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200 Donnerstag, den 2. September 1897 21. Jahrgang

FiilhaerMZeitiliig

mit UrrterhaUrrngs-Kettage „Sterne und Ktumen".

Erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda imb auswärts 1 Mark 50 Pfennig. Inserate kosten die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Lokal-Ausstellung für christliche Kunst in Landshut.

Die Lokalausstellung für christliche Kunst in Lands­hut ist am 24. August, einige Tage vor Beginn des Katholikentages, mit einer gewissen Feierlichkeit er­öffnet worden. Alle Besucher derselben sind überrascht von dem angenehmen Bilde, das sich ihnen in der sonstigen Rumpelkammer, als welche die Seelenkapelle für gewöhnlich zu figuriren hat, darbietet. Freilich ist auch einige Arbeit darüber hingegangen, bis die Umgestaltung in ein Kunstmuseum vollendet war.

Die Ausstellungs-Kommission schüttelte das Binden an jede auswärtige Betheiligung ab und forschte nach Landshuter Gegenständen der Kunst aus dem Gebiete der Malerei, der Bildhauerei und des Kunstgewerbes. Da boten sich vor allem Altargemälde von St. Martin und von hl. Geist an die Hand, die durch die neuern Restaurationen an die Wand gedrückt worden waren oder in die Reverse gestellt wurden. Von St. Martin kam da vor Allem der hl. Andreas vom berühmten Historien­maler Mathias Kager in Betracht. Kager war unter Kurfürst Max l. erster bayer. Hofmaler, starb 1634 und malte das Bild 1627.

Den Besuchern der St. Martinskirche war dann das Bild „Herz Maria" oder die Zuflucht der Sünder, von Holzmeier 1851 gemalt, ein besonders lieb ge­wonnener Gegenstand. Die unbefleckte Empfängniß von Guabarino, einem venetianischen Edlen, ist noch hoheitsvoller als die vorgenannte Mutter Gottes und gewiß auch um 200 Jahre älter als jene.

Von Andreas Wolf, geboren 1652 zu München, konnte der hl. Johannes Evangelist ausgestellt werden, wie er der Mutter Gottes die hl. Kommunion reicht. Lipowsky rühmt dem Maler im bayerischen Künstler- Lexikon eine sehr liebliche und angenehme, ja schönste Manier nach und bewunderungswürdig sei der Reich- thum seiner Erfindung.

Der hl. Sebastian, von Bergmann aus Landshut 1830 gemalt, hat schon bei hl. Geist früher immer als das beste Bild der Kirche gegolten und ist jetzt auch eine hervorragende Zierde der Ausstellung.

Ich komme nun zur Gruppe der Bilder von Münchener Künstlern. I. Schäfer, Tentschert, M. Bernatz, Conr. Fischer sind die Künstler, die hierbei vertreten sind, mehr aus der Mitte des alten Vereins für christliche Kunst, und S. Nadel mit einer Copie Leo's XIII. nach Lenbach. Auch I. Schäfer hat das Porträt Leo's XIII. geliefert. Er hat Ruf im Por­trätfach und es ist interessant, beide Bilder neben einander zu betrachten. Gar gefällig von ihm ist der hl. Cajetan von Tiene, eine Copie, die in unserer Aus­stellung hängt.

Bernatz lieferte eine thronende Madonna und eine heilige Familie; letzteres Copie nach Ittenbach. Be­sonders hübsch ist diese thronende Madonna. Von Tentschert haben wir eine unbefleckte Gottesmutter, wohl das anziehendste von allen zugeschickten, religiösen Bildern. Conrad Fischer sandte eine kleine hl. Cäcilia.

Die drei Altäre aus der Kunstanstalt von Mich. Mayer hier sprechen nun für sich selber. Es ist ein gothischer Hochaltar, dazu zwei ebensolche Seitenaltäre, und alle drei Altäre nehmen mitsammen den Hinter­grund des Ausstellungslokales ein.

Die zwei großen Reliefgruppen, die in den Zwischen­räumen vor den drei Altären aufgestellt sind, sind meisterliche Werke. Das eine ist die bekannte Kreuz­abnahme vom Kloster Seligenthal, das andere ein kunstvolles, gothisches Gebilde aus Franken, die Krönung Mariens darstellend. Auch der gothische Hausaltar des Herrn Cooperator Schuster von St.' Jodok ist sehr sehenswerth.

