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M 175 Mittwoch, den 4. August 1897. 24; Jahrgang

FiildaerWZkitliiig

mit Unterhaltungs-Kriiage „Sterne und Klumen".

Erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Vierteljährlicher AbonnementSvreiS ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig. Inserate kosten die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Rundschreiben des hl. Vaters

über die dreihundertjährige Gedächtniß-

Feier des sel. Petrus Canisius.

(Fortsetzung.)

Es ist hier sicher nicht der Ort, auf die außer­ordentliche Lebensheiligkeit dieses Mannes im einzelnen einzugehen und auszuführen, wie eifrigst er bemüht war, in dem durch Spaltung und Aufruhr zerrissenen Vaterlande die Gemüther zu versöhnen und die alte Eintracht wieder herzustellen, wie muthig er die Häupter der Irrlehre in wissenschaftlichen Disputa- -tionen bekämpfte, wie er durch feine Predigten die Gläubigen wieder ermuthigte und begeisterte, welche Mühsale er ertrug, welche Landstriche er durch­wanderte, wie wichtige Gesandtschaften er für den Glauben unternahm. Aber, um auf die Waffen der Wissenschaft zurückzukommen, wie standhaft hat er diese geführt, wie geschickt, wie klug, wie den Zeiten und Umständen entsprechend! Von Messina zurück­gekehrt, wo er die Beredtsamkeit gelehrt, trug er als­bald an den Hochschulen von Köln, Ingolstadt und Wien mit glänzendem Erfolge die heiligen Wissen- fchaften vor, in denen er, auf dem königlichen Wege der bewährten Lehrer der christlichen Schule ver­harrend, den mächtigen Bau der scholastischen Theologie vor dem Geistesauge der Deutschen er­scheinen ließ.

Und da diese Theologie der katholischen Wahrheit vorzugsweise zur Stütze dient, und deshalb damals von den Widersachern des Glaubens besonders ge­fürchtet wurde, so sorgte Canisius dafür, daß diese Weise, die Studien zu behandeln, an den Lyceen und Kollegien der Gesellschaft Jesu, auf deren Errichtung er einen großen Theil seiner Bemühungen und Ar­beiten verwandt hatte, auf's neue zur öffentlichen Geltung kam. Dabei hielt er es nicht unter seiner Würde, von den Höhen der Weisheit wiederum zu den Anfangsgründen der Wissenschaft herabzusteigen und Knaben zu unterrichten, auch Lehrbücher und Grammatiken zu ihrem Gebrauch zu verfassen. Wie er aber oftmals von den Höfen, an denen er zu Fürsten geredet hatte, heimkehrte, um dem schlichten Volke zu predigen, so verschmähte er es auch nicht, wenn er größere Werke zur Vertheidigung des Glau­bens oder über die Sittenlehre geschrieben, kleinere Schriften für das Volk zu verfassen, durch die das­selbe im Glauben bestärkt oder zur Frömmigkeit ge­weckt und ermuntert werden sollte. Bewunderungs­würdig ist es aber, wie überaus nützlich zur Sicher­stellung der Unerfahrenen vor den Fallstricken der Jrrthümer das von ihm verfaßte Werk: „Summe der katholischen Lehre," sich bewährt hat; ein Werk in­haltsreich und gedrängt, ausgezeichnet durch Feinheit des lateinischen Stils, und des Griffels der Kirchen­väter nicht unwürdig. Diesem hervorragenden Werke, das fast in allen Ländern Europa's von den Ge­lehrten mit größtem Beifall ausgenommen wurde, stehen zwar an Umfang, nicht aber an Nützlichkeit

Das Sündenerve.

Original - Roman von Max Benno.

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Betroffen stand der Mann von dem Kirchenstuhle auf. Er eilte auf den Daliegenden zu und fand, daß dieser ohnmächtig war. Er bespritzte sein Ge­sicht aus einem Becken mit Weihwasser, aber ohne Erfolg.

Da nahm er den Bewußtlosen wie ein Kind auf seine Arme und trug ihn aus der Kirche. Er ging mit seiner Last auf eine der am Marienplatze halten­den Drofchken zu und legte seinen Schützling in den Wagen.

„Fahr nach dem Augustinerbräu, Kutscher," befahl er, „aber schnell. Nachher holst Du den Arzt und bringst ihn ebendahin. Es kommt mir auf ein doppeltes Trinkgeld nicht an."

Das genannte Gasthaus war denn auch? bald er­reicht. Wieder nahm der Mann den Ohnmächtigen auf den Arm und verbrachte denselben in ein Zimmer im zweiten Stock.

