JVo 199
Mittwoch, den 1. September 1897
2L Jahrgang
FuldaerWZeitlliig
mit Unterhaltungs-Beilage „Sterne und Klumen"._________________
Bittfeier stattfinden werde. Kardinal I a k o b i n i steht an der Spitze des Komitees für diese Feier, deren Programm nächstens veröffentlicht wird.
Präsident Bachem dankt Sr. Durchlaucht für diese Mittheilungen. Die Katholiken werden zeigen, daß sie dieses wie jedes Jahrhundert als ein christ- iches charakterisiren und mit dem modernen fin de siede nichts zu thun haben wollen. Für uns ist nur )er christliche Gedanke maßgebend. (Beifall.)
Die Versammlung dankt auf Aufforderung des Präsidenten dem Herrn Kommissar Fürsten zu Löwenstein durch ein dreimaliges Hoch.
Der Präsident dankt dem Lokalkomitee für feine Mühewaltung in den vorbereitenden Arbeiten. Die Versammlung bringt dem Lokalkomitee ein dreimaliges Hoch aus.
Die erste öffentliche Versammlung wurde um 5 Uhr durch den Präsidenten Dr. Bachem mit dem katholischen Gruße eröffnet.
Er erinnert an die Treue Landshut's zur Kirche und zu seinem Herrscherhause. Jeder Zweifel, ob es würdig sei, die Versammlung zu empfangen, verschwinde bei einem Gange durch die Straßen. Eine solche Einmüthigkeit der Bevölkerung in Begeisterung für die Katholiken-Versammlung sei noch nicht dagewesen. Der Präsident wohne im Rathhaus beim Bürgermeister, das sei noch nicht dagewefen. (Lebhafter Beifall.) Redner dankt den Bischöfen für ihr Erscheinen. (Lebhafter Beifall.) Redner verbreitet sich sodann über die Bedeutung der Generalversammlungen der Katholiken Deutschlands. Der erste Zweck derselben sei das Bekenntniß unseres Glaubens im öffentlichen Leben. Alle Stände seien stets auf den Katholiken-Versammlungen vertreten, wie sie alle sich zu dem gleichen Glauben bekännten. Die Generalversammlungen sollten ferner sein eine Kundgebung nach außen und nach innen. Nach außen herrsche seit 20 Jahren Frieden, eine seltene Kulturerscheinung. Wir würden alles thun, ihn zu erhalten. Im Innern aber sei viel Streit gewesen nach den verschiedensten Richtungen hin. Wir dürften im Streit aber nie über die christliche Liebe hinausgehen, wie heftig wir auch angegriffen würden. Kampf sei das Lebensprinzip unserer Kirche; ohne Kampf werde sie zu Grunde gehen. Man kämpfe nur für den Frieden. Wir hätten vieles erreicht, aber es fehle noch an vielen Ecken und Enden. Die Generalversammlungen seien auch dazu da, zu zeigen, wo es noch fehle. Man sage, auf politischem Gebiete sei alles erreicht. Der katholische Volkstheil sei aber noch immer im Nachtheil. Wir müßten also noch immer um unsere Stellung kämpfen. Vor allem dürften wir nicht an Spaltung denken. Der Sieg sei aber nur möglich bei geschlossenem Marschiren unter einheitlicher Füh- runq. (Lebhafter Beifall.) Auf wirthschaftlichem
Gebiete besäßen wir überdies nicht die gebührende Stellung. Wir müßten die wirtschaftliche Position des katholischen Volkstheils fördern. Auf wissenschaftlichem Gebiete ständen wir vielfach mehr zurück als wir bisher geglaubt hätten. Roch sei es aber nicht zu spät mit der Selbsterkenntniß. Wir hätten bereits tüchtige Gelehrte, das beweise der Freiburger Kongreß; allein die Zahl müsse noch größer werden. Vor allem müsse das junge katholische Deutschland aufgerufen werden, sich der Wissenschaft zu widmen. Die Katholiken müßten allerdings mehr leisten als andere, wenn sie emporkommen wollten. Er wende sich besonders an die Studenten und sage: Vor die Front, ihr jungen Leute! (Lebhafter Beifall.) Die Generalversammlungen sind uns ferner ein Herzensbedürfniß geworden. Wir wollen uns gegenseitig stärken und ermuthigen und unfern Gegnern zeigen, daß wir noch da und einig sind. (Beifall.) Wir wollen auch die Vorurtheile gegen uns zerstreuen; mögen unfere Gegner Herkommen und sehen, wir wir sind. Noch nie ist bei uns ein schlimmes Wort gegen Andersgläubige gefallen. (Beifall.) Wir wollen das deutsche Volk wieder einig machen im Glauben, aber nur in freier Ueberzeugung. Es gibt eine katholische Politik, ihr oberster Grundsatz ist, daß wir uns immer richten nach den großen christlichen Prinzipien. In der Schulfrage sind wir noch sehr zurück. Alles geht auf das Verdrängen der Kirche aus der Schule und auf die Auslieferung der Schule an den Staat hinaus. Nur ein Mittel schlägt durch: wenn Lehrer, Gemeindevertreter und Bürgermeister bei uns katholisch sind und wenn ferner die Familien in allem katholisch sind. (Beifall.) Das Ziel ist aber nur zu erreichen, wenn wir einig sind. (Beifall.) Redner bittet nunmehr den Hochw. Herrn Erzbifchof, einige Worte an die Verfammlung zu richten und derselben den Segen zu spenden. (Stürmischer Beifall.)
