Jti. 196
Samstaa, den 28. August 1897.
24; Jahrgmg
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18»1.
1884.'
1892.
II.
Mr. John
über roth und entgegnete mit
schuß, da ihm „jeden Betrag'
tonloser Stimme:
„Was haben Sie gesagt? Wie heißt sie? Das muß ein
bei allen Postanstalten und Landbriefträgern.
Bei sofortiger Bestellung werden gegen Einsendung der Postqnittung die bi» Ende August erscheinenden Nummern täglich postfrei und unentgeltlich zugefandt.
ich nicht von der Sache."
Mr. Leeds schien wirklich überrascht zn sein. Wie war dies nur möglich? Sollte er so bald jene kleine Liebelei in Slopton vergessen haben? Indessen, sei dem, wie immer.
Ich kenne eine Miß Ella... Mißverständniß sein." in malitiöser Weise mit den
Mich schöner Aussicht zu erfreu'n; Doch, ach! des Rhöngebirges Gruppe Sie hüllten graue Nebel ein.
Der junge Tag Im Trüben lag, Und nichts war zu erblicken. Da galt es eben. Wie oft im Leben, Jn's Unvermeidliche sich schicken.
Wasserkuppo, so. August ♦ * *
Auf der Milseburg in der Rhön Jst's ohne Regen ja recht schön, Doch bei solchen Regengüssen Hält' man zu Hause bleiben müssen. Aber auch bei solchen Gängen Läßt man nicht den Kopf gleich hängen.
Milseburg, 11. September • * *
War der Himmel dir gewogen. Daß im hellen Sonnenstrahle Klar und rein — ein lieblich Schauen — Bor dir lagen Berg' und Thale:
Dann sei dankbar, daß vom Himmel Solche Gunst dir ward beschieden;
Doch treiben es Nebel und Regen nicht gar zu arg, so verzagt nimmermehr ein rechter Wandersmann. Er tröstet sich: Auf Regen folgt wiederum Sonnenschein! Daher liest man auch:
Bald hätten Nebel, Regen und Wind Uns vor der Zeit heimwärts getrieben; E' Zeichen, daß wir „helle" sind, Ist, daß wir trotzdem hier geblieben! Was eingebrockt die Wasserkuppe, Ist uns heute völlig schnuppe, — Das Lammersfeld zeigt uns die Rhön So prächtig, wie wir's nie geseh'n;
Und wär' uns vor Muttern derheeme nich bange, Mir blieben se, weeß Knebbchen, noch lange.
Dieses Poem erhielt allerdings den ironischen Zusatz: Ludwig, geh' du zur rechten Zeit, Dann bist du von der Burg erfreut.
Zechende Wanderer und wandernde Zecher.
Wenn der Nebel auf den Höhen lagert, dem Auge den Ausblick versperrend, wenn der Regen dem Wanderer die Freude am Wandern erstickt, dann hält der Wandersmann lange Rast droben in den Schutzhäusern oder im Kloster auf dem Kreuzberge, dann sitzt er gar lange drunten im Rhöndorfe beim Hirschwirth oder im „Löwen", im „Adler" oder im „Goldnen Stern", in der „Sonne" oder im „Schwan". Gar oft sieht er zum Himmel empor, ob das Gewölk sich nicht lichte.
In solch trüben Zeiten tröstet dann die volle Kanne. Der goldene Saalecker und das bittere Rhönbier helfen hinweg über die trüben Stunden; sie bringen Vergessenheit, zaubern Lust und Freude herbei.
Wenn von der Rhön nun geschrieben ward:
Nix, nox, ncx, nebu'ae
Sant dona optima Rhonae, (Schnee, Nacht, Nässe, Nebel Sind die besten Gaben der Rhön)
Santmetifelb; 27. August 1885.
so kann man sich denken, daß gar oft Nebel und Regen den Rhönfahrer zum Schutzhause treiben, daß sie gar oft den Wanderer zum Zecher machen. In den Fremdenbüchern wird solches bestätigt; man findet geschrieben:
Ihr stolzen Höhn im Buchenschmuck, Wie seid ihr doch so schön!
Bist du auch arm, ich lieb dich doch. Du stille, traute Rhön.
Doch hast du, wie manch liebes Weib, Ein Fehlerlein an dir:
Du bist zu Thränen sehr geneigt Und treibst uns dann zum Bier.
Milseburg, 24. September 1895.
mit zl«trrhalt«ns»-Krilage „Sterne und Klumeu«
Wanderer, wenn du steigst auf den Baier Und schaust hinab in das Thal, Oft die Welt dir erscheint als ein Schleier, Das Steigen, so denkst du, sei eine Qual.
Wanderer, dann darfst du nicht grollen. Rüst' dich ein andermal, Sieh', dann wirst du nicht schmollen. Nicht decket jetzt Nebel das Thal.