Eine Magd brachte Licht. Jetzt erst betrachtete -der Mann seinen Schützling näher, den er auf ein Bett gelegt hatte.

die beiden hochgepriesenen Katechismen nach, die der Selige für die weniger Gebildeten verfaßt hat. Der eine sollte die Kinder in die Religion einführen, der andere die studirende Jugend in derselben unter­richten. Beide fanden gleich zur Zeit ihres ersten Erscheinens eine so günstige Aufnahme bei den Katho­liken, daß sie in den Händen fast aller derjenigen waren, die den Religions-Unterricht zu ertheilen hatten. Dazu wurden sie nicht bloß in den Schulen gebraucht, um den Kindern die Milch der christlichen Lehre einzuflößen, sondern auch in den Kirchen zur allgemeinen Erbauung der Gläubigen erklärt. So geschah es, daß dreihundert Jahre hindurch Canisius als der gemeinsame Lehrmeister aller Katholiken ge­golten hat, und daß es im Volksmunde ganz das­selbe bedeutete, „den Canisius" wissen und die christ­liche Lehre inne haben.

Diese Schriften des heiligen Mannes geben allen Guten einen Fingerzeig, welchen Weg sie einzuschlagen haben. Wir wissen es, ehrwürdige Brüder: Es ist ein rühmlicher Vorzug eueres Volkes, daß ihr mit Weisheit und hohem Erfolg Geisteskraft und Studien dafür einsetzet, die Ehre des Vaterlandes zu ver­mehren, die Wohlfahrt der einzelnen wie der Ge- fammtheit zu fördern. Aber es ist von der größten Wichtigkeit, daß alle einsichtsvollen und rechtlichen Männer unter euch thatkräftig für die Religion ein­treten, ihrer Zierde und ihrem Schutze alle Kraft des Geistes, alle Macht der Wissenschaft weihen und jede Errungenschaft, sei es auf dem Gebiete der Kunst oder der Wissenschaft, in derselben Absicht sofort zu ihrem geistigen Eigenthum machen. Denn wenn es je eine Zeit gab, welche zur Vertheidigung der katho­lischen Sache das Rüstzeug der Wissenschaft und Gelehrsamkeit in hohem Grade erheischte, so ist es sicherlich die unserige, in welcher ein beschleunigter Anlauf, jiedes Gebiet des Wissens zu erweitern, den Feinden der Religion bisweilen Anlaß bietet, den Glauben anzugreifen. Es müssen also ebenbürtige Kräfte bereit stehen, ihren Anprall abzuwehren, die Posten voraus besetzt, die Waffen, mit welchen sie jede Verbindung zwischen Gott und den Menschen zu zerstören streben, ihren Händen entwunden werden. Wenn die Katholiken von dieser Gesinnung beseelt, mit diesem Wissen gebührend ausgerüstet sind, wird sich von selbst die Thatsache klar ergeben, daß der göttliche Glaube, weit davon entfernt, der menschlichen Bildung feindlich zu sein, vielmehr ihre Vollendung und ihr Höhepunkt ist, daß derselbe deshalb auch in Fragen, die einander nicht zu berühren oder in Gegen­satz zu einander zu stehen scheinen, in so innigen Zu­sammenhang und Einklang mit der Philosophie ge­bracht werden könne, daß die Philosophie vom Glauben und hinwiederum der Glaube von der Philosophie immer neues Licht empfängt, daß die Natur nicht Feindin, sondern die Gefährtin und Ge­hilfin der Religion sei, daß durch die Annahme der Religion nicht bloß jedes Wissen bereichert werde, sondern daß selbst die klassischen Studien und die

Da ging mit seinem Aeußeren eine ungeheure Veränderung vor. Sein kräftiger Körper schien vom Fieberftost geschüttelt zu werden und der Ausdruck der unsäglichen Angst erschien in seinem Gesichte.

„Barmherziger Gott," stöhnte er, „er ist's. Es ist Hermann Sommer, der arme Junge! Also hier­her hat er sich vor der Verfolgung geflüchtet, um zu Grunde zu gehen, wenn sich nichtder Himmel er­barmt! Und ich, gerade ich, wurde fo mit ihm zu­sammengeführt ! O Gott, dein Walten ist wunderbar, aber gerecht!"

In diesem Augenblicke erschien der Kutscher mit dem Arzte. Während ersterer, reichlich entlohnt, sich wieder entfernte, trat der Doktor zu dem Bewußtlosen und untersuchte ihn.

Er schüttelte den Kopf. „Der Bursche hat eine eigenthümliche Krankheit," sagte er, „die in unserem fröhlichen München glücklicherweise nur selten vorkommt. Hunger und Erschöpfung haben ihn niedergeworfen. Der arme Mensch brachte wahrscheinlich seit mehreren Tagen nichts Warmes mehr über die Zunge. Da hilft nur eine Arznei. Holen Sie eine Taffe voll kräftiger Bouillon. Ich will indessen sehen, ob er nicht aus seiner Betäubung geweckt werden kann."

