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201 Freitag, den 3. September 1897. 24. Jahrgang

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mit Uuterhaltungs-Hrilagr „Sterne uns Klumeu".___________________

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Seiten der Katholiken. Seit Beginn dieses Jahr­hunderts seien Millionen von Seelen in Deutschland für die katholische Kirche verloren gegangen. Um so dringlicher trete namentlich die Unterstützung der Katholiken in der Diaspora hervor. Und dann kommen die gemischten Ehen, aus denen in zehn Jahren eine Million Kinder dem katholischen Glauben verloren gegangen sind. Um solchen betrübenden Erscheinungen nach Möglichkeit entgegenzuwirken, ist der Bonifatius- Ver ein gegründet worden. Derselbe hat nach dem Berichte von 1896 an Unterstützung an die Diaspora- Gemeinden die Summe von 1,600,000 Mark aus­gegeben. Diese Unterstützung vertheilt sich auf 750 Posten. Auch Diaspora-Gemeinden in Oesterreich werden nach wie vor aus dem Bonifatius-Vereine unterstützt. Wenn in den letzten Jahren besonders viel für Berlin und Hamburg geschehen ist, so hat der hochwürdigste Erzbischof von Bamberg nun auch der großen Diaspora-Gemeinde in Nürnberg seine bereitwilligste Unterstützung zugesagt. Zum Schluß empfiehlt Redner nochmals die Unterstützung des Bonifatius-Vereins. Möge die Versammlung die Begeisterung, die sich hier kundgebe, besonders dem Bonifatiusverein zu Theil werden lassen! Gott schütze den Bonifatiusverein und das ganze deutsche Vater­land!

Landgerichtsrath Abg. Gröber, welcher sodann mit anhaltendem Beifall begrüßt wird, hat zum Thema „Das Bürgerliche Gesetzbuch in seiner sozialen Be­deutung für den Mittelstand, besonders für den Mittel­stand in der Landwirthfchaft" erhalten. Er „ziehe zwar gern vom Leder", bemerkte Redner mit gutem Humor, aber ein lederneres Thema als das vorliegende werde es wohl kaum geben. Begeisterung für das Bürgerliche Gesetzbuch zu wecken, könne ihm nicht ein­fallen, auch wolle er nicht das ganze Gesetzbuch hier erörtern. Ein einheitliches Bürgerliches Gesetzbuch für das ganze Deutsche Reich sei ein unbedingtes Be- dürfniß gewesen. Das Gesetzbuch ist ein vollständig neuer Bau, zu dem die Rechtsbücher aller deutschen Länder beigetragen haben. Zwar enthält es nicht ein vollständiges, sondern nur ein gutes Stück Agrar-. recht. Aus dem Agrarrecht hebe er besonders die Bestimmungen über die Rentenschuld hervor. Eine zweite gute agrarrechtliche Bestimmung des neuen Bürgerlichen Gesetzbuchs sei die Erbabfindung nach dem Ertragswerth, während dieselbe jetzt meistens nach dem Verkaufswerth stattfinde. Von einer vollständigen Regelung des Agrarrechts habe Abstand genommen werden müssen, weil es absolut unmöglich sei, ein Agrarrecht zu schaffen, das für alle Gegenden passe. Das Bürgerliche Gesetzbuch enthalte sodann einen echt christlichen Grundsatz, daß das Recht nicht mißbraucht werden dürfe, wenn der Gebrauch nur dem andern Theile Nutzen gewähre. Diese Bestimmung sei durch das Centrum erreicht worden (Beifall), sie bedeute den Sieg christlicher Rechtsanschauungen über den heidnischen römischen Rechtsgrundsatz. Eine zweite Summe von Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetz­buchs bezieht sich auf den Schutz der Schwachen und Kleinen. Es soll das Zinsrecht gemildert werden. Das soll geschehen erstens durch Herabsetzung des ge­setzlichen Zinsfußes von fünf auf vier Prozent. Dem Centrum ist es wiederum zu danken, daß diese Herab­setzung beschlossen worden ist. (Beifall.) Ferner ist bestimmt, daß, wenn vertragsmäßig Zinsen über 6 Prozent vereinbart worden sind, dem Schuldner ein Kündigungsrecht zusteht. Das Bürgerliche Gesetzbuch hat auch in Bezug auf die Conventionalstrafe mit dem liberalen Gedanken der Vertragsfreiheit, wozu auch die Wucherfreiheit gehört, aufgeräumt. Dem verstorbenen Centrumsabgeordneten Reichensperger ist es zu danken, daß zuerst wieder Gesetze gegen den Wucher erlassen worden sind. Durch das Centrum ist nun aber die Bestimmung in das Bürgerliche Gesetz­buch ausgenommen, daß alle wucherischen Geschäfte un- giltig sind. Von 1900 an wird es dem deutschen Richter möglich sein, dem Wucherer wenigstens seinen Raub wieder aus den Klauen zu entreißen. (Lebh. Beifall.) Der Wildschaden sei im Gesetzbuch besser geordnet. Das Gesetzbuch enthalte eine Reihe Fortschritte, auch für den Mittelstand in der Landwirthschast. Vor Allem komme es nun auf die praktische Handhabung an, damit es in dem Geiste, indem es gegeben sei, zur Geltung komme. Der christliche Geist müsse in

4k Generalversammlung der Katholiken Deutschlands;« Landshut.

