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JS 204
Dienstag, den 7. September 1897
LL Jahrgang
FuldiikrMZkitiiiig
_________________mit Untechaltnngs-Keilagr „Kternr und Klumeu".
Erscheint »glich Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Vierteljährlicher «bonnementsvreiS ohne Brinqerlohn und BeSellaeld in un»> i
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+ Die Katholikenversammlung in Landshut
i der üblichen Kritik in der gegnerischen Presse nicht etgangen. Wir haben nicht erwartet, daß sie wohl- wllend und lobend sein werde. Wir sind viel zu rrhaßt und unbequem, als daß man bei uns ohne ioth etwas Gutes erwarten könnte. Wenn gleichwohl ^itungskorrespondenten, die ihren Eindruck aus uniittelbarer Anschauung gewonnen haben, neben ab- slliger Kritik auch einige Worte der Anerkennung für le Versammlung gefunden haben, so ist das ein pichen, daß es ganz besonders gut in Landshut ge- gngen ist. Den Vorwurf, es seien nur „alte Ge- sjichten" vorgebracht worden, es sei immer dasselbe, nlssen wir mit Ergebung hinnehmen. Er wiederholt sh alle Jahre, mögen wir auch noch so oft erklären: nr kommen nicht zusammen, um lauter bis dahin unhörte Dinge vorzutragen und zu beschließen. Snderbar ist angesichts eines solchen Vorwurfs nur, dq die Katholikenversammlungen von Jahr zu Jahr beden Gegnern mehr Aufmerksamkeit erregen. Blätter, di vor zehn Jahren noch die Versammlungen igno- ri en, lassen sich jetzt schon lange telegraphische Beritte darüber schicken, um nicht von der Centrums- prsse überflügelt zu werden. Warum soviel Unkosten fü „alte Geschichten" ? Uebrigens ist der Vorwurf ga nicht begründet; wir glauben vielmehr, daß auch mache unserer Gegner aus den Reden der Herren G>ber, P. Auracher, Dr. Schädler u. s. w. manches erjhren haben, was sie bisher noch nicht gehört hatten.
Die „Neuigkeit", auf die man so begierig zu sein schnt, und die man immer noch nicht hat melden kosen, ist der „Krach", das Ausbrechen von Streitigkern auf den Generalversammlungen. Vielleicht schrkt man ihnen gerade deshalb ein wachsendes Jn- teree, weil man diesen „Krach" so sehnsüchtig erwart. Sonderbar, daß man sich durch alle Ent- täuhungen von einem Jahre zum anderen noch nicht hatielehren lassen? Diesmal setzte man seine Hoff- nunen auf die Agrarfrage. Hat man dasselbe aber nich schon in Dortmund, Köln usw. gethan? Man mei: nun, der Zwiespalt sei diesmal nur verkleistert worrn, taktisch, nicht faktisch sei die Opposition vom Geie des Landwirthbundes überwunden worden. Wickönnen ja nicht leugnen, daß es in Bayern einen demCentrum feindlich gesinnten Bauernbund gibt und n Preußen sich auch in katholischen Kreisen Strö- mumn im Sinne des Bundes der Landwirthe be- merdr machen. Der Bauernbund ist eine Sache für sich; r ist nicht aus Centrumskreisen hervorgegangen, sondn alte Feinde des Centrums haben ihn in's Lebeigerufen und agitiren mit Mitteln, die überhaupt nicht sehr als katholisch gelten können. Die Macher dieseiBewegung gehören auch keiner Katholikenver- sammng an, was sie ja auch dadurch anerkannt Haber daß sie der Versammlung fernblieben, wiewohl
diese mitten im Lande der Bauernbündelei tagte. Was andere „agrarische" Stimmungen angeht, so zeigt die Einmüthlgkeit der Landshuter Versammlung, daß sie in ihrer Bedeutung von den Gegnern stark überschätzt worden sind. Wie wenig die Gegner die Dinge kennen, zeigen ja auch drastisch die an die Versammlung katholischer Edelleute in Landshut geknüpften Hoffnungen. Man erwartete ein Aufeinanderstoßen der Aristokratie und Demokratie und dabei war die Versammlung der Edelleute so harmlos als möglich gemeint. Um nun aber doch einigen Trost zu haben, legt die ,Kreuzztg/ die Resolution in der Agrarfrage dahin aus, daß auch der Bund der Landwirthe empfohlen worden sei. Er sei ja ebenfalls einer der Bauernvereine auf christlicher Grundlage, deren Gründung und Erweiterung die G.-V. dringend wünsche. Wir glauben nicht, daß man mit solchen Scherzen bei katholischen Landwirthen großen Erfolg haben wird. Kein Mensch hat bei der Resolution an den Bund der Landwirthe gedacht; selbst Frhr. v. Ktteler- Harkotten wird die Resolution nicht dahin inter- pretiren wollen. Es ist nur gedacht an die Bauernvereine, deren Ziel es ist, praktisch etwas für die Landwirthe zu leisten, nicht an Organisationen, denen das Agitiren und das Aufstellen möglichst extremer Forderungen die Hauptsache ist. Am Ende könnte sonst wohl nicht nur der Bund der Landwirthe, sondern auch der bayerische Bauernbund den Anspruch erheben, er sei in Landshut empfohlen worden. Die katholischen Bauern wissen schon, was gemeint ist, und die Herren v. Plötz und Dr. Hahn oder gar Dr. Sigl, Gösch und Wieland werden mit der Resolution nicht hadern können.
