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Donnerstag, den 2. September 1897. 24. Jahrgang

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mit Unterljaltrmgs-KeUage „Sterne und Ktumen".

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44. Generatversamml««g der Katholiken Deutschlands m Landshut.

Landshut, 1. September.

IV.

Der gestrige'Tag wurde begonnen mit einem feier­lichen Kochaml, celebrirt von dem Hochw. Abt Zenetti in St. Jodok, wo nachher Orgelvortrag mit verschiedenen Gesangsnummern stattfand.

Kurz nach 11 Uhr begann die

zweite geschlossene Wersammtung.

Abg. Dr. Porsch berichtete über die Verhand­lungen des Ausschusfes für Formalien. Angenommen wird folgender Antrag: 1. Die Generalversammlung spricht den Wunsch aus, es möchten in den Adreßbüchern der einzelnen, besonders größeren Städte die katho­lischen Kirchen (nebst Straße oder Platz) aufgeführt werden, und in Verbindung damit jene Stunden, in denen regelmäßig (Winter wie Sommer) Gottesdienst stattfindet; 2. es möchten außen, an den Thoren der katholischen Kirchen die Gottesdienst-Ordnungen gut er­sichtlich angeschlagen werden; 3. es möchten die Hoteliers veranlaßt werden, in ihren Hotels ersichtliche Plakate mit der Gottesdienst-Ordnung aufhängen zu lassen; 4. es möchte besonders auch die Presse sich dieser An­gelegenheit annehmen, so daß überall, wenigstens in den katholischen Zeitungen, für alle Sonn- und Fest­tage die Gottesdienst-Ordnung zu finden wäre.

Ein Antrag um Verlegung des üblichen Termins der Generalversammlung mit Rücksicht auf die Leip­ziger Mesfe wurde dem Kommissar, Fürsten Löwen­stein, zur thunlichsten Berücksichtigung überwiesen; auch auf die Gymnasial-Ferien möge thunlichst Rück­sicht genommen werden. Als Ort der nächsten Ge­neralversammlung wurde Krefeld bestimmt. Aachen ist zurückgetreten.

Es wurden weitere Anträge angenommen, die sich gegen die Theilnahme an antikatholischen Lehrervereinen aussprechen und die katholischen Lehrervereine em­pfehlen, sowie konfessionelle Lesebücher.

Namens des Ausschusses für Wissenschaft und Presfe berichtet Pfarrer Schwarz (Württemberg) über einen Antrag betr. die Freimaurerei. Man solle die romanische und die deutsche Freimaurerei nicht vermengen, erkannte Fehler in Zukunft vermeiden, im Jnteresfe der Wahrheit und Gerechtigkeit die radikalen und gemäßigten Strömungen innerhalb der deutschen Freimaurerei genau unterscheiden, nur unwiderlegliche, solide Beweise, nicht bloße Behauptungen im Kampfe benutzen, dann werde das durch den Taxil-Schwindel hervorgerusene Mißtrauen zerstreut werden. Der Antrag wurde angenommen. Prälat Hülskamp

Am Grabe gefunden.

Dort, wo in dem Arbeiterviertel die Trambahn ihre Endstation hat, erhebt sich ein vierstöckiges Haus — die Leute nennen es eine Miethskaserne —, bewohnt von Arbeiter - Familien, die Arbeit und Verdienst in den nahen Fabriken finden. Kinder jeden Alters tum­meln sich in ausgelassenem Spiel aus der Straße, froh über den warmen Sonnenschein, der an dem Spät­herbsttage doppelt wohl thut.

Es ist Sonntag vor Allerseelen. In der Mitte eines geräumigen Zimmers des obersten Stockwerkes steht auf einem schwarz behangenen Tische ein offener Kindersarg. Durch das halb geöffnete Fenster fallen die Strahlen der Sonne auf das Haupt eines Mannes, der betend bei dem Sarge kniet. Tiefe Trauer, fromme Ergebung spricht aus den Zügen des schlichten Arbeiters.

Da fängt auf dem Kirchthurme die große Glocke an zu läuten und weckt den Beter aus seinem Sinnen. Mittag ist's — Ave Maria. Er tritt an's Fenster und blickt hinab auf die jetzt überaus belebte Straße. Wie froh erschienen ihm die Arbeitsgenossen, wie sie im Sonntagsgewande plaudernd heimwärts wandern, wo die Frau das Essen bereit hält. Fast verletzt es ihn, wie er sieht, daß hier und da ein spielendes Kind sich in den Arm des Vaters hängt und singend mit ihm gleichen Schritt zu halten sucht.

berichtet über die Verhandlungen des Ausschusses für christliche Kunst. Ein Antrag betr. Unterstützung der Künstler wird mit Streichung von allen auf die Kunstanstalten und die Fabriken bezüglichen Stellen angenommen.

