JK 189
Freitag, den 20. August 1897.
24. Jahrgang
mit Unterhaltrmgs-HeUage „Sterne und Slrrwen". \
Erscheint täglich, Sonn- und Feiertage auSgcnvnnne». — Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig. Inserate kosten die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 15 Ps., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
Zum Katholikentag in Landshut.
Einem Beschlüsse der Dortmunder Generalversammlung entsprechend besteht die Absicht, unmittelbar nach Schluß der diesjährigen Generalversammlung der Katholiken Deutschlands zu Landshut die Beschlüsse derselben, versehen mit zweckdienlichen Notizen, zu veröffentlichen, wie dies seiner Zeit nachträglich mit den Beschlüssen der Generalversammlung zu München 1895 geschah.
Zu diesem Zwecke werden besonders die Herren Antragsteller und sonstigen Interessenten gebeten, zu ihren Anträgen schriftlich zweckdienliche Notizen und kurze Erläuterungen zu geben, die bei der Redaktion der erwähnten Veröffentlichung verwerthet werden können.
Solche Notizen sollten sich z. B. beziehen auf genaue Angabe der Adressen der Vorstände, Kassirer, Sammelstellen, Jahresbeiträge der Mitglieder rc. der empfohlenen Vereine und Institute; Angabe des Titels etwaiger Vereinszeitschriften, Erscheinungsweise derselben, Abonnementspreis, Bezugsquelle; Angabe des Sitzes der empfohlenen Missions- und Seelsorgestellen nebst genauer Adreßangaben der Seelsorger, Vertrauensmänner u. s. w.; Adreßangabe der Missionshäuser rc. der empfohlenen Genossenschaften; Angabe von Auskunftsstellen für eingehendere Information hinsichtlich empfohlener Einrichtungen; Adreßangabe bestehender Volksbureaus, sozialer Auskunftsstellen und ähnlicher sozialer Einrichtungen nebst Angabe des Mitgliederbeitrags; Adreßangabe von Hospitien für Dienstboten, Lehrlinge, Arbeiter rc.
Diese Notizen sollten thunlichst, noch vor Beginn der Generalversammlung an Se. Hochwürden Herrn I. B. Lainer, Geistlichen Rath, erzbischöflichen Stadtkommissar, Stadtpfarrer bei St. Jodok in Landshut gesendet werden.
Der Kommissar der Generalversammlung.
Karl Fürst zu Löwenstein.
Deutsches Deich.
Berlin, 19. August.
* Der Kaiser hörte am Mittwoch auf Wilhelms- höhe den Vortrag des Botschafters v. Bülow und des Staatssekretärs Frhrn. v. Thielemann. Heute hörte der Kaiser den Vorlrag des Chefs des Civil- Kabinets und des Staatssekretärs Tirpitz.
* Der Kaiser hat für die durch Wetterschaden heimgesuchten Landestheile des Königreichs Sachsen und des Königreichs Württemberg je 15,000 Mark angewiesen.
* Der Aeichskanzker wird bis Anfang Sept, auf seinem Gute Worki in Rußland bleiben und sich alsdann zum Empfang des Königs von Italien nach Homburg begeben.
Ans dlll KkNtdlMchm der Rhön.
Von Fr. Henz e.
2 ------ (Nachdruck verboten.)
Are AHörr.
Die Rhön ist ein eigenartig Wandergebiet. Ihr fehlt das Liebenswürdige des Thüringerwaldes, das Pikante des Harzes, das Romantische des Rheines; ihr Charakter ist herb, ernst und schwermüthig. Selbst an Maientagen, wenn der Schlehdorn blüht, wenn der Fink seinen Sang in den jugendfrischen Buchenwald hineinschmettert, selbst zur Sommerzeit, wenn die Arnika auf den Höhen duftet, fühlt man, wie schwer des Winters Macht hier auf Land und Leuten lastet. Selbst zur Maienzeit, selbst an Somm^rtagen streicht stark der Wind über die mächtig gebuckelten, kahlen Höhen hin.
Aber schön ist doch bie Rhön! Wer am klaren Sonnentage auf steiler Höhe stand, wer vom Kreuzberg oder von der Milseburg, vom Dammersfeld oder von der Wasserkuppe, vom Oechsen oder von der Geba, vom Ellenbogen oder von der Rotherkuppe hinausschaute in die Weite, wer auf hoher Rhön den Hut mit Wollgras schmückte oder mit goldgelber Arnika, wer hinweggeschritten ist über die sonnenverbrannten, sammetartigen Weideflächen, gewandert ist auf den rasigen Höhen, wegelos, pfadlos, wer dort sein Wander-
* Der Botschafter v. Mükorv kehrt morgen, Freitag, von Wilhelmshöhe nach Berlin zurück. Eine hiesige Korrespondenz hatte fälschlich gemeldet, daß derselbe für längere Zeit von Berlin abwesend sein werde.
h. Das Staatsrrrimkerium trat heute unter dem Vorsitze des Ministers Thielen zu einer Sitzung zusammen. Vermuthlich hat es sich um eine Besprechung über die Wafferschäden und die zu ergreifenden Noth- standsmaßregeln gehandelt.
