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Donnerstag, den 19. August 1897.

24. Jahrgang

mit Unterhaltungs-Beilage „Sterne uns Klnmen"

Erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenonnnen. — Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Psennia Inserate kosten die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 15 Ps., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Eine Ehrenschuld des katholischen Deutschland.

Die Zeit, in welcher die nationale Wallfahrt der Deutschen zum Grabe des sei. Petrus Canisius in Freiburg in der Schweiz statt­findet, rückt immer näher heran. Die Tage des 4., 5. und 6. September sind bekanntlich für uns Deutsche reservirt und es ist nunmehr hohe Zeit, daß wir die erforderlichen Vorbereitungen treffen, um an dieser erhebenden Feier theilzunehmen.

Wir betrachten es als selbstverständlich, daß Jeder, dem Gott die nöthige Zeit und die Mittel gegeben hat, um die Kosten der Reise zu bestreiten, sich an der Wallfahrt betheiligt. Ist es doch gerade eine Pslich t der Dankbarkeit, in diesen Tagen dem großen Manne den Tribut der Verehrung zu Füßen zu legen, dem wir es nach Gott in erster Linie zuzuschreiben haben, daß uns und unseren Familien der Schatz des wahren, katholischen Glaubens erhalten worden ist. Während tausend Andere auf die Irrwege des Jrr- thums und ihre Nachkommen vielfach in die Nacht des Unglaubens geriethen, hat Gottes Erbarmung und Huld unseren Vorfahren diesen heiligen Mann in den Weg geführt, der mit Aufopferung aller An­nehmlichkeiten des Lebens und aller Freuden der Well die Gaue Deutschlands durchwanderte, um die Schwachen im Glauben aufzurichten, die Wankenden zu stützen, die Verirrten zurückzuführen. Gottes Liebe und Er­barmung haben wir es zu danken, daß die Stimme dieses Gesandten des Himmels auch an das Ohr unserer Ahnen schlug, daß seine Worte in ihr Herz drangen und ihre Seelen berührten. Gott Lob und Dank in Ewigkeit für diese große Gnade! Ihr haben wir eS zu danken, daß uns der Reichchum der kathol. Kirche an Gütern des inneren, übernatürlichen Lebens schon als Erbtheil in die Wiege gelegt wurde, und daß wir als Geschenk unserer Eltern erhielten, was Andere mit vielen Schmerzen suchen und mit harten Seelenkämpfen erringen müssen. Wäre es da nicht schnöder Undank, nicht sträflicher Kältsinn, wenn wir nicht an den Huldigungen uns betheiligten, die alle Nationen, denen Canisius das Licht des wahren Glaubens erhalten hat, der Reihe nach an seinem Grabe veranstalten?

Haben wir Deutsche nicht vor allen anderen Nationen die Pflicht, dieser Dankbarkeit Ausdruck zu verleihen, da unser Vaterland in den Kämpfen der Glaubensspaltung am meisten gefährdet und der selige Canisius unseren Vorfahren die hauptsächlichste Sorge seines Lebens gewidmet hat?

Und sähe es nicht geradezu wie Kälte und Gleich­giltigkeit gegen unseren hl. Glauben aus, wenn wir dieser Kundgebung fernblieben, die so recht eigentlich dazu geeignet erscheint,. der Glaubensfreudigkeit und Glaubenseinheit Ausdruck zu verleihen?

Laffe sich so niemand, der irgendwie es ermög­lichen kann, von dieser herrlichen Feier zurückhalten.

* Alis dkl, FttmilkMchkm der Ws.

V/ Von Fr. Henze.

1 ------- (Nachdruck verboten.)

Einleitung.

Rhönwanderer war ich wieder zur Ferienzeit. Nach langem Tagesmarsch stieg ich zum Kreuzberg hinan, im Kloster zu rasten von der Wanderfahrt Beschwer. Ich klopfte an am Thor, und der Frater Pförtner öffnete mir des Hauses Thür. Wie früher, so war auch heute freundlich der Empfang, gar herzlich klang es von des Pförtners Lippen: „Grüß Gott! San's uns willkumme!"

„Grüß Gott, Frater Eustach!"

„Ah! Sie san's, Herr Lehrer! Grüß Gott!

Grüß Gott!" P

Wir waren schon alte Bekannte, zu den Stamm­gästen zählte ich droben im Kloster; alljährlich bin ich dort eingekehrt, im Kloster zu ruh'n und zu rasten.

Frater Eustach öffnete die Thür zum Touristen­gemach. Ich legte ab Ränzel und Stab, und bald saß ich im traulichen Stübchen, aß und trank, pflegte des Leibes und der ermatteten Glieder. Früh am Abend aber sucht' ich mein Lager auf in klösterlicher Zelle; denn mit dem Vöglein wollt' ich am Morgen erwachen, und mit der Sonne wollt' ich wieder wandern.