Unter den ausgestellten kirchlichen Geräthschaften überragt alle weit an Schönheit und Werth die Mon­stranz aus der Jesuitenkirche. Es ist ein Werk des Goldschmiedes Franz Ignaz Berdolt von Augsburg vom Jahre 1739. (Im Katalog ist irrthümlich 1735 gedruckt.) Berdolt war mit seinem Bruder damals der berühmteste Goldschmied. Hieran schließt sich zu­nächst dem Altar und der Ausstattung nach ein reich

mit Perlen und edlem Gestein besetzter emaillirter Kelch. Das gothische Reliquienkreuz von hl. Blut am Hofberg vom Jahre 1505 ist eine ganz exquisite Arbeit. Besonders das Figürliche, die Madonna mit dem Kinde, Bischof und Abt, die zwei Engel mit ausgebreiteten Flügeln, find köstliche Gebilde. Das Kreuz trägt die Inschrift: „Das Kritz hat gemacht Melchior Bos, Goldschmied zu Nördling 1505." Unter den später eingelieferten kirchlichen Geräthschaften befinden sich besonders eine ganz vorzügliche, gothische Monstranz und eine hübsche romanische.

Ein hervorragender Gegenstand ist ein Rococo- Tabernakel, für die Sebastiani-Kirche in Zwischen­brücken bestimmt.

Nicht unerwähnt dürfen bleiben zwei ältere Aus­stellungsgegenstände vom Kloster Seligenthal. Sie sind merkwürdige, interessante Gebilde. Das Eine ist eine Tafelmalerei auf Holz, in neun Gruppen, das Leiden Christi darstellend, beginnend vom Oelberge bis zur Ruhe des Leichnams Christi im Schooß Mariens. Seine Entstehungszeit ist wohl das 15. Jahrhundert.

Das zweite Gebilde behandelt auch das Leiden Christi und zwar vom Einzuge Jesu in Jerusalem bis zur Auferstehung in 12 Gruppen — Hauterelief aus Holz geschnitten. Die meisten dieser Gruppen sind eine ganz vorzügliche Arbeit. Die ganze Tafel hat im Geviert kaum einen Meter und jede Reno- virung ist ferne gehalten worden.

44. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands zu Landshut.

Aus den vielen

Anträge«, welche zur diesjährigen Katholikenversammlung vor­liegen, deren Zahl ja bekanntlich über 30 ist, wollen wir hier kurz die wichtigsten folgen lassen.

Römische Frage un d Missionen. Die44.General- Versammlung der Katholiken Deutschlands spricht von Neuem die durch die Ereignisse der Zeit immer mehr begründete und befestigte Ueberzeugung aus, daß die Wiederherstellung der territorialen Souveränetät des heiligen Stuhles für die Selbständigkeit desselben und für seine volle Freiheit und Unabhängigkeit in der Regierung der Kirche eine unabweis­bare Nothwendigkeit ist, und daß jede von Gott gesetzte weltliche Gewalt im wohlverstandenen eigenen Interesse handelt und zur Wiederherstellung der erschütterten Gesell­schaftsordnung mitwirkt, wenn sie die vom heiligen Stuhle deshalb erhobenen Rechtsansprüche erfolgreich unterstützt. Die Generalversammlung spricht die zuversichtliche Hoffnung aus, daß die dem heiligen Stuhle gebührende Wellstellung mehr zur Anerkennung gelangt, und ist überzeugt, daß diese Stellung zur Aufrechterhaltung des Friedens, sowie zur Vermittlung der widerstreitenden Interessen der Völker und der Gesell­schaftsklassen dasjenige leisten werde, was weltliche Macht nicht vermag. Berlin, 23. Juli 1897. Graf Hompesch, Dr. Lieber, Dr. Pichler, Dr. Bachem, Konrad Graf v. Preysing.

Zweikampf: Die General-Versammlung erachtetes als heilige Pflicht, im Namen der katholischen Familienväter hinsichtlich des Zweikampfes nachdrücklichst zu fordern: 1. An­erkennung und Unterwerfung unter Gottes Gebote für alle, ohne Rücksicht auf die Person; 2. unnachsichtliche, allgemeine, gerechte Bestrafung der Frevler und Uebertreter der Straf­gesetze gegenüber den Rohheiten aller Raufbolde; 3. Verbot aller Zweikämpfe auch im Reichsheer und bei der Flotte ge­mäß dem bewährtenBeispieleEnglands; 4. wer immer mitAbsicht, Erkenntniß und Bewußtsein im Zweikampfe einen Menschen tobtet, muß als Mörder gelten; 5. Ausschließung der Duellanten von allen öffentlichen und Gemeinde-Aemtern ist zu empfehlen. Aachen, 16. August 1897. Dr. Lingens.

