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M 177 Freitag, den 6. August 1897. 24. Jahrgang

FuldaerMZeitiiilg

mit Unterhaltungs-Beilage „Sterne und Klnmen".

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X Ein Marine-Septennat.

Als „Roon der Marine" ist Staatssekretär Tirpitz uns von seinen Freunden angekündigt worden. Roon hat bekanntlich die preußische Heeresorganisation gegen den Willen der Volksvertretung mit Bismarck durch­geführt. Plant Herr Tirpitz etwas ähnliches? Die ,,Nordd. Allg. Ztg/ bringt da einen Artikel „Marine­gedanken", der in der That zu denken gibt. Mit Genugthuung wird an die Großthaten Roons und Bismarcks in der Konfliktszeit erinnert, und warnend wird hinzugesügt: „Politiker, die sich gegen Belehr­ungen solcher Art nicht verschließen wollen, hätten alle Ursache, auch die Marinefragen unter den Ge­sichtswinkel der großen Verantwortung zu nehmen, welche man auf sich ladet, indem man für doch jeden­falls mögliche Zukunftsereigniffe dem Vaterlande nicht die denkbar beste Rüstung auch zur See schafft — so lange es Zeit ist."

Vorläufig hat man nun noch nicht die Absicht, die Marinepläne unbekümmert um die Volksvertretung .auszuführen, aber man möchte doch die Feststellung der für die Entwickelung der Marine „erforderlichen Mittel den wechselnden parlamentarischenKonstellationen und dem jährlich wiederholten Kampfe um die einzelne Position entziehen." Die Marineverwaltung, so führt das Blatt aus, könne nicht das leisten, was sie sollte, wenn sie stets unter der Ungewißheit stehe, ob auch der Reichstag die erforderlichen Mittel bewilligen werde. Es fei überhaupt für die Marine ein un­würdiger Zustand, jedes Jahr von Neuem erst in der Kommission, dann im Plenum und nebenher in der Presse um jede einzelne Neuforderung kämpfen und feilschen zu müssen. Sie müsse einen positiven Anhalt dafür haben, wie der Reichstag im Laufe der nächsten Jahre die Entwickelung der Marine behandeln wolle. Ein Septennat, wie es für die Landarmee eingeführt sei, wäre auch das für die Marine zu er­strebende Ideal. Dies Ideal werde nun freilich vor­läufig nicht zu erreichen sein, weil der Reichstag mit Recht geltend machen würde, daß die aufgestellten Flottenpläne bisher niemals eingehalten worden sind. Technische Gründe hätten immer Abweichungen von den Plänen bedingt und es wäre auch für die Zu­kunft wenig geholfen, falls man die Regierung auf «inen bestimmten Bauplan festlegen wollte. „Nichts­destoweniger muß ein Weg gefunden werden, welcher der Marineverwaltung die Sicherheit schafft, daß sie für eine Reihe von Jahren über eine gewisse Summe zu Neubauzwecken verfügen kann!" Eine „.gewisse Stetigkeit" in der Bauthätigkeit der Marine liege auch im Interesse der Reichsfinanzen und der gesammten deutschen Erwerbsthätigkeit.

Kurz und gut, das „Ideal" ist, der Reichstag soll erklären: Hier habt Ihr für eine Reihe von Jahren einige hundert Millionen Mark, macht damit, was Ihr wollt! Eine solche Zumuihung mit dem Septennat für die Landarmee vergleichen zu wollen, nimmt sich

Das Sünbenerbe.

Original-Roman von Max Benno.

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Hermann hatte vergeblich gegen den Sturm, der sein Inneres durchtobte, gekämpft. Thränen brachen aus feinen Augen hervor. „Auch das noch," jammerte er, „nun ist meine letzte Hoffnung dahin! Martha mit einem andern verlobt! Sie, die ich so unsäglich liebe und die ich nicht vergessen werde bis in den Tod! Sie hält mich für schuldig, für einen ver­lorenen Menschen, und deshalb gab sie mich auf. O, warum habe ich nicht jene zufällige Begegnung im Rathskeller hier zu einer Rechtfertigung und zu Ler Bitte, mich nicht zu verlassen, benutzt?"

„Das Mädchen war hier?" fragte Antonio.