Auffallend wäre es, wenn der orthodoxe,Reichsbote' nicht durch die Katholikenversammlung in große Aufregung versetzt worden wäre. Er sieht wieder einmal den Protestantismus in Gefahr und ruft zur Abwehr. Das ganze Register seiner Kampfesmusik gegen den Ultramontanismus und das Centrum wird dabei wieder einmal gezogen. Das Einzelne kannte man ja; es ist unnütz, sich darauf einzulassen. Solche Leute müssen austoben. Das Blatt klagt selbst über die Gleichgiltigkeit, mit der man seine Warnrufe aufnimmt und liefert damit den besten Beweis, daß es Gespenster sieht. Vernünftige Protestanten sehen es angesichts der Thatsache aber als kindisch an, daß der Protestantismus in Gefahr sei und bleiben darum gegenüber dem Zetergeschrei gleichgiltig.
Viel beachtet wird in der gegnerischen Presse auch die Rede des Frhrn. v. H ert li n g über „Katholizismus und Wissenschaft". Daß sie die Gegner überzeugen werde, haben wir nicht angenommen. Sie bleiben dabei, daß wir keine wahre Wissenschaft haben und wenigstens in den reinen Geisteswissenschaften durch den Glauben an freiem Erforschen der Wahrheit verhindert sind. Eigenthümlich ist es, wenn auch orthodox-protestantische Blätter in solche Behauptungen
einstimmen, gerade als ob für sie die Glaubenswahrheiten keine Schranke bildeten, an der sie nicht rütteln lassen wollten. Im Uebrigen kommt es uns nicht darauf an, was die Gegner über die kathol. Wissenschaft denken. Die Hauptsache ist, daß die Katholiken den Vorsprung, den die Protestanten numerisch in der Wissenschaft haben, mit aller Energie einzuholen suchen. Hierzu anzutreiben war der eigentliche Zweck der über das Thema in Landshut gehaltenen Reden und wir hoffen, daß sie nicht umsonst gehalten worden sind.
Wollten wir auf all die schiefen und falschen Behauptungen über die Katholikenversammlung, die wir in der gegnerischen Presse finden, im Einzelnen eingehen, so würden wir einige Centner Druckerschwärze verschwenden müssen und es würde doch nichts nützen. Genug, wir sind mit der Katholikenversammlung sehr zufrieden, trotz Allem, was sie daran mangelhaft und verfehlt finden, sind unsere Gegner mit ihm unzufrieden, — also werden wir wohl im Rechte sein.
Deutsches Keich»
Berlin, 6. September.
■ O Zwischen dem Kaiser und dem König von Italien sind am Sonnabend in Homburg Irirrk- sprüche gewechselt worden, welche Zeugniß dafür ablegen, daß die Beziehungen zwischen Deutschland- Oesterreich einerseits und Italien anderseits nach wie vor gute sind. Kaiser Wilhelm begrüßte König Humbert als innigen Freund seines Großvaters, als den treuen Verbündeten, dessen Erscheinen in Homburg der Welt zeige, „daß unerschütterlich und fest das Band des Dreibundes dastehe, der im Interesse des Friedens gegründet sei, und je mehr und je länger, desto fester und inniger in dem Bewußtsein der Völker Wurzeln schlagen und Früchte tragen werde." König Humbert schätzte sich in seinem Trinkspruch glücklich, durch die Einladung Gelegenheit zu haben, dem Kaiser laut seine Gefühle auszudrücken und von neuem Zeugniß abzulegen für die zwischen den beiderseitigen Regierungen und Staaten bestehenden Beziehungen herzlicher Freundschaft und Allianz. Der Kaiser habe, sich eine edle Aufgabe gestellt, indem er seine beständigen Anstrengungen der Erhaltung des Friedens in Europa widme. Die Erhaltung des Friedens durch die Einigkeit und den einmüthigen Willen der Regierungen sei auch sein heißester Wunsch. Er werde immer glauben, der Mission seines Landes tteu zu bleiben, wenn er der Vollendung dieses größten und für das Glück der Völker und die Fortschritte der Cioilisation heilsamsten Werks seine loyale Unterstützung leihe. Mit festem Vertrauen in die Zukunft trinke er auf das Wohl des Kaiserpaares.
