vta 208 Samstag, den 11. September 1897 , LL JahrgMg
FuldaerMZeitiing
mit Unterhaltnngs-Keilagr „Sterne und Blumen".
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* A»s im LremdkMchkm der LM.
Von Fr. Henze.
20 ------ (Nachdruck verboten.)
„Kreuzbergs-Schnadahüpfel" künden von lustigen
Stunden:
Am sechsten August Wird die Schual zuagespirrt. Nachha bin i stante ped Auf'n Kreuzberg marschirt.
Der Weg war mi bekannt, Nit z' korz, nit z'weit. Der Amtsrichter von Forchheim Der Hot mi begleit.
Aber droben am Suntag Gab's Arbeit — wie viel; Auf der Kanzel, im Beichtstuhl Wars a böses Gespiel.
Nachha Ham mer brav ausg'ruht, Ham schlafen, Ham gessen, Auf d' Nacht bis Zwölfi Beim Klosterbier gesessen.
Aba nit stumm und nit stadt, Na flott Ham mer g'sungen, Quartett bald, bald Solo, Gar fei hats geklungen.
Vom Taunus- und Rhönklub Worn Leut'l dabei, Kaplan, Patres, Fratres, Professoren worns zwei.
A Amtsrichter, a dicker, A Offizial mit der Frau, A Student und mehr Andre, A kenns nimme genau.
Und andern Tags — au weh! — Da mußt me von 'nand;
Behüt di Gott! Gute Reise!
Gebt euch no mal die Hand!
Dem Kloster „Vergelts Gott!" Dem Pförtner a Geld, Nachha gehts wieder weiter In die große, weite Welt.
8. August 1881.
Bitter ist die Abschiedsstunde; schwer ist's, sich zu trennen von diesem weltentlegenen, friedlichen Plätzchen. Es ward geschrieben:
's is mi trauri z' Muat, Ganz betrübt is mei Sinn, Wo mir's gefallen gar guat. Komm i lang nit mehr hin.
I wollt' scho nix weiter, Als daß i kennt flieg'n, Oder daß holt der Kreuzberg Bei Würzburg thät lieg'n!
I kann nix mehr singen, Mei Herz thüt mir z' weh. Kein Lied will gelingen, Weil vom Kreuzberg i geh!
16. September 1873.
De« Zug verpaßt.
Herr und Frau Berger kamen gerade zur rechten Zeit an, um den Zug vor ihrer Nase abfahren zu sehen. Mit Aerger im Herzen und einem gepreßten Lächeln auf den Lippen schauten sie ihm nach. Ihr erster Impuls war, hinterher zu rennen; da aber der Zug nunmehr bereits außer Sicht war, gaben sie diese Idee auf und riefen dem Kutscher zu, nach Hause zu fahren.
Nach einer Weile brach Herr Berger das ominöse Stillschweigen mit den Worten: „Das kommt davon, wenn man auf die Frau warten muß; sie wird nie zur rechten Zeit fertig."
„Ich war lange fertig, mein Freund," erwiderte seine Frau.
„So so," fuhr Herr Berger ungeduldig auf, „nun höre einer diesen Unsinn an|! Saß ich nicht mindestens 10 Minuten in der Droschke und schrie mir die Kehle heiser nach Dir? Die ganze Nachbarschaft wurde aufrührerisch!"
„Sicherlich, mein Lieber," entgegnete Frau Berger mit jener merkwürdigen Ruhe, welche nur . eine Frau zur Schau zu tragen versteht, „und jedes Mal, wenn ich einsteigen wollte, schicktest Du mich zurück, um was zu holen, das Du vergeflen hattest."
Herr Berger stöhnte.
„Das ist nicht zu ertragen!" schrie er. „Wenn ich eine Reise nach Amerika machen wollte, dann käme ich eben nur nach Haufe, packle die Reisetasche, zöge ein reines Oberhemd an, und dann machte ich, daß ich fortkäme, während ihr Weiber ungefähr ein halbes Jahr gebraucht, um zum Entschlüsse zu kommen, ein zweites halbes, um mit Eurem Krame und Euren Packereien fertig zu werden, und noch ein halbes.
Kreuzberg, heil'ger Ort! Jetzt an des Weilens Ziele Stegeft du im Innern mir schmerzliche Gefühle, Erzeugest süße Wehmuth, nicht weiß ich, was ich soll; f invergeßlich bleiben mir die frohen Stunden, eit des Lebens hab' ich Schön'res nicht empfunden.
Aerg der Freude und des Friedens, lebe wohl! Ewig wird dir die stille Sehnsuchtsthräne weihen, Stecht mit Wonneluft sich der Erinnerung freuen glückselig dein Verehrer aus Tirol.