Welch hohe Bedeutung unser heiliger Vater Leo XIII. selbst dieser gemeinsamen Wallfahrt zum Grabe des seligen Canisius beimißt, das hat er uns nicht nur durch den Erlaß einer Encyklika, sondern auch durch die Verleihung besonderer Ablässe bewiesen, mit denen er die Wallfahrt begnadigt hat. Folgen wir also diesem Wink unseres gemeinsamen Vaters, und sicher werden uns die Gnadenschätze des Himmels in reichem Maße zufließen, wenn unsere Bitten durch das Gebet desjenigen am Throne Gottes unterstützt • werden, der schon während seiner irdischen Pilgerfahrt allezeit ein so treuer und mächtiger Fürsprecher seiner geliebten Deutschen gewesen ist.

Nicht einem Jeden von uns ist es überdies ver­gönnt, seine Stimme im öffentlichem Leben für die Freiheit unserer Orden, für die Freiheit des christ­lichen Unterrichts, für die Wiederherstellung der Glaubenseinheit zu erheben, und doch wäre nichts nothwendiger und nichts dringender für unser armes, religiös zerrissenes und bis in das Mark unseres Volkeshinein erschüttertesVater- land, als die Rückführung der Orden, die Frei­heit des christlichen Unterrichtes und die Einheit im Glauben.

Hier bei dieser nationalen Wallfahrt nun bietet sich für Jeden - auch für den, der sonst nicht im öffentlichen Leben steht — die Gelegenheit, nicht nur der Dankbarkeit für feinen Glauben, sondern auch seinem Protest gegen die Vergewaltigung der Orden und der Freiheit des christlichen Unterrichts, sowie seinem Verlangen nach endlicher Wiederherstellung der Einheit im Glauben öffentlich und feierlich Ausdruck zu verleihen und zugleich seine Wünsche in wirksamster Weise, nämlich durch die unwiderstehliche Macht des gemeinsamen, von der Kirche gesegneten Gebetes zur Geltung zu bringen.

Also: Aus nach Freiburg i. Schweiz zum Grabe unseres Wohlthäters. Möge keiner, dem es irgendwie möglich ist, zurückbleiben bei dieser feierlichen Kundgebung des Glaubens, der Dankbarkeit und Liebe. Möge keiner fehlen am Grabe des zweiten Apostels der Deutschen.

Programm der Wallfahrt zum Grave des seligen Petrus Eanistus in Ireivnrg in der Schweiz.

Freitag, den 3. September: Abends 8 Uhr: Festmrsammlung zur Begrüßung der Pilger in dem katholischen Vereinshaus zu Freiburg i. Br. (Karlstraße 7).

Samstag, den 4. September: Vormittags 9.25 Uhr: Abfahrt des Sonderzuges nach Freiburg in der Schweiz: Nachmittags 2.20 Uhr: Ankunft in Bern. Vereinigung mit den Pilgern der Landshuter Katholikenversammlung; Nach­mittags 3.25 Uhr: Ankunft in Freiburg in der Schweiz. Daselbst während des Abends Gelegenheit zur Beicht; Abends 8 Uhr: Zwanglose Vereinigung in dem Kornhaussaal.

Sonntag, den 5. September: Vormittags 7 Uhr: General­kommunion in St. Michael am Grabe des seligen Canisius: Vormittags 10 Uhr: daselbst Pontifikalamt und Festpredigt eines deutschen Bischofs; Nachmittags 4* 2 Uhr: Große Fest­versammlung in der Festhalle (Canistushalle bei St. Michael); Abends 81/* Uhr: Zwanglose Vereinigung in dem Kornhaus­saal.

Doch mein Wollen ward vereitelt. Schwarzes Gewölk zog auf am Horizont, der Sturm erhob seine Schwingen, hellleuchtende Blitze zuckten durch die Nacht. Und als der Morgen kam, da regnete es ohn' Unterlaß, und graue Wolken deckten die Ferne.

Ich blieb im Kloster, mir einen Rasttag gönnend, und Frater Eustach pflegte mich gar sorgsam. Schon rüh am Vormittag brachte er „a Moaß", stellte es vor mich hin und meinte : „Sie trinkens doch a Goanze, Herr Lehrer!" Und gar oftmals kam er, in meinen Maßkrug zu schauen; und fand er's nicht, wie er's zu finden hoffte, so sprach er mit vorwurfsvoller Miene: „Schauens, Sie trinke ja gar nit! Herr Lehrer! Schmeckts Ihne nit?"

Zum Fremdenbuch griff ich, die Weile mir zu ürzen. Als er nun sah, wie so emsig im Buche ich as, sprach er:

„Moacht Ihne dos Vergnüge?"

„O ja!"

Dann lugte er in's trübe Wetter hinaus und prach:

„I hol Ihne mehr!"

Er kam und trug einen ganzen Stoß der Folianten herbei, legte sie mir zur Seite und sagte:

„Nu lesens! Wanns fertig san, hol ich oandre!" So faß ich nun und las, las den ganzen Tag in

Montag, den 6. September: Vormittags 8 Uhr: Stille hl. Messe und kurze Abschiedsandacht am Grabe des seliaen Canisius in St. Michael.

