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Jfä 179 Montag, den 9. August 1897 24. Jahrgang

FnldaerWZcitiliig

mit Unterhaltungs-Keilage „Sterne und Klumeu".

Erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Vierteljährlicher AbonnementsprciS ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig. Inserate kosten die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

] 44. Deutscher Katholikentag in Landshut.

Nur wenige Wochen trennen uns noch von dem großen Kongresse, dem tausend Herzen längst in freudiger Bewegung entgegenschlagen. Am hiesigen Orte herrscht allenthalben wetteifernde Rührigkeit in den Korporationen und Ausschüssen, in den Familien, in der Bürgerschaft, mit Wort und Schrift, mit Rath und mit That. Alles wirkt zusammen, um, soweit es in menschlicher Macht gelegen ist, den Landshuter Katholikentag seinen Vorgängern ebenbürtig zu ge­stalten.

Schon naht sich der Bau der Festhalle, deren Standort, zu Füßen der romantischen Burg Trausnitz und von waldgrünen Höhen und dem reißenden Jsar- lauf umgrenzt, nicht glücklicher hätte gewählt werden können, seiner Vollendung. Hier werden die ersten und gefeiertsten Redner des katholischen Deutschland die liebevolle Begeisterung für unsere erhabene Religion, unsere glorreiche Kirche und deren verehrungswürdigsten obersten Führer und Lenker, Papst Leo XIII., zu hellauflodernder Gluth entzünden, und nebenbei der katholische Volksverein, die Genossenschaft der katho­lischen Adeligen Deutschlands, die Cäcilienvereine, der katholische Lehrerverein, die katholischen Studenten­verbindungen und Studentenvereine sich zu gemein­schaftlichen Berathungen und Festlichkeiten versammeln. Erfreulicher Weise haben auch hervorragende Nota- bilitäten bereits ihre Theilnahme angemeldet. Darum auf ein Jeder, dem die Verhältnisse es gestatten und dem im Drange des Weltlebens katholisches Fühlen und Denken nicht abhanden gekommen ist, auf nach Landshut, der treuerprobten Bewahrerin altbayerischer, altväterlicher Frömmigkeit und Sitte! Zugleich aber sei auch an alle, welche die diesjährige Generalver­sammlung zu besuchen beabsichtigen, das freundliche Ersuchen um recht baldige Anmeldung gerichtet, damit jede Behinderung und Störung vermieden bleibe!

Auf das während der Generalversammlung er­scheinende Festblatt werden von sämmtlichen Post­anstalten Abonnements ä 60 Pfg. entgegengenommen.

Deutsches Deich.

Berlin, 7. August.

* Der Reichskanzler Jürst Koljenkoije soll in den letzten Tagen „sehr leidend" gewesen sein. So meldet wenigstens die ,Staatsb. >Ztg.". Er werde, sobald Kaiser Wilhelm Peterhof wieder verlassen habe, für einige Zeit zur Erholung auf seine russiche Be­sitzung Werkt sich begeben. Das dürfte wohl der „Anfang vom Ende" fein, da es ja bekannt ist, daß der Reichskanzler mit Beginn des Herbstes aus dem Staatsdienste ausscheiden soll.

st Minister Freiherr v. Kammerstei« kann der ,Deutschen Tageszeitung" nichts mehr recht machen. In Trier hat er der Hoffnung Ausdruck gegeben.

Das Siindenerbe.

Original - Roman von Max Benno.

48 ------ (Nachdruck verboten.)

Am folgenden Tage begab Hermann sich in das Spitalgebäude. Er fand Adolf bei vollem Bewußt­sein und, wie es schien, in einem Zustande, der den Thierbändiger leichter aufathmen ließ. Dagegen brachte er es nicht über sich, zu verhehlen, welche Schuld ihn an Adolfs Mißgeschick traf.

Sein Geständniß rief jedoch bei dem Verwundeten eine ganz andere Wirkung, als er erwartet hatte, hervor. Statt daß ihm Vorwürfe gemacht wurden, erschlen^der^Ausdruck einer sichtlichen Bestürzung auf

„Du, Hermann, Du," rief er, „Du warst schuld? Das ist ja sehr sonderbar. . . "

Nachdenklich schwieg er eineWeile und fuhr dann fort:

„Der Doktor war heute schon da. Es ist ein etwas wunderlicher Patron, der fortwährend mit sich selbst spricht. Da vernahm ich denn verschiedenes, wodurch ich nicht sehr erbaut worden bin. Von Rückenmarkverletzung, Schwindsucht hörte ich ihn brummen, und wiederholt schüttelte er den grauen Kopf. Es wäre doch eine verfluchte Geschichte, wenn ich abschweben müßte, eines Unfalls wegen, zu dem

