174 Dienstag, den 3. August 1897. 24. Jahrgang
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Rundschreiben des hl. Vaters
über die dreihundertjährige Gedächtniß-
Feier des fei. Petrus Canisius.
Den Ehrwürdigen Brüdern, den Erzbischöfen und Bischöfen Deutschlands, Oesterreichs und der Schweiz.
Leo XIII.
Ehrwürdige Brüder! Gruß und Apostolischen Segen.
Für die streitende Kirche ist es nicht minder nützlich als ehrenvoll, wenn zu Zeiten das Andenken jener Männer feierlich erneuert wird, welche ihre auserlesene Tugend und Gottseligkeit bereits unter die Verklärten der triumphirenden Kirche versetzt hat. Denn durch diese Ehrenbezeugungen wird auch die Erinnerung an die bewährte Heiligkeit aus's neue wachgerufen, welche zu jeder Zeit nützlich, in unserer der Tugend und dem Glauben so feindseligen Zeit aber überaus heilsam ist. Auch in diesem Jahre können Wir durch Gottes gnädige Fügung freudig die Vollendung des dritten Jahrhunderts seit dem Tode des seligen Petrus Canisius begrüßen: Wir, denen nichts so sehr am Herzen liegt, als daß alle Guten durch die gleichen Mittel ermuntert werden, durch welche dieser Gottesmann die katholische Religion so erfolgreich gefördert hat. Unsere Zeit nämlich gleicht nicht wenig dem Zeitalter des seligen Petrus, in welcher Neuerungssucht und Ungebundenheit in der Lehre eine ungeheuere Schädigung des Glaubens und Verwilderung der Sitten nach sich gezogen haben. Dieses doppelte Verderbniß suchte Deutschlands zweiter Apostel nach dem hl. Bonifatius, von allen, aber ganz besonders von der Jugend fern zu halten wie durch geeignete Predigten und gelehrte Erörterung, fo vorzüglich durch Einführung von Schulen und durch Herausgabe guter Bücher. Sein leuchtendes Beispiel haben auch viele thatkräftige Männer eueres Volkes nachgeahmt; unter Anwendung der gleichen Waffen gegen einen keineswegs ungeübten Feind sind sie seither nicht müde geworden, die Gebiete der edelsten Wissenschaften zu bearbeiten und der Pflege der freien Künste zum Schutze und zur Zierde der Religion alle Sorge zuzuwenden. Sie ernteten hierbei die freudige Anerkennung der Römischen Päpste, die ja stets mit liebevoller Sorgfalt darüber wachten, daß der Wisfenschaft ihr von Alters ererbter Glanz und ihr Ansehen gewahrt bleibe, und daß jede echte Geistesbildung immer neue Blüthen treibe. Ihr wisset ja auch, ehrwürdige Brüder, daß, wenn etwas für uns eine Herzensangelegenheit gewesen, dieses der richtige und gesunde Unterricht der Jugend war, und daß wir für denselben, so viel es an uns lag, allüberall Vorsorge getroffen haben. Jetzt aber benutzen wir freudig den gegenwärtigen Anlaß und stellen allen denen, welche im Lager der Kirche Christus ihre Waffen weihen, in dem seligen Petrus Canisius das Muster eines unermüdlichen Führers vor Augen, auf daß sie, wohl erwägend, daß mit der Rüstung der
Das Sündenerde.
Original - Roman von Max Benno.
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Nach einer kleinen Pause fuhr die Bäuerin fort: „Der Baron hatte mich jedoch schon zu sehr eingenommen ; das Jammern und Flehen des armen Menschen rührte mich nicht. Ich versprach nichts und entfloh. Zwei Tage später hielt der Baron um mich an und mit stolzer Freude empfing ich den Brautkuß von ihm. Die Verlobungsringe wurden gewechselt und fast jeden Tag brachte der Bräutigam reiche Geschenke sür mich. Eines Abends erklärte er, verreisen zu müssen. Der Diener begleitete ihn. Mehrere Tage, Wochen und Monate gingen vorüber — von dem dfiron von Hornstein hat man nie mehr etwas gehört. Du kannst Dir denken, wie mir zu Muthe war. Auf einmal waren mir die Augen aufgegangeu, und zu der bitteren Enttäuschung hatte ich auch noch den Spott. Diesen hätte ich zu ertragen gewußt; als ich' aber erfuhr, daß Joseph am Tage nach meiner Verlobung einen glücklicherweise vereitelten Selbstmordversuch gemacht habe, gab es mir einen fast tödtlichen Stich m das Herz. Schon damals beunruhigte mich die unbestimmte Ahnung von dem Strafgerichte, das nachher für meine Treulosigkeit über mich hereinbrach.