Bemerkungen:!) Diejenigen Katholiken, welche an der Wallfahrt theilnehmen wollen, werden gebeten, sich zeitig bei dem Geschäftsführer des Wallsahrts-Komitee's zu Freiburg im Breisgau Sr. Hochw. Herrn Dr. Lor. Werthmann anzu­melden. 2) Das Wallfahrts-Komitee wird den angemeldeten Theilnehmern sowohl Wohnung in Freiburg im Breisgau wie in Freiburg in der Schweiz besorgen. 3) Die Karten für den Sonderzug kosten 2. Klasse 18,20 Mark, 3. Klasse 13,10 Mk. und berechtigen auch zur Rückfahrt bis Freiburg t. Br. mit jedem fahrplanmäßigen Zuge. Zusammengestellte Fahrscheinhefte, welche die Strecke Freiburg i. B.-Freiburg in der Schweiz enthalten, können ebenfalls zum Sonderzug benutzt werden. 4) Für Freitag, den 3. September und Samstag, den 4. September ist im Parterre des katholischen Instituts in Freiburg i. B. (Eisenbahnstraße Nr. 45, in un­mittelbarer Nähe des Bahnhofes) ein Auskunftsbureau er­richtet, woselbst Fahrkarten und fonsttge Mittheilungen ent­gegen genommen werden. 5) Die Tagespension kommt in Freiburg in der Schweiz auf 6-9 Franken zu stehen, worin Zimmer und dreimalige Mahlzeit inbegriffen ist. Die Zimmer selbst sind, je nach ihrer Ausstattung, für 1,50—4 Franken pro Tag zu haben. Auch kann man Unterkunft in gemein­samen Schlafsälen für 1 Franken erhalten.

Deutsches Keich»

Berlin, 18. August.

* Der praktisch-soziale Kursus kann, wie der ,Neiffer Ztg/ aus Beuthen gemeldet wird, dort- selbst wegen Ausbruchs des Typhus nicht stattfinden. Wie indessen bestimmt verlautet, wird eine andere oberschlesische Stadt sich zur Aufnahme der Versammlung bereit erklären.

* Der Vizepräsident des Staatsministeriums Dr. v. Wiquek kehrt in den nächsten Tagen über Wilhelmshöhe von Wiesbaden nach Berlin zurück; ob er noch einen Nachurlaub nach Harzburg, wo er gewöhnlich im Herbst weilt, nehmen mir!)’ ist noch unbestimmt.

* Der König von Italien wird nach der neuesten Meldung aus. Rom auf seiner Reise nach Deutschland wahrscheinlich von dem italienischen Minister des Äeußern Visconti Venosta be­gleitet sein.

h Auf einen eigenartigen Zustand im Ileichsamt des Aenßern macht die ,Lib. Korr/ aufmerksam. Während sowohl das Reichspostamt wie das Reichs- Schatzamt in jüngster Zeit interimistisch durch Stell­vertreter der bezüglichen Staatssekretäre geleitet werden, ohne daß diese Vertreter mit der Vertretung des Reichskanzlers betraut wurden, ist dies im aus­wärtigen Amt beim Botschafter v. Bülow wohl der Fall. Da aber durch den Urlaub des Staatssekretärs v. Marschall dessen Stellvertretung des Reichskanz­lers nicht erloschen ist, so haben wir im auswärtigen Amt gegenwärtig zwei Stellvertreter des Reichskanzlers. Da indessen die Ernennung zum Stellvertreter des Reichskanzlers nur eine offizielle Formalität ist, so hat der erwähnte Dualismus in praktischer Beziehung weiter nichts auf sich. Uebrigens soll nach Verlauten den alten Büchern, las und schrieb einen Tag nach dem andern. Die Wolken verschwanden, der Himmel ward blau, aber der Rhönwanderer war wieder zum Bücherwurm geworden; ich las und blieb, saß und schrieb, bis Eustach erklärte: „Nun hoan i Ihne das letzte Buch bracht!"

Der Bücherwurm ward dann wieder ein Wanders­mann; ich dankte, nahm Ränzel und Stab, drückte Eustach die Rechte und zog weiter auf meinem Wege.

Und wenn ich nun in den Schutzhäusern der Rhön, auf dem Dammersfeld, auf der Wafferkuppe und auf der Milseburg, aus dem Oechsen und dem Baier rastete, wenn ich beim Hirschwirth in Abtsroda oder in der Steinwandwirthin kühlem Stübchen ruhete, dann sah ich nicht mehr achtlos über die Fremden­bücher hinweg; mochten sie auch alt und zerrissen sein, sie waren jetzt mir liebe Gäste. Denn manch herrliches Liedlein war zwischen Namen und unsinnigen Eintragungen verborgen, Lieder zum Lobe der Rhön, Lieder zum Lobe des Wanderers.

Was ich nun sand in all den Büchern, es sei hier getreulich berichtet; es sei berichtet zum Preise der Rhön, zum Frommen aller, welche die Rhön durchwandern oder zu durchwandern gedenken.

* * *

(Fortsetzung folgt.)