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Frettag, den 13. August 1897

LL Jahrgang

FuldaerMZeitung

mit UnterhaUnngs-Keilagr „Sterne und Klumeu".

Erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. — vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld' in Fulda nnd auswärts 1 Mark 60 Pfennig. Inserate kosten die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 15 Ps., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Getreidepreisnotirungen.

Seit einigen Tagen liefert die „Centralstelle der preußischen Landwirthschaftskammern" täglich Berichte über die Getreidepreise, wie fte nach ihren Ermittlungen an verschiedenen Orten den Landwirthen gezahlt worden sind. Es wird damit ebenso wie mit den Preis­notirungen des ,Reichsanzeigers' vor allem bezweckt, die empfindliche Lücke auszufüllen, die durch den Streik der Getreidehändler entstanden ist. Alles, was die Wirkung und den endgiltigen Erfolg dieses Streikes in Frage zu stellen geeignet ist, ist natürlich den Händlern und ihren Freunden sehr unbequem. Es kann daher nicht Wunder nehmen, wenn sie an den Veröffentlichungen der Centralstelle scharfe Kritik üben und sie in den Kreisen der Landwirthe zu diskreditiren suchen.

So hat man gleich am ersten Tage nachgewiesen, daß die Preise der Centralstelle mit denen des,Reichs­anzeigers' aus demselben Orte nicht immer stimmen. Man hat weiter auf Grund eigener Ermittlungen nachgewiesen, oder wenigstens behauptet, daß ver­schiedentlich die von der Cenralstelle angegebenen Preise weit hinter den wirklich gezahlten zurückblieben. So sei Weizen nach der Lausitz für 190 Mk. verhandelt worden, während die Centralstelle den Preis mit 150 Mk. notire; für die Priegnitz sei der Gerstenpreis mit 115 Mk. angegeben, während er tatsächlich für gute Braugerste 100 Mk. höher, für brauchbare Futter­gerste ebenfalls erheblich höher sei. Kurz, aus den Veröffentlichungen sei nichts brauchbares zu entnehmen; die Preisangaben seien unzuverlässig und überdies er­fahre man gar nicht, um welche Qualität und welche Lieferungsbedingungen es sich handle. Darauf ist erwidert worden, es handle sich um wirklich gezahlte und nicht um Spielpreise; wo möglich sei auch ein höchster und niedrigster Preis angegeben, so daß man ungefähr ermessen könne, um welche Qualität es sich handle. Jedenfalls gehe aus dem Umstande, daß niedrigere Preise angegeben würden, als gezahlt sein sollten, hervor, daß die Centralstelle es nicht auf Preistreibereien abgesehen habe. Man warf sodann den Notirungen vor, daß an den einzelnen Tagen zu große Schwankungen zwischen den höchsten und niedrigsten Preisen vorkämen und daß die Preise an zwei aufeinanderfolgenden Tagen zu sehr von einander abwichen. Die ,Deutsche Tagesztg.' bestreitet im All­gemeinen die Richtigkeit dieser Behauptungen und sucht im Uebrigen die Schwankungen mit dem Erntewetter und damit zu erklären, daß die Preise wirklich nur auf abgeschlossenen Geschäften beruhten, heute also gutes, morgen schlechtes Getreide verkauft werden könne.

Die ,Bank- und Handelszeitung', die sonst als „agrarisch" gilt, jetzt aber von der ,Deutschen Tagesztg.' abgestoßen wird, äußert sich sehr wohlwollend, hat aber einige Zweifel und meint, diese Preise nach privater Ermittlung könnten überhaupt nur einen interimistischen Charakter haben. Desgleichen bemerkt

** Das Sündenerde.

Original - Roman von Max Benno.

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Sie ging heim und blieb zu Hause, bis unter verschiedenen Vorbereitungen der Abend hereinbrach. Dann kleidete sie sich an und holte die Bäuerin und Anna ab, mit welchen sie sich nach dem Gasthaus „Zur Herberge" begab. So hatte sie es mit dem Vater verabredet, der sich, um die Ausschmückungs­arbeiten des Festsaales zu leiten, schon seit Tages­anbruch bei Martin befand.

Bei ihrer Ankunft daselbst wurden sie von Sigel empfangen und in die mit Kränzen und Guirlanden vei zierten oberen Räumlichkeiten des Gasthauses ge­führt.

Sie erhielten den Ehrenplatz an der langen, der Fensterreihe entlang aufgestellten Tafel, an deren unteren Hälfte schon mancher Stuhl durch die besonders geladenen Gäste besetzt war.

