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Donnerstag, den 16. September 1897.
24. Jahrgang
iildaerMZeitliiig
mit Unterchaitrrrrgs-Kettagr „Sterne und Hinmen".
Erscheint täglich Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Vierteljährlicher Ab onne m ents vreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig. Inserate kosten die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
Agrarier und Handwerker.
Als Herr Staatsminister v. Miquel in seiner Tischrede bei der Eröffnung der Kaiser Wilhelm-Brücke bei Müngsten und kurze Zeit danach am 24. Juli d. I. im preußischen Abgeordnetenhause seine Gedanken über die Politik des Sammelns vortrug, die gleichzeitig eine Mittelstandspolitik sein und alle wirthschaftlichen Gegensätze mit einander versöhnen sollte, da rief das Land: Bravo, das war schön gesagt. Und Zeitungen aller möglichen politischen Färbungen und Schattirungen, voran der Centrumspartei, bescheinigten Hrn. v. Miquel gern, daß sie mit dieser Theorie ganz einverstanden seien. Natürlich — aber wo ist die Praxis? Wie kann man das Schöne ausführen, das Hr. v. Miquel empfahl? Da fehlte die Antwort.
Ebenso wird es der,Deutschen Tageszeitung', dem Organ des Bundes der Landwirthe, gehen mit einem Aufsatze, den sie dieser Tage unter der Ueber- schrift „Unsere Weltanschauung" an der Spitze einer ihrer Nummern brachte. „Des Handwerks und der Industrie Gedeihen, des tüchtigen Handels Förderung liegt uns — so ruft darin die ,Deutsche Tageszeitung' aus — ebenso am Herzen wie die Interessen des Ackers. Mit gleicher Entschiedenheit kämpfen wir für den goldenenBoden desHand- werks, für den Schutz der heimischen gewerblichen Arbeit, für den ehrlichen Handel . . . . Das ist unsere Weltanschauung . . . Sie ist die eigentliche Weltanschauung des christlichen Deutschthums, die Weltanschauung der ehrlichen Arbeit . . . ." Wunderbar schöne Sätze. Aber bei den Organen der Handwerker scheinen diese schönen Sätze wenig Anklang zu finden.
Die ,Deutsche Handwerker-Zeitung' ist es, die der ,Deutschen Tageszeitung' schöne, hochtönende Sätze mit einer Derbheit ablohnt, die nicht häufig zu finden ist in unserer deutschen Presse. Die Gelegenheit dazu ist folgende gewesen: Die Zeitung des Bundes der Landwirthe hatte der ,Deutschen Handwerker-Zeitung' einen Aufsatz zugesandt „mit dem Anheimstellen der gefl. Verwendung", in dem ähnliche Sätze vorkommen wie die, die wir vorher aus der,Deutschen Tgsztg.' selbst anführten. Und der ganze Aufsatz scheint dazu bestimmt gewesen zu sein, in Handwerkerkreisen für die Bundesgenoffenschaft mit dem Bunde der Landwirthe zu werben. Darauf antwortet nun die ,Deutsche Handwerkerztg.' öffentlich in den Spalten ihres Blattes: „Die Manöver der Herren Bündler wird dem wirklichen Kenner der Verhältnisse nicht einen Augenblick die wahren Ziele der Agrarier verdunkeln können... Der Mittelstand, das genarrte Handwerk hat durch den erregten dicken Nebel hindurch deutlich erkannt, daß die Phrasen der Herren Bündler zu nichts weiter dienen, wie den einseitigsten Raubbau vertuschen zu helfen ... so viel Worte, so viel
Ans drn LlmdkMchkm drr Wn.
Von Fr. Henze.
24 ------ (Nachdruck verboten.)
(S.-hluB-)
Weit schaut man vom Kreuzberg in die Lande hinaus, über vieler Herren Länder schweifet der Blick. Doch heut' fragt man nicht: Jst's Preußenland, ist's Bayernland, ist's Kurhessen oder Darmstadt, ist es Meiningen oder Weimar-Eisenach, Reuß oder Koburg? Es ist ja alles eins, ein Deutschland, ein Vaterland! Aber man denkt doch dann auch vergangener Tage, man denkt wohl der Zeit, da Grenzpfähle und Grenzwächter in der Rhön Bedeutung noch hatten, da geschmuggelt ward, da der wetterharte Rhöner mit tollkühnen^ Muthe den Kugeln der Grenzwächter trotzte. Nach Süden hin, wo der Main zwischen den Bergen sich hinwindet, schweifen dann wohl die Blicke; und es freut sich das. Herz, daß der Main nun nicht mehr scheidet, es freut sich des einigen Vaterlandes.