* Eine Kaöinetsordre weist aus Anlaß der jüngst erfolgten Erhöhung der Bezüge für eine Reihe von Offiziersklassen die Truppenkomandos an, den Offizieren erneut ans Herz zu legen, in ihrer
dnl KrOrMchm der Ws.
, Von Fr. Henze.
1 16 ------ (Nachdruck verboten.)
| . A Fuße des Berges, im Dorfe Haselbach, ent-
I rinnt in Brünnlein der Erde, und eine Tafel kündet
| dem Zauderer: „Im Jahre 686 taufte hier St.
ff Kiliarden ersten Christen im Frankenland." t' ,A der höchsten Höhe des Berges ist das Kreuz
I erricht; Stürme umbrausen es, und Wetter ziehen I drüber hin. Wenn die starken Novemberstürme
| brauss dahinfahren und die Riesen des Waldes
niedersecken, dann wankt und schwankt auch das Kreuz uf dem Kreuzberg. Wenn schwarze Gewitterwolkendräuend heranziehen, wenn die Blitze wie vielschidige Beile herniederzucken, dann steigen Gebete zum Himel: Gott schütze uns und das Kreuz!
Mhtige Strebebalken stützen zwar den Kreuzes- stammzwar ragt des Blitzableiters vergoldete Spitze weit ür den Stamm hinaus, dem Wetter den ver- derbeningenden Funken zu entreißen, aber dennoch mußte st das hohe Kreuz des Wetters Gewalt erliegen. So ward 1822 der Stamm vom Sturm gebrock. Man liest:
- liegen sie, des heil'gen Kreuzes Trümmer,
E in St. Kilians Hand so schön gerieth, stn Klostertod vielleicht ein Schimmer, G Lebensbaum zur Rhöne Trost erblüht.
Doch nein, mit in Gebet verklärtem Munde Verkündet Kilian seinen Franken Gruß, Ermuntert sie zu ewig neuem Bunde, Reicht in Himmels Höh' die Hand zum Kuß. Man eilet fort, ans brennenden Altären Für's Kloster Schutz und Segen zu begehren.
# e 17. Juli 1822.
Das Kreuz, das jetzt die Höhe schmücket, ist 1882 aufgerichtet. Im Fremdenbuchs ward also geschrieben: Bei herrlichstem Wetter und Sonnenschein
Traf heute der neue Kreuzstamm ein;
Im Reviere Schmalwasser ward er gefällt. Ein herrlicher Stamm, der jedem gefällt.
Um sieben Uhr morgens begann der Transport Ab Sandberg, halb zwei war er schon am Ort. Ohn' Unfall, ohn' Fährlichkeit ward er vollführt; Dank, tausendfach Dank Gott dafür gebührt.
Sechsunddreißig Ochsen, der Pferde ein Dutzend Sogen den Stamm auf die Höh' und stutzend aben gar viele schaulustige Leute ' Dem seltsamen Zug ein ehrend Geleite.
e e U. April 1882.
Schon seit Jahrhunderten ist der Kreuzberg „der heilige Berg", Wallfahrtsort für die nahe und weite Umgebung, und der herrliche Ausblick lockt die Freunde der Natur schon ebenfalls seit Jahrhunderten.
Fremdenbücher sind im Kloster Kreuzberg allerdings erst ausgelegt seit 1811. Aber im Buche vom * Jahre 1839 liest man:
„Im Jahre 1789 am 11. Juni war Unterzeichneter *) zum ersten Male auf diesem heiligen Berge und freut sich ungemein, dieses heute nach 50 Jahren gesund und munter niederfchreiben zu können."
Er schrieb dann:
Mir brennen dunkel schon des Lebens Kerzen, Mir schlugs dreiviertel auf des Lebens Uhr. Des Alters Bürden weiß ich zu verschmerzen; Ich lebe fort mit altem, deutschen Herzen Und finde Freude nur im Tempel der Natur.
* 11. Jun! 1839.
Heute noch steigen ebenfalls viele Tausende jahraus, jahrein zum Kreuzberg hinan.
Etwas unter dem Gipfel des Berges, rings vom Wald umgeben, ist im Schutze einer Felsenwand das Kloster errichtet. Es heißt im Fremdenbuche:
Wo der heil'ge Berg nach Norden Mählich wieder thalwärts neiget, Auf des Bischofs") Wort ein Bauwerk Mächtig in die Höhe steiget.
Aus dem rauhen Felsgesteine Ragen auf gewalt'ge Mauern, Wohlgefügt, um tausendjähr'gen Zeitenfturm zu überdauern.
Gleich daneben unerschöpflich. Leise murmelnd, klar und Helle
•) $r. Schneider, Fulda.
") Fürstbischof Peter Philipp von Dermbach erlaubte den Franziskanern, aus dem ikreuzberge ein Kloster zu bauen. Der Bau ward 1680 begonnen.