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176 Donnerstag, den 5. August 1897. 24. Jahrgang

FiildaerNZtitiing

mit N»techaltung»-Keili,ge „Sterne «ud Klumen".

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Rundschreiben des hl. Vaters

über die dreihundertjährige Gedächtniß-

Feier des sel. Petrus Canisius.

(Schluß.)

Sodann ist es nöthig, daß nicht allein bestimmte Stunden für den Unterricht der Jugend in der Religion angesetzt seien, sondern es muß auch der ganze übrige Unterricht von dem Geiste der christ­lichen Frömmigkeit durchweht und durchdrungen sein. Wenn das nicht der Fall ist, wenn dieser weihevolle Geist die Lehrer und die Zöglinge nicht durch und durch beseelt, wird die Frucht jeglicher Bildung nur gering, nicht gering dagegen die Nachtheile sein, die aus solchem Unterrichte sich ergeben. Fast jeder Zweig des Wissens bringt ja seine eigenthümlichen Gefahren mit sich, und die Jugend wird denselben kaum ent­gehen können, wenn ihr Herz und ihr Geist nicht von einem höhern Einfluß gezügelt wird. Es ist also mit aller Sorgfalt dahin zu streben, daß die Hauptsache, das heißt die Hebung der Tugend und der Frömmig­keit, nicht auf die zweite Stelle herabgedrückt werde: sonst geschieht es, daß die Jugend, bloß durch äußere Zuchtmittel int Zaume gehalten, allen inneren An­triebes der Tugend entbehrt und daß die Lehrer, während sie die Last des mühevollen Unterrichtes mit Unlust tragen und an den Silben und Punkten ihren Scharfsinn üben, gänzlich jene wahre Weisheit außer Acht lassen, deren Anfang die Furcht des Herrn ist, und von deren Vorschriften das ganze Leben Maß und Richtung erhalten muß. Mit der wissenschaftlichen Bildung muß demnach auch die Bildung des Herzens gleichen Schritt halten, und jeder Zweig des Wissens, welcher Art er immer sei, muß von der Religion beseelt und beherrscht werden; sie muß mit ihrer Hoheit und ihrem Zauber sie der­maßen durchdringen, daß ihre Eindrücke in den Herzen der Jugend unauslöschlich haften.

Weil die Kirche es stets als Hauptzweck verfolgt, daß die verschiedenen Zweige des Studiums mit­wirken sollen zur religiösen Ausbildung der Jugend, so muß der Religions - Unterricht nicht bloß eine be­stimmte, ja die vorzüglichste Stelle einnehmen, sondern zu diesem hochwichtigen Lehramte soll niemand zuge­lassen werden, dessen Befähigung nicht durch das Urtheil und die Auktorität der Kirche selbst aner­kannt ist.

Die Rechte der Religion erstrecken sich aber nicht bloß auf den ersten Unterricht der Jugend. Es gab Zeiten, in denen der Vorrang der Theologie über alle andern Lehrfächer auch an den Universitäten, nament­lich an der Pariser Hochschule, durch die Satzungen derselben anerkannt und festgestellt war, so daß die allgemeine Schätzung keinem das Vollmaß der Weis­heit zuerkannte, der den Doktorgrad der Theologie nicht gewonnen hatte. Leo X., der Wiederhersteller des goldenen, augusteischen Zeitalters, und die übrigen Päpste, Unsere Vorgänger, beabsichtigten, in der

Das Sündrnerbe.

Original - Roman von Max Benno.

45 ------ (Nachdruck verboten.)

Am andern Morgen erschien „der Kraftmensch" bei dem Patienten früh nach Tagesanbruch. Er sorgte für ein gutes Frühstück mit ^etwas Wein und ging dem jungen Manne bei der Einnahme dieser Stär­kungen in geschäftiger und liebreicher Weise an die Hand. Gleichwohl entging es ihm nicht, wie das Mienenspiel desselben, während er ihn schweigend ge­währen ließ, ein gewisses, mit geheimer Angst ver­bundenes Mißtrauen verrieth.

Nachdem er Teller und Glas bei Seite gestellt hatte, setzte er sich an das Bett. „Ich versprach Dir für heute nähere Aufklärungen," begann er, „und halte hiermit mein Wort. Vor Allem gebe ich Dir Aufschluß über meine Persönlichkeit." Damit holte er ein großes Packet aus der Tasche hervor, welches das Programm für die erste Cirkus-Vorstellung in München nthielt.

Er deutete auf eine Stelle, wo Hermann las: „Auftreten des Kraftmenschen Antonio Sonnini."