* Die Abstempelung en der Schuldverschreibungen der 40/oigen Aeichs-A«keiHe aus 3vl1°lo ist dem ,Reichsanzeiger' zufolge jetzt zum größeren Theile beendet. Bis jetzt sind 364000 Stück Schuldverschreibungen abgestempelt worden; hiervon gelangten bei den zur Erleichterung des Konvertirungs- geschäftes außerhalb Berlins errichteten Abstempelungsstellen nicht weniger als 253 000 Stück zur Abstempelung. Diese Abstempelungsstellen werden am 31. August mit der Wirkung geschlossen, daß alle bis dahin nicht abgestempelten Stücke an die Kontrolle der Staatspapiere zur Abstempelung einzureichen sind. Da noch etwa 65000 Stück nicht mit dem die Zinsherabsetzung ausdrückenden Vermerk versehen sind und hiervon vermuthlich ein erheblicher Theil sich in den Händen von nicht in Berlin wohnhaften Gläubigern sind, so empfiehlt der ,Reichsanzeiger' den letzteren, ihre Schuldverschreibungen im eigenen Interesse innerhalb der gestellten Frist bei der ihnen nächstgelegenen Abstempelungsstelle einzureichen. ,
* Die MotscHafterposten in I^etersöurg «nd London sollten nach einer Meldung des ,Berl. Lok.- Anz.' demnächst neu besetzt werden. Die,Nordd. Allg. Ztg.' ist ermächtigt, diese Mittheilung für gänzlich unbegründet zu erktären.
* lieber den KifenbaHnrrvfalk bei Gekke hat der Kaiser, dessen Sonderzug mehrere Stunden vorher die Unglücksstätte passirte, nachdem er Meldung von dem Unfall erhalten, dem Verlauten nach in einem Telegramm an den Eisenbahnminister ausführlichen Bericht gefordert.
* Der Firma Stantien «nd Decker ist von den Danziger Stadtverordneten im Einverständniß mit dem Magistrat die fernere Pachtung der Bernsteinnutzung auf der Danziger Nehrung von Nenfähr bis Polks abgeschlagen worden. Die Nutzung wurde für 6000 Mk. per Jahr an eine andere Danziger Firma verpachtet. Und die Regierung?
* Der Polizeipräsident von Berlin hat die Genehmigung zur öffentlichen Aufführung der Gragödie „Aoyarmes" von Sudermann versagt, weil öffentliche Darstellungen aus der biblischen Geschichte — das Stück behandelt Johannes den Täufer — bestimmungsgemäß schlechthin unzulässig seien. Die Verfügung gründet sich auf einen Ministerialerlaß vom 8. Okl. 1875. Danach müssen Darstellungen aus der bib-
lied gesungen, wer drohen mit dem Sturme gerungen, wer im Kreuzbergkloster zu Gast gewesen, wer am Rhönbier sich sattgetrunken, der vergißt dies nimmer. Nicht umsonst sehnt der Rhönwanderer sich immer wieder zur Rhön, nicht umsonst zieht es die Landschaftsmaler immer wieder zu den weltvergessenen, einsamen Höhen, nicht umsonst findet man überall in den Fremdenbüchern Landschaftsskizzen von Meistern und Jüngern der Kunst.
Die Rhön ist ein jungfräulich Wandergebiet, unberührt wie am ersten Schöpfungstage. Hier sind nicht künstliche Wasserfälle, nicht künstliche Felsen; die herrliche Gotteswelt ist unverbessert geblieben, die „Fremdenindustrie" hat die eigenartige Poesie des Gebirges noch nicht gemordet.
Die Berge sind steil; „Kniebreche" nennt das Volk die Steige am Kreuzberg und an der sagenumwobenen Milseburg. Das Land ist arm, die Bewohner sind genügsam; jeglichen Komforts muß daher der Rhönwanderer entbehren. Hier gibts keine Esel, die den „ftöhlichen Wandersmann" zu des Berges Gipfel tragen; hier sind auch keine Hotels mit Fahrstühlen und elektrischer Beleuchtung, mit stolzen, frackbeschwingten Ober-, Saal- und Zimmerkellnern, mit ellenlangen Weinkarten und eben solchen Rechnungen. Hier begegnet man nicht der Geheimrathsgattin mit der ätherischen Tochter, dem Kommerzienrath Meyer oder Levy, den Mr. Smiths oder Jones mit dem roth
lischen Geschichte, namentlich aus der Lebens- und Leidensgeschichte Jesu, um deswillen für unzulässig erachtet werden, „weil solche Darstellungen in einem großen Theile der Bevölkerung Anstoß erregen und die religiösen Gefühle Vieler verletzen würden".
