Dienstag, bett 24. August 1897
________ 2t. Jahrgang
FiildllkrMZkitiinii
_________________mit UnterhaLtrrngs-Keilagr „Sterne und Klnwen".
Deutsches Keich
der das das
Das sind die Thatfachen, auf bie das Centrum sich berufen kann und die Jedermann bestätigt findet wenn er die parlamentarischen Verhandlungen nur der letzten drei Jahre nachblättert. Von „sich herauslügen" kann also keine Rede sein. Uebrigens sprechen auch sehr zahlreich vorliegende Briefe von Beamten an Centrums - Abgeordnete dem Centrum den Dank aUl ba$' es für die Beamten gethan und
setzen in der Lage war. So hängt das, was auf deutschen Katholikentagen öffentlich verhandelt wurde, mit der Entwicklung der sozialen Gesetzgebung im deutschen Reiche zusammen. An der Centrums- pa rter des Reichstags lag es, bei ihren gesetzgebe- nschen Arbeiten den Beschlüssen der General-Versammlungen Rechnung zu tragen. Im Jahre 1890 erntete denn auch die Centrumspartei für ihre Thätigkeit zur Besserung unserer sozial-wirthschaftlichen Zustände die nnmüthige Anerkennung der General-Versammlung zu
Seitdem ist die Thätigkeit der General-Versammlungen auf sozialem Gebiete nicht erlahmt, und wir dürfen hoffen, daß auch die nächsten deutschen Katholikentage die konsequente Fortführung der Sozialreform im Sinne des Christenthums im Auge behalten werden.
So werden sie eine noch größere Aufgabe erfüllen als die, wozu sie einst ins Leben gerufen worden find. Sie werden nicht nur die katholischen Elemente sammeln und katholisches Leben fördern, sie werden auch das ihrige dazu beitragen, unsere Zeit von den herrschenden schweren sozialen Uebelständen zu befreien. Dann werden die General-Versammlungen der deutschen Katholiken auf der Höhe bleiben, sie können anderwärts zwar nachgeahmt, aber nicht erreicht werden.
kratische Partei auch nicht einen Antrag emgebracht, der erreichbar und durchführbar hätte er- schemen können. Sie schien vielmehr ganz vergessen zu haben, daß sie hier gerade die rechte Gelegenheit hatte, um die Lage der unteren Beamtenklassen, namentlich bei der Eisenbahn, zu verbessern. Erst Water, nachdem das Centrum seine Anträge zu Gunsten der Unterbeamten der Post und Eisenbahn gestellt und auch bereits durch gesetzt hatte, kam der sozialdemokratlschen Partei die richtige Einsicht In der Kommission für den Reichshaushalt brachten deren fozraldemokratische Mitglieder eine Resolution em für n o ch m a l i g e Aufbesserung derLandbriefträger, und erst das Plenum des Reichstages konnte dann mit dieser Resolution sich beschäftigen. Das Centrum trat dann ebenso für diese Resolution ein, wie fast alle anderen Parteien des Reichstages, so daß die Resolution fast einstimmig angenommen wurde.
Die Art und Weise aber, wie diese Resolution entstanden ist, hat noch ihr ganz besonderes Interesse. Wir schwelgen vorläufig davon. Im Uebrigen überlassen wir allen Lesern selbst das Urtheil darüber, ob dre Situation, in der das Centrum gegenüber den Unterbeamten der Verkehrsanstalten sich befindet, wirklich „fatal" ist, und ob das Centrum nöthiq hat, sich herauszulügen". Jedenfalls aber hat die sozialdemo- kratlfche Partei allen Anlaß, nachzudenken, wie sie sich aus der „fatalen Situation" herausreden soll, in die sie durch ihre der Wahrheit in's Gesicht schlagenden Behauptungen sich gebracht hat.
Was hat aber die Sozialdemokratie für bre Beamten Nennenswerthes gethan und zu Wege gebracht?
Die Antwort auf die Frage ist nicht lang. Sie lautet einfach: Nichts! 9
In der parlamentarischen Kommission, welche für die Vorberathung der Befoldunqsver- bef serung eingesetzt wurde, hat die sozialdemo-
□ Centrum und Post-(Eisenbahn-) Unterbeamte.
(Schluß.)