„daß die deutsche Landwirthschaft sich immer deutschen Fleiß und deutsche Ausdauer bewahren möge." Das ist gewiß nichts Schlimmes, aber das Blatt ärgert sich, daß der Minister im Reden „noch kein Haar gesunden" hat, „sondern vergnügt weiter redet." Der besagten Hoffnung Ausdruck zu geben, habe er „eigentlich nicht nöthig" gehabt; die Landwirthschaft werde sich beide Eigenschaften, „so lange die Kraft reicht", schon wahren; „besonderer Mahnungen bedarf sie nicht." Der Minister wird wohl nur mehr sagen dürfen: „Das Getreideeinfuhrverbot ist bewilligt; was wünschen die Herren Dr. Hahn, v. Plötz und Rösicke noch? Es ist im voraus gewährt." In einer der üblichen Zuschriften des Blattes, die diesmal von einem land- wirthschaftlichen Mitarbeiter herrührt, der „Gott sei Dank kein Besitzer" ist, werden laute Klagen gegen die Regierung erhoben unter Hinweis auf den vielen Regen. Ist die Regierung daran am Ende auch noch schuld?

* Kerr v. Köller wird sich nunmehr als Ober­präsident auf einem kleineren Gebiete, als auf seinem ministeriellen, zu bewähren haben. Als Minister des Inneren haben bekanntlich Herrn v. Köller keinerlei Lorbeeren gewinkt. Uebrigens entbehrt die Geschichte der Ernennungen unserer höchsten Verwaltungsbeamten nicht eines gewissen pikanten Beigeschmacks. Vor gar nicht allzu langer Zeit war Herr v. Köller Minister des Inneren und Herr v. d. Recke war sein Unter­gebener; jetzt ist es umgekehrt: Herr v. d. Recke der Vorgesetzte und Herr v. Köller der Untergebene. Wie heißt es in dem alten Scherzworte: Bald lag ich unten, bald war er oben! Es macht aber wirklich wenig Unterschied in den Dingen aus. Uebrigens erwartet man von dem „thatkräftigen Staatsmann" kurzlebigen ministeriellen Andenkens, daß er die Sozial­demokraten und Dänen in der Provinz zu Paaren treiben werde. Wir wünschen ihm Glück dazu. Seine bisherigen politischen Leistungen lassen leider aber nicht darauf schließen, daß er die Erwartungen er­füllen werde. Wenn er verstehen sollte, die freiheits­liebende Bevölkerung nach dem Muster von Elsaß- Lothringen und Puttkamerun zu regieren, so wird er nur Unzufriedenheit und Verwirrung anrichten.

* Der Abg. Schoof enthüllt in einem Briefe an Dr. Hahn, den die ,D. Tgsztg." veröffentlicht, weitere Interna aus der nationalliberalen Fraktion. Er erzählt, daß er auf Veranlassung der Abgg. Hobrecht und Dr. Krause vor der Abstimmung am 28. Mai bei einigen holsteinischen und hannoverschen Abgeordneten seinen Einfluß zu Ungunsten der An­träge Zedlitz geltend gemacht habe. Wiewohl sich Dr. Sattler im Plenum Namens der Fraktion nur für den Fall gegen eine Ausnahmegesetzgebung aus­gesprochen habe, daß die Regierung nicht erkläre, sie übernehme in erster Linie die Verantwortung, habe man in der Partei schon vorher alles gethan, um den Herrenhausbeschluß zu beseitigen; ob aus Aerger über den Regierungswechsel, wisse er nicht. Die

eine Unvorsichtigkeit gerade Deinerseits die Veran­lassung gab."

Wieder verstummte er und schaute mit augenschein­lich beunruhigenden Gedanken beschäftigt, an die Decke hinauf. Hermann ergriff seine Hand. „Du bist mir doch nicht böse," sagte er, „ich kann nicht dafür und es thut mir aufrichtig leid. Sage mir, was ich für Dich thun kann, ich bin zu allem bereit!"

Ein eigenthümlicher Strahl zuckte aus den Augen Vogels.

„Du bist ein guter Kerl," bemerkte er, „und es waren ganz niederträchtige Burschen, durch welche Du so infam in die Tinte gebracht worden bist, denn offen gestanden — ich glaubte nie an Deine Schuld. Was Du für mich thun kannst? Nicht viel! Geld )abe ich genug! Aber wenn Du mich recht oft be­uchen willst, ist es mir recht. Sonst bekümmert sich a doch keine Seele um mich."

Diesem Wunsche entsprach Hermann gerne und 'onnte es um so eher, als seine Rolle als Thier- bändiger, wenigstens in München, ausgespielt war. Mehrere Stunden des Tages brachte er bei dem Landsmanne zu.

Da blieb er auf einmal zwei Tage aus. Erst am dritten stellte er sich wieder ein mit einer Miene, welche eine schmerzliche Aufregung verrieth.