Da ist's denn nun auch natürlich, daß des Kreuzbergs Fremdenbücher, als Spiegel der Gedanken der Wanderer, des deutschen Vaterlandes gedenken. 1861 ward klagend und hoffend geschrieben:
Auf dem heiligen Berge des Kreuzes standen wir staunend.
Blickten rings auf die Höh'n, die wald'gen, rings in die Thäler;
Mumpitz." Und während uns die,D. Tagesztg.' versichert, daß sie „für den goldenen Boden des Handwerks kämpft", hält ihr die,Deutsche Handwerkerztg.' vor, daß sie, die,Tageszeitung', „vor mehr als Jahresfrist die Errichtung einer westdeutschen landwirtb- schaftlichenBr o derz eugun g s-Genossen schäft empfohlen", und daß „die Vereinigung mecklenburgischer Landwirthe in Berlin Läden mit Fleischwaaren errichtet hat u. s. w.".....Also der Schutz des
goldenen Handwerksbodens sieht augenscheinlich in der Ausübung ganz anders aus, als wenn er bei ihr in schönen Sätzen gedruckt auf dem Papiere steht.
Bei dieser Gelegenheit gibt das Handwerker-Organ dem Bund der Landwirthe noch einen anderen Aufschluß in nicht minder derber Tonart. Der Bund hat unlängst die Herausgabe einer „Zeitung für den Mittelstand" angekündigt. Augenscheinlich soll dieses Blatt so etwas sein wie eine verkleinerte Ausgabe der ,Deutschen Tageszeitung'. „Augen auf und Taschen zu" — ruft die,Deutschs Handwerker-Ztg.' „Wir wollen den Herren die Wege weisen. Mögen sie sich die Taschen vollsacken, so viel sie können — ihre Tiraden über ihr Eintreten für das Wohl des Mittelstandes sind nichts als längst durchschaute Manöver. Man ist ja dort jetzt daran, eine Zeitung für den Mittelstand zu gründen, d. h. also man hält den abgelagerten Bockmist der ,Deutschen Tageszeitung' sür die dummen Handwerker gerade ausreichend, um diese im Nebel erhalten zu können. Nur die Männer, die ihren im Handwerkerstand bekannten ehrlichen Namen dazu hergeben, die Plattenzeitung für den Mittelstand schmackhaft zu machen, hat man noch nicht gefunden . . ."
Die ,Deutsche Tageszeitung' hat darauf noch nichts erwidert. Nur an einer Stelle, an der man das am wenigsten vernmthen sollte, spricht sie von einem „niedrigen und gegenstandslosen Angriff der ,Deutschen Handwerkerzeitung". Wir müssen bekennen, daß uns die Tonart, die die ,Deutsche Handwerkerzeitung' anschlägt, nicht behagt. Aber nichtsdestoweniger macht es doch einen sonderbaren und für die ,Deutsche Tageszeitung' wenig vortheilhaften Eindruck, daß sie hierfür nichts weiter in Vorrath hat als eine Redensart, die ein wenig nach Verlegenheits-Phrase schmeckt.
Aus dem Herzogthum Braunschweig.
Das so reich gesegnete Braunschweiger Ländchen erfreut sich im weiten Deutschen Reiche einer ganz besonderen Be—rühmtheit ob der innerhalb seiner Grenzen herrschenden „Toleranz" gegenüber den Katholiken. Mit ängstlicher Sorgfalt wacht der Staat darüber, daß die Katholiken ihre Kinder — taufen laffen, zwingt sie aber zugleich, daß die katholische Taufe vorher bei dem lutherischen Ortspastor angemeldet werde, und erst, wenn dieser bescheinigt, daß er „gegen die katholische Taufe
Sahen nah und fern, wohin die Blicke auch schweiften,
Deutsches Land nur, deutsches Gebirg' und deutsches Gewässer. —
Jünglinge sind wir, kräftigen Armes und kräftigen Geistes,
Lieben das Vaterland über alles, was Menschen nur lieben.
Staune, o Welt, drum nicht, wenn auf dem heiligen Berge
Leiser Schmerz unsere Herzen beschlich, als vereint wir gedachten
Deutschlands bösen Geschickes. Doch (fern war alle Verzweiflung.
Schauend auf das schöne Land und bauend auf unserer Jugend
Kraft, sind voll wir der'Hoffnung, daß einst die Zeit wird erscheinen.
Wo wieder freudig und ruhig der Blick jedes Deutschen wird weilen Auf dem deutschen Land, dem vereinten, zum Trotz der Feinde.
Pfingsten 1861.
Im Fremdenbuchs vom Jahre 1881 liest man:
Flieg', Vöglein, durch der Bayern Land Und grüße die deutschen Mannen, Und sing' das Lied von der Einigkeit, Die bösen Geister zu bannen!