Untersuchen wir die Haltung der Centrumspartei zu diesen Fragen weiter, so finden wir endlich, daß ebenfalls das Centrum bei derBerathung der Besold ungs-Vorlage dafür sorgte, daß nicht allein die mittleren und oberen Beamten bedacht wurden. Vielmehr ist es da den Bemühungen des Centrums gelungen, mehr als 23,000 Beamten, die nach d^r Vorlage der Regierung nicht berücksichtigt werden sollten eine Aufbesserung ihres Gehaltes zu verschaffen. 0
Berlin, 23. August.
h KeinritH wird sofort nach Beendigung Flottenhauptmanöoer in der Ost- und Nordsee Kommando über die 2. Division des Geschwaders, er seit 1. Okt. v. I. inne hatte, niederlegen, und, wie wir bereits früher gemeldet haben, in der Stellung als Kontre-Admiral vom Herbste d. I. ab
zum ersten Male ein größeres selbständiges Landkommando übernehmen, da er bekanntlich die Führung der 1. Marineinspektion mit dem Sitz in Kiel erhalten hat. Letzere umfaßt die 1. Matrosen- und Werftdlvlston sowie die Friedrichsorter Schiffsjunqen- Abtheilung Das bisherige Flaggschiff des Prinzen, der Panzerkreuzer „König Wilhelm 1 wird wahrschein- lidj in der Schlachtflotte nicht weiter verwendet werden. Vor Antritt seines neuen Kommandos wird Prinz Heinrich, wie die ,Postt vernimmt, zu seiner Erholung einige Wochen in Urlaub gehen
* Staatssekretär Frhr. r». Marschair hatte am Sonnabend eine Unterredung mit dem Botschafter v. Bülow, in der er demselben laut ,Berl.Lock Anz "den Wunsch mittheilte, zur völligen Wiederherstellung seiner Gesundheit noch einen langem Nachurlaub zu nehmen , * Der Senior des Oesammlßauses Kohen- tohe, Fürst Hugo zu Hohenlohe-Oehringen,
Unsere deutschen Katholikenversamm- lungen und die soziale Frage.
(Schluß.)
Kettelers Programmentwurf enthielt in den Grund- .zügen bereits alle die Reformvorschläge, welche später von der Centrumspartei des Reichstags vertreten worden und auf den Katholiken-Versammlungen der siebziger und achtziger Jahre Gegenstand eifriger Diskussion gewesen sind; schon von Bischof Ketteler wurde gefordert:
1. Corporative Reorganisation des Arbeiterstandes und des Handwerkerstandes.
2. Gesetzlicher Schutz der Arbeiterkinder und der Arbeiterfrauen gegen Ausbeutung der Geldmacht.
3. Schutz der Arbeiterkraft durch Gesetze über Arbeitszeit und Sonntagsruhe.
4. Gesetzlicher Schutz der Gesundheit und Sittlichkeit der Arbeiter bezüglich der Arbeitslokale.
5. Anstellung der Inspektoren zur Kotrolle der zum Schutze des Arbeiterstandes erlassene Gesetze.
Bereits die Würzburger General-Versammlung vom Zahre 1877 hatte sich mit sozialen Fragen größeren Stils zu befassen. Nach den hier gefaßten Beschlüssen sollte auf Schaffung von korporativen Verbänden zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern zur Förderung des sittlichen und materiellen Wohles der Mitglieder hingewirkt, die Bestrebungen gegen die Auswüchse des Kreditwesens unterstützt, die soziale Zeltkrankheit, der Wucher, energisch bekämpft, endlich den Unbemittelten zur Erlangung passender Eigenthums- wohnungen verhalfen werden.
General-Versammlung zu Konstanz vom Jahre 1880 trat für die Förderung des Lehrlingswesens, Gründung von Lehrlingsoereinen und Lehrlingsher- I bergen ein, ferner für Maßregeln zur Hebung der Landwirthschast und Erleichterung der auf ländlichem Besitze haftenden Lasten.
Umfassende Resolutionen über Arbeiterschutz, Sonn- Organisation des Handwerks u. s. w. nahm die G»ieral-Versammlung zu Münster im Jahre 1885 an. Drei ^ahre später wiederholte die General- Versammlung zu Freiburg die Forderung der Sonn- tagsruhe und verlangte Regelung der Frauen- und Kinderarbeit.
Für soziale Reformen in großem Umfange und namentlich für wirksamere Durchführung des Arbeiterschutzes sprachen sich die General-Versammlungen der Jahre 1889 und 1890 zu Bochum und Koblenz , aus tut oas w< au§. 3ene zu Mainz vom Jahre 1892 beschloß die auch erreicht' bat Einführung der praktisch-sozialen Kurse, eine 1 ™ ' ■ -
^hr zeitgemäße Einrichtung, die nun auch bei den Protestanten Nachahmung gefunden hat.