26. September 1856. ♦ * ♦
Ach wie bang die Stunde! Bitter scheidet das Gemüth! Ach, wie klingt so traurig Meines Abschieds letztes Lied. Thaubeglänzt das Auge, Und das Herz ist voller Bangen; Ach kein bleibend Glück ist Auf der Erde zu erlangen.
Lebet wohl! Auf Wiederseh'n!
Lebet wohl! Ich muß jetzt geh'n!
is. Februar 1880.
Wildes Leben, frohes Treiben Reißt den Jüngling schnell dahin; Nirgends blüht ihm stilles Bleiben, Unstät ist sein junger Sinn.
Sei's in Freuden, sei's in Schmerzen, Bleibst du doch im Sturm der Zeit Unvergeßlich meinem Herzen, Trautes Kloster, Gott geweiht.
21. September 1855.
Ich habe Wanderer gekannt, die nur Stunden oben rasten wollten; doch aus den Stunden wurden Tage, und aus den Tagen wurden Wochen. Es heißt im Fremdenbuch:
Weil Mönche, Bier und Aussicht gut. Bin ich halt hier geblieben, Hab' in des Klosters Einsamkeit ' 'ne Recension geschrieben.
6. Oktober 1891.
Wozu soll ich dichten, und lange Verse schreiben? Alljährlich vielmal kommen und ganze Wochen bleiben. Ist das nicht der Beweis, daß es auf dieser Welt Auf Kreuzbergs Höh'n am besten mir gefällt?
JO. September 1872.
Ade, lieb Klösterlein, Liebwerthe Brüder mein, Franzisci Söhne, so gut; Wie weh mir der Abschied thut, Ich muß heimwärts wieder jetzt geh'n, Ade! Auf Wiederseh'n!
* t 28. Juli 1892.
Von diesem heil'gen Berge Schau ich hinab ins Thal Und denke, Gottes Güte Seh' ich ja überall.
Wenn Gott will, gibts noch Zeiten, Kehr' ich zu dir zurück. Mög' so lange begleiten, Mich Wanderer das Glück!
t , 25‘ Juli 1880.
Alljährlich, wenn der Kuckuck schreit. Pack' ich mein Bündelein;
Dann geht mit frohem Sang und Klang Es fort durch Flur und Hain.
Ich suche nun in jedem Jahr Auf meinem Pfad mein Glück; Doch zieht michs mit Magnetsgewalt An einen Ort zurück.
Der liebe Kreuzberg ist der Ort, Den schätze ich so hoch;
Wenn ich auch einen Umweg mach'. Zum Kreuzberg komm' ich doch.
, , , 22- Juli 1884.
Wenn sorgen- und mühvoll Ein Jahr überstanden. Dann nehm' ich frisch-fröhlich Den Stab fest zu Händen, Zu schweifen, zu streifen Durch fränkische Gauen, Vom Berge das Zeichen, Das heil'ge zu schauen, — Im gastlichen Kloster Mich wieder zu laben Und dankbaren Sinnes Dann weiter zu traben, Doch vorerst ein Sprüchlein Jn's Buch hier zu schreiben. Erhoffend und wünschend, Gut Freund hier zu bleiben!
17. September 1883.
Drum ist's beim auch natürlich, wenn der Abschiedsgruß ost lautet: „Auf Wiederseh'n!" Man liest:
Du gastlich Kloster auf Berges Höh'n, Behüt dich Gott! Auf Wiederseh'n!
11. August 1891.
Ei, wie sie mich plagen. Ich sollt es wagen Ein Berschen zu schreiben! Nein, das laß ich bleiben. Ich fchreibe nur: Auf Wiederseh'n, Du prächt'ger Kreuzberg in der Rhön!
27. JUN 1891.
Ade, du Perle der Rhön, Mit deinen waldigen Höh'n, - Mit deiner heilspendenden Luft, Gewürzt von balsamischem Duft; Ich muß von hinnen nun geh'n, Ade! Auf Wiederseh'n!
um abzureisen, und dann verpaßt ihr zu guterletzt noch den Zug."
Das Ende vom Liede war, daß die Bergers ihre Besuchsreise auf die nächste Woche verschoben. Um aber diesmal fgnz sicher zu gehen, machten sie miteinander aus, daß jedes eine eigenen Vorkehrungen treffen und keines sich um das andere kümmern solle, der — respektive die — Saumselige müsse die Folgen tragen. — Gesagt, gethan! — Der Tag der Abreise kam heran, und Herr Berger, der nur einen Sprung nach dem Geschäfte gemacht hatte, kam um halb zehn Uhr wieder nach Haufe, der Zug ging um halb elf Uhr.
