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Montag, den 13. September 1897.

24. Jahrgang

FiildllcrWZeitiliig

________________mit Untechaltungs-Seilagr „Sterne und Klmneu".

Gefühlen kundgeben; auch ganz gewöhnliche Neugierde, Schaulust und allerlei Herzensinstinkte wirken da mit. Selbst sozialdemokratische Arbeiter stellen sich stunden­lang auf der Straße auf und rufen Hurrah mit. Allein es beweist doch auch, daß die Bevölkerung treu an der Monarchie und der Person des Monarchen hängt, trotz allem Umsturz usw. Die Begeisterung beim Erscheinen des Kaisers braucht bei uns nicht künstlich von der Polizei und der Bureaukratie gemacht zu werden, wie es etwa in Frankreich unter NapoleonIII. geschah; sie ist urwüchsig vorhanden.

Freilich darf man diese Begeisterung nicht falsch deuten. Daß in Rußland große Begeisterung für die Deutschen herrsche, wird man trotz des glänzenden Empfanges des deutschen Kaiserpaares nicht glauben wollen. Bei dem Besuche des italienischen Königspaares in Hom­burg war scheinbar alles Freude, Jubel und Drei­bundseligkeit. Und doch wissen wir, daß König Umberto wider Wunsch und Willen des italienischen Ministeriums nach Deutschland gereist ist und gerade jetzt in Italien eine starke Strömung für die Annäherung an Frank­reich vorhanden ist. In Ungarn wird Kaiser Wilhelm demnächst umjubelt werden, und doch liest man jetzt, daß sich dort in chauvinistischen Kreisen eine heftige Erbitterung gegen Deutschland äußert, der maygarische Adel nur spärlich zu den Hoffestlichkeiten erscheinen will und die Sozialdemokraten in Budapest gegen den deutschen Kaiser zu demonstriren beabsichtigen. Das vorläufige Verbleiben des Fürsten Hohenlohe im Amte bringt ein Theil der Presse mit der ernsten Lage der auswärtigen Politik in Verbindung. Das würde gleichfalls ein Beweis sein, daß man die Dinge nicht nach der Pracht der Feste und dem Lärm einer Hurrah rufenden Menge beurtheilen darf.

Ganz besonders gilt dies auch für die innere Politik. Die freudige Aufnahme, die der Kaiser überall im deutschen Volke, wohin er auch kommt, findet, beweist, wie gesagt, die treue Anhänglichkeit und Liebe des Volkes zur Monarchie und dem Trager der Krone. Völlig falsch aber wäre es, daraus auch auf die Zu­stimmung des Volkes zu der ganzen inneren Politik zu schließen. Wer einen solchen Schluß machen wollte, würde eine bittere Enttäuschung erleben, wenn einmal unmittelbar nach einem Kaiserbesuch in einer Stadt eine Reichstagswahl stattfände. Ob der Kaiser sich auf Grund der ihm überall zu Theil werdenden Aufnahme einer Täuschung über die Stimmung des Volkes hingibt, wissen wir nicht. Seinen Rathgebern und Gefährten ist jedenfalls dringend zu empfehlen, die Sache nüchtern zu betrachten, damit sie nicht in falscher Auffassung der Volksbegeisterung zu Dingen rathen, die mit der Meinung des Landes in starkem Widerspruch stehen. Ein verhängnißvoller Jrrthum z. B. wäre es, aus der Begeisterung für den Kaiser auf eine gleiche Begeisterung für die Marine, oder ern Umsturzgefetz oder die geltende Militärstrafprozeß­ordnung schließen zu wollen.

* Frohe Feste.

