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Dienstag, den 17. August 1897,
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mit llnterljaItungs-Keilage „Sterne uns Klume«
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hin und her geschrieben worden über die Frage, bald suchte man mit geschichtsphilosophischen und parteidogmatischen Betrachtungen, bald mit Zahlen und praktischen Beispielen zu beweisen, daß es gehe oder nicht gehe. Das Ergebniß ist nach unserem Eindruck, daß in den Massen die Stimmung entschieden für die Betheiligung ist. Das ist schon deshalb natürlich, weil diese immer optimistisch sind, gerne das Neue ergreifen und vor allem nicht leicht eine Gelegenheit vorübergehen lassen möchten, wo sie ihre Kraft zeigen und ihren Einfluß entscheidend in die Wagschale werfen können. Offenbar machen sich viele ganz übertriebene Vorstellungen von den hervorragenden Erfolgen; aber deswegen werden sie aber auch nicht mehr zu beschwichtigen sein. Der Parteitag wird sich für das Experiment erklären müssen.
Sicher wird man den Liberalen die Hilfe nicht ohne Weiteres zur Verfügung stellen. Wo es irgend angeht, wird man eigene Wahlmänner aufstellen und nicht gleich für die der „befreundeten" Parteien stimmen. Das thut man schon deshalb, um sich an der eigenen Stärke hinterher erbauen und damit renommiren zu können. In der dritten Klasse zu siegen wird an den meisten Orten, wo die Sozialdemokraten das Reichstagsmandat haben, nicht allzu schwer sein. Da jetzt jeder Urwahlbezirk für sich selbst die drei Klassen bildet, wird es wohl auch verschiedentlich gelingen, in der zweiten Klasse Wahlmänner durchzubrmgen. Die Mehrheit in dieser Klasse und damit den Wahlsieg überhaupt, werden sie wohl kaum irgendwo erringen. In der ersten Klasse haben sie gar keine Aussicht. Für die Abgeordnetenwahlen werden sie nun in der Regel ihre Wahlmänner wohl ohne Entgelt für die liberalen Kandidaten hergeben müssen. Da man ihnen indeß unnöthige Bescheidenheit nicht zumuthen darf, werden sie selbstverständlich ihre Hilfe nicht ganz umsonst bieten wollen, trotz der Wahlparole: „Gegen die Reaktion". Aus dem freisinnigen Lager sind denn auch schon verschiedene Stimmen laut geworden, die unumwunden erklären, man dürfe sich nicht schämen, gegebenenfalls auch für einen Sozialdemokraten zu stimmen. Daß wir das Erscheinen einiger Sozialdemokraten im Abgeordnetenhaus für recht nützlich halten, haben wir schon früher bemerkt. Für die Regierung wäre es aber doch eine eigene „Ironie des Schicksals", wenn sie durch das gegen die Sozialdemokratie gerichtete Vereinsgesetz dieser in den Landtag verhülfe, den sie und ihre Freunde ihr durch das Wahlgesetz gründlich versperrt zu haben glaubten.
K Die Sozialdemokratie und die preußischen Landtagswahlen.
Auf der Tagesordnung des am 3. Oktober in Hamburg beginnenden sozialdemokratischen Parteitages steht als weitaus wichtigster Berathungsgegenstand die Betheiligung der Partei an den preußischen Landtagswahlen. So weit die Stimmung sich jetzt übersehen läßt, wird der Parteitag sich für die Betheiligung aussprechen. Darauf deutet auch schon die Bestellung des Abg. Auer zum Berichterstatter hin; Auer ist für die Betheiligung bereits öffentlich eingetreten, wie auch die übrigen Führer von Autorität sich vorwiegend dafür ausgesprochen haben, selbst Bebel, der auf dem Kölner Parteitage noch als Berichterstatter für einen ablehnenden Beschluß thätig war. Gegner der Betheiligung sind zum größten Theile die Doktrinäre in der Partei.
In Fluß kam die Frage bekanntlich durch das Vereinsgesetz. Herr d! d. Recke, dem es nicht vergönnt war, durch die Verwirklichung seiner Absichten den Sozialdemokraten einen willkommenen Stoff für die Agitation und die Schürung der Verbitterung zu liefern, darf doch das „Verdienst" in Anspruch nehmen, indirekt eine etwas lebhaftere Bewegung wieder in die Partei gebracht zu haben, deren Vereins- und Versammlungswesen vielfach stark am Veröden war. Hätte die Regierung nicht den Einfall gehabt, vom Reichstage an den Landtag zu appelliren, dieser wäre noch lange von der Sozialdemokratie unbeachtet geblieben, dank dem vortrefflichen Dreiklassenwahlsystem. Nun man aber den Landtag zu einer Aktion gegen den Umsturz zu verwerthen suchte, fand nun plötzlich die Sozialdemokratie, daß sich trotz des Wahlrechts wohl auch für die Landtagswahlen eine Bewegung ins Leben rufen und damit der Agitation eine neue Unterlage bieten lasse.
