M 193 Mittwoch, den 25. August 1897 2L JahrgMg
FiildiikrWZeituiig
_______ mit Unterhaltungs-Kettage „Ktrrne und Klumen«.
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o Ländliche Arbeiterftage.
Dem Arbeiter in der Industrie hat die öffentliche Aufmerksamkeit sich längst zugewandt. Hervorragende Männer in der Großindustrie und Sozialpolitiker gingen voran mit gutem Beispiel und mit Vorschlägen zur Besserung der Lage und zur Sicherstellung des Industrie-Arbeiters gegen die Gefahren von Krankheit, Unfall und Invalidität. Allmählich entwickelte sich auch bei den Regierungen verschiedener Länder die Ueber- zeugung, daß der Arbeiterschutz nicht allein in das Gebiet der Thätigkeit Einzelner, sondern ebenso und noch mehr zu den Aufgaben der Gesetzgebung gehört. Nur allmählich vollzog sich diese Entwickelung. Dann erhielt sie einen kräftigen Stoß vorwärts durch die kaiserlichen Erlasse vom Februar 1890 und durch die internationale Arbeiterschutz-Konferenz in Berlin, die jenen Erlassen folgte. Aber bald nach dem Arbeiterschutzgesetze vom Jahre 1891 wurde es allgemach wieder stiller, und gegenwärtig ist die so nothwendige Fortführung der Sozialreform ins Stocken gerathen, obgleich das dringende Bedürfniß derselben von immer weitern Kreisen anerkannt und besonders vom Arbeiterstande immer mehr betont wird.
Dem ländlichen besitzlosen Arbeiter, der heute fast überall ebenfalls auf den Geldlohn angewiesen ist, hat sich die öffentliche Aufmerksamkeit viel später und auch heute noch in geringem Maaße zugewandt. Steht es vielleicht um ihn so, daß man von einer allgemein befriedigenden Lage bei ihm sprechen kann? Freilich der Arbeiter auf dem Lande athmet nicht gesundheitsschädliche Luft ein, wie so mancher Arbeiter m der Industrie und im Bergwerke. Die ländlichen Verhältnisse bringen es nicht mit sich, daß er mit Frau und Kindern in dem vierten oder fünften Stocke eines Hinterhauses in der Großstadt wohnen muß, an einem Hofe, so eng, daß er eher wie ein Kamin als wie ein Hof aussieht. Aber es sind doch in den letztvergangenen Jahren immer mehr Mittheilungen in die Oeffentlichkeit gedrungen, die von überaus traurigen Wohnungsverhältnisfen speziell im Norden und Osten Deutschlands meldeten. Besonders die Schriften des Vereins für Sozialpolitik „lieber die Verhältnisse der Landarbeiter in Deutschland" (3 Bde. 1892) haben weitverbreitete beklagenswerthe Schäden aufgedeckt. Kurz darauf haben deutsche Sittlichkeitsvereine auf Grund von ausgedehnten Umfragen die schwersten sittlichen Mißstände nachgewiesen, die theils den schlechten Wohnungsverhältnissen, theils den allgemeinen Arbeitsbedingungen der Landarbeiter zuzuschreiben sind. Schon aus der immer mehr zunehmenden Flucht vom Lande ist zudem zu entnehmen, daß unter den ländlichen Arbeiterklassen die Unzufriedenheit mit ihren Arbeitsbedingungen im Steigen begriffen ist. Hat dieselbe trotz der nachhaltigen Bemühungen der Sozialdemokratie noch weniger öffentlichen 'Ausdruck gefunden in revolutionären Bestrebungen, so ist dies mehr den Schwierigkeiten zuzu-
Aus den Fremdenbüchern der Wn.
Von Fr. Henze.
6 ------ (Nachdruck verboten.)
Zu den Bergen hinauf zieht es die Menschen hier werden Kummer und Sorgen vergessen. Fern von der „Welt" athmen wir freier auf auf hoher Warte, lieber uns wölbt sich der weit gespannte Himmel, friedlich ziehen die Wolken dahin; die Menschen, die sich neiden und kränken, stehen tief, bergtief unter uns; all das Kleinliche und Beengende ist drunten im Nebel versunken. Der Wind, der über die Kuppen streicht, nimmt von uns ab, was das Herz beschwert; in dem Sturm, der uns die Wangen kühlt, der durch der Bäume Wipfel rauscht, vernehmen wir einen Sang der Befreiung. Neuer Lebensmuth zieht ein in unser Herz, und neuk Muth gibt uns neue Kraft. Es weitet sich das Herz, man wird so ftoh und weiß nicht warum. So schrieb einst ein Wandersmann:
Ich komme, ich weiß nicht woher!