,Nat. Lib. Korr." spiele zu Gunsten des ostelbischen Flügels die Hauptrolle, sie gelte als Parteiorgan, in Verlegenheitsfällen werde sie aber verleugnet. So sei ihm, als ihn die ,Osnab. Ztg." der Unwahrheit be­schuldigt und die ,Nat. Lib. Korr." die Auslassung der,Osnab. Ztg." bestätigt habe, von dem Abg. Ho­brecht erklärt worden, daß die ,Nat. Lib. Korr." nicht offizielles Organ der Partei sei und daß der Vorstand seines Wissens an der Sache nicht betheiligt sei. Während früher der linke ostelbische Flügel (Rickert) habe ausscheiden müssen, werde jetzt der rechte west- elbische Flügel verdrängt, so daß bald wieder eine Vereinigung mit den Freisinnigen stattfinden könne. Auf diese Strömung führte Schoof es zurück, daß der Abg. Wallbrecht, obwohl er an der Spitze der hannoverschen Nationalliberalen stehe, nicht ,im Vor­stand der Fraktion sei, es werde viel hierüber ge­murrt, aber nichts gesagt. Die Geschichte mit der Wahl Dr. Krauses zum Vizepräsidenten wiederholte der Abg. Schoof, theilt aber diesmal mit, daß er mit dem „alten ehrwürdigen Herrn" den Abg. Haacke gemeint habe. Die Behauptung über die Aeußerung Dr. Krauses betr. Bismarck hält Schoof der,Nat. Lib. Korr." gegenüber aufrecht; Dr. Krause selbst würde es nicht zu bestreiten wagen.

* Mit dem jüngst erfolgten Aegierungswech sek befaßt sich neuerdings ein Artikel der,Kreuzzeitung". In demselben wird die Frage ventilirt, ob der Re­gierungswechsel einen Systemwechsel bedeute. Der ,Kreuzzeitung" erscheint dies vorerst als zweifelhaft, da die bekannten Miquel'schen Reden keine besonders neuen Gesichtspunkte enthielten und Dr. v. Miquel nicht einmal angedeutet habe, auf welche Weise man die Landwirthschaft wieder ebenbürtig an die Seite der Industrie stellen wolle. Vermuthlich werde man über die „kleinen Mittel" nicht hinausgehen. An eine Verlängerung der Handelsverträge sei zwar nicht zu denken, da der Reichstag nach den gemachten Er­fahrungen gegen eine solche sei. Was solle aber zum Frommen der Landwirthschaft in den 61/» Jahren bis zum Ablauf der Handelsverträge geschehen? Die ,Kreuzzeitung" hält mindestens eine Revision der Handelsverträge, an deren Aufrechterhaltung weder Rußland noch Oesterreich ein Interesse haben, für nothwendig. So lange auf diese Frage eine Antwort ausstehe, könne von einem Systemwechsel nicht die Rede sein.

* Das Gesetz über die Organisation des Kand- werKs wird im,Reichsanzeiger" veröffentlicht. So lange das Normalstatut für die Zwangsinnungen aber nicht fertig gestellt ist, können die Verwaltungs­behörden mit der Ausführung des Gesetzes nicht be­ginnen. Den ,Hamburger Nachrichten" zufolge dürste der Bundesrath das Statut Mitte Oktober fertig gestellt haben.

h. Betreffend die KtaatsbeiHikfe zurAbstellung der durch die Wetterunfälle geschaffene Nothla ge schreibt die ,Nordd. Allg. Ztg.", es müsse

Mit wenigen Worten wurde Adolf sowohl über den Grund dieser veränderten Stimmung, als auch über denjenigen des Wegbleibens in Kenntniß gesetzt.

Der Kraftmensch Antonio Sonnini hatte bei seinem Spiel eine ungeschickte Bewegung gemacht, er war ge­fallen und durch die niedersausende Eisenkugel schwer verletzt worden, daß sein Wiederaufkommen in Frage stand.

Adolf lag nach dem Anhören dieser Hiobspost längere Zeit unbeweglich auf seinem Bette.

„Auch mit mir geht es zu Ende, Hermann," nahm er dann das Wort. „Ich weiß es bestimmt, denn der Doktor sagte es mir. Ich fragte ihn gestern morgen über meinen Zustand. Anfangs wollte er nicht recht mit der Sprache heraus, aber als ich nicht nachließ, erklärte er mir unumwunden, daß der Keim zur Schwindsucht schon vorher in mir vorhanden gewesen und nun diese Krankheit durch die Rückenmarkverletzung zu einer akuten gemacht worden sei. Ein halbes Jahr könne ich im günstigsten Falle noch zu leben haben, länger jedoch nicht."

Ohne dem Ausdruck des grenzenlosen Entsetzens, welches bei dieser Mittheilung auf dem Gesichte Her­manns erschien, eine Beachtung zu schenken, ftihr Adolf fort: „Du kannst Dir denken, daß mir diese Enthüllung den Schrecken schon ein bischen in die