„Jetzt los," rief er, „nur eine Stunde Zeit, tummele Dich, Frau, sonst bleibst Du sitzen."
Und sie tummelten sich um die Wette.
Herr Berger jagte durch dieses Zimmer und stürzte durch jenes, riß mit affenartiger Geschwindigkeit alle Schränke und Kommodekäften auf und lachte sich in's Fäustchen, als er daran dachte, welch ein langes Gesicht seine Frau machen würde, wenn er allein abrutschte.
Bergers bewohnten ein hübsches einstöckiges Häuschen vor dem Thore ganz allein.
Um Zeit zu sparen, zog sich Herr Berger die Stiefel gleich oben an der Treppe aus, die ins Parterre führte. Aus demselben Grunde zog er den Rock aus, während er durchs Speisezimmer rannte und hing ihn an einen Hacken in die Ecke. Dann riß er sich die Weste ab und hing sie im Vorzimmer auf, und als er im Schlafzimmer ankam, hatte er auch sein Oberhemd fortgeworfen, um ein neues anzulegen.
Er zog einen Kommodekäften auf und fing an, in den Sachen herum zu wühlen, wie ein Affenpinfcher, der Jagd auf eine Ratte macht. „Pauline," schrie er, „wo sind meine reinen Unterhemden?" „In Deinem Kasten," erwiderte seine Frau ruhig, während sie vor dem großen Stehspiegel ihre
Bevor das Jahr, das flüchtige, endet. Hab' die Schritte nochmal dorthin gewendet. Wohin ich alljährlich zu pilgern gelobet; Ob Sturm und Wetter auch drohet und tobet, Ob Schnee und Eis die Kuppen umfäumen — Es zog mich hinauf zu den gastlichen Räumen. Doch kurz war die Frist, drum eil' ich zu Ende, Lebt wohl! Viel Glück zur Jahreswende!
* 30. November 1887.
Der Hospizcharakter hat dem Kloster bas Recht erhalten, sein Bier selber brauen zu bürfen; einem on Zit zufolge, ist es bas einzige Kloster in Deutsch- lanb, bas noch brauen darf und braut. Und was für ein Bräu ist es!
Dös is a Bierle, Dös läuft wie am Schnürle!
September 1888.
Gesichtslöckchen arrangirte. „Aber ich sehe sie ja nicht!" sagte Berger ein wenig ungeduldig, „ich habe den ganzen Kasten umgekehrt, es ist nicht ein einziges Stück drin, das mir gehört."
Frau Berger trat ein paar Schritte vom Spiegel zurück, um zu sehen, wie sich die Löckchen aus der Entfernung machten, und nachdem sie sich überzeugt hatte, daß sie ihre Schuldigkeit thun würden, sagte sie: „Natürlich! Das ist ja mein Kasten. Du weißt ja, daß mir gestern Deine Kommode da drüben hingestellt haben."
„Ich sehe nicht ein," sagte Herr Berger mürrisch, warum Du meine Sachen nicht herauslegen konntest. Du hattest den ganzen lieben, langen Morgen nichts zu thun!"
„Weil niemand meine Sachen für mich herauslegte," replicirte Frau Berger, während sie in der größten Kalt- blüthigkeit forffuhr, ein Kleidungsstück nach dem anderen anzuziehen, „tummle Dich Mann, sonst bleibst Du sitzen!"
Herr Berger fuhr in sein Oberhemd hinein wie ein Stier, der ein rothes Tuch sieht. „Zum Kuckuck — an dem Hemd ist kein Knopf!" schrie er plötzlich. „Du hast die verkehrte Seite an," sagte Frau Berger mit holdem Lächeln, während sie ihr Kleid betrachtete und ein Dutzend Stecknadeln ins innere Taillenfutten steckte.
Als Herr Berger wieder aus dem Oberhemd herausfuhr, fing er an zu schwitzen. Dreimal ließ er das unglückliche Hemd fallen, ehe er es ankriegte, und als er schließlich mit dem Kopfe zum Halsloche herausfuhr, schlug es 10 Uhr.
„Wo ist meine Busennadel?" schrie er.
Frau Berger holte sich gerade aus dem nächsten Zimmer ihren Hut und ihre Handschuhe. Als sie zurückkam, sah sie, wie ihr Mann jeden'Kasten aufzog und ausschüttete.
„In dem Oberhemd, das Du eben au-gezozen hast," sagte sie, sich den Hut aussetzend.