„So nennt man mich", erklärte der Künstler. „Der Name klingt freilich etwas sonderbar, da ich ein so guter Deutscher bin wie Du, aber das liebe Publikum

römischen Hochschule und in den übrigen Universitäten nichts anderes, als im Kampf der Gottlosigkeit gegen die Kirche feste Bollwerke zu errichten, in denen die Jugend unter Leitung und Schutz der christlichen Weisheit herangebildet werde. Diese Studien-Ein­richtung, bei welcher Gott und die Religion die erste Stelle einnahmen, trug unter andern ausgezeichneten Früchten auch die, daß die Jugend vermittels dieser Schulung kräftiger zur Erfüllung ihrer Pflichten an- getrieben wurde. Dieser Segen wird auch euch zu Theil werden, wenn ihr mit aller Kraft dahin strebet, daß an den Mittelschulen, an den Gymnasien, Lyceen und Akademien die Rechte der Religion ge­wahrt bleiben.

Es darf dabei aber niemals übersehen werden, daß auch die besten Bestrebungen wirkungslos bleiben und daß ohne Erfolg gearbeitet wird, wenn es an Uebereinftimmung in den Ansichten und an ein­trächtigem Handeln gebricht. Was vermögen auch geteilte Kräfte gegen den geschlossenen Ansturm des Feindes? Und was nützt Kraft und Muth in den Einzelnen, wenn die Gesammtheit einer einheitlichen Leitung entbehrt. Deshalb ergeht an Alle Unsere dringende Mahnung, unzeitige Meinungsverschieden­heiten und Parteibestrebungen, welche die Gernüther leicht entzweien, bei Seite zu lassen, das Wohl der Kirche einhellig in Wort und Rede zu fördern, mit vereinten Kräften dieses eine Ziel zu verfolgen, und einträchtigen Sinnes anzustreben, die Einheit des Geistes zu wahren im Bande des Friedens. (Eph. IV. 3.)

Zu diesen Mahnungen und Rathschlägen veran­laßte Uns das Andenken und die Erinnerungs-Feier des sel. Petrus Canisius. Möge sein erhabenes Vor­bild dem Geiste aller eingeprägt bleiben und in den Herzen die Liebe zu jener Weisheit entzünden, die nicht ermüdet in dem Streben, für das Heil der Men­schen zu wirken und das Ansehen der Kirche einzu- stehen. Wir hegen das Vertrauen, daß ihr. Ehr­würdige Brüder, wie es ja vor allem euere eifer­volle Sorge ist, in den Reihen des Gelehrtenstandes eine große Anzahl von Männern finden werdet, die sich euch als Genossen und Mitarbeiter an der ruhm­reichen Aufgabe beigesellen. Diesen edlen Dienst, der ja sozusagen in ihre Hände gelegt ist, werden vor­zugsweise alle diejenigen leisten können, denen Gottes Vorsehung das wichtige und ehrenvolle Amt der Leitung des Jugend-Unterrichtes anvertraut hat. Wenn sie des Ausspruches der Alten eingedenk sind, nach welchem die Wissenschaft, wenn sie der Gerechtig­keit bar ist, eher Verschlagenheit als Weisheit zu nennen ist, oder besser, wenn sie auf das Wort des Völker-Apostels achten: „Eitel sind die Menschen, die keine Wissenschaft von Gott haben", so werden sie die Waffen der Wissenschaft statt zu ihrem eigenen Vor- theil, vielmehr zum Wohle der Gesammtheit ge­brauchen. Als Frucht ihrer Arbeit und ihres eifrigen Bemühens können sie erhoffen, was einst Petrus MMMMVNMWWWDMWVWDDWWWWWWWDEWWWWWWWWWWWW ist nun einmal nicht zufrieden, wenn sich ihm ein Anton, Michael oder Vincenz in der Arena vorstellt, und wenn man ihm mit der Wahl eines italienischen oder spanischen Namens einen Gefallen erweist, so schadet das niemand etwas. Meine große Theilnahme für Dich kommt Dir wahrscheinlich etwas befremdlich vor, und doch entspringt sie einem ganz natürlichen Gefühl. Auch ich habe während meines schon ziemlich langen Lebens, allerdings durch eigene Schuld, vieles zu leiden und zu ertragen gehabt, und deshalb zieht es mich unwillkürlich zu jedem hin, der vom Unglück verfolgt wird, und zwar um so mehr, wenn dieses Unglück nicht selbst verschuldet ist, wenn gemeine Bosheit es herbeigeführt hat."

In maßloser Bestürzung erhob Hermann sich in seinem Bett. „Sie wissen?" rief er.