Ich gehe, ich weiß nicht wohin!
Wie kommts, daß ich so fröhlich bin?
, t Milseburg, August 1892.
Als Antwort kann es gelten, wenn geschrieben ward:
schreiben, welche eine feste Organisation und rege Agitation bei den ländlichen Arbeitern wegen ihrer Zerstreutheit auf weiten Landesstrecken finden muß. Die allgemeine Schulbildung, das immer weitere Vordringen der Erzeugnisse der Presse, der Aufenthalt in den meist großen Städten während der Militärdienstzeit allein schon werden das Eindringen der modernen Ideen und insbesondere auch der sozialdemokratischen Grundsätze in steigendem Maaße begünstigen. Auch die wachsenden Jntereffenbestrebungen der ländlichen Grundbesitzer werden den nachhaltigen Eindruck auf die Landarbeiter nicht verfehlen.
(Schluß folgt.)
Deutsches Welch.
Berlin, 24. August.
* Der Kaiser sollte nach einer wiederholten Behauptung des ,Figaro' eine abfällige Aeußerung über die Haltung der italienischen Truppen in der Schlacht bei Adua gemacht haben. Die,Nordd. Allg. Ztg/ ist ermächtigt, diese Angaben des ,Figaro' als jeder Begründung entbehrend zu bezeichnen.
* DerKisenöaHuminiKer hateineBelohnung von 300 0 Mark auf die Entdeckung des muth- maßlichen Schuldigen an der Entgleisung des 0-Zug es Hannover-Hamburg ausgesetzt. Die Untersuchung hat den ,Hannov. Tag.-Nachr/ zufolge ergeben, daß die innere Schiene des rechten Geleises etwa zwei Zoll nach dem Geleis-Jnnern zu eingebogeu und daß die unter diesem Bogen liegende Schwelle nach rückwärts verbogen war; an dem Steg der inner« Schienen und zwar auf der Außenseite finden sich blanke Stellen, welche darauf schließen lassen, daß die Einbiegung mit einem windenartigen Instrument erfolgt sei. Es gilt als ausgeschlossen, daß die Einbiegung, die Verschiebung der Schwelle und die blanke Stelle an der Schiene eine Folge der Entgleisung sei. Da der Kaiser wenige Stunden vorher die Strecke passirte, besteht zwischen der Fahrt des Kaisers und dem Verbrechen vielleicht ein innerer Zusammenhang, wenngleich der Kaiser auf dem anderen Geleis in umgekehrter Richtung fuhr. Die ,H. Tag.- Nachr/ meinen, für den Fall, daß die Verbrecher Ausländer gewesen seien, sei die Vermnthung immerhin berechtigt, daß dieselben angenommen hätten, wie in Frankreich, Belgien, Italien u. s. w. würde auch bei uns auf dem linken Geleise gefahren und der kaiserliche Zug würde erst um die Stunde des Unglücks den Thatort paffiren.
h Kriminalkommissar v. Tausch sollte nach Blättermeldungen einen unbeschränkten Urlaub erhalten haben. Die ,Nordd. Allg. Ztg/ dementirtanscheinend offiziös diese Nachricht, indem sie bemerkt, daß v. Tausch, wie wir bereits gemeldet haben, auf Grund ärztlichen Ältestes einen Nachurlaub erhalten habe. Sie fügt hinzu, daß die Disziplinaruntersuchung hierdurch keine Verzögerung erleide, weil der Nach-
Mich dünkt, es könnten die Sorgen Des Thales micht klimmen zur Höh'.
* Kreuzberg, 2. Oktober 1873.
llnb ein Student, der solches am eigenen Herzen erfahren, schrieb in das Fremdenbuch des Klosters Kreuzberg ein:
Wenn oftmals ich gar traurig bin, Wenn mir's um's Herz so weh. Dann reißt mich's fort, dann zieht mich's hin Zu luft'ger Bergeshöh'.
Und weithin klinget ein fröhlicher Klang, Und weithin dringet der lustige Sang: Berge Juchhe! Freiheit Juchhe!
Ade! Ade! du enges Haus.
Ich muß von hinnen zieh'«;
Mich treibt es in die Welt hinaus, Weiß selber nicht, wohin!
Wohin? Wohin? macht mir nicht bang;
Es klinget so fröhlich der lustige Sang: Berge Juchhe! Freiheit Juchhe!
Die blauen Berge sind mein Ziel, Sie zieh'n mich mächtig an.
Weiß ich auch nicht, wohin ich will. Es treibt mich stets voran.
Voran, voran mit fröhlichem Klang!
Es dringt in die Ferne der lustige Sang: Berge Juchhe! Freiheit Juchhe!
Flink geht es über Stock und Stein, Kühn über jähe Kluft.
