Jg 187 Mittwoch, den 18. August 1897. 24. Jahrgang
FuldaerMZeitinig
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c< (Sentrum und Sozialdemokratie.
lieber Wahlabmachungen zwischen Centrum und Sozialdemokraten für die preußischen Landtagswahlen weiß die ,Nctt.-Lib. Korr." allerlei mit solcher Zuversicht zu berichten, als ob sie dabei gewesen wäre. Wir haben bisher freisinnige Stimmen gehört, die sich ohne Umstände zu einem Wahlbündnisse mit den Sozialdemokraten bereit erklärten. Aus der Centrumspartei ist eine solche Stimme nicht laut geworden. Was die ,Nat.-Lib. Korr." zum Beweise ihrer Behauptung anführt, steht auf schwachen Füßen. Der /Badische Beobachter" soll es für politischen Selbstmord erklärt haben, „einige Sozialdemokraten durch Nationalliberale fernzuhalten." Die ,Nat.-Lib. Korr." bemerkt selbst, Baden sei nicht Preußen. In Baden sind die Nationalliberalen noch immer vom bissigstem Kulturkämpferthum beherrscht, das sich nicht bloß in Worten, sondern auch in Thaten äußert und die katholische Kirche in dem zu Zweidrittel katholischen Lande schlimmer knechtet, als irgendwo. Mit großer Mühe ist es endlich gelungen, den Nationalliberalen die frühere Mehrheit in der zweiten Kammer zu entreißen. Gewinnen sie bei den nächsten Wahlen auch nur ein paar Mandate, so haben sie wieder allein das unbedingte Regiment und nützen es vor allem gegen die katholische Kirche aus. Ist es da zu verwundern, wenn ein Centrumsblatt meint, man habe keinen Anlaß, den Nationalliberalen zum Siege über die Sozialdemokraten zu verhelfen? Beide Parteien sind auch uns vom liebet; daß die Nationalliberalen das kleinere liebel sind, ist nicht so ausgemacht, daß die Centrumspartei sie vorziehen müßte, stets neutral zu bleiben.
Sodann verweist die,Nat.-Lib. Korr." auf die Bezirkstagswahlen in Elsaß - Lothringen, die wieder gezeigt hätten, daß die klerikale Unterstützung den Sozialdemokraten nirgends fehle, wo der bestimmte Einfluß des gemäßigt liberalen und antipartikularisti- schen Elementes gebrochen werden könnte. Anscheinend ist die ,Nat.-Lib. Korr." gleich andern Blättern das Opfer eines verunglückten Scherzes der Straßburger ,Post" geworden. Thatsache ist jedenfalls, daß im Straßburger Ostkanton die Liberalen und Protestanten in der Stichwahl dem Sozialdemokraten Köhler gegen den „klerikalen" Kandidaten zum Siege verhalfen haben. Gegen den Klerikalen ist von protestantischer Seite eine derartige Hetze ins Werk gesetzt worden, daß es selbst dem gut nationalliberalen.Schwäbischen Merkur" zu arg wurde und er dem Hofprediger Hoffart einige recht unangenehme Wahrheiten sagte. Will also die ,Nat.-Lib. Korr." aus den Vorgängen bei den reichsländischen Bezirkstagswahlen etwas für die preußischen Landtagswahlen folgern, so kann sie zunächst einmal ein Kartell zwischen den Sozialdemokraten und den „Gemäßigt-Liberalen"' folgern.
Bei uns kann gar nicht davon die Rede fein, daß wir ein Bündniß mit den Sozialdemokraten eingingen.
Das Sündenerde.
Original-Roman von Max Benno.
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(Schluß.)
Hermann und feinen Begleiterinnen stand eine freudige Ueberraschung bevor. Bei der Ankunft auf der Station, von welcher der Weg nach Buchberg führt, wurden sie durch Valentin und Willibald, die in Festgewändern prangten, begrüßt. Vor dem Bahnhofsgebäude aber stand mit zwei Apfelschimmeln bespannt, ein bekränzter Wagen, welchen eine kleine Schaar von Reitern umgab: ein Theil der jungen Leute, die seiner Zeit an dem Preiskegelschieben theil- genommen hatten, bei welchem Hermann der boshafte Streich gespielt worden war.
Im Triumph geleiteten sie nunmehr den Gerechtfertigten in die Heimath zurück auf den Haidhof, wo für die Ankommenden eine reich gedeckte Tafel bereit stand.
Eine große Anzahl der Dorfbewohner hatte sich eingefunden, und von allen wurde der junge Mann beglückwünfcht und herzlich begrüßt.