Man hat neuerdings die Bezeichnung Deutschlands als Festland scherzweise von den vielen Festen herge­leitet, die bei uns nun schon seit Jahren, man möchte sagen ununterbrochen gefeiert werden. Wiederholt ist in der Presse darauf hingewiesen worden, es werde des Jubels und Trubels, der Hurrahs und Hochs denn doch zu viel, als daß noch ein vernünftiger Sinn darin gefunden werden könne. Die 25jährige Wieder­kehr der wichtigen Tage der Jahre 1870/71 festlich zu begehen, war natürlich und patriotisches Bedürfniß; allein der Feste wurden bald so viele, daß von För­derung des Patriotismus nicht mehr die Rede sein konnte, sondern nur noch von Vergnügungssucht unter patriotischem Vorwande. Dem Auslande haben wir gewiß mit unserem ewigen Festtrubel mehr zu Heiter­keit und Spott als zur Bewunderung Stoff gegeben. Als Volk ernster Arbeit achtete man uns, als Volk des Festefeierns mit großprahlerischen Reden verlachte man uns, soweit man sich nicht gereizt fühlte. An die Erinnerungsjahre schließt sich eine schier endlose Reihe von Kaiser-Denkmals-Enthüllungen: wieder großer Jubel, Trubel, Essen, Trinken, Hurrah und Hoch. Jedes Dorf fast muß sein Kaiser-Wilhelm- Denkmal haben und sähe am liebsten, wenn der Kaiser selbst zur Enthüllungsfeier käme. Der Kaiser bringt ja Opfer und erscheint wenigstens in den großen Städten zu der Feier. Wie er das aushält, ist freilich ein Räthsel. Seit feiner letzten Nordlandsreise nöthigte ihn seine Herrscherpflicht nun fast unausgesetzt zu Feststrapazen. Zuerst kam die aufreibende Reise nach Petersburg, wo eine Festlichkeit sich an die andere schloß: dann folgte eine Art Rundreise in Deutsch­land zu Denkmalsenthüllungen; unmittelbar schloffen sich daran die Besuche in Würzburg und Nürnberg, sodann die Manöver mit den hohen Besuchen. Kaum ist das vorbei, so muß die Reise nach Ungarn zu den Manövern angetreten werden, wo es wieder viel Fest­lärm gibt. Ein gewöhnlicher Sterblicher, der Feste feiern will, kann sich wenigstens gehen lassen. Der Kaiser aber, auf den fortgesetzt aller Augen gerichtet sind, muß immer alle Geistes- und Körperkräfte an­spannen, um seiner Stellung entsprechend aufzutreten und alle Wünsche zu befriedigen. Er ist sozusagen immer im Dienst und kann sich kaum eine Erholung gönnen. Bis jetzt hat er die Strapazen, soweit man sehen kann, ja stets mit erstaunlicher Frische über­standen, aber man darf ihm doch aufrichtig wünschen, daß ihm endlich auch einmal ein gründliches Ausruhen von all den Festen vergönnt werde.

Wo er erscheint, im Jnlande wie im Auslande, wird er von der Bevölkerung stürmisch begrüßt und umjubelt. Das mag seinem Herzen wohlthun und ihm die Mühen erleichtern. Es ist allerdings nicht immer und überall nur Liebe und Begeisterung, die sich bei solcher Gelegenheit zeigen und aus überquellenden

Deutsches gUtrfj.

Berlin, 11. September.

* Der Kaiser hat in Homburg zwei bayerische Pnnzen zu Chefs preußischer Regimenter ernannt. Prinz Ludwig Ferdinand von Bayern ist Chef der 15. Dragoner, welche in Hagenau in Garnison stehen, Herzog Karl Theodor in Bayern Chef der 5. Dragoner (Hofgeismar) geworden.

* Die Meisen des Kaisers sind mit dem für Ende Sept, nach dem Besuche von Schlesien in Aus­sicht genommenen 14tägigen Jagdaufenthalt in Ra­mmten noch nicht abgeschlossen. Nach der ,Danz. Ztg/ wird der Kaffer auf der Rückreise voraussichtlich auch Danzig einen Besuch abstatten bei Gelegenheit der Taufe des großen Lloyddampfers „Kaiser Fried­rich III." auf der Schichau'schen Werft.

h Die „Kanzkerkrifts" beschäftigt unausgesetzt die Presse, wiewohl gegenwärffg eine solche Krisis bestehen soll. Es will eben Niemand recht glauben, daß jetzt Alles wieder in Ordnung sei und der Reichskanzler noch lange aus seinem Posten bleibe. General v. Bülow ist von der Kandidatenliste für den Kanzlerposten rasch wieder verschwunden. Ob die Nennung dieses Namens wirklich, wie man es jetzt darzustellen sucht, ein Scherz war oder ob etwas da­zwischen gekommen ist, läßt sich nicht erkennen. Der nationalliberale ,Hannov. Kour/ hat jetzt einen neuen Kandidaten in der Person des Oberpräfidenten von Schlesien, Fürsten Hatzfeldt-Trachenberg, und zwar soll die Entscheidung über seine demnächstige Kanzlerschaft bereits getroffen sein. Fürst Hatzfeldt hat auch schon früher auf der Kandidatenliste gestanden. Wer weiß, ob sein Name nicht in den nächsten Tagen wieder einem andern Platz machen muß. Bekanntlich rst Fürst Hatzfeldt katholisch, hat aber als Reichstags- Mitglied, ebenso wie der jetzige Reichskanzler, der Reichspartei angehört.

