Einzelbild herunterladen
 

202 Samstag, den 4. September 1897. 24. Jahrgang

MdaerMZeitliiig

mit Unterhattungs-Kritagr „Sterne n«v Klumr«".____________________

_ ,, . _ . __ KiertffiährliAer Abonnementsvreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

CxfW ^ko^n^e estWgE rmoudAe Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

44. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands fit Landshut.

VI.

Gleichzeitig mit den Katholikentagen findet nun seit Jahren schon auch immer eine

Derfammkrmg Katholischer Kehrer statt; bilden doch unsere katholischen Lehrer erfahrungs­gemäß einen nicht unerheblichen Theil der Mitglieder unserer Generalversammlungen. Und so war es auch Heuer wieder. Am Mittwoch morgen von 10 Uhr an sah der große Rathhaussaal unsere katholischen Lehrer in seinen Mauern tagen. Der Besuch war äußerst stark, so daß der Saal die Theilnehmer kaum alle fassen konnte. Außer Lehrern wohnten auch zahlreiche Geistliche und Abgeordnete der Versamm­lung bei. Der Vorsitzende des bayerischen Katho­lischen Lehrer-Vereins, Hr. Hab er lein (München), wurde zum Vorsitzenden gewählt. „Die ersten, welche sich gegen die freisinnigen Bestrebungen der freien Lehrer-Vereine wehrten, waren die Männer der rothen Erde unter Führung des Rektors Brück (Bochum). Ihm gebührt unser aller Dank, und ich schlage vor, ihn züm Ehrenvorsitzenden zu ernennen." (Bravo!) Der Herr Erzbischof von München hat ein freund­liches Schreiben an die Versammlung gerichtet; als Vertreter desselben wohnt Herr Domkapitular Stig- loher den Verhandlungen bei. Ferner waren eine Zeit lang anwesend Präsident Bachem und Bürger­meister Marschall. Hr. Rektor Brück (Bochum) dankte für die freundliche Begrüßung, welche die Ver­sammlung ihm und der von ihm vertretenen Sache ertheilte. „Der Ursprung der katholischen Lehrer- Bewegung datirt vom Jahre 1848, aber die Zeit war noch nicht gekommen. Der Verein wurde in den deutschen Staaten verboten; und es schadete nichts, denn er war noch nicht lebensfähig. Es war ver­fehlt, die Vereinigung auf die Lehrerder Hochschulen auszudehnen, denn die Lehrer der Volksschulen haben ganz bestimmte eigene Interessen. Es ist richtig, daß die katholischen Vereine hinsichtlich der Hebung des Standes und der materiellen Interessen be­sondere Ziele verfolgen, und sie haben den Erfolg, daß seit ihrem Bestehen die Befähigung zum ein­jährigen Militärdienste und ein Besoldungsgesetz ge­nehmigt wurde. Aber die Förderung der materiellen Interessen ist nicht ausschlaggebend für den Beitritt zum Lehrer-Verein, das einigende Band sind die christlichen Ideale, welche wie für Unterricht und Erziehung verfechten. (Bravo!) Zwischen diesen Bestrebungen und dem Unterrichts-Systeme der reli­gionslosen Pädagogen gibt es keinen Ausgleich. Warm soll der katholische Lehrer sein, Begeisterung in seinem Herzen tragen für seinen katholischen Glauben. Wollten die Lehrer sich damit begnügen, wenn die freien Vereine nicht gerade das katholische Dogma angreifen, so wäre das eine gefährliche Gleichgiltigkeit, die auch den religiösen Jndifferentismus bei den Schülern erzeugt. (Bravo!) Kämpfen wir mit Christus, dann wird Christus unser Lohn sein." (Lebhaftes Bravo!) Herr Lehrer Falk begrüßte die auswärtigen Kol­legen und Gäste und bringt ein Hoch auf Papst Leo und Kaiser Wilhelm und den Prinz-Regenten aus. Herr Domkapitular Stigloher: „Der kath. Lehrer- Verein hat ein Fundament, das nie wird vernichtet werden können: das vierte Gebot Gottes. Der Katholische Lehrer-Verein ist auch ein Freund des Fortschrittes, aber im Geiste der Religion. Im Namen des Erz- bischofes glaube ich sie auffordern zu sollen, daß sie sich nicht schämen des Namens katholisch, Richten Sie auch. selbst vor dem Unterricht den Älick zum Himmel. Einem betenden Lehrer kann der Erfolg nicht fehlen. (Bravo!) Im Geiste der katholischen Kirche seien Sie Vater und Mutter der Ihnen an­vertrauten Kinder; dann werden diese auch Ihrer stets dankbar und in Liebe gedenken." (Lebhaftes Bravo!) Domkapitular Ludwigs (Regensburg) be­grüßt die Versammlung im Namen seines Bischofes; „Sie haben sich bekannt zur Konfessionsschule, die