* Der ,Vorwärts' veröffentlicht den für den sozialdemokratischen ^«rfeifag bestimmten Bericht über die parlamentarische Thätigkeit der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion. Darin wird natürlich die gesammte Thätigkeit verherrlicht. Dem Centrum wird wiederholt vorgeworfen, es habe die Anträge der Sozialdemokraten „verwässert". In Wirklichkeit hat es die übertriebenen und aussichtslosen Vorschläge aus das Maß des Erreichbaren zurückgeführt und ihnen damit meist eine große Mehrheit verschafft. Am Schluß rechnet der Bericht mit der Möglichkeit, daß die Marineforderungen vorzeitig zum Ausbruche des Wahlkampfes führen.
* Der Generalversammlung der Präsides derKhristkichen Iugendvereinignngen Deutschlands in Köln ging am Dienstag Abend 8 Uhr eine Sitzung des Centralkomitees in Vereinigung mit den Diözesanprästdes im ,Fränkischen Hofe' voraus. Mittwoch Morgen fand in der hohen Domkirche am Dreikönigaltare eine hl. Messe zu Ehren des hl. Geistes statt. Um 9 Uhr begannen im Gartensaale des ,Fränkischen Hofes' die Verhandlungen. Aus dem Berichte des Centralkomitees geht hervor, daß die Organisation in einem erfreulichen Wachsthum begriffen ist; man beschloß, das bisherige provisorische Centralkomitee in ein definitives zu verwandeln, dem zunächst die Diözesanpräsides angehören sollen. Außerdem wurden für Süddeutschland, so lange bis dort die Diözesanorganisation eingeführt ist, die Herren Provinzial Werner-München, Domvikar Meckel- Würzburg und Präses B e n d i x - Mainz in das Centralkomitee gewählt, dem Herr Dr. Dramm er als Redakteur des Verbandsblattes angehört. Zum Ehrenpräses des Centralkomitees wurde Domkapitular Dr. lic. Velten-Köln und zum Vorsitzenden Dr. Dramm er gewählt. Das Centralkomitee soll eine Denkschrift an die Bischöfe Deutschlands richten, um das Interesse dieser Herren für die Organisation zu wecken. Die nächste Generalversammlung soll in Süddeutschland, womöglich in Würzburg, abgehalten werden. Dem Verbände gehören jetzt 21 Vereine an. Geklagt wird über die Turnvereine und die sonntäglichen Fortbildungsschulen, welche als Hinderniß sür die Organisation betrachtet werden. Die Jugend soll zu recht häufigem Empfang der hl. Kommunion angehalten werden. Den Präsides wurde für ihre Mühewaltung der Dank der Versammlung ausgesprochen. Nachdem noch einige unwesentliche Aen- derungen am Statut vorgenommen worden waren, wurde die Sitzung geschlossen.
* Münchs», 19. Aug. Der hiesige Erzbischof eingebundenen Murray oder Bädeker, dem karrirten Plaid und dito Mütze, all den hochgeborenen Besuchern des Rheines und der Alpen, des Harzes und der Sächsischen Schweiz. Hier gibt es keine Reunions, wo man „jeuen" kann, keine Ruderregatten und Rennen. Alles das muß der Rhönwanderer entbehren.
Aber dafür gibt es hier Gasthöfe mit guter Lagerstatt, mit gutem Trunk und guter Atzung. „22 Pfg.", steht mit Kreide an der Stubenthür geschrieben, der Preis für „a Moaß". Seidene Divane und Plüschsitze sucht man hier vergebens, dafür stehen Holzbänke längs den Wänden. Aber ein Herrenstübchen ist da, wo der Doktor und der Apotheker, der Pfarrer und der Lehrer sich versammeln, wo sie plaudern und das Abendschöpplein trinken, wo auch dem fremden Wandersmann der Ruhesitz bereitet wird.
Hier gibts nur brave Wandersleute, die selbst die Berge steigen und sich an Gottes unverbesserter Natur erfreuen, die nicht stolz und kalt an einander vorüberziehen, sondern einander ein herziges „Grüß Gott" entgegenrufen.
Salontouristen ist daher die Rhön ein Greuel, ein armes Land für die „armen Leute". Daher wird die Rhön auch bleiben, was sie ist: das Wandergebiet für den echten, rechten Wandersmann, das Wandergebiet für den, dem das Leben Wunden, schlug, für den der die Sorgen des Lebens vergesfen will.