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JF 207 Freitag, den 10. September 1897 21. Jahrgang

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mit Unterhaltnngs-Krttagr „Stern» »«d Klumen"._______________

12. März 1880.

kannte, sie gar nicht alle befolgen könne, ja daß der Lokomotivführer sich sicher durch irgend einen Verstoß gegen die Vorschriften schon strafbar gemacht habe, wenn er die Maschine besteige. Im umge­kehrten Verhältniß zu der Menge der Vorschriften steht die Zahl der Beamten. Man erinnert sich aus früheren Jahren zahlreicher Prozesse gegen Be­amte, die durch ein Versehen oder eine Nachlässigkeit irgend ein Unglück verschuldet hatten. Regelmäßig fast ergab sich, daß von überlangem Dienst sie ermüdet gewesen waren. Inzwischen ist das große Sparsamkeitssystem eingerissen, das mit vielen „über­flüssigen" Beamten ausräumte. Herr Thielen rühmt alljährlich, daß er pro 100 Kilometer wieder so und so viel Beamte weniger brauche. Je geringer die Zahl der Beamten ist, um so stärker muß natürlich ihre Arbeitskraft ausgenützt werden, um so schlimmer wird es auch um die „genaueste und peinlichste Be­achtung der Vorschriften" bestell: sein.

Nach der Verfügung des Ministers soll nur solches Personal im äußeren Dienste beschäftigt werden, das die Vorschriften nicht nur kennt, sondern auch versteht und anzuwenden weiß. Unter der Hand der Eisenbahndirektion Berlin — und wohl auch anderer — ist daraus bereits die Auflorderung geworden, alle Beamten und Arbeiter, welchen die erforderliche Umsicht und Gewissenhaftigkeit mangelt, oder die durch ihre Lebensweise zur Weiter­beschäftigung im Betriebsdienste untauglich erscheinen, namhaft zu machen, damit sie aus diesem Dienste ent­fernt oder anderweitig, ihrer Leistungsfähigkeit ent­sprechend, beschäftigt werden können. Mit anderen Worten: infolge der Eisenbahnunfälle wird eine An­zahl der jetzt beschäftigten Arbeiter und Beamten entlassen oder aus schlechter bezahlte Posten versetzt werden. Gewiß soll die Eisenbahnverwaltung dafür sorgen, daß nur brauchbares Personal be­schäftigt wird, aber das brauchbarste Personal ver­bürgt die Sicherheit des Betriebes nicht, wenn es zu gering an Zahl und überlastet ist, und zwar kann diese Ueberlastung nicht bloß in der zu langen Zeit der Beschäftigung, sondern auch in dem Zuviel der einem Einzelnen überwiesenen Funktionen liegen. Wenn ein Beamter in kritischen Augenblicken drei, vier oder fünf Obliegenheiten zugleich wahrzunehmen hat, so ereignet sich begreiflicher Weise gar zu leicht, ein Versehen und ein Unglück. Damit soll nicht gesagt sein, daß die Beamten gar keine Schuld treffe. Im Gegen- theil, es ist Thatsache, daß mancher durch lange Thätigkeit auf seinem verantwortungsvollen und gefährlichen Posten leichtsinnig und verwegen wird. Auch im Trunk leistet mancher viel und gefährdet damit die Sicherheit des Betriebes in der gewissen­losesten Weise. Daß gegen solche Leute energisch ein­geschritten werden muß, versteht sich von selbst. _

Der Versuch indeß, die ganze Schuld auf das untere Personal und seine mangelhafte Beobachtung

Der Wind nur in der Ferne Rauscht durch die Wipfel sacht, Und drüber leuchten die Sterne Und halten treue Wacht.

Deutsches

Berlin, 9. September.

* Soweit bis jetzt bestimmt ist, trifft der Kaiser am 23. September, von Schlesien kommend, zu vier­zehntägigem Jagdaufenthalt auf feinem Jagdschlösse Rominten ein. Die Vorbereitungen dazu werden dort bereits getroffen.

* Auf Befehl des Kaisers werden u. a. ver­legt ; Die 4. Abtheilung 2. Westfälischen Feldartillerie­regiments Nr. 22 'vom Lagertruppenübungsplatz Wesel nach Minden am 21. d. Mts., die 2. Ab­theilung des Feldartillerieregiments v. Holtzendorff (1. Rheinisches) Nr. 8 von Jülich nach Saarlouis am 25. d. M.

