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igi Montag, den 23. August 1897 2t. Jahrgang

uldaerWZtituiig

mit Unterhaltrrngs-KeUage „Sterne und Slnmeu".

Erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig. Inserate kosten die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Unsere deutschen Katholikenversarnrn- lnngen und die soziale Frage.

Bald ist ein halbes Jahrhundert her, daß sich zum ersten Male angesehene Katholiken aus allen Theilen Deutschlands versammelten, um wichtige, unsere katholischen Interessen berührende Fragen zu besprechen. Und seitdem sind diese Versammlungen fast jedes Jahr im Spätsommer abgehalten worden.

Ins Leben gerufen vornehmlich zur Hebung und Stärkung des katholischen Bewußtseins gegenüber ge- -roiffen herrschenden Zeitströmungen des Unglaubens, des Liberalismus und des Deutschkatholizismus, und in erster Linie dazu berufen, dem unheilvollen, zer­setzenden Wirken dieser Mächte einen Damm entgegen­zusetzen, haben diese Versammlungen im Laufe der Jahre den Kreis ihrer Aufgaben eben so sehr erweitert, wie den ihrer Theilnehmer.

Langsam und fast schüchtern wagte man sich an die soziole Frage herau, aber nachdem man ein­mal den Gegenstand auf die Tagesordnung gesetzt hatte, schien "er von derselben nicht mehr weichen zu wollen, fast auf jeder neuen Versammlung wurden neue Anträge in Bezug auf die soziale Frage einge­bracht, jeder neue Katholikentag hatte sich intensiver mit der großen Frage der Zeit zu beschäftigen.

Man begann zuerst mit kleineren Detailfragen. Die Fürforge für weibliche Dienstboten und für die männliche Arbeiterjugend waren die ersten Gegen­stände dieser Art. Für erstere empfahlen die General- Versammlungen zu Köln 1858, sowie die zu München von 1861, zu Aachen 1863 und zu Würzburg von 1864 die Gründung von Frauenvereinen und Marien- Anstalten, für letztere beschloß die Versammlung zu Köln die Errichtung von Sonntagsschulen, nachdem schon 1857 die Uebergabe von Strafanstalten an Frauenorden zur Besserung weiblicher Sträflinge Gegenstand der Tagesordnung gewesen war. Auch wurde im Jahre 1858 zu Köln der Antrag Lingens angenommen, „den Vorort zu beauftragen, die ge­eigneten Maßnahmen anzubahnen, um die Mit­wirkung der Industrie für die Förderung katholischer Zwecke zu gewinnen." Allein es scheint dieser Be­schluß praktisch nur von geringen Folgen gewesen zu sein.

Daß es seine Schwierigkeiten hatte, die großen sozialen Fragen der Gegenwart mit Erfolg in den Geschäftskreis der General-Versammlungen zu ziehen, geht aus folgenden Beschlüssen hervor: Im Jahre 1861 lehnte die General-Versammlung zu München den Antrag ab: „Die Genera l -Versammlung möge durch eine öffentliche Erklärung die katholischen Fabrikherren auf die Pflicht der Sonntagsfeier auf­merksam machen und das Vertrauen aussprechen, daß sie baldigst die Sabbathruhe und Feier der Festtage

in ihren Fabriken einführen werden." Der Ausschuß hielt den Antrag „nicht für ausführbar" und nicht zur Kompetenz der Versammlung gehörig. Ja, es meinte ein anwesender Domherr: „Wenn die Fabri­kanten auf das göttliche Gesetz nicht hören, so werden sie eine Erklärung der Generalversammlung auch nicht beachten."

Die General-Versammlung zu Frankfurt im Jahre 1863, woran auch der bekannte Historiker Janssen sich hervorragend betheiligte, gab auf den Antrag des Domkapitular Dr. Heinrich von Mainz die Erklärung ab, „daß sie sich dermalen nicht veranlaßt finde, sich über die großen sozialen Zeitfragen in ihrem Ver­hältnisse zum Christenthum auszusprechen. Sie em- fiehlt aber den Katholiken dringend, sich mit dem Studium dieser Frage zu beschäftigen, welche sicherlich nur im Lichte und durch den Geist des Christenthums einer dem sittlichen und materiellen Wohle entsprechen­den Lösung entgegengeführt werden könne". Es war das um die Zeit, da Lassalle für die Sache des Sozialismus Propaganda machte.