„Ja," entgegnete Hermann. „Ich schlug mich als Kolporteur durch und sah bei einem Besuch des Kel­lers plötzlich Martha und ihren Vater vor mir. Sie erkannten mich nicht. In meiner ungeheueren Ver­wirrung ergriff ich die Flucht, und als ich ruhiger wurde und mich mit einem festen Entschlüsse wieder in den Keller begab, befanden sich die beiden nicht mehr daselbst. O Martha, Martha! Es war aber­mals mein Verhängniß! Du hättest meinem Schwur, Laß ich unschuldig sei, sicher geglaubt!"

etwas wunderlich aus. Das Septennat gilt nur für den ordentlichen Etat und setzt für 7 Jahre die Heeresstärke bis auf den Mann fest; es bietet also auch dem Reichstag die Gewähr, daß in dieser Zeit die Armee nicht verstärkt wird. Die Militärverwaltung kann aber nicht etwa auf Grund des Septennats nach Belieben Kasernen bauen oder Kanonen anschaffen. Dagegen geht die Marineverwaltung nach den Dar­legungen der ,Nordd. Allg. Ztg/ darauf aus, für eine Reihe von Jahren die Marine nach Gefallen zu vergrößern; wie viel Schiffe und was für welche sie bauen will, das soll den Reichstag nicht kümmern, er soll nur das Geld hergeben. Selbstverständlich ist es der Marineverwaltung nicht so sehr um die vor­geschützte Stetigkeit und die Gewißheit über die zur Verfügung stehenden Mittel, als vielmehr um möglichst große Mittel zu thun. Wollte der Reichstag für 7 Jahre den Durchschnitt des in den letzten Jahren für Neubauten Bewilligten auswerfen, so würde sie damit durchaus nicht zufrieden fein. Sie will das Geld in die Hände bekommen, um die vom Reichstag verurtheilten Pläne ausführen zu können. Selbst wenn sie sich also auch vorläufig zufrieden gäbe, so würde sie ohne Zweifel das für 7 Jahre bestimmte Geld womöglich auf einmal verbrauchen und längst vor Ablauf der Frist mit neuen Forderungen kommen.

Bisher haben die Werften- und Marine-Ingenieure stets vollauf Arbeit gehabt und nicht wegen Mangel an Geld zu pausiren brauchen. Sie haben sogar mehr Geld gehabt, als sie in der vorgesehenen Zeit ver­wenden konnten. Und warum soll es der Marine­verwaltung „unwürdig" sein, alljährlich mit dem Reichstag über jede Neuforderung „kämpfen und feilschen" zu müssen? Muß nicht auch die Militär­verwaltung um jede Kaserne „kämpfen und feilschen", muß nicht jedes Reffoct das um jede Neuforderung? Darin liegt ja der Hauptwerth des Budgetrechts des Reichstags, daß er die Neuforderungen bewilligen und ablehnen kann. An den ordentlichen Ausgaben ist in der Regel sehr wenig zu ändern, die muß er ziemlich unverkürzt bewilligen.

Mit der neumodischen Forderung eines Pausch­quantums zur beliebigen Vergrößerung der Marine für eine Reihe von Jahren, dazu mit dem geheimen Vorbehalt, noch vor Ablauf der Frist weitere For­derungen zu stellen, wird die Marineverwaltung beim Reichstage kein Glück haben, zumal da die Pauschal­forderung ohne Zweifel sehr gepfeffert sein würde. Auch beim Bundesrathe dürfte "sie damit nicht überall auf Begeisterung stoßen, denn auch dort hat man einen Schrecken vor den überschwänglichen Flottenplänen.

Und was gedenkt Herr Tirpitz zu thun, wenn er mit dem Versuche, sich von den „wechselnden parla­mentarischen Konstellationen" unabhängig zu machen, scheitert? Wird dann etwa der theoretische Hinweis auf die Konfliktszeit ins Praktische übersetzt werden? Auch dazu würde etwas mehr gehören als die Be­reitwilligkeit des „Roon der Marine".

Der Schmerz des jungen Mannes ging dem Akro­baten offenbar tief zu Herzen, denn auch feine Augen schimmerten feucht. „Ich habe Dir wehe gethan," nahm er das Wort, „und das thut mir leid. Ich wußte nicht, was jenes Mädchen Dir ist. Einen Trost jedoch kann ich Dir geben. Martha verlangte eine halbjährige Frist, so daß die Hochzeit erst im nächsten Frühjahre stattfinden wird. Wer weiß, was bis da­hin geschieht. Drum nur den Muth nicht verlieren, so lange man noch hoffen darf. Du bist nun nicht mehr schutzlos und verlassen. Ich werde Dir zur Seite stehen, Dein Wohl als das meinige betrachten und nicht ruhen, bis Deine Ehre wieder hergestellt ist. Ich weiß, daß Du Deine Eltern nicht gekannt hast, daß Du der Haidhofbäuerin als Findling vor die Thür gelegt worden bist. Dieses Bewußtsein warf wohl schon manchen Schatten auf Deinen Lebens­weg, und mit bitteren Empfindungen und Zorn hast Du vielleicht oft derjenigen, die Dich so unbarmher­zig preisgegeben, gedacht."

Hermann schüttelte den Kopf. „Das that ich nicht," versicherte er, „denn schon von Jugend auf hat die Mutter jeden derartigen Gedanken in mir niederzu­halten gewußt. Die Wahrheit blieb mir natürlich nicht verborgen, und wiederholt habe ich anfangs nach meinen Eltern gefragt. Doch die Mutter konnte mir

Deutsches Reich.