Erzbischof Thoma von München (stürmisch begrüßt) heißt die Versammlung in seiner Diözese herzlich willkommen. Wenn er sich heute das festlich geschmückte Landshut ansehe, sei es ihm eine große Freude und Trost. Er wünsche, daß die große Aufgabe, die die Versammlung sich gestellt, gelingen möge zum Wohle des katholischen Deutschland und des ganzen Erdkreises. Möge der Geist des sel. Canisius über allen Berathungen sein! Er ertheile der Versammlung von ganzem Herzen den Segen, den der hl. Vater derselben gesendet habe und den der Nuntius persönlich zu überbringen verhindert sei. Die Versammlung empfängt kniend den Segen. (Beifall.)
Präsident Bachem dankt Namens der Versammlung für den gespendeten Segen.
Bischof Senestrey von Regensburg, stürmisch begrüßt, führt aus, daß es niemals nothwendiger ge-
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44. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands;u Landshut.
Landshut, 31. Aug.
III.
Den Anfang des heutigen Tages machte das feierliche Pontifikalamt in der Martinskirche. Cele- brirt wurde dasselbe von Sr. Exzellenz dem Herrn Erzbischof Thoma von München unter Assistenz des hochw. Herrn Bischofs Senestrey von Regensburg und des hochw. Herrn Abtes 'Zenetti von St. Bonifaz. Ein verstärkter Kirchenchor erhöhte die Feier durch vorzüglichen Gesang. Die Kirche war von Andächtigen überfüllt. Von dem Kartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen waren sämmtliche Verbindungen durch Deputirte vertreten, die in Vollwichs mit Fahne :c. vorn am Altäre Aufstellung nahmen. Ein imposanter Anblick!
Um 10 Uhr wurde die erste geschloffene Versammlung eröffnet. Unter anderen war Dr. Jörg zugegen. Der Vorsitzende des Lokalkomitee's, Frhr. v. Aretin, begrüßte die Versammlung mit dem katholischen Gruße, dankte Herrn Dr. Jörg für sein Erscheinen (Lebhafter Beifall) und wünschte demselben noch viele Jahre. Darauf wurde ein Schreiben des hl. Vaters verlesen, in welchem der päpstliche Segen ertheilt wird. Von vielen Bischösen sind Begrüßungsschreiben eingegangen.
Zum ersten Präsidenten wird unter großem Beifall Herr Reichs- und Landtagsabgeordneter Dr. Bachem gewählt. Dieser nimmt die Wahl mit Dank an. Fürst Löwenstein habe gesagt, das Amt des Präsidenten sei keine Ehrenstelle, sondern eine Arbeitsstelle. In diesem Sinne nehme er das.Amt-au. Er betrachte dasselbe als eine Arbeit im Dienste des Kreuzes, der sich kein katholischer Mann entziehen dürfe. (Lebhafter Beifall.) Darauf werden Huldigungstelegramme an den Papst, den Prinzregenten und den Kaiser beschlossen unter stürmischem Beifall.
Zum ersten Vicepräsidenten wird gewählt Baron v. Aufs eß-Regensburg, zum zweiten Fabrikbesitzer Brandts-M.-Gladbach. Zu Schriftführern Rechtsanwalt Hotter, Realfchullehrer Ebner, Freiherr v. Ow unb Oberamtsrichter Geißler- Mannheim. Zn Vorsitzenden der Sektionen: Hbg. Dr. Porsch für Aeußeres und Formalien, Frhr. v. Hertling für Wisfenschaft, Kunst und Presfe, an dessen Stelle wird jedoch nachher noch Prälat Hülskamp gewählt, da ersterer nicht während des ganzen Katholikentags anwesend sein kann, Stigloh er-München für christliche Charitas, Lyzealrektor Daller für Schule und Unterricht.