Dann kannst du dein Auge hier weiden
An Gottes herrlicher Welt;
Schwer wird dann dir das Scheiden Vom Berg, der dann dir gefällt!
Baiershof, 1892.
Der Schreiber zwinkerte Augen und sagte: „Mein Herr, ich habe meine Pflicht gethan, indem ich Ihnen die Anklageschrift überbrachte. Mehr weiß
Zufällig suchte zu jener Zeit Mr. Pecker, ein bekannter Londoner Sachverwalter, der sich zeitweilig an der Seeküste aufhielt, Unterkunft bei Madame Terry, und kaum hatte er etwas von dew treulosen Bräutigam Ellas vernommen, so überredete er die junge Dame, ihm Vollmacht zu ertheilen, gegen ihn wegen Bruches des Eheversprechens im Prozeßweg vorzugeben. Denn in England ist dies ein Delikt, das mit hohen Geldstrafen gesühnt werden muß. Mr. Pecker verlangte von seiner Klientin nicht einmal einen Kostenvor- " " " wohlbekannt war, daß Mr. John Leeds für
gut sei, und fing wohlgemuth zu prozessiren an.
Lug den sicmdkillmchm der W«.
Von Fr. Henze.
------ (Nachdruck verboten.)
Wem Gott will rechte Gunst erweisen. Den schickt er in die weite Welt!
's ist schad', daß er mich stets auf Reisen Für wasserdicht nnd waschecht hält.
* MUseburg, 1. August 1895.
Anfangs wollt' ich fast verzagen Und ich glaubt', ich trüg' es nie. Denn es knurrte mir mein Magen Nach bekannter Melodie.
Sonne hüllte sich in Schleier, Selten, selten sah man sie. Und ich fing ein Lied zu leiern Nach bekannter Melodie.
Windig war es dahingegen,
Vorwärts kam man nur mit Müh', Doch zuweilen plätschert Regen Nach bekannter Melodie.
Endlich oben angekommen, Bald ich wieder abwärts zieh'. Nun habt ihr mein Pech vernommen Nach bekannter Melodie.
Wasserkuppe, 13. Juli 1895.
Fordere Niemand, mein Schicksal zu hören, Wem das Leben noch wonnevoll lacht;
Jungfer Milseburg that mich bethören. Die manchem es also gemacht.
Verwegen halt' ich gewettet. Ich wollte ihr küssen die Stirn; Habe nichts, rein gar nichls gerettet Als mich und den bromwollenen Schirm!
Bei herrlichem, sonnigen Wetter
Lockt' die Falsche mich in ihren Arm;
Ich hab' nach dem vielen Gekletter Nur Spott und Gelächter und Harm.
Leeds war ein in seiner Branche erfolgreicher Handelsmann; er stand im Alter von 35 Jahren, war Junggeselle und schien es auch bleiben zu wollen, denn er hatte, so viel man von ihm wußte, niemals Damengesellschaft kulti- virt. Er war so verwachsen mit seinem Geschäft, daß alle Reize der Natur und der Kunst ihn nicht davon abzieben zu können int Staude schienen, er sann und dachte nur an sein Hauptbuch. Er schien äußerst erstaunt, als eines Morgens ein Schreiber der Advokatenfirma Pecker und Spotley in seinem Komptoir erschien und ihm mit den Worten: „Klage des Fräulein Ella Terry wegen Bruches des Eheversprechens" ein umfangreiches Dokument überreichte. Mr. Leeds wurde bei diesen Worten über und über roth und entgegnete mit
Nach der Mühsal magst du suchen Labung dann im Klosterfrieden.
Fügt stch's, daß der blaue Himmel Sich beharrlich von dir wende;
Kommt wie heute Wind und Nebel, Regenschauer ohne Ende:
Dann sei männlich und nicht kindisch. Laß nicht hören Jammerklage;
Und dein murrend Räsonniren Nicht in dieses Buch eintrage!
Kreuzberg, Vorrede zum Fremdenbuch, 1891.
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Fnidlaer Zeitung
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Zu spät sah ich, daß falsch ich gewettet, Denn die Arge mich wollte nur kirr'n, Habe nichts, rein gar nichts gerettet Als mich und den boomwollenen Schirm!
Jungfer Milseburg halt' sich verschleiert, Goß ein'n Wasserfall mir übet den Kopf; Da war ich natürlich gemeiert, Durchnäßt vom Fuß bis zum Schopf. In Nesseln hatt' ich mich gebettet, Davon mir noch brennet das Hirn! Habe nichts, rein gar nichts gerettet Als mich und den boomwollenen Schirm!
Milseburg, 1892.
Die Milseburg, die Perle der Rhön, Sie ist gewiß gar wunderschön;
Doch ist der Besuch bei Nebel und Regen Fürwahr zu nennen etwas verwegen.