* Keine KanzlerKriKs? Wie die ,Nordd. Allg. Ztg/ hört, gedenkt der Reichskanzler Fürst zuHohen- lohe sich nach der Abreise des Königs von Italien von Homburg, wie alljährlich, zu einem kurzen Aufent­halt nach Süddeutschland, und zwar nach Baden- Baden, zu begeben und von dort nach Berlin zurück­zukehren, sobald die Geschäftslage seine persönliche Anwesenheit Hierselbst erfordert. Danach scheint Fürst Hohenlohe also wirklich noch im Amte bleiben zu sollen. Aber wie lange? Die,Berl. Börsenztg/ will aller­dings „aus absolut sicherer Quelle" erfahren haben, daß die Angelegenheit der Militär-Strafprozeßreform in ein neues und befriedigendes Stadium getreten sei. Die persönliche Aussprache des Kaisers mit dem Prinz­regenten habe zu einer vollständigen Beilegung des Konfliktes wegen des obersten Gerichtshofes geführt. Selbst wenn diese Zeitungsmeldung richtig ist, so war

der Vorschriften abzuwälzen, wird im Abgeordneten­hause, wo die Sache ohne Zweifel zur Sprache kommt, hoffentlich kein Glück haben. In dem ganzen, von Herrn v. Miquel erzwungenem System, das nur die Ueberschüsse im Auge hat, muß der Schuldige ge­sucht werden. Man wird auch nicht bloß sagen dürfen: Ist Personal genug da? sondern auch: Wie steht es mit dem Material, den Schienen, Schwellen, Bahndämmen usw.? Wird da nicht zuviel gespart? Das Unglück bei Celle, das man gern auf ein Ver­brechen zurückgeführt hätte, soll ja auf eine Schiene zurückzuführen sein, die zwei alte Brüche hatte. Wie steht es sodann mit der Beaufsichtigung des ganzen Betriebes und des ganzen Eisenbahnwesens? Hätte bei hinreichender Aufsicht und Kontrole die zweimal gebrochene Schiene z. B. nicht längst entdeckt werden müssen. In Bayern und Oesterreich sind in letzter Zeit zwar ebenfalls viele Eisenbahnunfälle vor­gekommen, an denen das auf den preußischen Bahnen herrschende System allerdings nicht schuld sein kann. Ob dort ein gleiches System herrscht, mögen diejenigen untersuchen, die es angeht; jedenfalls ist es für unsere Eisenbahnverwaltung keine Entschuldigung,wenn andere nicht besser sein sollten.

Sei mit dir allerwegen. Du Kreuzbergskloster du; Er schenk' dir seinen Segen Und seines Friedens Ruh'.

H Die Verantwortung für die Eijen- bahnunsälle

wird, wie herkömmlich, auf irgend einem untergeord­neten Beamten sitzen bleiben, falls die „Unterfuchung überhaupt einen „Schuldigen" ergibt, was bet den Unfällen der letzten Zeit wohl nicht immer eintreten dürfte. Der schon gestern an dieser Stelle besprochene aus dem Reichseisenbahnamte stammende offiziöse Ar- likel hat zwar sehr deutlich auf das „System" der Sparsamkeit als den wirklich Schuldigen hmge- wiesen, aber die Sparsamkeit und ihre Ueberschüsse sind ja gerade unser Stolz; auf sie werden wir doch nichts kommen lassen! Als das Verstaatlichen begann, schloß jede Rede vom Ministertische mit der patheti­schen Versicherung: „DieEisenbahnen sind nicht des Fiskus und des Geldgewinnes wegen da, sondern des Verkehrs und des Publikums wegen." Stürmischer Beisall war dann immer die Folge. Minister Thielen weiß heute auch Beisall zu erzielen, aber nicht mit solchen schönen Worten, son­dern mit baar Geld. Der Höhepunkt seiner Reden zur Einleitung der Debatten über den Eisenbahnetat bildet immer die Mittheilung: „Wir haben schon eine halbe Million Ueberschüsse erzielt, das Verhältniß z-oischen Betriebsausgaben und Betriebseinnahmen hat sich zu Gunsten der letztem in diesem Jahre wieder um so und so viel Prozent verbessert." Daneben wird dann ja auch versichert, daß man die erforderliche Vermehrung der Betriebsmittel u. s. w. nicht vernach­lässigt habe; aber sein wahres Behagen hat der Redner nur da, wo er erzählen kann, wie sparsam man ge­wesen sei und wie schöne Erfolge man damit erzielt babe. Es kommen hinterher freilich die Abgeordneten und haben noch allerlei Wünsche und Beschwerden, aber das macht dem Minister keine Sorge; weiß er doch, daß er mit seinen Ueberschüssen nicht allein das Wohlwollen seines Kollegen v. Miquel, sondem auch die Mehrheit der Volksvertretung erworben hat.