allein Ihrer Aufgabe gerecht werden kann; die simultane Schule bleibt die des Jndifferentismus. (Br.!) Wer weiß, was er will, muß aber auch thun, was er kann; allerdings auch geschehen lassen, was man nicht hindern kann. Schwierigkeiten wird es immer geben; die dürfen uns nicht abhalten, unsere ganze Kraft einzusetzen, zu thun, was wir können." (Bravo!) Hr. Lehrer Schmidt führt aus, daß der württem- bergische katholische Lehrer-Verein zum ersten Male auf dem Katholiken-Tage vertreten sei, obschon er 1300 Lehrer zählt und schon 32 Jahre besteht. Das ist erklärlich, da der Verein bisher nur mit inneren Vereins-Angelegenheiten und der Verwaltung seiner Kassen sich befaßte. Neuerdings ist eine einflußreiche Partei bemüht, Staat und Kirche zu trennen; stürmische Angriffe beginnen gegen die konfessionelle Schule, und vor allem setzen sie ein gegen die geistliche Schul­aufsicht, wissend, daß dann bald die Errungenschaften der modernen Pädagogik Einzug halten werden. Demgegenüber ist zu betonen, daß die katholischen Lehrer Württembergs von solchen Neuerungen nichts wissen wollen; sie stehen einmüthig zur katholischen Kirche, wir hoffen, daß auch das schwäbische Volk die geistlische Schulaufsicht nicht fallen lassen wird." Hr. Dr. Hasler, Professor der Moraltheologie, brachte Grüße aus Passau. Grüße sind ferner ein­gelaufen von den Pfälzer Kollegen, von Vereinen aus Sachsen, Tirol, Elsaß, Lothringen, Hildesheim, und Frankfurt a. M. Der Vorsitzende feiert zum Schluß den fei. Petrus Canisius als Vorbild des katholischen Lehrers und widmet demselben eine be­geisternde Huldigung des deutschen katholischen Lehrer­standes, mit dem Gelöbniß, festzuhalten an den katho­lischen Erziehungs-Grundsätzen, bei dem Kampfe gegen den Jrrthum, aber auch nicht zu vergessen die Liebe gegen den Irrenden; er schloß dann die sehr schön verlaufene Versammlung.

♦ * *

Die Festlichkeiten unserer

katholischer» Sludenlenkorporationett nahmen den schönsten Verlauf. Der feierliche Kommers des Kartellverbandes der katholischen deutschen^ Studenten - Verbindungen erfreute sich eines überaus zahlreichen Besuches sowohl der Angehörigen des Verbandes wie der Gäste und Damen. Auch der Präsident und erste Vizepräsident des Katholikentages, Dr. Bachem und Baron v. Aufseß, sowie Dr. Porsch, Reg.-Rath von Aretin, Bürgermeister Marschall und die Grafen Fugger wohnten dem Kommerse bei. Das Präsidium führte Herr cand. hist. Cartels (Markomanma - Würzburg), der in seiner Eröffnungsrede betonte, der Kommers solle einmal wieder laut in die Welt schallen lassen, daß es deutsche Studenten gäbe, die sich nicht scheuen, katholische Stu­denten zu heißen und die sich zum Ziel gesetzt, katho­lische Wissenschaft zu pflegen. Redner fordert zum Salamander auf Papst und Prinzregenten als Stütze des katholischen Glaubens und Förderer der katho­lischen Wissenschaft auf. Abg. Dr. Bachem führte aus, daß gerade die katholischen Studenten das wich­tigste Element bet' Katholikenversammlungen feien. Alle Kräfte müssen wir zusammennehmen, wenn die katholische Wissenschaft dauernd eine Rolle spielen soll in der Geschichte. Vor unserer Thätigkeit im poli­tischen Leben haben unsere Gegner alle Achtung, auch im wissenschaftlichen haben wir schon Erhebliches ge­leistet. Religion, Wissenschaft und Freundschaft pflegen wir alle gemeinsam, es dürfen keine Gegensätze zwischen den Verbänden bestehen. Sorgen Sie, daß unsere katholischen Professoren zahlreiche Schüler haben! — Der Festredner, Herr Studiosus Maas (Saronia- Münster) entwickelte mit jugendlich-frischer Begeisterung die Ziele der katholischen Studentenverbindungen. Nach dem Siebe „Frei ist der Bursch", besten erste Strophe begann: „Stoßt an, Landshut soll leben", entbot Herr Bürgermeister Marschall den Studenten Dank und Gruß der Stadt. Abg. Dr. Porsch erinnerte, daß er vor 25 Jahren als Vertreter des Kartellverbandes auf der Rednertribüne vor dem Katholikentage ge­standen habe. Noch heute trage er die jugendirifche Begeisterung stür die idealen Bestrebungen der katho­lischen Studentenverbindungen in seinem Herzen. Jetzt erregen wir als katholische Studentenkorporationen nicht mehr Anstoß, jetzt sind wir in einer neuen Phase,

daß man sagt: wenn wir nur dasselbe leisteten wie die anderen! Wir werden eben schlechter be­handelt wie die andern; die Schwächen, die jedem anhasten, hebt man hervor, aber was wir wirk­lich leisten, wird verschwiegen. Auf alle Fälle wollen wir zeigen, daß wir noch mehr leisten können. Ich hoffe, daß in diesem Konkurrenzkämpfe katholischer Studentenschaft auch unser Kartellverband seinen Mann stellen wird.

