milUntechaltungs-Sritagi! „Sterne und Stumm".
24. Jahrgang
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Eine Warnungstafel
überschrieben ist ein Artikel aus dem sechsten Hefte des lausenden Jahrgangs der ,Stimmen aus dem Volksverein für das katholische Deutschland". Obgleich wohl eine große Anzahl unserer Leser als Mitglieder des Volksvereins das betreff. Heft selbst in Händen haben wird, so glauben wir doch diesen Artikel hier in seinem Wortlaut wiedergeben zu sollen, da er auch für die weitesten Kreise von der größten Bedeutung ist. Derselbe lautet:
„Der Sommer nächsten Jahres bringt uns die Reichstagswahlen. Das deutsche Volk wird dann aufgerufen, seine Stimme abzugeben, wie die Gesetzgebung in den folgenden fünf Jahren sich gestalten soll. In allen Ständen herrscht Unzufriedenheit mit den gegenwärtigen wirthschaftlichen Verhältnifsen. Alle rufen nach Besferung ihrer Lage und verlangen solche auch von der Gesetzgebung. Der Eiser der Regierung für Sozialreform ist offenbar erkaltet. Nur wenige Parteien haben im Reichstage ernsthaften Sinn gezeigt, eine gesunde Sozialpolitik zu treiben. Die Sozialdemokratie auf der anderen Seite ist fast überall im Vormarsch begriffen. Die friedliche und segensreiche Entwickelung der Zukunst unseres Volkes hängt also davon ab, daß der im nächsten Jahre zu wählende Reichstag die Fortführung der Sozialresorm für alle Stände durchsetzt. Die erste Vorbedingung dazu ist aber, daß unser •Zentrum in ungeschwächter Anzahl wieder vom katholischen Volke in den Reichstag geschickt wird. Sind wir hier bei der Gesetzgebung und unter den Augen der Regierung nicht vollwichtig vertreten, so ist alle andere Arbeit auf fozialem Gebiete verlorene Liebesmühe.
Jedermann ersieht daraus, welche hohe soziale Bedeutung wir Katholiken und Centrumsmänner dem Ausfälle der nächstjährigen Wahlen beizumefsen haben. Möge sich Niemand darüber täuschen, daß der Wahl- ckampf überaus scharf fein wird. Mit ein paar Wahlreden ist nichts auszurichten. Wer erst „im letzten Augenblicke" rüsten will, kommt zu spät. Derjenige siegt, der am längsten und besten vorgearbeitet hat. Wer in der ruhigen Leit vor den Wahlkämpfen für seine Sache eifrig, ausdauernd gearbeitet, dem Volke durch rege agitatorische Thätigkeit in Volksversammlungen, durch Vertheilen von Flugblättern, Äurch das Wirken der wohlorganisirten Vertrauensmänner fein Interesse bewiesen und dasselbe so gründlich belehrt hat, der wird das Volk, vor allem die viel umstrittenen Arbeiter, am Wahltage an seiner Seite sehen. Diejenige Partei, welche erst im Wahlkampfe, wo alle Parteien sich herandrängen, ihr volks- und arbeiterfreundliches Herz entdeckt und beweisen will, wird keine Gläubigen finden.
Lassen wir uns das heute, wo wir noch manches hierin Versäumte nachholen können, eine Warnung sein. Keiner unter uns darf glauben, wir könnten auf
unseren alten, gewiß unverwelklichen Lorbeeren ruhen. Heute beschäftigen und beunruhigen ganz neue Fragen unser Volk. Unsere Reihen müssen so fest gegliedert und gut geschult, das Vertrauen aller Katholiken in Statu und Land bis in's letzte Dorf zu unserem heutigen Centrum muß so unerschütterlich fein, daß auch der ärgste Sturm, auch die hinterlistigsten Wahlmanöver unserer Gegner, die es daran nicht werden fehlen lassen, uns nichts anhaben können. Eine solche Schulung unserer katholischen Männer können wir nur durch unermüdliche und planmäßige Agitationsarbeit erreichen. Truppen, die nicht immer wieder zum Appell zusammengerufen werden, laufen auseinander und verlernen die Parole. Auf das Vertrauen des katholischen Volkes haben wir zudem nur dann einen berechtigten und wirksamen Anspruch, wenn wir uns dasselbe landaus und landab durch opferwillige Arbeit für das Wohl des Volkes verdient haben. Da müssen wir nun offen eingestehen: In gar vielen katholischen Orten und Gegenden hat man es bis zur Stunde von berufener Seite an dieser unerläßlichen agitatorischen Vorarbeit fehlen lassen. Es fehlt dort an Organisation und Agitation. Den Volksverein, der dies alles anderswo durch seine Organisation der Vertrauensmänner, durch seine Agitation in Versammlungen, Flugblättern, von Mund zu Mund meisterhaft geleistet hat, glaubt man „nicht nöthig zu haben". Das wäre im Jntereffe des Ganzen zu verschmerzen, wenn man auf andere Weise und mit ähnlichen Mitteln organisirt und agitirt