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Freitag, den 27. August 1897

2L Jahrgang

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Der Zweck unserer Katholikenversamrn- Lungen, besonders der diesjährigen.

Gar oft ist schon eine Antwort gegeben worben auf die Frage, was wir eigentlich mit unseren Katho­likentagen wollen. Allein es gibt Dinge, die man gar nicht oft genug hören kann und die darum immer wiederholt werden müssen. Und dazu gehört auch unser Thema. Am einfachsten wäre es, auf die un­zähligen Versammlungen der verschiedenen Korporationen und Vereine hinzuweisen, die allerwärts zusammen­kommen, um ihre Interessen zu berathen und zu ver­treten. Was allen andern erlaubt, ja nöthig erscheint, sollte den Katholiken, die dem ältesten, dem General­verein aller Vereine, angehören, verwehrt sein? Nein, auch wir wollen uns versammeln und wir thun dies, abgesehen davon, daß wir damit jedesmal ein erfreu­liches Lebenszeichen von uns geben, zunächst aus drei Gründen und zwar: 1) um uns zu wehren und zu vertheidigen, 2) um uns gegenseitig zu begeistern und 3) um möglichst viele unserer Gesinnungsgenossen um uns zu sammeln.

Zuvörderst wollen wir zeigen, daß wir noch leben. Wenn man nämlich schon so oft todtgesagt worden ist, wie wir Katholiken, dann erscheint es gar nicht überflüssig, ja sogar sehr nützlich, sich selbst ein­mal so recht davon zu überzeugen, daß man noch lebt, insbesondere aber es denen zu zeigen, die so lange und so oft schon das baldige Ende unserer Kirche prophezeit haben.

Wie viele große und mächtige Todtengräber sind in den letzten Jahrzehnten der Kirche erstanden, wie viele, die immer wieder triumphirend ausriefen: „Jetzt ist es aber aus mit ihr, jetzt liegt sie in den letzten Zügen; endlich haben die modernen Ideen diese ver­altete Weltanschauung überwunden, endlich hat die Wissenschaft über den Glauben gesiegt; jetzt bricht das Zeitalter des reinen Menschenthums an — die Kirche ist tobt und wird nimmer erwachen" :c. und man hat nicht nur das baldige Ende dieser Kirche prophezeit, man hat fürwahr auch alles Menschen­mögliche aufgeboten, um dieses so heißersehnte Ziel herbeizuführen. Aber man hat die unverwüstliche Lebenskraft der Kirche unterschätzt, die gerade im Leiden erstarkt und sich jeden Tag verjüngt am Herz­blute des Erlösers. Heute steht sie da, mächtiger vielleicht wie je in den zwei Jahrtausenden ihres Kampfes. Möchte sie doch in jedem Einzelnen aus uns ebenso fest gegründet fein, bann wäre sie überall siegreich.

Weil man uns aber das Leben absprechen will, müffen wir ferner uns wehren und vertheidigen. Wir wollen also zeigen, daß wir entschlossen sind, das zu thun. „Aha!" höre ich da die Gegner sagen, „da haben wir die „Friedensstörer." Jetzt soll wieder lustig darauf losgeschlagen werden." Nun, wir wollen gar nicht erinnern an das bekannte Sprich­wort, daß auch der Beste nicht in Frieden leben kann.

* A«s dkil ImÄkilWttn dtt Wi.

Bon Fr. Henze.

8 ------ (Nachdruck verboten.)

Wandertag.

Wer wandern will. Der schweig fein still. Geh' steten Schritt, Nehm' nicht viel mit. Tret' an am frühen Morgen Und laß daheim die Sorgen.

Kreuzberg, 19. Juli 1871

JSo lautet ein gar trefflich Wanderrezeptlein. Die Rhönberge sind steil, die Pfade daher beschwerlich. Wer in heißer Sommergluth von Kleinsaffen aus die „Kniebreche" zur Milseburg, von Haselbach oder von Waldberg aus die „Kniebreche" zum Kreuzberg hinan steigt, den drückt doch des Weges Last. Gar oft nimmt er sein Sacktüchlein her, das Angesicht zu trocknen.

Im Walde an der Milseburg ist eine Tafel am Baume angeschlagen; man lieft dort:

Pfad St. Gangolphi

Will ein gesundes Knie.

Eine zweite Tafel trägt die Aufschrift:

Habe Acht

Vor St. Gangolphus Pracht.

' wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt. Wer sich aber wehrt gegen Angriffe, die das Höchste und Theuerste betreffen und bedrohen, was wir auf Erden und im Himmel haben, wer sich dagegen vertheidigt, den wird man wohl keinen Friedensstörer schelten können. Ja, wehren wollen wir uns für unser gutes Recht, wehren für die Wahrheit, wehren für die religiöse Freiheit, für die Freiheit der Kirche. Wir wollen, wie Görres so schön fagt: die ganze und volle Realisirung der feierlichst garantirten Religions­freiheit und der uns zugefagten politischen und bürger­lichen Gleichberechtigung der Konfessionen in ihrem ganzen und vollen Umfang ohne „Gefährde und Hinterhalt." Wir wehren uns für all' diese Frei­heiten, woraus die Kirche und wir als Glieder der Kirche, wie als Bürger des Staates Anspruch haben. Wir bekämpfen jene kurzsichtige Staatsweisheit, welche meint, in der heutigen Zeit, wo die menschliche Gesell­schaft in ihren Grundfesten erschüttert ist, mit Para­graphen die Gesellschaft retten zu können. Und dabei sind wir überzeugt, daß wir damit in Wahrheit dem Frieden dienen, daß wir nicht bloß die Interessen der Kirche vertreten, sondern auch die des Staates, daß wir damit jene von Gott gesetzte und darum allein wahre und erste Autorität stutzen und schützen gegen Jene, die sie heutzutage allerorten zu unter­graben bestrebt sind. Alle Männer, die guten Willens sind, sollten zu diesem Zwecke mit uns zusammengehen in der Erkenntniß, daß das Interesse der so schwer gefährdeten staatlichen Ordnung die wärmste Unterstützung unserer Forderungen und Be­strebungen erheische.

Wir wollen uns ferner mit neuer, frischer Begeisterung erfüllen. Wie leicht schlaft der Mensch ein unter den täglichen Sorgen und Mühen, wie leicht stellt sich Gleichgiltigkeit oder Entmuthigung, wie leicht auch kleine Verstimmungen und Differenzen ein, die sich, wo nicht rechtzeitig vorgebeugt wirb, zu einer wirklich gefahrbringenden Kluft erweitern können! Da thnt es noth, daß dann und mann die Katho­liken zufammentreten aus dem ganzen weiten deutschen Vaterland und mit neuer Kraft, Muth und Begeisterung sich erfüllen. So eine Katholikenversammlung ist ein mächtiges Sursum corda. Hinauf die Herzen aus diesem trüben Erdenleben, hinauf zum Himmel und zu all' den Idealen, die aus diesem höchsten Ideal hervorgehen und nur von ihm ihre Schönheit em­pfangen! Ein solcher Katholikentag wirkt belebend, erfrischend, heiligend und einigend.

Endlich wollen wir sammeln, sammeln alle diejenigen, die guten Willens sind. Alle! Der Kampf zwischen den zwei Weltanschauungen, der christlichen und heidnischen, spitzt sich immer mehr zu und Keiner kann schließlich müßig abseits stehen. Keiner darf die Hände in den Schooß legen und nur seufzen über die elenden, trostlosen Zeiten. Nein, heutzutage heißt es Farbe bekennen, da heißt es sich entscheiden, da heißt es handeln. Für Christus

Recht derb drückte ein Bayer diesen Gedanken im Fremdenbuche aus der Milseburg aus; er schrieb: Gehst du den Pfad St. Gangolphi, So brauchst du Hax'n wie an Vieh.

Milseburg, iss«.

Man kann wohl die Gefühle derer verstehen, die da schrieben:

Zum Zeichen, daß wir hier gewesen, Mag uns're Unterschrift man lesen; Doch sagen wir's zu aller Nutz und Frommen, Bei solcher Hitz thun wir nicht wiederkommen.

* t Kreuzberg, 17. August 1876.

Eine steinige Höh', ein steinern Herz, Die schaffen viel Weh, viel Kummer und Schmerz; Doch ein liebliches Herz, 'ne schattige Straß', Die geben dem Wanderer stets Freude und Spaß.

Kreuzberg, 27. August 1895.

Im Fremdenbuche auf der Wasserkuppe liest man: Es geht ein bischen hoch hinupp Auf die große Wasserkupp', Der Schweiß in großen Strömen rinnt. Wenn man den Bergkoloß erklimmt.