Hand in Hand mit dem, was auf den General- Versammlungen besprochen und beschlossen wurde gingen die Gesetzesanträge, welche die Centrumspartei im deutschen Reichstag einbrachte und als einfluß- celchste Partei auch bis zu gewissem Grade durchzu-
Aus -ru Fremdenbüchern der Rhön.
Von Fr. Henze.
(Nachdruck verboten.)
Wanderlust.
Der Winter ist für den Wandersmann die Zeit der Erinnerung. Wenn tiefer Schnee die Pfade un- gangbar macht, wenn der Zweige kahle Reifer in die eisige Luft hlnelnstarren, wenn das Feuer behaglich nn Ösen prasselt dann holt der Wandersmann Wanderbuch und Wanderkarte her, wandert im Geiste durch die Thäler und über die Berge. Er hört im Allste wieder die Voglem singen, sieht im Geiste die Btumlem spneßen, freut sich im Geiste der verganqe-
WnnlgenTage, freut sich auf das Kommen des
88e‘^ ,err .bod>L fuhrt auch der Winter ein streng Regiment, seine Tage sind doch gezählt.
Bald nahen die Boten des Lenzes, den Winter den grausigen Tyrannen, zum Kampfe zu fordern' Der Thauwlnd streicht durch die Wipfel; die Zweige wiegen und wuchten, sie werfen ab des Schneedrucks beugende Last. Es riefelt an den Stämmen herab, es tropft von seglichem Zweig; die Brünnlein, deren Leben im Eise erstarrte, beginnen zu rinnen. Die Waffer sammeln sich, und donnernd eilt der Wildbach
Geschlagen ist dann des Winters Macht; sein Scepter ist gebrochen. Die Sonne erweckt alles nun zum neuen Leben, und Frühling! Frühling! jubelt es überall Frühling! jubelt das Vögelein; Frühling! )ubelt das Blümelein; Frühling! auch jubelt des Menschen Herz.
Mit dem Frühling erwacht auch des Lebens Lust. Es heißt im Fremdenbuche des Gasthauses „Zur Stemwand":
Wenn's in bett Waldrevieren, Wenn's Vöglein in dem Haq Anhebt zu jubiliren Mit lustig-hellem Schlag, — Dann muß ich jubeln, singen. Was mir das Herz bewegt, Dann muß nach außen dringen. Was sich im Innern regt.
Wenn sich mit Grün umkleiden Gebüsch und Baum und Strauch, Dann grünt nach Wintersleiben Mein Herz von Neuem auch.
Wenn alle Brünnlein rinnen
Durch Wald unb Wies' unb Heid', Wenn sich bie Räuplein spinnen Ihr schimmernb Sommerkleib, —
Wenn Gras unb Kräuter sprießen
Aus dunkler Erbe Schooß, Wenn sich bem Licht erschließen Die Blümlein klein unb groß, —
Erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Vierteljährlicher AbonnementSor-is obne „„k ® o - 7--
gnferate bie d.W«,. «.rm.-bM- .b„ 16
Sproßt auch im Herzen wieder Die Freube und die Lust, Dann quellen meine Lieber Aus bankerfüllter Brust.
Steinwand, 1875.
Mit des Lebens Lust erwacht auch des Wanderns Lust. „Hinaus!" ruft der tiefblaue Himmel; „hinaus!" ruft der Sonne goldener Strahl. „Zieh mit in die Welt!" fo säuselt der Frühlingswinv; „zieh mit in die Wette!" so rufen die Wolken.
Heraus, ihr Brüder, 's ist Wanderzeit, Mit Liebern und fröhlichem Muthe! Laßt wandern uns in die Länge und Breit' Unb verlassen die staubige Bube!
So klang's in der Schule heil'ge Ruh.
Pedell, nun mache bas Thörlein zu!
Wir ziehen hinaus in die Ferne!
Ade, ihr Freund und lieb Mütterlein!
Ade, all' ihr lustigen Schenken!
Ade, du schwarzlockig Mägdelein, Werd deiner stets liebend gedenken!
Du Musen- und Mainstadt, gehab dich wohl' Hadwiga! noch einmal die Kanne voll Zum Abschied vom Würzburger Leisten!
Kreuzberg, Portiunkula (2. August) 1896.
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Der Frühling ist nun kommen. Frisch auf zur frohen Fahrt,