hätte. Aber auch das glaubte man nicht nöthig zu haben. Ob man auch gewillt ist, die Verantwortung zu tragen, die man der gesummten Gentrumspartei gegenüber dadurch auf sich ladet? Jedenfalls wollen und dürfen die Führer der Centrumspartei, die mit Aufgebot aller Kräfte ihren Posten zu behaupten suchen, diese Verantwortung nicht auf sich und die Gesammtpartei fallen lassen, und darum ergeht in ihrem Sinne und Auftrage dieser ernste Warnungsruf an alle, die er betrifft. Man organifire und agitire wenigstens jetzt in der vorgerückten Stunde für den nächstjährigen sozialpoli- tischenWahlkampf, denn ein solcher wird er sein. Ob das durch Einführung und rege Thätigkeit des Volksvereins, in dem fein Gründer Windthorst das katholische Volk organisirt wissen wollte, geschieht, oder auf andere Weise, ist am Ende gleichgillig. Leichter und wirksamer als im Volksverein und durch denselben wird es Niemand vermögen. Nur organifire und agitire man kräftig, so daß wir überall auch die schärfsten Stürme des Wahlkampfes aushalten können. Zur Vertheidigung des Centrumsthurmes genügt unser herrliches Offizierkorps der Abgeordneten und Führer nicht, wenn ihnen ein geschultes, schlagfertiges und treues Heer von Wählern im Lande fehlt. Dieses Heer haben wir, Klerus und Laien, in den einzelnen Bezirken, am größten wie kleinsten Orte zu stellen durch Organisation und Agitation."
Möge man diesen so beherzigenswerthen Worten doch ja die nöthige Beachtung schenken und recht bald
anfangen, danach zu handeln. Je eher wir uns zum Kampfe rüsten, um so sicherer wird uns der Sieg sein.
Deutsches Keich.
Berlin, 9. August.
X Tas Kaiserpaar ist am Samstag in Peter- Hof angekommen. Die Begrüßung mit dem Zarenpaar war eine besonders herzliche. Wenn man dieser erneuten Begegnung der beiden Monarchen unter den heutigen Verhältnissen von vornherein eine hohe politische Bedeutung beigelegt hat, so hat sich diese Werthschätzung der Kaiserzusammenkunft angesichts der bei dem Galadiner in Peterhof zwischen den beiden Kaisern gewechselten Trinksprüche vollauf als richtig bestätigt. Diese Trinksprüche stellen sich nicht dar als em Austausch von höflich liebenswürdigen Gedankenäußerungen zwischen Gast und Gastgeber, sondern als ein mannhafter Ausdruck tiefen persönlichen Empfindens und des Gefühls inniger Freundschaft und Zusammengehörigkeit. Nachdem Nikolaus II. unserem Kaiser gedankt für den Besuch, der ihn mit lebhafter Genugthuung erfülle, fuhr er fort: „Diese neue Be- thätigung der traditionellen Bande, welche uns einigen, und der guten Beziehungen, die in so glücklicher Weise zwischen unseren beiden benachbarten Reichen geschaffen worden sind, ist zugleich eine werth- volle Bürgschaft für die Aufrechterhaltung des Weltfriedens, der den Gegenstand unserer andauernden Bemühungen und unserer glühendsten Wünsche bildet." Hierauf trank der Zar auf das Wohl feiner hohen Gäste. Kaiser Wilhelm, welcher bald nach feiner Ankunft in Peterhoft vom Zaren zum russischen Admiral ernannt worden war, dankte demselben für diese Ernennung, die auch eine Ehrung der deutschen Marine sei, sowie für den herzlichen Empfang, der ihm bereitet worden sei. „Ich erblicke," fuhr Kaiser Wilhelm fort, „in der Ernennung zum rufsischen Admiral nicht nur eine Ehrung meiner Person, sondern auch einen neuen Beweis für die Fortdauer unserer traditionellen, innigen, aus unerschütterlicher Basis begründeten Beziehungen, sowie der unserer beiden Reiche. Euer Majestät unerschütterlicher Entschluß, nach wie vor Ihrem Volke den Frieden zu erhalten, findet auch in mir den freudigsten Widerhall, und so werden wir, .mit einander die gleichen Bahnen wandelnd, vereint dahin streben, unter dem Segen desselben die kulturelle Entwickelung unserer Völker zu leiten. Vertrauensvoll kann ich das Gelöbniß erneut in Eurer Majestät Hände legen — und dabei steht, das weiß ich, mein ganzes Volk hinter mir —, daß ich Eurer Majestät bei diesem großen Werke, den Völkern den Frieden zu erhalten, mit ganzer Kraft zur Seite stehen und Eurer Majestät meine kräftigste Unterstützung auch gegen jeden angedeihen kaffen werde, der es versuchen sollte, diesen Frieden zu stören oder zu brechen. Ich trinke auf das Wohl Ihrer Majestäten des Kaisers und der Kaiserin!" Selten ist zwischen Monarchen die Friedens- liebe so ausdrücklich betont worden. Das mag Frank-
•Of“ Das Sündenerbe.