Um 5 Uhr des Nachmittags wurde sodann in der. dichtbesetzten Festhalle die

zweite öffentliche Versammlung

eröffnet.

Präsident Abg. Dr. Bachem eröffnete die Ver­sammlung ö'/i Uhr mit dem katholischen Gruße und bringt der Versammlung ein huldvolles Dankschreiben vom Prinzregenten Luitpold zur Verlesung als Ant­wort aus das Huldigungstelegramm. Die Versamm­lung hörte der Verlesung des Telegramms stehend zu und stimmte jubelnd in das dreimalige Hoch ein, welches der Präsident auf den Prinzregenten aus­brachte.

Sodann betrat Abg. Dr. Porsch die Redner­tribüne, mit stürmischem Beifall begrüßt. Seine Rede behandelte die römische Frage. Papst Seo XIII. sei noch immer, so führte der Redner aus, ein Ge­fangener im Vatikan, zwar nicht in einem wirklichen Kerker auf Stroh und in Ketten, sondern in einem Palaste. Man sage zwar, der Papst könne jeden Tag die Schwelle verlassen, aber nur einmal habe das seit der Occupation ein Papst gethan, und zwar der todte Papst Pius IX. Der Papst aber müsse frei sein, nicht Unterthan, sondern Souverän. Gott hat ihm die Regierung der Kirche übertragen, und darum darf feine Freiheit nicht beruhen auf den thönernen Füßen einer Gesetzgebung, des italienischen Garantiegesetzes. Der Papst ist nicht Papst der italienischen Nation, sondern der ganzen Welt, und die ganze katholische Welt müsse deshalb die Freiheit des hl. Vaters fordern. Die Rechte des hl. Vaters seien nicht die Rechte einer Nation und einer Dynastie, sondern die Rechte des ganzen katholischen Volkes. Wer ist denn zuständig für die Lösung der römischen Frage, für eine gerechte und natürliche Lösung? Diejenigen, welche sich an den Rechten des hl. Stuhles vergriffen haben, sind am wenigsten zuständig. Kompetent ist nur der Papst selbst mit den Bischösen. Der Papst braucht allerdings nicht die weltliche Souveränetät, um als gleichberechtigter Souverän angesehen zu werden, er ist der führende Souverän. Eine andere Garantie für die Freiheit des hl. Vaters als die Zurückgabe Roms gebe- es nicht, und darum müsse diese Forderung immer wiederkehren. Die deutschen Katholiken verlangen nicht, daß mit Waffengewalt Rom für den Papst wiedererobert werde, wie unsere Gegner lügen; die Gegner selbst haben den Weg der friedlichen Erledigung verlegt, indem sie 1871 gegen das Centrum das Nichtinterventionsprinzip annahmen; „die Tage seien vorbei und würden niemals wieder­kehren, wo die deutsche Politik sich in das innere Leben anderer Völker einmische". Demgegenüber weise

O, auch ex war einst glücklich, vielleicht zu glück­lich. Und sonnige Bilder zogen vor seinem Geiste vorüber. Wie jauchzte sein Herz, als er — der fescheste Urlauber der Kompagnie — in sein Heimaths- dors zurückkehrte, so schmuck, daß alle Mädchen des Ortes das arme Waisenmädchen beneideten, dem er sein Herz geschenkt hatte. Dann verhalf ihm sein Glück zu einem braven Meister und bald war er einer der geschicktesten Schlossergehilfen, den auch seines lustigen, bescheidenen Wesens halber alle gern hatten. Besonders zu ihm hingezogen fühlte sich der Werk­meister einer großen Fabrik, der ihm gar bald eine einträgliche Stelle als Vorarbeiter verschaffte.

Damit war dem wackeren Burschen die Möglich­keit geboten, seiner Liese ein eigenes Nest zu bauen; und jetzt begannen Jahre des reinsten Glückes, das seinen Gipfel erreichte in der Geburt Kleinliesels. Vom Gipfel geht es abwärts: Frau Liese fing an zu kränkeln. Und als vor einem Monate etwa Kleinliesel die tückische Bräune heimbrachte, opferte sich die Mutter — heute sind es vierzehn Tage, daß man sie zum Friedhöfe hinausgetragen.

Walter wollte zusammenbrechen, als sein Erden­glück theils im Sarge, theils aus dem Krankenbette lag. „O Gott, nur das Kind laß mir, alles andere will ich dann standhaft ertragen."

