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JK 211

Mittwoch, den 15. September 1897.

24. Jahrgang

uldlierMZeitung

mit Unterhaltungs-Krilage „Sterne und Klumeu".___________________

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Deutsches Reich* *

Berlin, 14. September.

* Heber ..Katholische Politik" eifert der »Reichsbote' mit der üblichen Unterstützung von Graf P. Hoensbroech und Expfarrer Strachenberg, weil der Aba Dr. Bachem in Landshut gesagt habe, man solle uns Katholiken nach den Grundsätzen unserer katholischen Kirche regieren. Das Pastorenblatt geht weiter, nimmt alle „ Anmaßungen" Roms von GregorVII. und Bonifaz VIII. bis Pius IX. kursorisch durch, um die Gefährlichkeit der „katholischen Politik" zu beweisen und besonders gegen die Orden zu zetern. Die Ver­fassung gewährleistet uns Katholiken volle Gleichberech­tigung und freie Religionsübung in Preußen. Dies und weiter nichts hat Dr. Bachem in Landshut ge­fordert. Trotz der Verstümmelung der Verfassung im Kulturkämpfe bleibt es unser Recht, unter freier Re­ligionsübung eine solche zu verstehen, die den katho­lischen Grundsätzen entspricht; wir brauchen uns un­sere Freiheit nicht nach dem Maße zumessen zu lassen, das engherzige Protestanten für ausreichend halten. Der,Reichsbote' hält das Verlangen einer Konfession, in einem konfessionell gemischten Staate nach ihren -Grundsätzen regiert zu werden, für ungerechtfertigt. Natürlich nur für Staaten mit protestantischer Mehr­heit und für Katholiken. Aber wa§ würde er sägen, wenn in Bayern oder Oesterreich die Protestanten nicht die Rechte und Freiheiten zugestanden erhielten, die sie nach ihren Grundsätzen beanspruchen zu müssen glauben? Er bemerkt allerdings, die preußische Re­gierung könne weder die katholifche Kirche nach katho­lischen, noch die protestantische nach protestantischen Grundsätzen regieren in dem Sinne, daß auf die andere Konfession keine Rücksicht zu nehmen sei, sondern alle von einer Konfession gestellten Ansprüche erfüllt werden müßten. Allein thatsächlich wird bei uns nur auf die Protestanten Rücksicht genommen, um Rechte und An­sprüche der Katholiken unerfüllt zu lassen; das Um­gekehrte kommt nicht vor, und das findet der,Reichs- bote' dann ganz „paritätisch".

* Ueber Wundköpfe uud Kangköpfe in Baden sagt Hansjakob in seinem neuen, frischen Buche „,Jm Paradies" einige kernige Worte: „So ganz Unrecht hat der Mann (der Anthropologe der ,Bad. Landesztg.') nicht. Die Katholiken sind nämlich in mancher Gegend von einer beispiellosen Gutmüthigkeit. Diese ist aber manchmal gleichbedeutend mit Dumm­heit. In ihrer Gutmüthigkeit lassen sie sich alles ge­fallen, rufen noch bei jeder Gelegenheit „Hoch" dazu und bekunden dadurch ihre Zufriedenheit mit der Be­handlung, der sie sich erfreuen in ihrem Lande. Ein Strohhälmle durch den Mund gezogen von Seiten der Regierung macht sie glücklich und vertrauensselig, und doch haben selbst die Sozialdemokraten — von den Protestanten gar nicht zu reden — in Baden

* Aus dm Kemdkubüchrrn der Wu.

Von Fr. Henze.

23 ------ (Nachdruck verboten.)

Das Leben auf dem Kreuzberg, geistliche Wallfahrt und weltliche Wallfahrt, der Ordensleute Leid und -er Ordensleute Freud, des Sommers Luft und des Winters Last wird in der Vorrede des Fremdenbuches 1894 also geschildert:

Gin 2ahr auf dem AreuzSerg.

Mai.

Nun kommt die liebe Maienzeit

Mit ihrer Bliithenpracht, — Da wird die Brust so voll, so weit. Und froh das Herz erwacht.

Es wölbt des Himmels herrlich Blau

Sich über Flur und Feld;

Wohin ich geh', wohin ich schau. Ist schön die Gotteswelt.

Zum Kreuzberg ist mein erster Gang

Zur frischen Maienfahrt, Und hier ertönt mein erster Sang Nach froher Sänger Art.

Juni.

Des Jahres Zeiger rückt voran,

Die welke Blüthe fällt.

Es grünt das Blatt, die Frucht setzt an

In Garten, Wald und Feld.