Schule und Unterricht. Die 44. General-Versamm­lung der Katholiken Deutschlands bedauert auf's tiefste, daß sich eine große Anzahl glaubenstreuer Lehrer für genöthigt hält, Vereinen anzugehören und sie dadurch zu ermuthigen und zu unterstützen, deren dem rationalistischen Humanismus und religiösen Jndifferentismus zugewendeten Bestrebungen doch ganz und gar im Gegensätze zu ihrer Glaubens-Ueber- zeugung und zur katholischen Glaubenspflicht stehen. Sie spricht zugleich den Angehörigen der bestehenden katholischen Lehrer-, Lehrerinnen-, Schul-" und Erziehungs - Vereine und Verbände für ihr muthiges Bekenntniß der auf der göttlichen Offenbarung beruhenden Prinzipien über Unterricht und Er­ziehung und Verhültniß der Schule zur Kirche und für ihr opferfreudiges Eintreten für dieselben ihre rückhaltlose Aner­kennung aus. Sie empfiehlt dringend den treu katholischen Lehrern, sich zum engen Bunde gegen die offenkundig geplante Entchristlichung der Schule zu vereinigen und ersucht alle katholischen Kreise, die katholischen Lehrer-Vereine durch außerordentliche Mitgliedschaft zu unterstützen und durch private und öffentliche Aufklärung über ihre Berechtigung, Zweckmäßigkeit und Nothwendigkeit ihnen Mitglieder zu ge­winnen und so zur friedlichen und gerechten Lösung der brennenden Schulfrage thatkräftigst mitzuwirken. Eichstätt. Prälat Dr. I. Pruner, Dompropst.

Unterstützung der Konvertiten. Die 44.General- Versammlung der Katholiken Deutschlands empfiehlt die Gründung eines Vereins zur Unterstützung konvertirter evan­gelischer Theologen. Gründe: Zu den sehnlichsten Wünschen des glorreich regierenden hl. Vaters gehört der der Wieder­

vereinigung der getrennten christlichen Gemeinschaften mit der katholischen Kirche. Dieselbe wird wesentlich gefördert durch die Konversion evangelischer Theologen. In Anbetracht dessen, daß diese, meistens durch Familienbande gebunden, selten in den geistlichen Stand der katholischen Kirche über­treten und sehr schwer eine ihren Unterhalt sichernde Stellung finden können, auch durch die Gefahr, in Folge ihrer Kon­version in ihrer Existenz bedroht zu werden, von der Rück­kehr zur katholischen Kirche abgehalten werden, erscheint es als eine naheliegende Aufgabe der Katholiken Deutfchlands, den konvertirten evangelischen Theologen in ähnlicher Weise, wie dies bereits in England auf besondere Anregung des hl. Vaters geschieht, durch Zuwendung von Geldmitteln, Nachweis von Stellen, Unterbringung der Kinder u. a. m. zu Hilfe zu kommen. Es geschieht dies wohl am besten durch einen zu diesem Zweck zu bildenden Verein, für welchen die Billigung des Kochwürdigsten deutschen Episkopates nachzu­suchen sein möchte. Die Gründung eines solchen Vereins entspricht den Wünschen, die von verschiedenen Seiten, namentlich auch von bewährten Konvertiten, kundgegeben worden sind. Berlin, v. Kehler.

Landwirthschaft: Die General-Versammlung tritt wiederholt für eine berufsständische Organisation der Land- wirthe ein und fordert alle Angehörigen dieses wichtigen Standes, sowie dessen Freunde, besonders aber die parla­mentarischen Vertreter auf, nachdrücklichst hierfür zu wirken. Mainz, 20. Juli 1897. Freiherr v. Köth. H. I. Dahmen. Joseph Mergenthaler. I. Schüler. Graf v. Los. Dr. Gregor Schmitt. Göller. Schreiner. M. Esser. Dr. Frhr.v. Lands­berg-Velen. I. Gießer. Bönninger. H. Maas. Freiherr v. Stotzingen.