Landshut, 2. September. V.

Die dritte geschlossene chenerakversammkung wurde um 11 Uhr Vormittags durch den Präsidenten Dr. Bachem eröffnet. Zur Verhandlung gelangen die Anträge über Schule und Unterricht. In der Be­gründung empfiehlt der Berichterstatter pädagogische Konferenzen. Der Geistliche sei zur Schulaufsicht be­sonders befähigt wegen seiner akademischen Vorbildung. Die Gründung von Vereinen katholischer Männer nach dem Muster des „Windthorst-Bundes Essen" wird von der General-Versammlung dringend em­pfohlen. Diefe Vereine haben den Zweck, namentlich die jüngeren Mitglieder rednerisch auszubilden, damit sie befähigt werden, auch öffentlich für die Grundsätze der katholischen Kirche und des Centrums eintreten zu können. Die.Generalversammlung empfiehlt, in allen katholischen Vereinen neben den Vereinszwecken eine solche Selbstschulung zu üben, um die Mitglieder zu befähigen, im öffentlichen Leben ihr Gewicht in die Wagschale zu werfen.

Prälat Hülskamp berichtet Namens des Aus- schuffes für christliche Kunst und empfiehlt einige kleinere Aenderungen.

Professor Freihr. v. Lochner befürwortet warm den Antrag. Es handle sich um Bestrebungen von gleicher Wichtigkeit wie die kathol. Studenten-Ver- einigungen. Der Antrag wird angenommen.

Antrag 5 betreffend Unterstützung der Kunst durch die Presse wurde unverändert angenommen. Antrag 6 <betr. gute Literatur), 7 und 8 (Unterhaltungslektüre) und Antrag 9 (Skandal-Geschichten) desgleichen, ferner ein Antrag Huppert betr. Theater-Vorstellungen, worüber Domkapitular Stigloher berichtete, und ein vom Ausschuß für soziale Frage befürworteter Antrag betr. die Sonntagsruhe.

Bezüglich der Agrar - Frage wurde die Fasfung des Kölner Beschluffes von 1894 wieder hergestellt, wonach gesetzlich eine berufsgenossenschaftliche Organi­sation auf christlicher Grundlage anzustreben ist, mit dem Zusatz:

Die Versammlung empfiehlt aufs dringendste die Gründung und weitere Ausbildung von Bauern- Vereinen aus christlicher Grundlage, Bildung land- wirthschastlicher Genossenschaften, insbesondere Dar­lehenskassen.

Im Ausschuß wurde ferner angenommen em Antrag Brandts-Trimborn ^welcher dem Centrum Dank und Anerkennung ausspricht für seine Wirk­samkeit in der Arbeiter-Frage. Die General-Ver­sammlung verspricht ihre Unterstützung bei Fortfüh­rung der Grundsätze der päpstlichen Encyklika und der kaiserlichen Februar-Erlasse Sie empfiehlt Gründung und Unterstützung katholischer Arbeiter- Vereine, Bildung von Fach-Abtheilungen.

Um 5i/i Uhr eröffnete der erste Vicepräsident Baron Hermann von Aufseß die dritte öffentliche Versammlung mit dem katholischen Gruße, indem er den anwesenden hochwürdigsten Erzbischof von Bamberg und den gleichfalls erschienenen Re­gierungspräsidenten Fuchs von Bimbach mit kurzen herzlichen Worten begrüßt.

Erzbischof von Schork begrüßt unter aner­kennenden Worten über die Generalversammlungen im allgemeinen den gegenwärtigen Katholikentag in Lands­hut. „Mögen die Prinzipien der Wahrheit Sie leiten und das Herz mit Liebe erfüllen, dann wird Ihrer Arbeit der Segen nicht fehlen, den ich beim Beginn Ihrer Versammlung von Gott für Sie erfleht habe. Es gilt hart arbeiten, scharf arbeiten. Keiner darf .zurückbleiben. Keiner darf fehlen, wo es gilt, den Segen dieser Versammlung hinauszutragen^ Jeder an feinem Platze." (Andauernder stürmischer Beifall.)

Der Vicepräsident Freiherr von Aufseß dankt dem hochwürdigsten Herrn Erzbischof für feine Worte. Es werde der Versammlung Ehre und Freude sein, derselben Folge zu leisten.

Stadtpfarrer S t a r k a u f - Nürnberg hat dre katho­lischen Missionen zum Thema seiner Rede genommen. Er empfiehlt besonders die Missionsstation St. Odilien. Wenn die Missionen ihre volle Wirkung ausüben ffollen, so bedürfen sie jedoch der Unterstützung von

der Anwendung walten zum Heile des Volkes. (Bei­fall.) Die Katholiken hätten mitzuwirken, daß die christlichen Grundsätze gesichert werden und zur Gelt­ung kommen in Praxis und Wissenschaft. (Stürmischer Beifall.)

