — Die erwähnte Centralstelle hat ein Schreiben an den Staatssekretär des Innern gerichtet, worin sie die Nothwendigkeit einer „partei­losen, von keiner bestimmten wirthschaftlichen Rich­tung beherrschten neutralen Schöpfung bezw. Arbeits­stelle" betont und als Arbeitsprogramm dieser Stelle hezeichnet: 1) Vorarbeit für die Schaffung eines auto­nomen Zolltarifs, insbesondere für zeit- und sach­gemäße Ausgestaltung des amtlichen Waarenverzeich- nisses zum Zolltarife, 2) zweckentsprechende Bear-