Christliche Kunst: a. Die 44. Generalversammlung hält es für dringend nothwendig, daß die Wahrheiten des christlichen Glaubens, die Thatsachen der christlichen Geschichte und die Grundsätze des christlichen Lebens nicht nur für kirch­liche, sondern auch für häusliche und öffentliche Zwecke viel mehr als bisher in felbstständig - künstlerischer und religiöser Empfindung zur Darstellung gebracht werden. Sie empfiehlt auf's wärmste die direkte Zuwendung von Aufträgen an tüchtige und glaubenstreue Künstler und mißbilligt auf das entfchiedenste die Vergebung derselben an einen bloßen Ge­schäftsinhaber oder nicht selbstständig schaffenden Kunstanstalts- oder Kunstverlags-Besitzer. Nur in der strengen Befolgung dieses, besonders den Kirchenverwaltungen nicht oft genug zu empfehlenden Grundsatzes kann sie ein erfolgreiches Mittel zur Hebung der christlichen Kunst erblicken, b. Die General­versammlung betrachtet die kirchliche Kunst als den wichtigsten Zweig des christlichen Kunstschaffens und empfiehlt für die­selbe das Studium und den engen Anschluß — auch nach der theologischen und symbolischen Seite hin — an die kirch­lichen Vorschriften und an mustergiltige Schöpfungen aus der ruhmreichen Vergangenheit der christlichen Kunst. Sie verlangt aber auch bei ihnen die Fähigkeit und das Bestreben, diese Schöpfungen individuell zu benutzen und zu verwerlhen unter Anwendung solider und erprobter Technik. Sie erkennt des­wegen für die Kirche ausschließlich die Thätigkeit selbstständig schaffender Künstler und Kunsthandwerker als berechtigt an und verurtheilt den Fabrikbetrieb vieler sog. Kunstanstalten, welche als die schlimmsten Feinde der echten kirchlichen Kunst- thätigkeit betrachtet werden müssen. Die Generalversammlung verwirft die Massenerzeugung auf dem Kunstgebiete und warnt alle, die es angeht, durch Anschaffung solcher Erzeugnisse die Kirche zu verunzieren und dadurch auch finanziell zu schädigen. München. Gg. Busch. Dr. Weiß.

Auswanderung: Angesichts der andauernd schlechten wirthschaftlichen Verhältnisse in Amerika warnt die General­versammlung der Katholiken Deutschlands vor der Auswander­ung, wenn nicht im Voraus ein Einkommen gesichert ist. Solchen aber, die zur Auswanderung entschlossen sind, gibt sie den Rath, sich der unentgeltlichen Hilfe der Vertrauens­männer des St Raphaels-Vereins zu bedienen. Die General­versammlung empfiehlt, den St Raphaels-Verein durch Bei­tritt oder in anderer Weise zu unterstützen. Birstein und Limburg a. d. Lahn, im Juli 1897. Karl Fürst zu Jsenburg- Birstein, Präsident; Cahensly, Generalsekretär.

Aeußeres, Formalien: Es ist dem reisenden Publi­kum, besonders den katholischen Kaufleuten, in den wenigsten Städten möglich, an Sonn- und Feiertagen ihren kirchl. Pflichten nachzukommen, da ihnen in vielen Fällen nicht einmal die katholischen Kirchen, in den meisten Fällen aber nicht die Gottesdienst-Ordnung angegeben werden kann. Ich stelle deshalb den Antrag, dieser Angelegenheit näherzutreten und möglichst Abhilfe schaffen zu wollen. Meine Vorschläge zur Abhilfe gehen dahin: 1. Es möchten in den Adreßbüchern der einzelnen, besonders größerer Städte, die katholischen Kirchen (nebst Straße oder Platz) aufgeführt werden, u^d in Verbindung damit jene Stunden, in denen regelmäßig (Winter wie Sommer) Gottesdienst stattfindet. 2. Es möchte außen, an den Thoren der katholischen Kirchen, wenigstens am Hauptportale, die Gottesdienst-Ordnung gut ersichtlich angeschlagen werden. 3. Es möchten die Hoteliers veran­laßt werden, in ihren Hotels ersichtliche" Plakate mit der Gottesdienst-Ordnung aufhängen zu lassen, wie dies auch von Seiten anderer Religionsgenossenschaften bereits geschieht. 4. Es möchte besonders auch die Presse sich dieser Angelegen­heit annehmen, so daß überall in den katholischen Zeitungen für alle Sonn- und Festtage die Gottesdienst-Ordnung zu finden wäre. Karl Thiesing, Kaufmann in Berlin.

Der20.Kongreß der katholischen kaufmännischen Vereinigungen Deutschlands, zur Zeit in Erfurt tagend, bittet die 44. Katholikenversammlung in Landshut um Auf­nahme nachstehenden Antrages: In Rücksicht der alljährlich am letzten Sonntag im Monat August beginnenden Leipziger Lag-os-Michaelis-Messe wird in Zukunft die Generalversamm­lung der Katholiken Deutschlands nicht mehr am letzten Sonn­tag im August, sondern an einem früheren oder späteren Sonntage anberaumt bezw. eröffnet.