Milseburg, 9. September 1888.
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Lammersfeld, 1. Juli * *
das mußte ihm klar sein, daß Klageschriften Dinge seien, die man nicht vergessen darf. Er begab sich denn auch allso- gleich zu seinem alten Freund und Rechtsanwalt M. Standwell, dem er das verhaßte Papier übergab, indem er ihm erklärte, er wisse weder etwas von der Dame noch von dem Eheversprechen.
Mr. Standwell machte ein ziemlich ungläubiges Gesicht und suchte seinen Klienten durch einige schlau ausgeklügelte Fragen auszuholen. Da dieser aber seine Unschuld betheuerte und sich schließlich sogar erregt zeigte, ließ Mr. Standwell von jedem weiteren Versuch, ihn zum Geständniß zu bringen, ab.
„Hm," meinte er, „die Geschichte ist seltsam. Vielleicht ist es doch ein Mißverständniß, aber Pecker und Spotley sind scharfe Leute, und man würde nicht gut thun, die Sache auf sich beruhen zu lassen. Ich werde daher Schritte zu Ihrer Vertheidigung unternehmen müssen."
„Gewiß," entgegnete der Klient. „Aber wenn Sie unseren Gegnern sagen werden, daß ein Mißverständniß vorliegt, werden diese wohl sofort die Klage fallen lassen."
„Was sie thun werden, kann man nicht wissen," entgegnete der Rechtsanwalt. „Aber sie sind scharfe Leute, sehr scharfe Leute, in der That. Indessen ich werde thun, was noth- wendig ist, und Sie brauchen einstweilen darüber nicht in Unruhe zu sein. Sie werden schon weiteres von mir hören."
Mr. Standwell sah ziemlich verblüfft darein, als sich sein Klient entfernt hatte. Er kannte Mr. John Leeds schon lange Zeit und hätte ihn nicht für einen Spitzbuben hallen mögen; am allerwenigsten aber konnte er ihm die Dummheit zutrauen, daß er seinen eigenen Anwalt belügen wolle. Kurz, er wußte nicht, was er von der Geschichte denken solle.
Endlich setzte er sich nieder upd erließ ein Schreiben an Mssrs. Pecker und Spotley, worin er ihnen mittheilte, daß er von seinem Klienten Mr. John Leeds dahin informirt sei, derselbe kenne keine Miß Ella Terry. Das Schreiben war so abgefaht, daß man aus ihm immerhin den Zweifel des Schreibers herauslesen konnte. Die Herren Pecker und
Das gebrochene Gheversprechen.
1.
Ter Mond lugte manchmal aus den Wolken hervor, die über die See dahinzogen, am Fitmammt blinkte hie und da ein Sternlein, und die Wellen rausch en mit leisem Murmeln gegen den Strand, an welchem ein Liebespaar dahinwandelle.
„Also, Du mußt mich morgen verlassen?" seufzte sie.
„Ich muß, Geliebte," entgegnete er, während er treuherzig ihr in die Augen schaute. „Aber meine Abwesenheit soll nicht lange währen. Ich muß nach meinen Geschäften sehen, aber ich werde bald zu meiner Ella zurückeilen, um dann für immer mit ihr vereinigt zu sein."
Der Mann, der im Begriffe stand, sein Liebchen zu verlassen, nannte sich John Leeds und hatte drei Wochen, fern von seinen Geschäften, zu seiner Erholung in Slopton zugebracht, wo er die Bekanntschaft von Miß Ella Terry machte. Das Mädchen gefiel ihm; rasch entschlossen warb er um Ella, und ebenso rasch erhielt er das Jawort. Ella war die einzige Tochter einer Wittwe, die ihr geringes Einkommen durch Vermiethen von Zimmern an Sommergäste zu vergrößern suchte, und da das Mädchen hübsch und anziehend war, mußte man sich darüber wundern, daß es nicht schon früher ein unternehmender Jüngling heimgeführt hatte.
Mr. John Leeds bekannte offen seine Liebe für Ella, und ihre Mutter, eine respektable alte Dame, hatte die Zustimmung zu der Verbindung gegeben, die sie als eine für ihre Tochter vortheilhafte betrachtete, da Mr. Leeds als ein reicher Londoner Kaufmann galt. Als er Abschied nahm, um sich nach London zu begeben, versicherte er eifrig, er werde oft und bald schreiben, und Niemand hätte gedacht, daß er es nicht aufrichtig damit meinen sollte.
Es vergingen jedoch Tage, Wochen und Monate, ohne daß er wieder etwas von sich hören ließ, und endlich konnte die arme Ella nicht mehr daran zweifeln, daß sie von ihrem ^Liebsten schmählich verlassen worden sei.