Von den aufrichtigen Beweisen dieser liebevollen Theilnahme tief ergriffen, verweilte Hermann im Kreise der Fröhlichen, folgte aber gerne einer Ein-
Diefe denken auch nicht daran, uns ein solches zuzu- muthen. Allerdings hat der Abg. Dr. Lütgen au in Dortmund vor einiger Zeit ein Zusammengehen von Sozialdemokratie, Freisinn und Centrum empfohlen, aber von unserer Seite ist der Gedanke alsbald ab- geroiefen worden, und auch im sozialdemokratischen Lager hat er unseres Wissens keinen Beifall gefunden. Die ,Nat.-Lib. Korr." muß ja auch zugeben, daß es dem Centrum nicht zugemuthet werden könne, den Sozialdemokraten ein Mandat abzutreten, wie ihnen etwa die Freisinnigen ein solches in Berlin abtreten könnten, und schließlich kamen die Abmachungen und und das Kompromiß darauf hinaus, daß die Sozialdemokraten so sicher auf unsere „Wahldienste rechneten", daß sie bereits zur Aufstellung von Centrums - Kandidaten in Bochum - Dortmund drängten, denen sie helfen wollten. Wenn die Sozialdemokraten uns bei den Wahlen unterstützen wollen, so haben wir selbstverständlich nichts dagegen. Wir kennen überhaupt keine Partei, die nicht jede Unterstützung, die ihr an- geboten wird, bereitwillig annähme. Auch die Nationalliberalen werden sich nicht gegen sozialdemokratische Stimmen wehren. Darin liegt nichts Tadelnswerthes, wenn man sich die Unterstützung nicht durch Verleugnung seiner Grundsätze erkauft hat. Daß wir den Sozialdemokraten für etwaige Unterstützung unserer Kandidaten nun anderswo die Stimmen gäben, ist ausgeschlossen. Die ,Nat.-Lib. Korr." möge sich also alle Phantasien über ein „klerikal-sozialdemokratisches Wahlkartell" sparen.
Eher als ein Sozialdemokrat hätte unter Umständen noch ein Nationalliberaler auf unsere Stimmen zu hoffen. Man scheint aber im nationalliberalen Lager ein böses Gewissen zu haben, denn die,Nat.-Lib. Korr." sieht die eigene Partei durch das Kartell zwischen Centrum und Freisinn einerseits und Sozialdemokratie anderseits bedroht. Wenn den Nationalliberalen so bange um's Herz ist, so sollten sie doch unsere Stimmung gegen sie, die sich in Folge ihrer Haltung beim Vereinsgesetze ein klein wenig gebessert hatte, nicht durch allzu kecke Unterschiebung von Grundsatzlosigkeit wieder verderben.
Deutsches gteidj.
Berlin, 17. August.
* Der Meichskanzler hat sich von St. Petersburg nach seiner Besitzung Worki in Rußland zu einem längeren Aufenthalt begeben.
ft Der frühere Kolonialdirektor und jetzige Senatspräsident beim Reichsgericht, Dr. Kayser, soll einer Blättermeldung zufolge demnächst nach Berlin versetzt werden, um einen höheren Posten zu bekleiden. Diese unbestimmte Meldung wird in einer Berliner Zuschrift des ,Hamb. Korr." dahin präzisirt, daß es sich um die Ernennung des Dr. Kayser zum Präsidenten des Oberverwaltungsgerichts handle, da der jetzige Präsident Persius zum 1. Oktober seinen Abschied
ladung Marthas und begab.sich mit dieser und der Mutter zu der Kapelle hinauf.
Die letzten Strahlen der scheidenden Sonne vergoldeten das Kreuz auf dem kleinen Thurme. Das Glöcklein fang den englischen Gruß über das Thal.
Lange knieten die Wiedervereinten in stummer Andacht vor dem Gnadenbilde der Gottesmutter und sagten ihr für die Erhörung ihrer Bitten innigen Dank.
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Vogel hatte Hermanns Rückkehr auf den Haidhof nicht mehr erlebt. Bußfertig und reumüthig starb er am Abende vorher.
Sigel-Hornstein war im Gefängnisse des Kreisgerichts untergebracht. Er verfolgte jedoch die ganz gleiche Methode, wie die Verbrecher, welche man beim Verbreiten von falschen Hundertmarkscheinen in Wien, Mailand und anderen Städten abgesaßt und hinter Schloß und Riegel gebracht hatte: allen Fragen des Untersuchungsrichters setzte er ein trotziges Schweigen gegenüber und gestand nichts. Dies hals ihm natürlich wenig, da von Georg Vogtherr ein unumwundenes und in jeder Hinsicht erschöpfendes Geständniß abgelegt worden war. Der Richter erstreckte die Untersuchung auch auf die Schwindelbriefe von Spanien aus, als deren Verfasser und Absender unter dem Namen des
nachgesucht habe. In der Zuschrift wird die Ernennung als wahrscheinlich bezeichnet. Die ,D. Tgsztg.", welche den Dr. Kayser bestmöglich haßt, meint höhnisch zu dieser Zuschrift, es müsse in dieser Meldung ein Versehen oder Druckfehler vorliegen; es dürfe wohl heißen, die Ernennung sei unmöglich.