Neues Leben empfingen die General-Versamm­lungen, als zu Beginn der siebziger Jahre Bischof v. Ketteler ein sozialpolitisches Programm ver­öffentlichte (1873) und im Anschluß hieran seitens der Centrums-Partei im Reichstag der Arbeiter­schutz-Antrag des Grafen Galen und Genossen eingebracht wurde (1877).

(Schluß folgt.)

□ Centrum und Post-(Eisenbahn-) Unterbeamte.

„Neugierig sind wir nur, wie und ob sich das Centrum aus dieser fatalen Situation heraus­lügen wird." Dieser schöne Satz stand kürzlich in dem sozialdemokratischen Berliner /Vorwärts'. Er glaubte ohne Zweifel, mit diesem Hiebe dem Centrum eine schwere Wunde beigebracht und ihm mindestens die Hälfte aller Postunterbeamten für alle Zeiten ab­wendig gemacht und für sich eingenommen zu haben. Denn es handelte sich um die Gehaltsaufbesserung der Postunterbeamten.

„Das Centrum hat bekanntlich — so schrieb der ,Vorwärts' — bei der Berathung der Beamten­besoldungs-Vorlage im preußischen Abgeord­netenhause, wo diese Partei nicht in der Lage ist etwas durchzusetzen, erklärt: entweder Aufbesserung der Unterbeamten-Gehälter oder Verwerfung der ganzen Vorlage! Im Reichstage aber, wo das Centrum immer entscheidet, hat es dagegen die auf Aufbesserung der Gehälter der Postunterbeamten ab­zielenden Anträge des Abgeordneten Singer munter niedergestimmt."

Das klingt so, als ob das Centrum den Verkeh r unterbeamten abgeneigt sei, wenn es sich auch eine anderen Schein geben möchte. Wer das jedoch glauben wollte, müßte das Centrum für sehr thöricht halten, wenn es gegenüber den Beamten im Reichstage ge­rade das Gegentheil von dem thäte, was es im Äb- geordnetenhause verlangt hat.

Ob der,Vorwärts' wohl im Ernste so über das Centrum denkt?

Aber wir wollen den thatsächlichen Beweis dafür erbringen, daß das Centruin sich aus nichts herauszulügen braucht. Wir thun dies auch gerne, weil wir hier eine Gelegenheit haben, um deutlich darzuthun, welch' warmes Interesse das Centrum gerade für die Verkehrs-Unterbeamten stets getragen hat.

Thatsache also ist, daß das Centrum in den Jahren 1895, 1896 und 1897 wiederholt für die Postunterbeamten und für die Po stassistenten eingetreten ist. Aber das nicht allein. Alles, was für dieselben erreicht worden und geschehen ist, hatte seinen Ursprung in Anträgen des Centrums. Wir heben hervor die Aufbesserung der Landbrief­träger auf ein Höchstgehalt von 900 Mark, die Anrechnung der Dienstzeit als Landbriefträger beim Uebergang in den Dienst als Postschaffner. Wir nennen ferner die Aufbesserung der Postassistenten auf ein Höchstgehalt von 3000 Mark, die als Cen­trumsantrag eingebracht und im Reichstage durchgesetzt wurde.

Das Centrum ist aber nicht allein für die Unter­beamten der Post eingetreten, sondern ebenso für die Unterbeamten der Eisenbahn. Diese sind noch weniger gut gestellt als die Unterbeamten der Poft und brauchen Aufbesserungen darum mindestens ebenso dringend. Wiederum war es das Centrum, das im Reichstage eine Erhöhung der Gehälter für alle an den Reichseisenbahnen angestellten Schaffner, Bremser, Weichensteller und Bahnwärter beantragte und durchsetzte. Diese Gehaltserhöhung wird aber im künftigen Jahre auch den 44,000 ent­sprechenden preußischen Beamten zugute kommen, denn die Verwaltung der preußischen Staatseisen­bahnen wird gezwungen sein, ihre Beamten ebenso gut zu bezahlen, wie die Beamten im Reichseisenbahn­dienste bezahlt werden.

(Schluß folgt.)

Deutsches Deich.

Berlin, 21. August.

U Zwei Leiter des Auswärtige« Amtes haben wir jetzt in Berlin. Der stellvertretende Staats­sekretär, Botschafter v. Bülow, ist von Wilhelms- höhe am Freitag nach Berlin zurückgekehrt und hat

Ina dm Imndmbjjchnn da llljoa.