Gerechtigkeit auch die der Wissenschaft zu verbinden sei, für die Sache der Religion um so kräftiger und erfolgreicher einzustehen vermögen.
Was für eine gewaltige Aufgabe der seinem Glauben int tiefsten Grunde der Seele ergebene Mann auf sich genommen, als er für die Sache der Kirche wie der weltlichen Rechts-Ordnung in die Schranken trat, sieht derjenige leicht ein, welcher den Zustand Deutschlands zur Zeit, in der Luther zuerst die Fahne des Aufruhrs erhob, in's Auge faßt. Die Sitten waren entartet und verfielen mit jedem Tage mehr, womit dem Jrrthum Thür und Thor geöffnet war; der Jrrthum hinwiederum steigerte die Sitten- verderbniß bis zum äußersten. In Folge dessen fielen nach und nach manche vom katholischen Glauben ab, und allmählich verbreitete sich das unheilvolle Gift fast durch alle deutschen Länder, schließlich theilte es sich Menschen jeden Standes und jeglicher Lebensstellung mit. Es kam so weit, daß sich bei vielen die Meinung bildete, die Religion sei im Deutschen Reiche dem Untergänge nahe, und es gebe kaum noch ein Mittel, die Krankheit zu heilen. In Wahrheit wäre es um die höchsten Güter geschehen gewesen, hätte Gott nicht schleunige Hilfe gesandt. Wohl fanden sich in Deutschland noch Männer, welche dem alten Glauben treu anhingen und durch Wissenschaft und Eifer für die Religion hervorragten, wohl standen noch die Fürsten aus dem Hause Bayern und Oesterreich und namentlich der römische König Ferdinand I. fest, entschlossen, die katholische Religion mit aller Kraft zu schützen und zu vertheidigen. Aber eine neue und weitaus die entschiedenste Hilfe brachte Gott dem gefährdeten Deutschen Reiche durch die damals gerade zur rechten Stunde entstandene Gesellschaft des heiligen Vaters Ignatius von Loyola, welcher, als erster unter den Deutschen, sich der selige Petrus anschloß. (Fortsetzung folgt.)
Deutsches Deich.
Berlin, 2. August.
* Der Kaiser hat, wie die ,Post" erfährt, unmittelbar, nachdem er auf der Nordlandsreise von dem Unwetter in Württemberg gehört, direkt durch seine Schatullenverwaltung sür die Geschädigten den Betrag von 3000 Mark anweisen lassen. — Prinz Heinrich hat mit dem ersten Geschwader heute früh von Kiel aus die Reise nach Kronstadt angetreten. — Der Reichskanzler ist, wie ein Privattelegramm der ,Nat.-Ztg/ meldet, durch Hochwasser verhindert, von Aussee abzureisen. Er würde sonst heute Abend in Berlin erwartet. — Das Staatsministerium hatte heute unter Vorsitz seines Vizepräsidenten Dr. v. Miquel eine Sitzung. — Der Botschafter v. B ü l o w hat sich heute nach Kiel begeben, um den Kaiser nach Petersburg zu begleiten.
* Zur Krisis schreibt die ,Nordd. Allgem. Ztg.", daß die un die Reise Dr. v. Miquels und des
Zu einer Wiederannäherung zwischen mir und Joseph kam es nicht mehr. Er heirathete und sein Weib gab ihm einen Sohn — Deinen Vater, Martha, denn Dein Großvater, Joseph Vogtherr, war es, dem ich das gegebene Wort gebrochen habe und der dadurch für sein ganzes Leben unglücklich gemacht worden ist.
Deine Großmutter starb früh und Joseph nahm eine zweite Frau, die ihm einen Knaben in die Ehe mitbrachte, den Anton, der später als Knecht bei mir auf dem Haidhofe eintrat. Auch ich schloß den Bund für's Leben, aber das Glück fand feine Heimstätte bei uns. Die schweren Schicksalsschläge, die mich trafen, sind Dir bekannt; doch das weißt Du nicht, daß meine Josephine dem verschwundenen Anton nachgereist ist, daß die beiden sich trauen ließen und daß das Paar nachher mit einer Komödiantenbande von Stadt zu Stadt zog. Ich fand ihre Spur später ganz in der Nähe. In hoffnungsvoller Freude verfolgte ich sie, aber umsonst, Anton hat jedenfalls feinen Namen si^-chselt. Von einem Vogtherr war Niemandem etwas bekannt. An diese Thatsache knüpft sich noch eine andere Vermuthung, deren Preisgabe ich jedoch bis zu meinem letzten Stündlein aufsparen will. Von jener gräßlichen Neujahrsnacht, wo Dein Großvater, der kurz vorher noch bei mir gewesen war und seinen ganzen grenzenlosen Haß in entsetzlichen Drohungen
Frhrn. v. d. Recke in der Presse geknüpften Gerüchte über bevorstehende oder schwebende Krisen, wie sie zu versichern in der Sage sei, jeden thatsächlichen Hintergrundes entbehrten.