* Die auch von uns als unglaublich bezeichnete Nachricht, daß Pastor v. Modekfchrvingh zum Direktor des Reichsversicherungsamts ausersehen sei, wird in der in Bielefeld erscheinenden ,Neuen Wests. Volksztg." als die Erfindung eines Spaßvogels gekennzeichnet. Uebrigens hat sich infolge jener Nachricht bereits ein Möbeltransportgeschäft für den Umzug nach Berlin beim Pastor v. Bodelschwingh bestens empfohlen.
* Die ,P o st" bleibt bei ihrer Forderung, daß der Jesuitenpater Keinrich ’SPcfdj in Beuthen auf dem praktisch-sozialen Kursus keinen Vortrag halten dürfe. Jede öffentliche Thätigkeit eines Ordensmitgliedes fei Ordensthätigkeit int Sinne des Jesuitengesetzes. Danach darf also ein Jesuit sich überhaupt nicht öffentlich sehen lassen. Ist ein Vortrag über ein wissenschaftliches Thema vor einem beschränkten Kreis von Zuhörern „Ordensthätigkeit", auch wenn es mit dem Orden und feinen Konstitutionen und Zwecken nicht das Mindeste zu thun hat, dann müffen die Jesuiten sich bei uns einfach verkriechen. Bücher dürfen sie schon gar nicht schreiben, denn die Veröffentlichung eines Buches ist noch weit mehr eine „öffentliche Thätigkeit" als das Halten eines Vortrages. Das Sprechen an einer öffentlichen Tafel ist gewiß auch verbotene „öffentliche Thätigkeit." Man darf wirklich neugierig sein, ob Regierung und Polizei auf die Gesetzesauslegung der,Post" eingehen werden. Die Jesuitenangst hat übrigens noch eine kleine Verwirrung in dem Kopse des Blattes angerichtet. Von dem Exjesuiten Graf Hoensbroech weiß die ,Post", daß P. Tilmann Pesch der Verfasser unter dem Pseudonym „Gottlieb" erschienenen „Hamburger Briese" ist. Sie ahnt aber nicht, daß es zwei Brüder Pesch gibt, die beide Jesuiten sind, und so macht sie aus Heinrich und Tilmann Pesch einen „Tilmann Heinrich Pesch", der in Beuchen reden will.
* Das Staatsmimsterinm soll nach den,Berl. P. Nachr." bereits in den nächsten Tagen zu einer Sitzung zusammentreten, um Beschlüsse über die Unterstützung der durch die Ueberschwemmung betroffenen schlesischen Gemeinden zu fassen, die bann schleunigst ausgeführt würden. Außerdem wird in Aussicht gestellt, daß dem nächsten Landtag eine Vorlage zugehen werde, welche eine systematische Lösung der Frage der Hochwasserschaden-Verhütung herbeizuführen bezwecke. An der Central-Sarnmelstelle für die Ueberschwemmten waren bis heute Mittag 300 000 Mk. eingegangen; hierin ist der Kölner Beitrag von 50 000 Mk. nicht eingerechnet, da er bis jetzt nur angemeldet, aber noch nicht eingelaufen ist. Krupp hat 30 000 Mk. gespendet.
Majors Manuel Sanchez ebenfalls Vogtherr den Sigel- Hornstein bezeichnet hatte mit dem Hinzufügen, daß Sigel selbst ihm dies gestanden habe und der Gast- wirth „Zur Herberge" Martin dies bezeugen könne, was er auch wirklich that. Der Angeklagte gab aber auch hierauf keine Antwort, sondern verharrte in seiner Verstocktheit. Es würde ihm aber alles Leugnen nichts geholfen, sondern eine schwere Zuchthausstrafe feiner gewartet haben, hätte er nicht dem Verfahren gegen ihn dadurch ein Ende gemacht, daß er sich dem Spruche des irdischen Richters entzog.
Obgleich er bei seiner Einlieferung genau durchsucht worden war, hatte er doch ein raschwirkendes Gift irgendwo an seinem Körper zu verbergen gewußt. Der Wärter fand ihn in feiner Zelle entseelt.
Hermann mußte seine Militärzeit nachdienen, die jedoch nur ein halbes Jahr dauerte, da man ihn zum Fuhrwesen (Train) eingestellt hatte.
Inzwischen wurden verschiedene Angelegenheiten, welche die fernere Bewirthschastung des Haidhofes betrafen, in Ordnung gebracht. Die kräftige Unterstützung des Kommissars Forner führte dazu, daß Scholastika den größten Theil der Summe, um welche sie Abraham Voos gebracht hatte, wieder erhielt. Dagegen erlitt Hermann einen bedeutenden Verlust. Das Bankhaus, bei welchem sein Vater den in Monte