Man konnte sich ja große Erfolge für die Partei nicht versprechen; dafür gab man aber die Parole aus: gegen die junkerliche Reaktion! Die Bourgeoisie taugt zwar auch nichts, hieß es, aber gegenüber dem Junkerthum repräsentirt sie doch noch immer den Fortschritt; als Partei des Fortschrittes müssen wir daher der Bourgeoisie beistehen. Es wurde zwar aus dem eigenen Lager der Einwurf erhoben: Durch das Kompromiß mit den bürgerlichen Parteien verletzt und verdunkele man die eigenen Prinzipien und verwirre die Genoffen, auch bringe man bei der Oeffent- lichkeit der Stimmenabgabe die Genossen in Gefahr, gemaßregelt zu werden, so daß die Wahlbetheiligung nicht groß sein werde. Darauf wurde indeß von den Freunden der Betheiligung erwidert, die Partei sei vielfach zu Kompromisfen genöthigt, ohne daß es ihr bis jetzt geschadet habe, und was die befürchteten Maßregelungen angehe, so sei die Partei in den großen Städten und Jndustriebezirken stark genug, um sich nicht fürchten zu brauchen; wo sie mit der liberalen Partei der Arbeitgeber stimmten, hätten die Arbeiter erst recht nichts zu befürchten. Es ist ungemein viel
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Deutsches Deich.
Berlin, 16. August.
* Der Kaiser empfing in Wilhelmshöhe den Grafen Leopold zur Lippe und Biesterfeldj, ältesten Sohn des Regenten des Fürstenthums Lippe, zur Entgegennahme der Ratifikation des Antritts der Regentschaft. Der Graf wurde auch von der Kaiserin empfangen.
chwere Verwickelungen und Folgen nicht erspart bleiben würden, aber dennoch erschütterte es ihn nunmehr tief, als er die rasch auf einander gefolgten Katastrophen in der Heimath erfuhr: den Tod Vogt- Herrs, die Verhaftung Sigels, den Selbstmord Bastians und die Flucht des Juden Abraham Voos.
„Bezüglich des letzteren," fügte die Mutter dem Mitgetheilten hinzu, „muß ich eine Frage an Dich tellen, lieber Hermann, die von mir vermieden worden wäre, hätte nicht der Herr Kommissar, den ich ein» weihte, einen schon früher geweckten Verdacht in mir bestärkt. Voos präsentirte einen Schuldschein über 40,000 Mark mit Deiner Unterschrift, und um Dich nicht noch mehr bloßzustellen, habe ich die große Summe bezahlt. Erhieltest Du von Abraham wirklich diesen Betrag?"
— Eine mächtige Verlegenheit hatte sich gleich bei der Erwähnung des Namens Abraham auf dem Gesichte Hermanns wiedergespiegelt, nun aber erschrak er.
„40,000 Mark?" wiederholte er, „das ist ein schamloser Betrug! Meine ganze Schuld betrug mit Zins und Zinseszinsen 4000 Mark, von der ich aber thatsächlich nur die Hälfte erhielt. Diese Summe, keine andere, wurde von mir durch meine Unterschrift anerkannt."
* Der Botschafter v. AStoro ist hier eingetroffen und hat die Vertretung des Staatssekretärs des Auswärtigen Amts übernommen.
* Der Staatssekretär Frhr. v. Warschau hat sich in Begleitung des Prinzen von Arenberg von Freiburg nach dem Rigi begeben, woselbst er alljährlich für einige Zeit weilt.
* Das Gesetz betr. das Verwaltungsverfahren bei IuwiderHandkungen gegen die Zoügesetze und die sonstigen Vorschriften über indirekte Reichsund Landtagsabgaben, sowie die Bestimmungen über die Schlacht- und Wildpretsteuer wird im ,Reichsanz/ veröffentlicht.
* Der Kaiserwanderpreis für Schürer- Mellruder«, um dessen Eroberung in den letzten Jahren besondere Ruderriegen der Berliner höheren Lehranstalten in Grünau in öffentlicher Regatta wetteiferten, wird voraussichtlich für einige Zeit nicht mehr ausgefahren werden. Die Leiter der Schülerwettrudervereinigungen, durchweg Lehrer der betr. Anstalten, sind, wie der ,Post' gemeldet wird, bei dem Provinzialschulkollegium dahin vorstellig geworden, daß der Kaiserwanderpreis für die nächsten zwei oder drei Jahre nicht mehr vertheilt werden solle. Anlaß zu diesem Antrag hat der Wunsch gegeben, die wassersportlichen Veranstaltungen der Schüler in ruhigere Bahnen zu bringen. Es haben sich bei den dem Wettrudern vorangehenden Hebungen allerhand Begleiterscheinungen gezeigt, die vom pädagogischen Standpunkte aus Bedenken hervorgerufen haben.