Original - Roman von Max Benno.
^0 ------ (Nachdruck verboten.)
Adolf schilderte nun feine Entdeckung in dem Gewölbe, die Vergewaltigung durch Vogtherr und sein erzwungenes Eingehen auf den gemachten Antrag. „Jetzt wunderst Du Dich wohl nicht mehr über den Born," fügte er, abermals heftig redend hinzu, „in Echeu ich neulich bei der Erinnerung an die beiden Schurken Vogtherr und Sigel gerieth. Sie sollen au$ büßen und jener damals unwillkürlich in mir aufgetauchte Gedanke zur That werden, nachdem ich durch das über mich hereingebrochene Strafgericht esinnung gebracht worden bin. Vielleicht ver- jetpft Du mir dann, Hermann, was ich gethan!■ 3)61116 Ehre soll gerettet und Martha den Klauen des Unholds entrissen werden, der sie ganz sicher durch eine abermalige Teufelei zu umgarnen und für feine Wunsche fug) am zu machen gewußt hat. Es ist noch nicht zu spät!"
Vogel entwickelte einen förmlichen Plan, den er bereits gefaßt hatte. „Du könntest mich begleiten, schloß er, „doch es wird bester fein, wenn Du meiner Anweisung folgst. Ich bin es Dir schuldig, die Wege
zu ebnen, daß Du im vollen Glanze der Unschuld zu Deinen Sieben heimkehren kannst." . . .
Vor freudiger Aufregung ganz außer sich trat Hermann den Rückweg nach dem Augustinerbräu an. „Wie wird der väterliche Freund staunen," murmelte er, „wenn er hört, daß seine Zuversicht sich so schnell und tn so wunderbarer Weise bewährt hat! Erhalte ihn, lieber Gott," flehte er, „damit der brave Mann sich an meinem Glück freuen kann."
Antonio erkannte an dem strahlenden Antlitz Hermanns, daß dieser etwas ganz Außerordentliches erlebt hatte. In dieser Ueberzeugung sah er sich nicht getäuscht. Auch seine schon halb verschleierten Augen schimmerten in höherem Glanze, als der junge Mann feinen Bericht über Vogels Bekenntnisse schloß.
„Ich wußte es ja," sagte er, „daß die Vorsehung sich Deiner annehmen und die Schuldigen treffen werde. An eine so überraschende Wendung freilich dachte ich nicht. Ich fetzte meine Hoffnung auf das Eingreifen des Freundes, desten Schlüffe und Ver- muthungen nunmehr bestätigt sind. Man braucht die Hilfe des Detektive nicht mehr. Gott selbst hat das von den Frevlern geflochtene Trugnetz zerrissen; er ist gerecht. Er ist aber auch barmherzig und voller Liebe, da er mir vor meinem Hingang noch diese ।
hohe Freude gewährt. Und doch bin auch ich ein Schuldiger, Hermann, der freilich viel gebüßt und tief bereut hat. Du nanntest mich „Vater," ohne zu wissen, welches Recht ich einst auf diesen süßen Namen aus Deinem Munde hatte, das leider von mir verscherzt worden ist. Ich bin Dein Vater, Hermann, Dein leiblicher Vater. In dieser feierlichen Stunde sollst Du erfahren, was ich bis jetzt von einem Tage zum andern verschob."
Hatte das Vorausgegangene schon die Nerven Hermanns in eine hochgradige Erregung versetzt, so geschah es durch diese Enthüllung noch mehr. Sein Vater! Mit diesem Namen waren alle Räthsel, welche sich an die Persönlichkeit des liebreichen Wohl- thäters knüpften, mit einem Schlage gelöst.
Unfähig ein Wort zu sprechen, schloß er den Kranken in feine Arme und küßte ihn auf Augen und Mund.
„Du sollst alles wiffen," nahm der Akrobat, als der Gefühlssturm sich einigermaßen gelegt hatte, das Wort. Das Schicksal Deiner Eltern" ist ebenfalls ein Beweis dafür, daß man nicht ungestraft die Gebote Gottes verletzt. Vielleicht hörtest Du schon dieses und jenes über mich und Deine Mutter, aber es ist jedenfalls wenig genug, da, wie ich mich bei meinen