Der Festkommers der katholischen Stud en ten- vereine Deutschlands hatte schon am Abend vorher stattgefunden. Derselbe konnte erst gegen 61/» Uhr eröffnet werden, da sich die erste öffentl. Ver­sammlung etwas lang ausgedehnt hatte. Die Galerie zierte eine stattliche Damenschaar. Das Präsidium führte Herr stud. math. O. Pöllinger (Albertia). Besonderen Dank zollte er in der Begrüßungsrede dem anwesenden Fürsten Löwenstein. Die Festrede über die Bedeutung der katholischen Studentenvereine hielt Herr Kaplan Scherer (Regensburg). Wir sollen uns redlich bemühen, bas uns gesteckte Ziel zu erreichen. Inzwischen war Herr Dr. Bachem eingetreten unb richtete an bie Studenten eine herzliche Ansprache. „Gegenüber den noch bestehenden Vorur- theilen müssen wir den Beweis liefern, daß es keine treuem, fleißigem, bessern Beamten auf allen Gebieten gibt, als die aus den kathol. Studentenkorporationen hervorgegangenen. Auch unsere hervorragenden Ge­lehrten dürfen keine „weißen Raben" bleiben. Unser Ziel muß sein die Eroberung der gebildeten Welt für ben Katholizismus." Bürgermeister Marschall bankte dem Verbände für den Besuch der Stadt Landshut. Herr Gymnasiallehrer Pöllinger (Ottonia) feierte den hl. Vater als das Muster wiffenschaftl. Strebens. Ihm und den deutschen Kirchensürsten galt fein Hoch. Herr Abg. Dr. Orter er: Er sei von der Aktivitas berufen, auf die weltliche Obrigkeit zu sprechen. Anknüpfend an die Anhänglichkeit Landshuts an das Wittelsbacher Haus bringt Redner ein begeistertes Hoch auf den Prinzregenten und den Kaiser Wilhelm aus. Reichstags-Abg. Karl Trimborn: „Ich bin berufen, das Lob Landshuts zu fingen. Wäre hier noch eine Universität, ich würde hierher eilen, um endlich — es ist die höchste Zeit — das Bürgerliche Gesetzbuch eifrig zu ftubiren. Ja, die bayerische!Ge- müthlichkeit ist sprüchwörtlich. Die Gemüthlichkeit strahlt uns entgegen aus den Palästen der Reichen, wie den Hütten der Armen."

♦ ♦ ♦

Am Mittwoch Abend kurz nach 1/a9 Uhr fand in der Leidererhalle der

Iestaöeud der katholische« Arbeitervereine statt. Die große Halle in der Nähe des rauschenden Jsarflufses' war von Festtheilnehmern dicht gedrängt besetzt; an den Ehrentischen bemerkten wir den Präsi­denten des Katholikentages Dr. Bachem und die zwei Vicepräsidenten Fabrikbesitzer Brandts und Baron von Aufseß, fernerden Fürsten zu Löwen­stein, den Bürgermeister Marschall von Landshut, Dr. Lieb er und manche andere hervorragende Männer. Den Vorsitz der Festfeier führte der Diözesanpräses von Regensburg, Geistlicher Rath Frhr. von Ow. Derselbe begrüßte in zündender Rede die imposante Versammlung. Der Präsident des Katholikentages ergriff bald das Wort, um unter lebhaftem Beifall die katholischen Arbeitervereine als eine der wichtigsten sozialen Einrichtungen und Schöpfungen der letzten Jahrzehnte zu begrüßen. Er schloß seine eindrucks­volle Rede mit dem Gruße: „Gott segne die christliche Arbeit!" Die ausgezeichnete Festrede des Korrektors Nickel aus Regensburg, welcher auf Grund der Arbeiterencyclica „Herum novarum“ die hohen Auf­gaben und Ziele der katholischen Arbeitervereine er­örterte und unter lautester Zustimmung die energische Fortführung der Sozialreform im Namen der Arbeiter forderte, verdient besondere Erwähnung. Reichs- und Landtagsabgeordneter Dr. Lieber dankte dem Fest­redner aus der Reihe der Arbeiter und richtete herr­liche Worte an die Festversammlung und bezeichnete als die besten Vorkämpfer für eine gute und entschiedene Fortführung einer glücklichen Sozialreform die katho­lischen Arbeitervereine. Jubelnder Beifall nahm diese packenden Ausführungen auf, und als Brandts das Rednerpult betrat, wurde Helle Freude überall laut