übrigen schöoen Künste überaus viel Kraft und Leben von ihr erhalten. Wie viel Zierde und Ansehen aber den heiligen Wissenschaften selbst aus den weltlichen erwachsen, wird derjenige leicht verstehen, welcher die menschliche Natur kennt, sie, die so leicht von dem­jenigen eingenommen wird, was die Sinne angenehm berührt. Daher steht auch bei Völkern, die sich durch Bildung vor andern hervorthun, die Weisheit ohne den Schmuck der feinen Bildung in geringem An­sehen, und wird insbesondere von den Gelehrten das verachtet, was der äußern Form und Schönheit ent­behrt. Wir sind aber der Weisen nicht minder Schuldner als der Unweisen. Mit jenen müssen wir zusammenkämpfen, diese müssen wir, wenn sie wanken, auftichten und stützen.

Auf diesem Felde hat denn auch die Kirche die größte Thätigkeit entfaltet. Denn kaum athmete sie nach den langen, blutigen Verfolgungen auf, als auch schon gelehrte Männer anfingen, mit ihrem Talente und ihrem Wissen den Glauben zu beleuchten, den so viele heldenmüthige Märtyrer mit ihrem Blute besiegelt hatten. Dieser ruhmvollen Aufgabe widmeten sich zuerst die Väter mit einer Vollkraft, welche den höchsten Anforderungen entsprach, und mit einer Kunst der Darstellung, die, durchgängig gelehrt, dem Ohr der Römer und Griechen genügen mußte. Durch ihre Gelehrsamkeit und Beredtsamkeit angespornt, haben in der Folge viele andere mit allem Eifer sich dem Studium der heiligen Wissenschaften gewidmet und ein reiches Erbe christlicher Weisheit gesammelt, in dem zu aller Zeit die kirchlichen Männer finden konnten, was zur Entkräftung alten Wahnes, wie neu entstandener Jrrthümer bitinen mochte. Und solcher Gelehrten hat jedes Zeitalter eine ganze Fülle her­vorgebracht, sogar auch jene Zeit, in welcher die Werke der schönen Kunst den Raubzügen der Bar­baren preisgegeben, in Mißachtung und Vergessenheit gerathen waren. Wenn daher jene alten Wunder­werke, welche der Menschen Geist und Handgeschaffen, wenn diese Denkmale, welche bei Griechen und Römern so hoch in Ehren standen, nicht gänzlich zu Grunde gegangen sind, so gebührt dasVerdienst da-, von einzig und allein dem eifrigen Schaffen der Kirche

Wenn der Religion aus der Pflege der Wifsen- schaft und Kunst so große Zierde und Ehre erwächst, so müssen wahrhaftig diejenigen, die sich ihrem Dienst geweiht, in Sinn und That eifrigst darauf bedacht sein, daß ihr Wissen nicht dem Leben entfremdend und unfruchtbar sei. Die Gelehrten sollen dem­nach ihre Studien dem Wohle der christlichen Gesammt- heit, die Frucht ihrer Privatmuße dem gemeinen Nutzen dienstbar machen und dadurch erzielen, daß ihr Wissen nicht seiner Vollendung entbehre, sondern seinen Einfluß auf das Leben ausübe. Dieser auf die Gestaltung des Lebens gerichtete Charakter des Wissens muß sich besonders in dem Unterricht der Jugend zeigen, der von so großer Wichtigkeit ist, daß er das Hauptziel unserer Sorge und Arbeit sein soll. Deshalb ermahnen Wir euch, ehrwürdige Brüder,

Der Mann eilte in die Küche und brachte das Verlangte nach wenigen Minuten.

Die Bemühungen des Arztes waren nicht erfolg­los geblieben. Hermann athmete wieder, aber seine Augen öffneten sich nicht. Dies geschah erst, als der Doktor sich bereits entfernt hatte und der Patient nach dessen Vorschrift den sechsten Löffel voll der kräftigen Brühe erhielt.

Verwundert schaute er um sich. „Wo bin ich?" fragte er.

„In guten Händen," versicherte sein Pfleger, der den in seinem Innern augenscheinlich tobenden Sturm gewaltsam bezwang, „es besteht, mein lieber Junge, keine Gefahr mehr für Dich!"

Die Aufmerksamkeit Hermanns wurde durch den Klang dieser Stimme geweckt. Forschend schaute er seinem Nachbar in das Gesicht. „Ich muß Sie schon früher einmal gesehen haben," bemerkte er, „weiß aber nicht wo. Wer sind Sie denn, Herr?"

Der Gefragte gab dem Patienten wieder einen Löffel Bouillon. Mit dem Ausdmck unbeschreiblicher Zärtlichkeit ruhten seine Augen auf ihm. „Du kennst mich nicht mehr?" fragte er, „doch Du kannst mich ja nicht mehr kennen. Erinnerst Du Dich wohl» noch des Mannes, der Dich in Stuttgart aus den Händen