Getreu seinem fiskalischen Standpunkte hat er denn auch angesichts der Eisenbahnunfälle — wenig­stens soviel bekannt geworden ist — nicht untersuchen lassen, ob nicht etwa das „Sparen" an Material, Personal u. s. w. Schuld tragen können, sondern er erließ eine Verfügung, worin er den Beamten „die genaueste und peinlichste Beachtung" der bestehenden Vorschriften einschärft, denn die Nichtbeachtung dieser „Vorschriften" soll, „soweit hat festgestellt werden können", meistentheils die Un­fälle verschuldet haben. Die „Vorschriften" sind ohne Zweifel sehr genau und gründlich aufgestellt, so daß bei ihrer Befolgung gar kein Unglück vorkommen könnte, wenn es nicht auch Ursachen gäbe, die in den „Vorschriften" nicht berücksichtigt sind. Warum denn aber mögen die Vorschriften nicht immer beachtet werden? Sachverständige behaupten, es gebe ihrer so viele, daß ein Beamter, selbst wenn er sie alle

** Ans -rn FkembklMchrrn der Wa.

Von Fr. Henze.

19 ------ (Nachdruck verboten.)

An Frater Eustachius.

Als fröhlicher Sänger und Wanderpoet Besang ich dein gastlich Haus;

Das Lied ist verklungen, und abermals geht Mein Stab in die Weite hinaus.

Was einstmal ich fand als müder Mann In deiner Klause, die Ruh', Sie nahm mich auch wieder in ihren Bann, Deckt Kummer und Sorgen mir zu. ,

Auf deinem Berg, mit dem Kreuze gekrönt, Erscheint mir das eigene klein;

Mit jeglichem Ding, mit den Menschen versöhnt. Geht dein Gast in die Thale hinein.

Und wenn das Herz ihm wieder schwer.

Des Lebens Ernst es drückt.

Dann nimmt den Wanderstab er her. Zu des Kreuzbergs Höh'n er blickt;

Dort findet er Frieden, der im Thale ihm fern.

- Und kehrt er zurück in's ferne Land, Dann denket der freundlichen Brüder gern Ein deutscher Protestant.

1. August 1892.

Es sinkt mit schwarzer Hülle Die Nacht in weiter Rund'; Es liegt das Kloster so stille In trauter Abendstund'.

Ich hab' über Berge und Bäume Hinab zu Thal geschaut;

Jetzt locken mich deine Räume, Mein Kloster still und traut.

Dort will ich mich niederlegen Zu stiller, süßer Ruh', Und morgen auf steilen Wegen Zieh' ich der Heimath zu.

Unser Leben ist ein Wallen, Ein Wallen ohn' Rast und Ruh'; Dein Loos ist besser gefallen. Du stilles Kloster du.

Und muß ich wallen und wandern Unstät von Ort zu Ort, Ich nehme von einem zum andern Dein Bild im Herzen mit fort.

Wohl könnt' ich vergessen in Jahren Des Blicks über Thäler und Höh'n; Doch was ich an Liebe erfahren, Das bleibet int Herzen besteh'n.

Und wenn auf meinen Wegen Ich ziehe morgen zu Thal, Ich wünsch' dir reichen Segen Und süßen Frieden zumal.

Er, der am Kreuzesstamme Sein Gnadenwerk vollbracht. Er, dessen Liebesflamme Uns sündenrein gemacht,

Zahlreiche Gedichte künden den Dank der Gäste, wünschen Segen dem Kloster und den gastlichen Mönchen. So ward geschrieben: ____u

Mache nicht viel Federlesen,

Schreibe kurz in dieses Buch, Nun zwei Tag ich da gewesen. Dankerfüllt hier meinen Spruch:

Lob fei Gott in diesen Hallen, Friede seinen Dienern hier; Allen, die zum Kloster wallen, Trost und Labung so wie mir.

29. JUN.189S.

* * * *

Für traut hospitalitas.

10. Juli 1857.

Ein munteres trifolium War hier in schönstem gaudium Und sagt ein frohes gratias

Der Sonne, die uns heut' gelacht, Dem Wind, der frisch uns angefacht, Des Waldes duft'ger Maienpracht, Der Rhön, die Kraft und Frohsinn macht, Dem Kreuzberg, Frankens hoher Wacht, Euch Brüdern, die ihr Tag und Nacht Auf's Wohl der Fremden seid bedacht: Sei allen dreifach Hoch gebracht!

2o. Mai looo-