Diese stellten sich in immer größerer Zahl ein und zwar nicht nur aus dem Dorfe und der nächsten Umgebung, sondern auch aus der Stadt. Es fiel keinem Menschen auf, daß sich unter den Theilnehmern auch der PoUzeikommiffar Forner befand, dem auf ausdrücklichen Wunsch des Bräutigams eine Ein-

die ,Deutsche landwirthschaftliche Presse', sie könne sich auf die Dauer von den Notirungen der Central­stelle keine Abhilfe der bestehenden Mißstände ver­sprechen; die Wiederaufnahme eines geregelten und für weitere Kreise maßgebenden Verkehrs in Getreide könne nicht in Berlin ohne Zutritt der interessirten Handelskreise erzielt werden. Dafür erhält sie von der ,Deutschen Tageszeitung' das Zeugniß, daß sie zwar „ein sehr tüchtiges Fachblatt",abernicht„agrarisch" sei und nicht sein wollte.

Wir unsererseits halten es hier einmal mit der ,Nat.-Lib.-Korr.', welche meint, man dürfe doch aus einigen Jrrthümern, die im Anfang vorkämen, nicht gleich den Schluß ziehen, daß der ganze Versuch wieder aufzugeben sei. Es sei doch eine den Landwirthschafts- kammern zugewiesene Aufgabe, in dieser Weise sich den Landwirthen nützlich zu machen, und gerade im Dienste des Getreideabsatzes hätten sie sich zu bewähren. Wir wünschen daher aufrichtig, daß es der Central­stelle gelingen möge, mit ihren Notirungen den Land­wirthen einen zuverlässigen Wegweiser zu bieten, und auch die wirklichen Käufer zu nöthigen, die angegebenen Preise zu zahlen. Unseres Erachtens erschüttert man aber selbst wieder das Vertrauen in die Notirungen, wenn man mit der ,Deutschen Tageszeitung' gleich­zeitig den Deklarationszwang für den Getreidehandel fordert. Es wird gesetzlich schwer zu begründen und praktisch noch schwerer durchzuführen sein, daß bei jedem Geschäftsabschlüsse die Betheiligten bekannt geben sollen, wie viel und zu welchem Preise gehandelt worden ist. Jedenfalls bekennt man mit einer solchen Forderung, daß die Notirungen der Centralstelle doch noch nicht den Werth und die Bedeutung haben, die man ihnen wünschen muß.

Deutfches Uerch.

Berlin, 12. August.

* Der Landwirthschaftsminister Frhr. v. Kammer­stei» hat seinen Urlaub unterbrochen, um sich morgen mit dem Eisenbahnminister Thielen und dem Minister des Innern, Frhr. v. d. Recke, nach dem schlesischen Ueberschwemmungsgebiet, speziell nach dem Regierungs­bezirk Liegnitz zu begeben.

* Der Senatspräsident am Reichsgericht, Dr. Drechsler, ist in Harzburg im Alter von 75 I. gestorben. Der Verstorbene, welcher der älteste Senatspräsident am Reichsgericht war, ist 18 Jahre lang am letzteren thätig gewesen. Er stand zuletzt dem ersten, hauptsächlich handelsrechtlichen Civilsenat vor.

* Der König von Hiam wird von England aus am 26. d. M hier in Berlin eintreffen und wahrscheinlich in einem der Potsdamer Schlösser Wohnung nehmen. Am 29. wird er dann seine Reise nach Schwerin weiter fortsetzen.

* Wegen Mekeidigun g des ^laatsministeriums und Herabsetzung von Staatseinrichtungen und An­

ladungskarte zugeschickt worden war, und ebensowenig bekümmerte man sich um das Kleeblatt von drei Herren, das sich an einen klemm Tisch gesetzt hatte und das den Landleuten unbekannt war.

Nur dem Kommissar schienen diese Gäste nicht fremd zu sein. Er war zu ihnen getreten und hatte einige Worte mit denselben gewechselt. •

Auch der Landjäger von Buchberg befand sich im Saale. Er trug fein Seitengewehr.

Eine Musik spielte. Das Festmahl begann.

Sigel schien in der vorzüglichsten Laune zu sein. Er sprach ganz im Gegensatz zu seiner srüheren Zurück­haltung mit jedermann und wiederholt ruhten seine Blicke mit dem Ausdruck des Triumphes auf dem lieblichen Gesichte der Braut. Der von dem Schenk- wirth in Weilbach gelieferte Tiroler fand allgemeine Anerkennung und trug wesentlich dazu bei, daß die Stimmung der Festgäste sich von einer Viertelstunde zur anderen hob.

Da näherte sich Martin dem Bräutigam und flüsterte diesem einige Worte ins Ohr.

Die Mittheilung schien erfreulicher Natur zu sein, denn Sigel lachte vergnügt.