* Zu einer reinen Seeschlange wird allmählich die Frage der Iteform des Witilärstrafprozesses. Neuerdings werden wieder mehrfach Stimmen darüber laut. So schreibt die ,N. Berl. Korr/: „In maßgebenden Kreisen hat man wenig Hoffnung, die Reform des Militärstrafprozesses noch in der nächsten Sefsion zum Abschluß zu bringen. Das Hinderniß, das bis in die letzte Zeit hinein Bayern bot, ist allerdings insofern beseitigt, als Bayern im Interesse der Einheitlichkeit des Strafverfahrens der Errichtung eines obersten Gerichtshofes mit dem Sitze Berlin zugestimmt hat. Die Durchführung der Mündlichkeit des Verfahrens bietet auch keine Schwierigkeiten mehr, wohl aber die Frage der Oeffent- lichkeit, die ihre Begrenzung findet in der Rücksicht auf die militärische Disziplin und das Ansehen der Armee. Ueber die Grenze, bis zu der die Oeffent- lichkeit von vornherein auszuschließen ist, und über die Gesichtspunkte, unter denen auch in anderen Fällen unter Ausschluß der Oeffentlichkeit verhandelt werden soll, ist bisher eine Einigung noch nicht vollständig erzielt; sie ist jedoch zu erwarten. Die piece de resistance bietet jedoch die Frage, ob mit der Einführung ständiger Gerichte, der Berufungsinstanz und des obersten Militärgerichtshofes die bisherige Einrichtung der Bestätigung des Urtheils durch den obersten Kriegsherrn aufgehoben und diesem nur das Begnadigungsrecht belassen werden soll. Im Bundesrath hat man sich, wie verlautet, für Letzteres
„So stellte ich mir die Sache gleich vor," nahm der Kommissar nunmehr das Wort, „da mein Argwohn, nachdem der Geschäftsmann sich als ein Helfershelfer der Falschmünzer entpuppt hatte, hinlänglich gerechtfertigt war. Abraham hat den Schein so niedergeschrieben, daß ihm Raum zur Anbringung einer weiteren Null und zum Einsetzen der ganzen Summe mit Worten verblieb, was von dem Unterzeichner in seiner begreiflichen Auflegung jedenfalls nicht bemerkt worden ist — ein Gaunerkniff, welcher der Polizei schon wiederholt Veranlassung zum Einschreiten gab. Für einen Theil des Verlustes wird sich übrigens Entschädigung finden, da man aus dem Verkauf des dem Juden gehörigen Hauses und dessen Einrichtung voraussichtlich eine namhafte Summe erzielt."
Die kleine Gesellschaft blieb noch eine Zeit lang beisammen, dann begab Hermann sich zum letzten Male auf seine Schlafstätte im Cirkus, während die Wirthin für Martha, die Bäuerin und den Kommissar die nöthigen Zimmer anwies. —
Letzterer erhob sich am folgenden Morgen ziemlich flühzeitig und schlug den Weg nach dem Telegraphenamte ein. Hier gab er eine Depesche zur Beförderung auf mit der Adresse: „Haidhofbauer Balenfin Guan in Buchberg."
Das Sündenerbe.
Original - Roman von Max Benno.
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Als Hermann geendet, nahm die Bäuerin das Wort. „Meine Vermuthung, daß Josephine und Anton nach vorheriger Verabredung gehandelt und die Erfüllung des von mir versagten Wunsches in der Fremde ertrotzt haben," sagte sie, „steigerte sich in mir mehr unb mehr zur Gewißheit, und namentlich nach jener Begegnung mit Anton vor dem Armenhause zweifelte ich mcht mehr. Unter dem Einflüsse dieser Ueber- zeugung nahm auch der andere Gedanke immer greis- barere Gestalt an: daß es Deine eigenen Eltern gewesen seien, Hermann, die Dich mir vor die Thüre gelegt haben. Zu diesem Entschlüsse wurde Anton durch die gütige Vorsehung bestimmt, die ja nun Alles zu einem guten Ende geführt hat. Das war jener dunkle Punkt, Martha, über den ich mit Dir erst in meinem letzten Stündlein sprechen wollte, in welchen aber nun, wenn auch nicht ohne Bitterkeit, ebenfalls Licht gebracht ist."
Hermann war auf Grund des ihm durch Adolf vor dessen Abreise von München mitgetheilten Planes darauf vorbereitet gewesen, daß den Betheiligten