# t Waflerkuppe, 3. Juni 1886.

Mer es ist nun einmal fo auf Erden: Ohne Fleiß fein Preis! Doch der von den Höhen sich dar­bietende Ausblick entschädigt tausendfach die Mühe des Steigens. Es ward drum auch geschrieben:

oder gegen Christus! Da bleibt keine andere Wahl; der Teufel allein ist neutral! Also sammeln wollen wir Alle; wir haben ja diese Sammlung heute nöthiger denn je, weil die alten bewährten Führer uns fast fämmtlich durch den Tod entrissen wurden; da müffen nun neue Kräfte die Lücken ausfüllen, da müssen junge, begeisterte Katholiken eintreten in den Kampf für die gefährdeten höchsten Güter der Menschheit.

Und so soll denn auch die diesjährige Katholiken­versammlung eine Mahnung fein an alle Gutgesinnten, sich um die siegreiche Fahne des Kreuzes zu schaarem Wir fordern Niemand heraus, fürchten aber auch Nie­mand. Wir lassen uns nicht in die Ecke drücken, son­dern was wir als recht und billig erkannt haben, das fordern wir und das vertreten wir. Und warum sollen wir uns auch fürchten? Haben wir doch zwei große, mächtige Bundesgenossen auf unserer Seite: die Zeit und den Herrn der Zeiten; die Zeit, welche so viele und große Verirrungen der Menschheit aufdeckt, daß auch der Blindeste schließlich den Jrrthum ein­sehen muß, und Gott den Herrn und König aller Zeiten, der uns stählt und stärkt in dem Streite, den wir für ihn und in feinem Namen führen. Wenn „Gott mit uns, wer wollte gegen uns fein?" oder wen hätten wir dann noch zu fürchten?

Darum hoffen wir zu Gott, daß auch die dies­jährige Katholikenversammlung die besten Früchte zei­tigen möge. Möge des Himmels reichster Segen auf diesen Tagen ruhen, möge der Geist der Weisheit all' die Versammelten erfüllen, daß sie in Siebe und Ein­tracht das erstreben und finden, was der kranken Ge­sellschaft noch thut und möge aus Reden und Rathen folgen herrliche Thaten!

Deutsches Weich.

Berlin, 26. August.

* Das Kaiserpaar ist am Mittwoch Abend wieder im Neuen Palais eingetroffen.

* Dem Kerzog Kart Weodor in Mayern, der bekanntlich jüngst auf der Nordlandsreise des Kaisers von diesem wegen seines Auges EonfuÜirt wurde, ist, wie der ,Reichsanz/ meldet, das Kreuz der Groß- komthuren des Hausordens von Hohenzollern verliehen worben.

* Kolonial-Direktor Frhr. v. Michthose» ist laut ,Reichsanz/ im Falle der Behinderung des Reichs­kanzlers mit dessen Vertretung in den Kommando- Angelegenheiten der Schutztruppen in den afrikanischen Schutzgebieten beauftragt worben.

h In ben Botschafter- vezrv. Gesandtschafts- Posten sinb, wie die,N. A. Z/ hört, verschiedene Aenderungen getroffen worben. Als Nachfolger bes Frhrn. v. Thielmann ist ber Gesandte in Stuttgart, Dr. v. Holleben, als Botschafter in Washington in Aussicht genommen worben. Den Stuttgarter Gesandten­posten wird ber Gesanbte in Lissabon, v. Derenthall, ben Lissaboner ber Gesandte in Weimar, Raschbau, erhalten.

Ohne Mühe kein Genießen — Lebenslosung ist's hienieden; Wer da will zum Kreuzberg zieh'n Reichlich wird es ihm beschieden, —- Seufzer viel und Schweißvergießen Bis uns winket Klosterfrieden. Nach der Ruhe — wieder Mühen; Darum laßt uns weiter ziehen.

Kreuzberg, is. September 188«, ♦ * * »

Hungrig, durstig, lendenlahm Kamen wir hier oben an; Doch beim Anblick alles dessen. Was sich hier dem Äug' erschließt. War bald alle Müh' vergessen: Rhön! Wie machst du uns vergnügt!

Milseburg, 188«.

Große Steene, Kleine Steene, Müde Beene, Aussicht scheene!

■v Milseburg, Mai 1894.

Was thut's, daß steil der Weg und rauh, Wenns rings nur grün und drüber blau!

* Oechsen.

Sonnenschein gehört allerbings zum Wandern, vornehmlich zu einer Rhönwanderung. Wenn Rhön­nebel auf den Höhen lagert, dann: Ade, Wander- freube! Abe, Wanberlust!