„Das trifft sich ganz prächtig," rief er, „nur herein mit den Künstlern; sie werden ihre Rechnung finden, wenn ihr Spiel mir gefällt."

ordnungen von Behörden ist, infolge eines Strafan­trags des Reichskanzlers gegen den früheren Abg. Rittergutsbesitzer Dr. v. Skarzyski zu Szelawin die Untersuchung eingeleitet worden. Die Beleidigung wird erblickt in der Broschüre „Raszo sprowa". Zu der am 18. Sept, vor dem Posener Landgericht stattfindenden Verhandlung wird der Reichskanzler erscheinen.

st Der Minister des Innern, Frhr. v. d. Recke macht im ,Reichsanzeiger' bekannt, daß demnächst eine neue Auflage des Hemeinde-Kexikous für Preuße» in einzelnen Heften für jede Provinz er­scheint. Das Lexikon enthält Angaben über die Be­völkerungsziffer auf Grund der Volkszählung vom 2. Dezember 1895, die konfessionellen Verhältnisse, den Flächeninhalt, die Zahl der Wohngebäude, die Zugehörigkeit der Städte, Landgemeinden und Guts­bezirke zu den Verwaltungs- und Gerichtsbezirken, Landwehrbezirken und Kirchspielen. Je nach der Stärke des einzelnen Heftes Datiert der Preis für dasselbe zwischen 0,40 Mk. und 7,60 Mk.; das Generalregister für alle Hefte 16,40 Mk. Der Preis des ganzen Lexikons mit Generalregister ermäßigt sich auf 60 Mk. (statt 67 Mk.), ohne das Register auf 45 Mk. (statt 50,60 Mk.).

st Das Kaisermauöver wird in diesem Jahre ein Aufgebot von Truppen haben, das bisher in dieser Größe in Deutschland noch nicht stattgefunden hat. An dem Manöver werden theilnehmen 143 Bataillone, 115 Eskadrons, 111 Feldbatterien, 21 technische Kompagnien und 3 Lustschifferabtheilungen. Die Stärke der Truppen bei dem vorigjährigen Kaisermanöver in der Oberlausitz betrug nur 98'/. Bataillone, 85 Eskadrons und 98 Batterien. Ge­bildet wird in diesem Jahre eine Ostarmee aus den beiden bayerischen Armeekorps unter Führung des Prinzen Leopold von Bayern und eine Westarmee aus dem VIII. und XI. Armeekorps unter General v. Haeseler. Das eigentliche Manöver findet, wie verlautet, vom 7. bis 9. September zwischen Hanau und Aschaffenburg statt.

st Ein Aeulralveröand polnischer cheweröe- treiöeuder soll, wie der ,Post' gemeldet wird, für Deutschland mit dem Hauptsitz in Berlin demnächst gegründet werden. Der Verband soll den Zusammen­schluß der polnischen Handwerker gegenüber ihren deutschen Konkurrenten bezwecken; die berufliche Aus­bildung soll durch Handwerker-Fortbildungsschulen, Reisestipendien, Bibliotheken usw. gefördert und gleich­zeitig auch von Verbandswegen eine Vermittlung beim Einkauf von Rohmaterialien wie beim Vertrieb der fertigen Maaren ausgeübt werden. Der Centralver­band zerfällt in die einzelnen Lokalvereinigungen polnischer Handwerker, die sich wieder nach Berufs­zweigen in Sektionen gliedern.

* Für den praktisch-soziale» Kursus zu Aeuttze« in Oberschlesien, welcher in der Zeit vom

Der Geigenvirtuos Antonio Sonnini, wie er sich genannt hatte, betrat mit dem Knaben den Saal. Seine fremdartige Erscheinung, die durch eine Brille mit großen blauen Gläsern noch verschärft war, rief eine allgemeine Bewegung unter den Gästen hervor. Diese verschwand, als er durch den Kleinen mit der Mundharmonika begleitet zu spielen begann. Er erwies sich als ein Meister auf der Violine.

Schon der Anblick des Künstlers, noch mehr aber derjenige der Instrumente, hatte Martha eigenthüm- lich berührt. Bilder ans vergangenen glücklichen Tagen tauchten vor ihrem geistigen Auge empor, und zwar um so mehr, als der Virtuos lauter Sachen vortrug, die sie früher oft gehört hatte. Als dieser vollends ihr und Scholastikas Lieblingslied: „In einem kühlen Grunde" mit ergreifender Weichheit und Klangfarbe zu fpielen anfing, da kam es mit überwältigender Macht über sie. Sie konnte sich nicht mehr halten und unter dem vor das Gesicht gepreßten weißen Tuche rollte eine Thräne um die andere über ihre Wangen. Auch die Bäuerin war mächtig ergriffen. Fast athemlos hörte sie zu.

Dieser mächtigen Wirkung der schönen Musik wurde von den übrigen Gästen kaum eine Beachtung geschenkt. Zuletzt fangen einzelne den Text mit:

„Sie hat die Treu gebrochen. Das Ringlein sprang entzwei"