An die Rhönberge. Seid gerrüßt. chr lieben Berge, Tie in Deulfchlands Gauen steh'n,
Auf himmelhohem Felsgestein Da weht so frei die Luft.
Und weit durch den Aether dringt mein Sang So frei von Sorgen, Mühen und Zwang: Berge Juchhe! Freiheit Juchhe!
Da wird die Brust so voll, so weit. Da geht so hoch das Herz;
Es fühlt nur Glück und Seligkeit Und jauchzet himmelwärts.
Den Bergen, der Freiheit tönet mein Sang; Es klinget so lustig im fröhlichen Klang: Berge Juchhe! Freiheit Juchhe!
Kreuzberg, 2. September 1886.
* * * *
Wandersleute bekennen:
Ein alter Knabe von sechzig Jahren Bin heute ich zu Berg gefahren, Hab' all' den Jammer drunten gelassen. Mit dem sich die thörichten Menschen befassen. Und hoch über all' dem Ringen und Streben Hol' ich mir Kraft zum Weiterleben, Wer weiß, wie bald in Jahr und Tag — Es komme, wie es komme« mag — Schlägt mir der Knochenmann im Nu Des Lebens Buch vor der Nase zu.
Wafferkuppe, 16. August 1893.
urlaub unter der Bedingung bewilligt worden sei, daß v. Tausch zurückkehre, so bald feine Vernehmung erforderlich sei. Bis jetzt habe diese Vernehmung nicht stattfinden können, weil die dazu unentbehrlichen, beim Reichsgericht befindlichen Gerichtsakten der die Untersuchung führenden Behörde noch nicht zugänglich seien.
*Das Staatsministe riurn hat für die Ileöer- schwemmte« i« Schlesien bekanntlich 500000 M. bewilligt. Wie die ,Nordd. Allg. Ztg/ vernimmt, handelt es sich bei dieser Summe um Abwendung dringlicher, insbesondere auch sanitärer Gefahren, für die die Mittel schleunigst bereit zu stellen waren. Als selbstverständlich bezeichnet es die ,Nordd. Allg. Ztg/, daß der Staat hiermit feine Aufgabe noch nicht als erfüllt ansehe.
h An der Gelreidepreisuotiruug der Cen- tralstelle der preußischen Landwirth sch afts- tammern war in der Presse getadelt worden, daß sich dieselbe auf Getreide von zu verschiedener Qualität beziehe, als daß sie bei Kaufabschlüssen eine Norm für die Preisbemeffung abgeben könne. Infolgedessen hat die Centralstelle im ,Reichsb/ eine Erklärung veröffentlicht, in der sie die drei Gruppen ihrer Preis- notirung eingehend bespricht. Sie gibt zu, daß die erste Gruppe sich auf sehr verschiedene Qualitäten beziehe; dafür habe sie aber auch nur Interesse für die lokale Marktlage und über diese könnten sich die Interessenten, die die Qualitäten kennten, genügend orientiren. Zu dieser Gruppe träten die anderen Beiden ergänzend hinzu, so daß man aus der Ge- sammtheit der Notirung ein für Kaufabschlüsse zutreffendes Bild sowohl über die Weltmarktlage als die lokale Marktlage gewinnen könne.
* Deutsch land soll nach der englischen Presse bie. Schuld an der Verzögerung des Abschlusses des griechisch-türkischen Iriedens tragen, weil es aus einem Rachebedürfniß gegenüber Griechenland die Finanzkontrole fordere, während selbst deutsche Gläu- biger Griechenlands keine Neigung für die Finanzkontrole verriethen. Die ,Nordd. Allg. Ztg/ hebt demgegenüber nochmals hervor, daß sämmtliche Mächte mit Einschluß Englands für eine internationale Finanzkontrole eingetreten feien und daß Lord Salisbury vor der neuesten Schwenkung in der englischen Diplomatie jene Kontrole als die conditio sine qua non für die Hebung des griechischen Kredits auf dem europäischen Geldmärkte bezeichnet habe. Der englische Premier habe bei dieser Erklärung wohl gewußt, daß seine Ansicht mit dem Urtheil der maßgebenden Londoner Finanziers zusammentreffe. Zum Beweise dafür, daß die englischen Finanzkreise auch jetzt noch an dieser Auffassung festhalten, citirt die ,N. Allg. Ztg/ einen Artikel des „Matin" aus der Feder seines Londoner Korrespondenten.
* Der Einsiedler im Sachsenwalde, Bismarck, kann es als alter Säbelschleifer nicht unterlassen, dieZeitungs- spalten seines Sprachrohrs, der,Hamb. Nachr/, in müßigen Tagen und in der hochsommerlichen Leere in