* Der ,Meichsanz.° meldet, daß der Landdechant Kuhlmann in Verl zum Ehrendomherrn bei der Kathedralkirche in Paderborn, Dechant Subtil in Saarlouis zum Ehrendomherrn bei der Kathedralkirche in Trier und der Direktor des Mathias-Gymnasiums in Breslau Dr. Stöbert Nieder ding zum Pco- vinzial-Schulrath ernannt und dem Prooinzial-Schul- kollegium in Breslau überwiesen worden ist.
* Um die durch die jüngsten Wetternnfälke entstandene Nothlage der von ihnen Betroffenen in etwa zu lindern, regt die,Nordd. Allgem. Ztg/ die Bildung eines Central-Komitee's an, welches Gaben zu sammeln und sie je nach der Größe der Noch an die verschiedenen Bezirke zu vertheilen hätte. Bekanntlich hat sich bei der großen Katastrophe von 1888 das damals gebildete Central-Komitee gut bewährt.
* Die ersten MeHkmärkte werden von den Bäckerinnungen Concordia und G e r m a n i a morgen (Dienstag) abgehalten. Während die Germania nur Jnnungs-Mehllieferanten den Zutritt gestattet, hat die Concordia eine derartige Beschränkung bisher nicht angeordnet._______________________________________
Ausland.
* Zürich, 2. Aug. Zum Internationalen Kongreß für Arbeiterschutz sind bis jetzt 93 Delegirte angemeldet. Aus Deutschland sind es 27, worunter Dr. Bödiker, Vollmar, Grillenberger, Liebknecht, Bebel, A. Wagner (Berlin), Berkner (Karlsruhe), Adolf (Straßburg), Tonnies (Hamburg), Dr. Hille (Berlin) und Sonnemann (Frankfurt).
* London, 2. August. Die ,Times" schreibt, die Deutschen sehen ein, daß in einem wirt hsch aft- lichen Kampfe mit England nichts zu gewinnen ist. Der Handelsverkehr zwischen zwei Ländern ist zum Vortheil für beide, und beide werden verlieren, wenn der Handel ohne Noch gehemmt oder länger als es unvermeidlich ist, schwankenden Verhältnissen unterworfen bleibt. Die,Morning Post" schreibt, wenn es- Deutschland um einen neuen Handelsvertrag zu thun ist, so liegt fein Grund vor, weshalb es nicht einen Vertrag haben sollte, welcher die Handelsbeziehungen zwischen Großbritannien und den Kolonien nicht berührt.
* Madrid, 2. Aug. Nach einem amtlichen Telegramm aus den Philippinen sind die Aufständischen in mehreren Treffen gesch lagen worden. — Infolge neuerdings erlassener Verfügungen hinsichtlich der Verzehrsteuer haben die Gewerbetreibenden und Kaufleute innerhalb der Bannmeile von Madrid ihre Geschäfte geschlossen. Einige Versuche, Unruhen zu stiften, wurden sofort unterdrückt und Vorsichtsmaßregeln gegen etwaige Wiederholungen getroffen.
zum Ausdruck gebracht hatte, den schrecklichen Tod fand, wo mir mein Hermann als Findling hingelegt wurde und wo das Schweizerhäuschen des Barons in Flammen aufging, sprach ich schon früher mit Dir. Auch was später über mich hereinbrach, ist Dir be- fannt. Die an dein Vertrauen und der Liebe Deines Großvaters begangene Sünde hat sich bitter gerächt. Ich fühlte mich jedoch schuldig und trug mit demüthiger Ergebung, was mir auf erlegt wurde. Dagegen schmerzt es mich um so tiefer, daß nun auch Du leiden mußt, daß das Sündenerbe in fo beklagenswerther Weise auch in Dein Leben eingreift. Doch vielleicht ruft der liebe Gott vor dem äußersten Schritt doch noch ein Halt. Ich fann nicht daran glauben, daß er den unerhörten Frevel zuläßt, und ständest Du schon im Brautfleide vor mir! Verlange wenigstens eine Frist, ehe Du vor den Altar trittst. Vielleicht — vielleicht hat der Himmel doch Erbarmen mit Dir!"
In noch gehobenerer Stimmung, als sie gefommen, fehrte Martha nach Hause zurück. Der Vater erschien erst ziemlich spät. Es wollte ihm nicht recht gefallen, daß die Tochter eine halbjährliche Frist bis zu ihrer Verbindung mit Sigel verlangte, aber schließlich gab er doch nach und versprach auch, für die Einwilligung des Bräutigams zu sorgen.
Dieser fügte sich unter der Bedingung, daß die