Fürst Löwenstein erstattet den Geschäftsbericht und theilt mit, daß mit Genehmigung des Papstes zur Wende des Jahrhunderts eine besondere Dank- und
-e Ais hn FrcmdMchkk» der W».
Von Fr. Henze.
12 ------ (Nachdruck verboten.)
Kritik.
„Wer da bauet an der Straßen, der muß die Leute reden lassen!" Das ist zwar schon ein altes Wort, aber seine Giltigkeit Hal es niemals verloren. Wer im Fremdenbuch Gedichte verbricht, braucht daher des Urtheils nicht zu sorgen; Kritik findet man aus jeder Seite, Kritik bei jeglichem Poöm. Witzig und treffend sind ost die Urtheile, ost aber auch boshaft und grob.
Die Fremdenbücher liegen aus für alle, die droben im Schutzhaufe einkehren: für die braven Wandersleute und für die Salontouristen, für die Weisen und für die Thoren, für die verständigen Leute und auch für die Narren; und Narrenhände -----, kurz,
man kann es verstehen, wenn geschrieben ward:
Gefährlich ist's, den Leu zu wecken,' Verderblich ist des Tigers Zahn, Doch das Allerschrecklichste der Schrecken — Das ist ein Fremdenbuch, wie wir eins sahn!
Milseburg, 25. Juni 1885.
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Armes Buch, bald bist durchgekritzelt, Durchgeklagl und vollgewitzelt;
Sei getrost, dann darfst du wandern
Hin zur Ruhe, hin zu den andern.
Kreuzberg, 24. Mai 1884.
Das Fremdenbuch auf Baiershof trägt darum auch folgende Mahnung:
Erquick dich an Trank und Speise Und halt hier Ruhe und Rast, Erwähl "dir in froher Weise Auch das Fremdenbuch als Gast.
Schreib, was du hast auf dem Herzen, Hinein mit frohem Sinn;
Mögen es sein Freuden oder Schmerzen, Es bringt ja dem Wanderer Gewinn.
Nur eins aber mußt du bedenken. Ins Herz ruf' ich dir's hinein: Von Narrenhänden laß dich nicht lenken. Dann bleibt auch das Fremdenbuch rein!
Baiershof, Borrebe des Fremdenbuches 1893.
In des Kreuzbergs Fremdenbuch heißt es:
Schließlich sollen alle Jene, Die in dieses Buch sich schreiben, Zu des Buches Schutz und Schonung Nicht ohn streng Vermahnung bleiben.
Reinlichkeit und schöne Ordnung Ziemet uns in allen Dingen, In des Kreuzbergs Fremdenbuche Soll und muß dies auch gelingen.
Wer da weiß von Reim und Sprüchen Nur die abgebrauchten, alten. Mag uns gnädiglich verschonen Und den Kram für sich behalten!
Was den Glauben und die Sitte Gröblich oder fein verletzet.
Wird hier in die Acht erkläret Und dann außer Kurs gesetzet.
Doch wem ward der Dichtung Gabe, Der sei herzlich uns willkommen, Der soll dichten, der soll schreiben Sich zur Ehr' und uns zum Frommen!
Traun! ich muß vom Kreuzberg scheiden, Meine Stunde hat geschlagen;
Ob, was ich hier schrieb, genützet, Ueber's Jahr will ich's erfragen.
Kreuzberg, Vorrede zum Fremdenbuch 1881.
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Ueber's Jahr aber mußte der „Rhöntroubadour" klagend fchreiben:
Was ich einst vor einem Jahre Mahnend in dies Buch geschrieben. Leider sah ich, daß es vielfach Unbeachtet ist geblieben.
Denn noch immer gibt es Buben, Unreif, noch nicht ohrentrocken. Schwachen Geistes, halb gebildet, Die noch auf der Schulbank hocken.
Gunst und Gastfreundschaft des Klosters Frech und schnöde sie vergelten. Da sie dieses Buch verschmieren, Höhnisch über Pfaffen schelten.
Merkt's: Für Männer, nicht für Buben Wird das Fremdenbuch gehalten;
Darum laßt, seid chr gebildet, Bildung, Anstand, Sitte walten!
Kreuzberg, 20. September 1882.
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