Von Fr. Henze.

4 ------ (Nachdruck verboten.)

Dtolher Kuppe.

Rother Kuppe! Warst vor Jahren Kaum dem Namen nach bekannt! Jetzo wirst in fränk'schen Gauen Weithin — rühmlichst — oft genannt.

Rother Kuppe! Einstens hat man Schnöd und feige dich geniieden. Wußte nichts von deiner Schöne, Nichts von deinem Bergesfrieden.

Rother Kuppe! Schaust so stolz jetzt Rings in unsere Rhönerjande, Stehst dem Thurme gleich am Meere An der hohen Rhöne Strande.

Rother Kuppe! Aus dem Dörflein Lockst du uns auf grüne Matten, Heber grasig', steile Halden In des Buchenwaldes Schatten. '

Rother Kuppe! In die Ferne

Läßt du uns're Blicke schauen. Wo sich stille Dörflein lagern Zwischen Wald und Feld und Auen.

Rother Kuppe! Sähest einstens

Hin zum Hildenbwge schreiten Einen jungen Minnesänger, Der gar lieblich schlug die Saiten.

Stolze Burgen, Edelsitze

Konntest du ringsum begrüßen, Schlacht und Streit und grimme Fehden Sähest du zu deinen Füßen.

Jetzo rufest du die Wanderer All in deinen Berges Frieden! — Heil und' Ruhm im Frankenlande Sei für immer dir beschieden!

‘ Rother Suppe, 28. September 1894. * * * »

Tichlenvurg.

Die schönste Burg der Rhön

Die hab' ich heut' gesehn;

Die Lichtenburg wird sie genannt, O hält' ich sie schon längst gekannt!

Lichlenburg, 3 Juni 1888.

Von Lichtenburgs Zinnen Welch' herrlicher Blick! Mit freundlichem Sinne An dich denk ich zurück, Wenn ich in der Weite, des Wanderns satt, Ausruh vom Wege in lärmender Stadl.

Lichlenburg, 11. August 1894.

Kohe Rhön.

Ein endlos Grasgefild, kein Baum in weiter Rund, Viel Steine, halb begraben im grauen, moos'gen Grund, Gestreckt die öde Wertung, als wie ein Leichenfeld, Wo unter braunen Platten ruht manch' verschollener Held. Am Rand zerzauste Büsche, ein windverdrehter Stamm, Von düstern Quadermassen ein aufgethürmter Kamm, Verwehte Wegesspuren, irrführend zur Höh empor. Ein Wässerlein, herrieselnd gar dünn aus schwarzem Moor; Doch an den Hängen Wälder, von Buchen stolz erbaut, Wie wenige man schöner in deutschen Landen schaut; Und in der Ferne dämmernd ein tiefes, weites Land, Von fernen blauen Bergen umrahmt als dustges Band.

Das ist ein deutsch Gebirge, genannt die rauhe Rhön, Wie selten so gar eigen ein zweites nicht zu sehn.

Kreuzberg, 27. Juli 1891.

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Dammersfeld.

Dämmerung und Abendschatten Auf den Bergen, auf den Matten! Mond kommt auf des Himmels Bogen Wit den Sternlein aufgezogen. Arnst und schweigend mir zu Füßen Kuht das Thal, — die Glocken grüßen; Sinnend sitze ich und träume fernhin in die Sternenräume, — Ginsam liegen Thal und Höh'n. Aaß mich, weltvergess'ne Rhön, Deinen Frieden recht versteh'«!

Dammers selb.

O Dammersfeld, du schönes Fleckchen Erde, Du Ort des Friedens und der Einsamkeit! Hier klingt das Lied der Hirten, das Geläut' der Heerde — Ein süßer Klang, ein Klang der Fröhlichkeit.

Dammersfeld, 11. September 1893.

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Und hält' ich einen Strümp voll Geld, So kauft ich mir das Dammersfeld.

Dammersfeld, Oktober 1889. ♦ ♦ *

Aaier.

Aus dem Baier bin ich gewesen. Hab' Rhön und den Thüringerwald geschaut. Bon allem Leid wird der genesen, Wer sieht und fühlt, was hier Natur gebaut.

Baiershof, 28. Juki 1895.

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