Antonio drängte ihn wieder in die Kiffen. „Rege Dich nicht auf", mahnte er, „und bleibe ruhig, denn von mir aus droht Dir nicht die geringste Gefahr, obgleich ich weiß, daß Du von der Justiz als ein Verbrecher verfolgt wirst. Ich will vielmehr dafür Sorge tragen, daß Du in keiner Weise in Verlegen- I heil kommst. Dies ist ein Räthsel für Dich, welches ich Dir aber sofort lösen will. Ich bemerkte damals in Stuttgart recht gut, daß meine Gestalt Dir auf­fiel, und daß Du in Deinem Gedächtniß nach einer |

I Canisius in seinen Kollegien und Anstalten erreich hat, nämlich die Heranbildung einer gelehrigen, wohl­erzogenen und gesitteten Jugend, bie sich mit Abscheu von den Beispielen verderbter Menschen abwendet und Wissenschaft mit Tugend sorgsam zu vereinigen strebt. Hat einmal die Gottesfurcht in den jungen Herzen tiefe Wurzel geschlagen, so ist kaum mehr zu fürchten, daß sie später von den falschen Grundsätzen angesteckt und von den betretenen Wegen eines tugend­haften Wandels abweichen werden. Auf solche Jüng­linge kann die Kirche wie die bürgerliche Gesellschaft die besten Hoffnungen bauen und geroarten, daß sie an ihnen treffliche Glieder der Gesellschaft erhalten werde, durch deren Einsicht, Klugheit und tüchtiges Wissen ebenso die staatliche Ordnung wie der Friede des Familienlebens gewahrt bleibe.

Es erübrigt nur noch, daß Wir, gestützt auf die Fürbitte des Petrus Canisius, der durch den Glanz feiner Gelehrsamkeit sich um die katholische Kirche so hoch verdient gemacht hat, zu Gott dem Allmächtigen, dem Herrn der Wissenschaft, und zu feiner jungfräulichen Mutter, welche der Sitz der Weis­heit genannt wird, flehen. Er möge Unsere Wünsche, welche Wir zum Frommen der Kirche und zum Wohle der Jugend im Herzen hegen, gnädig in Erfüllung gehen lassen. Getragen von dieser Hoffnung ertheilen Wir euch. Ehrwürdige Brüder, der gefammten Geist­lichkeit und euerm ganzen Volke als Unterpfand himmlischer Gaben und als Beweis Unseres väter­lichen Wohlwollens in inniger Liebe den Apostolischen Segen.

Gegeben zu Rom beim hl. Petrus, den 1. August 1897, im zwanzigsten Jahre Unseres Pontifikates.

Leo Xlll., Papst.

Deutsches Deich.

Berlin, 4. August.

* Das Kaiserpaar hat diesen Abend von Kiel ans die Rußlandreise angetreten.

* Der Ireichskanzker hat sich am Dienstag Abend nach Schloß Werki begeben, von wo er am 6. ds. Mts. in Petersburg eintreffen wird.

* Kultusminister Dr. ' Masse soll einer Berliner Korresondenz zufolge in nicht allznserner Zeit feinen Abschied nehmen. Es scheint, als ob diese Meldung eine Vermuthung fei, welche sich an die von den „Scharfmachern" fo hart getadelte Berufung des Proseffors Reinhold an die Berliner Universität knüpft.

* Das Kultusministerium hat, wie schon mit- getheilt, jüngst angeordnet, daß Lehrer, üb-r die von den Lokal- und Kreisschulinspektoren ungünstig berichtet wird, nicht zur zweiten Prüfung zugelassen, sondern aus dem Amte entfernt werden sollen. Diese Verfügung hat in der Lehrerschaft Bestürzung hervorgerufen und energischen Widerspruch erfahren. Wie berechtigt die Bedenken gegen die Anordnung Erklärung hierfür gesucht hast. Du fandest sie nicht, was sehr natürlich erscheint, denn als Du mich zum erstenmal erblicktest, sah ich ganz anders aus. Er­innerst Du Dich nicht mehr an den Fremden, der Dir voriges Jahr an dem Gartenzaun des Haidhofes zu Gesicht kam mit feiner blauen Brille, dem Schlapp­hut und dem schwarzen Vollbart, und der nachher in dem Gartenhause der Herberge ein paar Glas Bier zu sich nahm. Das bin ich gewesen und Du magst es eine Komödiantenlaune nennen, die mich zu der Verkleidung bewog."

Hermann warf bei dieser Enthüllung auf seinen Nachbar einen forschenden Blick. Jener Zwischenfall war noch recht gut in feinem Gedächtnisse und wiederum regte sich, wie damals, eine eigentümliche Empfindung in ihm.

„Es ist richtig", bemerkte er, „ich sprach mit Martin über Sie, und dieser sagte mir. Sie haben seine Frau über Verschiedenes gefragt. ..."

„Das that ich auch neulich wieder", fiel ihm Antonio ins Wort, „denn abermals habe ich vor einigen Wochen einen Abstecher nach jener Gegend gemacht, die ich fast regelmäßig besuche, wenn mein Wander­leben mich in die Nähe des schönen Thals führt. Meine Fragen blieben nicht unbeantwortet, denn die Leute dort sind ein zutrauliches und offenes Völklein,