Berlin, 5. August.

* Im Gefolge des Kaisers auf der Rußlandreise befinden sich u. a. der Reichskanzler, der Ober-Hof- marschall Graf Eulenburg, der Chef des Civilkabinets v. Lucanus, der Chef des Marinekabinets Freiherr v. Senden-Bibran, der Botschafter v. Bülow und der Kommandant des Hauptquartiers v. Plessen.

* Der königliche Gesandte beim päpstlichen Stuhl, Geheimrath Hllo v. Bülow hat seinen Urlaub an­getreten. Während seiner Abwesenheit fungirt der Legationsrath von Below Rutzau als Geschäfts­träger.

* Der Eisenbahnminister Wieke« wird sich am 2. Sept, mit der Wittwe des Banquiers Wichelhaus aus Elberfeld vermählen. Der Minister steht in den 60er Jahren, seine Braut im 53ten.

h Herr v. Köller wird als Oberpräsident von Schleswig-Holstein von seinen Freunden mit ffeudigem Zuruf begrüßt. Man erwartet von dem „thatkräftigen Staatsmann" vor allem, daß er die Sozialdemokraten und Dänen in der Provinz zu Paaren treiben werde. Wir wünschen ihm Glück dazu. Seine bisherigen politischen Leistungen lassen leider aber nicht darauf schließen, daß er die Erwartungen erfüllen werde. Wenn er versuchen sollte, die freiheitsliebende Bevölkerung nach dem Muster von Elsaß-Lothringen und Putt­kamerun zu regieren, so wird er nur Unzufriedenheit und Verwirrung anrichten.

ft. Im Staatsministerin« sind, wie die ,Nat.- Ztg/ vernimmt, auf kaiserlichen Befehl bereits Ver­handlungen eingeleitet, wie angesichts der durch das Hochwasser entstandenen Noth Hilfe zu schaffen sei. Nach den ,Berl. Pol. Nachr.' zu urtheilen, scheint aber Herr v. Miquel in bekannter Sparsamkeit nur mit Widerstreben sich zur Hergabe von Geld herbei­lassen zu wollen. Die Verwendung von Staatsgeldern zur Beseitigung von Ueberschwemmungsschäden, heißt es da, habe sehr ihre zwei Seiten und die 1888 und 1889 mit den Nothstandskrediten gemachten Ersahrungen mahnten dringend zur Vorsicht.

* Die deutsche« Konsulate haben folgende Personal-Veränderungen erfahren: Der Vizekonsul in New-Aork, Dr. Falcke, ist zum Konsul in Havanna, der Konsul in Rustschuk, Dr. Krüger, zum Konsul in Manila, der Vizekonsul in Manila, v. Möllendorff, zum Konsul in Kowno, der Vize­konsul in Shanghai, Eiswaldt, zum Konsul in Tientsin und der bei dem Generalkonsulate in London beschäftigte Vizekonsul Rieloff zum Vizekonsul für den Hafen von London ernannt worden.

* Eine Revision der Bestimmungen des Iidei- komurißweserrs in Zusammenhang mit einer Reform des preußischen Agrarrechtes soll der,B. N. K/ zu­folge vom Finanzminister geplant sein. Für die Re­form seien nur wirthschaftliche Gesichtspunkte maß­gebend. Wie die Schaffung neuer bäuerlicher Anwesen

keine Auskunft geben, oder sie wollte nicht, denn manchmal kam es mir fo vor, als ob ihr meine Ab­kunft nicht unbekannt fei. „Bete für sie, Hermann," ermahnte sie mich, bete!" Ich that es und fragte nicht mehr."

In mächtiger Bewegung drückte der Akrobat seinen Schützling an sich. „Dein Gebet ist sicher erhört worden," sagte er, „und Gott verzieh dem Eltern­paare die Schuld, welche es, ganz gewiß nur durch unglückliche Verhältnisse zum Aeußersten getrieben, auf sich lud. Wenn Vater und Mutter in ihrer Armuth ihr eigenes Fleisch und Blut verleugneten, konnte es für sie keinen andern Ausweg geben, als den von ihnen eingeschlagenen. Es mag eine schwere Versündigung sein, aber immerhin ist ein solcher Schritt noch besser, als wenn ein unschuldiges Kind dem zeitlichen und ewigen Verderben entgegen geführt wird. Die Buße wird ihnen nicht erspart worden sein. Jede Schuld rächt sich hienieden! Das ist eine Wahrheit, für welche das Leben tagtäglich die unwiderleglichsten Beweise erbringt. Auch an Dir ist schwer gesündigt worden, aber glaube mir, es kommt ein Tag, wo Dir Genag- thuung zu Thell werden wird. Vorerst will ich Vater­stelle an Dir vertreten. Gestattest Du es mir, Her­mann? Du machst mir eine große Freude damit!"

Der junge Mann fühlte sich durch das Wohlwollen