* Zur Untersuchung des gestern vor Urbach bei Köln vorgekommenen Eisenbahnunfalles hat sich der Wirkliche Geheime Oberbaurath im Reichseisenbahn- Amte, Strecker, an Ort und Stelle begeben

* Ueber die Beziehungen des deutsche« zum englische« Kos sind, wie den „Berl. N. N." aus London geschrieben wird, allerlei Gerüchte im Um­lauf, die mehrentheils übertrieben genannt werden müsfen. Zwischen dem Kaiser und seiner Großmutter ist die Korrespondenz, wenn auch etwas langsamer geworden, so doch ununterbrochen geblieben, und der Kaiser hat sogar die Zeit gefunden, ein ziemlich um­fassendes Handschreiben für die Königin zu verfasfen, das er dem Herzog von Cambridge übergab. Daß eine empfindliche Abkühlung der Beziehungen zwischen dem kaiserlichen Neffen und dem Prinzen von Wales eingetreten ist, braucht darum nicht geleug­net zu werden. Diese Wandlung ist aber nicht neueren Datums und hat mit der Politik gar nichts zu thun.

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Ais örn Ilkmdkiidiichmi der W».

Von Fr. Henze.

------ (Nachdruck verboten.)

So ward vom Klosterbier geschrieben und so liest man von des Klosters Gastlichkeit. Und was er­wartet das Kloster als Dank von seinen Gästen? Ein Wandersmann, der oftmals oben weilte, kündet's uns in einer Mahnung:

An die Gäste.

Wer zu Gast ist, sei zum ersten

Recht geduldig und bescheiden;

Ungestüm und keck begehren ।

Muß im Kloster man vermeiden.

Denn vor allem muß der Bruder

Treu sein Klosteramt erfüllen, Ehedem er fremden Gästen Emsig ist zu Dienst und Willen.

Zweitens sollst du sein genügsam, Man kennt hier kein üppig Leben; Einfach, kräftig, was im Kloster, Wird mrt Freuden dir gegeben.

Triffst gerade Fasttag oben. Dem das Fleisch so ganz alltäglich — E,, so lern' einmal das Fasten, Das ist heilsam und zuträglich.

Endlich merke, daß der Undank

Keinem Menschen wohl anstehe. Nur wer selbst beim Bettelorden, Mit „Vergelts Gott" weiter gehe.

Hast du Gastfreundschaft genossen, Reich' nicht kärglich deine Spende! Klosters Dank wird dich geleiten — Meine Mahnung ist zu Ende.

Vorrede zum Fremdenbuche 1881.

* * * ♦

Die echte Bescheidenheit ist nun aber leider eine seltene Tugend. Dem Fremdenbuche 1891 ward vom „Rhöntroubadour" abermals eine „Mahnung" an die Kreuzbergsgäste vorangesetzt. Es heißt hier:

Suchest du in unserm Kloster Magentrost und Leibespflege, Dann nur nicht zu viel verlange, Nicht zu strenge prüf' und wäge!

„Alte Wecke, harte Brode" Sollten dir die Lust vertreiben? Willst du täglich frische Brödchen, Kannst du ja zu Hause bleiben.

Ist das Fleisch zu fett dem Einen, Dünkt's dem Andern viel zu trocken: Ei, da kann nichts anders helfen. Als — du bleibst zu Hause hocken.

Will das Bier, well ungespundet. Herb und bitter, dich nicht letzen: Kannst sofort nach München reisen Und dich dort in's Hofbräu setzen.

Will der Zelle hartes Bettlein

Und Ausstattung nicht behagen: Ei, dann führe nächstens mit dir Schlassalon und Möbelwagen!

Könntest gleich auch Kammerdiener Oder Zofe dir mitbringen. Denn man braucht den Bruder Eustach Hier auch noch zu andern Dingen.

Wenn die Brüder in der Kirche Ihres heil'gen Dienstes walten. Dann magst du dich nur gedulden. Schlimmer Rede dich enthalten.

Denn hier gibts nicht Herr'n und Knechte, Nein, hier sind wir Alle — Brüder, Die sich freudig Dienste leisten So wie eines Leibes Glieder.

Etikette, Prätensionen, Vorurtheile, unnütz' Fragen — Laß die Sachen hübsch zu Hause, Willst nicht dich und andre plagen.

Willst am Fremdwort gar dich ärgern. Kann auch deutsche Worte setzen: „Ziererei und Unverschämtheit" Würden dich am End' verletzen! —

Wer will mit Vergnügen reisen. Muß sich fügen auch zu Zeiten;

Wirst den alten Satz wohl kennen: „Wahre Bildung macht bescheiden?" Also mahn' ich all' die Wand'rer, Die zum heil'gen Kreuzberg wallen Und dann Gastfreundschaft begehren Hier in unsers Klosters Hallen.

Also mahn' ich, selbst ein Wand'rer Schon seit mehr als zwanzig Jahren, Der so manch' Touristenstücklein Hier im Kloster hat erfahren.