Das hehre Pfingstfest ist vorbei. Es kam der Geist des Herrn,

z. B. mehr Freiheit als die katholische Kirche. Ein Sozialdemokrat, der als Reiseprediger amtet, braucht nicht nachzuweisen, woher er ist, wie er heißt und wo er studirt hat. Der katholische Ordenspriester aber, der Mission halten will, muß angemeldet werden unter Angabe seiner Personalien und seiner Studien, wohl weil er als gefährlicher gilt denn der Sozialdemokrat! — Wie die Parität gehandhabt wird auf Universitäten und bei hohem Staatsämtern, das alles nehmen die Rundköpfe hin unter „Hurrah" und „Hoch" auf die hohe Obrigkeit. Die Protestanten wehren sich ihrer Haut und würden sich unter obwaltenden Umständen, d. i. wenn sie die Majorität hätten, nicht so behandeln lassen, wie die Runden, und sie haben und hätten recht. „Wie der Mann sich wehrt, so wird er geehrt." Wer aber zu den Schlägen, die er bekommt, in Treue erstirbt und die Segnungen der Regierung preist — und wir haben das kürzlich erlebt —, dem gebührt von Rechts wegen der Name — Rundkopf." Daß die »Badische Landeszeitung' und die sinnesgleichen Amtsverkündiger dieser Beweisführung zu dem be­rühmten Diktum ihrerseits weitere Verbreitung in Baden verschaffen, ist kaum zu erwarten.

* Zur Kanzkerkriks will ein Berichterstatter erfahren haben, Fürst Hohenlohe habe sich durch andere Mitglieder der Regierung bewegen lassen, ms zum Schluß der nächsten Reichstagssession int Amte zu bleiben. Nach der »Deutschen Tgsztg.' hat Herr v Miquel ihn bestimmt, seine Rücktrittsabsicht vor­läufig aufzugeben. Fortsetzung und Widerruf dtefer Nachrichten folgt morgen. _

Die Begeisterung unserer Ikoltenschwarmer für die Verwirklichung ihrer Ideale ist auf einer Versammlung erneut zum Ausdruck gekommen, welche die Abtheilung Berlin oer deutschen Kolonialgesell­schaft am Montag Abend hier veranstaltete. In drei langen Reden wurde die Frage der Nothwendigkeit unserer Flottenverstärkung von verschiedenen Gesichts­punkten aus behandelt, und alle drei Reden sagten förmlich das Ende der Dinge voraus, falls der Reichs­tag es ablehnen werde, die hochtrabenden Gelüste unserer Marineverwaltung zu befriedigen. Der preußische Gesandte a. D. v. Kusserow, welcher die Flottenfrage vom allgemeinen politischen Gesichts­punkte aus behandelte, stellte die mit Recht schon so häufig bestrittene Behauptung auf, daß der Flotten­plan von 1867 feiner Ausführung noch harre und daß seine dreifache Aufgabe fei: Schutz des deutschen Seehandels in allen Meeren, Vertheidigung der Häfen in der Nord- und Ostsee sowie Entwickelung der Flotte zur Offensivmacht. Allen drei Aufgaben sei unsere Marine nicht gewachsen. Im Kriegsfälle werde der Handel gefährdet, das Landheer reiche zum Schutz der Küsten nicht aus und die Vergangenhert lehre, daß wir sehr leicht in einen Konflikt mit einer Macht gerathen könnten, die nur zur See erreichbar fei.

Macht uns von Schuld und Sorge frei, Aus daß nun von nah und fern

Die Völker und die Zungen all Verkünden Gottes Preis, Wie Blüthen-, Blätter-, Knospenschwall Es künden lind und leis.

Juli.

O hehre, stille Waldespracht, Wie labst du mein Gemüth, Wenn durch den Wald so leis und sacht Ein Quellchen murmelnd zieht; —

Wenn aus dem dunkeln Laubdickicht Ein Wiesengründlein glänzt, Von tausend Blümlein klein und schlicht Durchwirket und umkränzt;

Wenn weit und breit am Bergeshang Des Mähers Sense klingt Und uns'rer Kreuzbergglöcklein Klang Ties in die Thale dringt.

August.

Denn nach St. Kilianstag sich's regt Im ganzen Frankenland,

Man nimmt von Freud' und Dank bewegt. Jetzt Kreuz und Fahn' zur Hand.

Zum Kirchlein ziehen singend ein

Die Pilger ungezählt,

Touristen kommen zwischen drein, An Frohsinn es nicht fehlt.

Doch Frommheit und die Fröhlichkeit

Sie thun recht gut beinand, Des Kreuzbergs Fried' und Einigkeit, Sie ist das einend Band.