Und heute? Es war anders befchlossen. Heute

er nur auf die Dinge in Kreta und um Kreta hin. (Stürmischer Beifall.) Die Generalversammlungen erheben ihren Protest immer von Neuem wieder, aber ihnen steht zur Seite die göttliche Verheißung. Im Vertrauen aus die göttliche Verheißung wiederholen wir unsere alte Forderung immer wieder unter der Bitte, daß der liebe Gott die Tage der schweren Prüfung des hl. Stuhles abkürzen möge. (Lebhafter andauernder Beifall.)

Der hochwürdige Rektor Huppert (Bensheim) sprach sodann, lebhaft begrüßt, über Literatur und Presse im Anschlüsse an die bekannte Konstitution des hl. Vaters, die für die Katholiken maßgebend sei. Man könne Dekorationsmalern wohl andere Anweisungen geben, aber für die Katholiken geht die Sonne noch immer in Rom über der Peterskirche auf. (Heiterkeit und Beifall.) Redner geht im Einzelnen auf diese Konstitution und ihre Verbote näher ein. Wenn die Katholiken diese Verbote genau beachten wollten, so wäre das Literatur-Elend bald zu Ende, namentlich auf dem Gebiete der Unterhaltungsliteratur und der Presse. Viele Katholiken, auch unsere Damen meinten, sie seien nicht vornehm, wenn sie nicht die sogenannten Meisterwerke unserer modernen Romanschriftsteller gelesen hätten. Das sei die Modekrankheit. (Lebhafter Beifall.) Die modernen Literaten seien nicht lediglich die maitres de plaiair. sondern auch Gegner der katholischen Kirche. Und wenn der hl. Vater den Katholiken gewisse Bücher verbietet, thut er dann etwas anderes als der preußische Kriegsminister, der den Soldaten die sozialdemokratische Lektüre verbietet? (Lebhafter Beifall.) Sind wir nicht die Glaubensarmee des hl. Vaters? Hat der Stellvertreter Christi nicht den Glauben dieser seiner Armee zu wahren? Und wird nicht der Glaube durch die moderne Literatur geschädigt und untergraben? Für Wahrheit und Schönheit schwärmen auch die Katholiken, aber ein wahrer Katholik nur dann, wenn die christliche Wahr­heit, die christliche Schönheit die Grundlage der Unterhaltungslektüre bilde. Man müsse bedenken, daß die Romane auch belehren, nicht bloß unterhalten sollen. Es sei nicht gut, in den Romanen immer Prinzessinnen und Gräfinnen mit ihren Toiletten zu schildern. Warum nicht Romane aus gut bürgerlichen Schichten? Und Liebesromane seien nachgerade auch genug geschrieben. Den katholischen Schriftstellern wolle er keineswegs damit ihre Arbeit verleiden. Redner geht dann zum Kapitel der Presse über. In ein katholisches Haus gehört kein farbloses Blatt, wenn es auch illustrirt wäre, etwas „Extra" sein wollte oder das „Neueste" zu bringen verspricht. (Stürmische Heiterkeit und Beifall.) Schützen wir uns selbst und dulden wir in den Familien kein Blatt, das den Glauben und die Sitte gefährdet. Uns steht ja zum Schutze kein grober Unfugsparagraph zur Seite, wie dem alten Herrn im Sachsenwalde. Die „ultra­montane" Presse hat im vorigen Jahre bewiesen, daß liegt auch Kleinliesel im engen Bretterhäuschen, gleich werden sie kommen, die schwarzen Männer; sein Erdenglück, den Zweck seines Lebens, wie er meint, werden sie ihm auch hinaustragen und da draußen in die Erde betten, neben seine Liese.

Die paar guten Freunde, die Walter zu Liebe dem kleinen Sarge das Geleite gegeben, hatten sich bereits entfernt, des Todtengräbers Arbeit war zu Ende, ein frischer Hügel mehr auf dem Todtenacker der Weltstadt.

Walter kann sich von dem Hügel nicht trennen. Ermattet von der Aufregung der letzten Tage, die ihm jede Erholung verwehrt, hatte er sich in das Gras gesetzt und dachte nach, wie sich sein Leben jetzt gestalten werde. Für wen sollte er sich jetzt vom Sonnenaufgang bis zum späten Abend plagen, für wen fparen und sorgen? Für wen die große Wohnung bezahlen, die ihm liebende Hände zu so traulichem Heim umgeschaffen? Allein aus der Welt — Schreck­licheres, Traurigeres kann es für ihn nicht geben, der ja ein ruhiges, inniges Familienleben so sehr geliebt.

Plötzlich fliegt ein faustgroßer Stein an seinem Kopfe vorbei und fällt auf den Hügel da vor ihm. Schreien und wildes Schimpfen dringt an sein Ohr, aus dem er nur das Wort „Bettelwabi" verstehen kann. Da kommen mehr Steine geflogen, er muß sich tief bücken, daß sie über ihn hinwegfliegen. Der