Der Präsident empfiehlt, die Rede, die wegen der beschränkten Zeit gekürzt werden mußte, separat drucken zu lassen. (Beifall.)

Professor Schlecht spricht über die „christliche Kunst". Die größten Feinde der wahren Kunst seien der Naturalismus und der Jndifferenttsmus. Das Studium der Natur sei nothwendig, auch wenn lieber» natürliches und Geistiges zu schildern sei, aber jetzt werde der menschliche Leib fast ausschließlich der Darstellung würdig erachtet und die höchste Schön­heit in der Nacktheit gesucht. Aber die sittliche Schön­heit sei doch die höhere (Beifall), denn der Naturalismus könne kein wahres christliches Kunstwerk schaffen. Wir müßten uns dagegen verwahren, daß man uns irgend eine beliebige Modellsteherin als Gottesmutter, irgend einen beliebigen Vagabunden als Apostel, einen Verbrecher als Christus darstelle. (Großer Beifall.)

Reichsrathsmitglied Kern-Linz sprach über die „Schulfrage", speziell in Oesterreich. Redner betonte zunächst die Wichtigkeit der Erziehung und das Recht der Kirche auf die Schule. Das österreichische Schul­gesetz spreche dem Staate das gesammte Schulauf­sichtsrecht zu. Auch den Religionsunterricht zu beauf­sichtigen und alles Nähere zu bestimmen, maße sich der Staat an. Lange verlangte man drei Religions­stunden wöchentlich, ohne es bisher zu erreichen. Die Kruzifixe feien aus zahlreichen Schulen entfernt, das heilige Kreuzzeichen und das Ave Maria feien unter­sagt wegen der Juden und Protestanten. Auch Juden könnten katholische Kinder erziehen. Traurige Folgen habe das Gesetz gehabt, wenn es auch. Dank den Lehrern, die katholisch geblieben, nicht so schlimm sei, wie man nach dem Buchstaben des Gesetzes, an­nehmen sollte. (Beifall.) Viele Lehrer seien kirchen­feindlich, ja, sie hätten sich offen zur Sozialdemokratie bekannt. In manchen Kombinationen seien fast alle Lehrer Sozialdemokraten. Zur Kennzeichnung des im Lehrerstande herrschenden Geistes führt Redner Ver­schiedenes aus Fachzeitschriften an. Solche Lehrer müßten wir bekämpfen, das sei ein Kampf auf Leben und Tod, ein Kampf um das Christenthum. (Leb­hafter Beifall.) Schwer begreiflich sei, wie die Regie­rung schweigend diesem Treiben zuschaue und nichts thue, daß ein anderer Geist in die Lehrerschaft komme. Es zeige sich, daß der Stand sich nicht eigne zum Erzieher; er fei der schlimmste Erzieher (Zustimmung), die Erfolge der Erziehung durch solche Lehrer zeigten sich überall. Die jungen Leute liefen der Sozial­demokratie zu; den Kindern werde Eigendünkel, Hochmuth, Verachtung der Autorität rc. eingeflößt. Die Lehrerzeitungen selbst gäben die Verrohung der Jugend zu und verlangten Zwangsanstalten. Diese brauche man nicht, sondern christliche Schulen. (Leb­hafter Beifall.) Die Verbrechen nähmen zu. Leider werde man zu konfessionellen Schulen so bald noch nicht kommen, aber man werde und müsse für sie kämpfen. Der gemeinsame Schlachtruf muß sein: Katholifche Schulen für katholische Kinder! (Stür­mischer Beifall.)

Der Präsid ent sagt die erbetene Unterstützung zu und bittet um diejenige der österreichischen Katho­liken. (Beifall.) .

Morgen sprechen Dr. Lieber über „die soziale Thätigkeit der deutschen Katholiken in den letzten 30 Jahren", Pfarrer Ley über „das hl. Land", Baron Morsey aus Steyermark über „katholische Einheit".

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Das Huldigungs-Telegramm, das in der ersten geschlossenen Versammlung an den hl. Vater in Rom abgesandt wurde, hatte folgenden Wortlaut:

Die 44. Generalversammlung der katholischen Männer aus allen Gegenden Deutschlands, in Landshut tagend, ent­bietet dem hl. Vater in aller Demuth die Gesinnung der Ehr­furcht, Hingebung und des Gehorsams und bittet inständigst um den apostolischen Segen."

Das Huldigungs-Telegramm an den Prinz­regenten lautet:

Die 44. G eneralversammlung der Katholiken Deutsch­lands, welche aus allen Gegenden und Ländern des Teutschen Reiches in der durch so viele Bande an das Haus Wrttels- bach geknüpften Hauptstadt Niederbayerns sich versammelt