Daher müsse die Reichstagsmehrheit die Flottenfrag aus den Parteifragen herausreißen und lediglich das große nationale Interesse maßgebend sein lassen. Kapitän-Lieutenant a. D. Weyer beleuchtete die Flotten- rage vom Standpunkte des „praktischen Seemannes", wie sich die,Kreuzztg.'ausdrückt, und gab eine Ueber-- lcht über die Schiffsbauten der verschiedenen Länder in den letzten Jahrzehnten. Er prophezeite, daß wir mit unserer Panzerflotte in anderthalb Jahren an 8. Stelle ständen, während wir 1880 noch an 3. Stelle gestanden hatten. Die handelspolitische Seite der Flottenfrage behandelte Dr. Neubaur. Die Ver­größerung der Flotte ist für ihn bedingt durch den Aufschwung unseres Handels. England und Amerika suchten unseren Handel lahm zu legen und nur eine starke Flotte biete gegen ihre Bestrebungen Schutz. Deutsche Weltpolitik ist für ihn das Panier! Nach­dem beschlossen, dem Kaiser von dem Verlaus der Verhandlung Mittheilung zu machen, wurde eine Resolution angenommen, welche es als Pflicht aller national gesinnten Kreise bezeichnet, dahin zu wirken, daß der Reichstag einer Vorlage der verbündeten Regiemngen zustimme, welche eine durch Deutschlands Stellung^im Rathe der Völker, wie durch seine Be­deutung als zweitgrößte Handelsmachl der Welt gleichermaßen gebotene Verstärkung unserer Kriegs­flotte bezweckt.

ft Dem Wunde der Kandwirlhe hat bte ,Deutsche Handwerkerzeitung' eine scharfe Absage zu theil werden lassen, nämlich weil er sich bemühe, durch Gründung von Genossenschaften Bäcker, Fleischer ufro., kurzum den Mittelstand zu schädigen. Die ,Deutsche Tagesztg.', die gerade im Begriffe war, unter den Handwerkern mit dem »Berliner Blatte' Geschäfte zu machen, will die Vorwürfe nicht gelten laffen; habe sie doch selbst die Gründung von Müllerei- und Bäckereigenossenschaften mehrfach scharf verurtheilt. So besonders „scharf" waren doch diese Verurthell- ungen gerade nicht. Eher hat das Blatt solche Grün­dungen mit der Nothlage der Landwirthschaft ent­schuldigt. Wenn es hinzusügte, es sehe sie nicht gerne im Interesse des Mittelstandes, so hat das auf, uns immer nur den Eindruck gemacht, als wolle es sich gegenüber den Handwerkern und kleinen Gewerbe­treibenden den Rücken decken, da es doch „auch" Mittelstandsblatt sein will. Ernst genommen haben wir ihre lahmen Vorbehalte nie, und die Handwerker haben recht, wenn sie es gleichfalls nicht thun. Die Angriffe der Handwerkerpreffe, die allerdings in diesem Falle ein wenig zu derb ausgefallen sind, lassen das Blatt nach feiner Versicherung „ganz kühl". Wer weiß?

* Der Delegirtentag des Invungsver- önndes deutscher Wauwerksmeister zu Leipzig beschäftigte sich mit der Organisation des Handwerks. Es wurde eine Resolution angenommen, in welcher die Bildung und Stärkung der Fachinnungen em-

September.

Des Sommers Hitze ist verglüht, Heia! wie frisch und rein Die Luft nun durch die Berge zieht Und ladet alle ein:

Kommt all' hierher und stärkt die Brust In reiner Bergesluft, Und holt euch neue Schaffenslust, Wenn bald die Stunde ruft

Zu Amt, Geschäft und Studium, Zur Schreibstub', zum Gericht;

Die Zeit der Freiheit ist vorbei — Der Wand'rer seuzend spricht.

Oktober.

Die Nebel kommen — schwer und grau Umlagern sie die Rhön, Bald wird es still auf Flur und Au' Und auf des Kreuzbergs Höh'n.

Franziseifest — das letzte Ziel, Es ist ein Abschiedsgruß

Für Manchen, der nicht scheiden will Und dennoch scheiden muß.

Ihr Brüder, nach so großer Plag' Gönnt euch jetzt Rast und Ruh! — Wir aber — über Jahr und Tag Wir kehren wieder zu!

November.

Die Fiedel klingt, es brummt der Baß, Der Maibaum flott erstand, Gut Tröpflein rinnet aus dem Faß, Die Kirmes ist im Land.