21. Juni 1881. ♦ ♦ ♦
Am Tage der letzten Reichstagswahl (1893) schrieb der bekannte Schriftsteller Heinrich von Selbitz:
nichts einzuwenden" habe, darf der katholische Geistliche Kinder katholischer Eltern taufen. Damit die katholischen Kinder ja nicht ohne Religionsunterricht aufwachsen, werden sie vom Staate gezwungen, dem lutherischen Religionsunterrichte beizuwohnen, wenn nicht an ihrem Wohnorte eine katholische Schule sich befindet, und deren sind im ganzen Lande nur fünf, die Errichtung einer sechsten (in Schöningen) wurde seit Jahren erstrebt, aber von der Regierung stets verhindert, obgleich mindestens 50 Kinder für die Schule vorhanden sind. Aber selbst wenn an einem Orte eine katholische Schule sich befindet, sind die Katholiken nicht genöthigt, ihre Kinder in die katholische Schule zu schicken, sondern es dürfen die katholischen Kinder auch an solchen Orten die lutherische Schule besuchen; sollte aber einmal ein lutherischer Vater sich einsallen lassen, seine Kinder in eine katholische Schule zu schicken, so wird er gar bald durch die sorgsame Aufmerksamkeit der Staatsbehörden dahin belehrt werden, daß die „evangelische Freiheit eines Christmenschen" so weitgehende Befugnisse nicht gibt.
Kein katholischer Geistlicher darf im Lande eine geistliche Handlung vornehmen, bevor nicht die Regierung das Bedürfnis geprüft und anerkannt hat, bevor sie nicht die Sendung und Anstellung des Geistlichen von Seite der geistlichen Behörde ge st a ttet. Daß die Staatsbehörden hierin sehr „tolerant" und „liberal" sind, kann wohl aus dem Umstande ermessen werden, daß selbst für Orte mit Hunderten von Katholiken erst nach Dutzenden von Bittschriften und jahrelangen V er Handlungen ein Geistlicher zugelassen wird.
Diese- Zustände mögen vor mehreren Jahrzehnten, wo die Zahl der Katholiken hier eben noch sehr gering war, nicht so drückend empfunden worden sein. Seit 1870 hat sich aber infolge der Freizügigkeit die Zahl der Katholiken um das Sechsfache vermehrt. (Bei 434213 Einwohnern zählt das Land gegenwärtig 21840 Katholiken, d. h. 5 Prozent der Bevölkerung.) Es gibt fast kein Dorf, wenn auch noch so abgelegen, ohne Katholiken. Welche Laufereien und Scherereien diese oft erst haben, wenn sie z. B. taufen lassen wollen, ist fast unglaublich.
In unserer „aufgeklärten" Zeit, wo man so viel von „Gewissensfreiheit" redet und schreibt, sollte man solche Zustände für ganz unmöglich halten, zumal mitten im Herzen Deutschlands. Daher kommt es denn auch, daß selbst Männer, denen katholische Angelegenheiten höchst gleichgiltig sind, die Beseitigung solcher durchaus nicht zeitgemäßen gesetzlichen Bestimmungen fordern. Aber vergebens! Die Katholiken sind eben nur geduldet; wenn es ihnen nicht gefällt, mögen sie anderswo hingehen! Wie mag es wohl kommen, daß die liberalen Zeitungen aller Schattirungen, die doch sonst den Mund so voll nehmen, wenn es sich um Glaubens- und Gewissens-
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Friede, der auf Bergen waltet, Zieh' hinaus in's deutsche Reich, Mache alle, die gespaltet, Einig, einig, mach' sie gleich!
Möge jeder Deutsche denken. Wie das neue Reich erstand, Wie viel Tausend deutsche Helden Starben für das Vaterland?
Wie aus Blut und Schlachtenwetter Endlich stieg, der Sonne gleich. Aus den Nacht- und Nebelschleiern Glänzend auf das deutsche Reich!
„Ihm ist Heldenblut geflossen, Ihm starb Deutschlands Jugendzier, Dem Vaterland, dem heilig großen!" Mein deutsches Volk, o wahr' es dir!
Mögen auch in manchen Fragen Die Parteien sich entzwei'n: Wenn es gilt des Reiches Ehre, Laßt uns deutsch und einig sein!
15. Junt 1893. Und Gott gebe diesem Wunsche Erfüllung!
* * *
Schluß.
Von der Rhön wollt' ich berichten und von des Kreuzbergs Klösterlein, von einem eigenartig schönen Wandergebiet und von einer Stätte deutscher Gastfreundschaft und edler Duldung. Taufende und abermals Tausende sind die Rhön durchwaudett, sind im Kreuzberg - Kloster Gast gewesen. Und wohl jeder