172 Sarnstall, den 31. Juli 1897. 24. Jahrgang
mit UnterhaLLrmgs-Kettage „Sterne und KLumen".
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O Zacharias Werner.
Ein Konvertitenbild.
„Wunderbar sind Gottes Wege", müssen wir ausrufen, wenn wir das Leben des deutschen Dichters Zacharias Werner betrachten. Derselbe war geboren im Jahre 1768 zu Königsberg, wo sein Vater, den er jedoch frühzeitig durch den Tod verlor, Professor der Rhetorik an der dortigen Hochschule war. Seine Mutter war eine geistreiche, aber überspannte und mystisch angehauchte Frau, die wenig Einfluß auf die Erziehung ihres Sohnes auszuüben vermochte.
Zacharias studirte Jus und Kameralia und erhielt eine Stelle als Kammersekretär in Petrikau und später in Warschau, das damals zu Preußen gehörte. Von dem Drange nach Klarheit in religiösen Dingen beseelt, ließ er sich in dm Freimaurerorden aufnehmen und hoffte in demselben Lösung auf die Fragen des Lebens und Befriedigung des Herzens zu finden. In dieser Absicht dichtete er auch das Drama: „Die Söhne des Thals", in welchem er die Freimaurerei mit einem „geläuterten Katholizismus" zu verschmelzen sucht. Dies sollte „die Religion der Zukunft" werden. Das Drama behandelt den Untergang der Tempelherren mit ihrem Großmeister Jakob Molay. Die Templer bergen in ihrem Orden eine Geheimlehre, die auf den Pantheismus hinausläuft und die einst an die Stelle des Christenthums treten soll. Da sie aber diese Lehre ihren Novizen zu früh enthüllten, so beschließt „Das Thal", d. h. die „Erleuchteten", .„Vollendeten" des Ordens den Untergang der Templer. Es bleiben jedoch Angehörige „des Thals" am Leben und diese nehmen das Ordensgeheimniß mit sich nach Schottland und von ihnen stammt der Freimaurerorden — schottischer Ritus — ab.
Da das Drama Aufsehen erregte, berief der Minister Schrötter den Sekretär Werner nach Berlin und verschonte ihn mit Dienstgeschäften, damit er sich -ausschließlich der Dichtkunst widmen könne. In Berlin dichtete Werner „Martin Luther ober die Weihe Ser Kraft". Luther ist ihm der berufene Reformator, die Kraftgestalt, die die Kirche Christi erneuern
Das Sündrnerve.
Original - Roman von Max Benno.
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Einige Tage gingen vorüber. Scholastika und Anna hatten soeben nach der einfachen Mahlzeit den Tisch abgeräumt, als Martha in einem Zustande grenzenloser Aufregung bei ihnen erschien. Ihre Augen waren vom Weinen geröthet, und Thränen rollten auch jetzt noch über ihre Wangen herab.
Durch diese Wahrnehmung wurden die beiden Frauen in nicht geringe Bestürzung versetzt. Diese steigerte sich noch, als das Mädchen unter abermaligem Schluchzen und Weinen den Grund ihres beunruhigenden Zustandes zu nennen begann.
„Jetzt weiß ich," erzählte Martha, „warum der Vater mich nach München in das schöne Haus geführt hat. Es gehört seinem Freunde Karl'Sigel, der mir soeben einen förmlicher Heirathsantrag gemacht hat und dem der Vater mich ausliefern will, diesem schrecklichen Menschen, der mir wie ein böser Geist Angst und Schrecken einflößt."
Scholastika setzte sich neben das jammernde Mädchen und streichelte ihr seidenes Haus.
„Und das hat Dich so ganz außer Fassung gebracht," hielt sie mit leisem Tadel entgegen, „wo bleibt
soll. Aber dieser Kraft fehlt noch die Weihe. Diese Weihe wird dem Reformator zu Theil, indem Katharina, das „Symbol der Reinheit" (!), sich mit Luther vermählt und ihm die Weihe gibt. Das Stück fand ungeheuren Beifall und wurde in Berlin und andern Städten vielmal aufgeführt. Werner war nun ein gefeierter Dichter.
Im „Kreuz an der Ostsee" läßt Werner den Geist des hl. Adalbert in Gestalt eines Spielmanns den Deutschordensrittern vorausziehen und durch dieselben das Chnstenthum in dem damals noch heidnischen Preußenlande ausbreiten.
Trotz des religiösen Zuges, der in Werner lag, überließ er sich doch allen sinnlichen Genüssen und Ausschweifungen.
Rach der Schlacht bei Jena entsagte Werner dem Staatsdienste, ließ sich von feiner dritten Frau scheiden, nachdem er schon vorher zwei Ehen unbedachtsam geschloffen und ebenso leichtsinnig gelöst hatte, und begann ein literarisches Wanderleben. Den Glanzpunkt in diesem Wanderleben bildet sein Aufenthalt bei Göthe in Weimar. Göthe versuchte Werner von der mystischen und symbolischen Richtung in feinen Dichtungen abzubringen, und daraufhin entstand der „24. Februar", ein kleines Drama, in dem Werner zwar das Symbolische vermeidet und ein Stück aus dem wirklichen Leben bringt, dafür aber das blinde Schicksal walten läßt. Den 24. Februar sah Werner als einen Un- glückstag an, da an diesem Tage feine Mutter in Königsberg und fein Freund Mnioch in Warschau gestorben waren. Mit diesem Trauerspiel inaugurirte Werner die sog. Schicksalstragödien.
Vom Fürsten Dalberg wurde Werner eine Pension verliehen, und der Großherzog von Darmstadt ernannte ihn zum Hofrath.
Später weilte Werner längere Zeit bei bef Frau von Stael am Genferfee, die ihn sehr hoch schätzte und ihn in ihrem Buche „lieber Deutschland" als großen Dichter preist. Frau von Staöl war es auch, die Werner rieth, nach Rom zu gehen. Dort werde er Lösung in seinen Zweifeln finden.
In Rom nahm Werner an den Exerzitien für Männer theil, die alljährlich in der Charwoche in al Gesü abgehalten werden, bekehrte sich vollständig und wurde durch Professor Ostini, den nachmaligen Kardinal, am Gründonnerstag 1810 (nicht 1811) in die katholische Kirche ausgenommen. Um die Aerger- niffe, die er gegeben, zu sühnen, beschloß Werner, Priester zu werden, studirte drei Jahre lang in Rom Theologie, kehrte dann nach Deutschland zurück und wurde " vom Bischof Dalberg in das Lyceum zu Aschaffenburg ausgenommen.
„Der Weihe der Kraft" fetzte er nun „die Weihe der Unkraft" entgegen.
Nachdem Werner Dispens wegen Bigamie erhalten und die Priesterweihe empfangen hatte, ging er nach Wien und wirkte dort mit dem Pater Hoffbaur, den er schon in Warschau kennen gelernt, sehr segensreich
da mein sonst so ryuthiges Kind? Du sagst einfach „nein", dann ist der ganzen Geschichte ein schnelles Ende gemacht."
Das Mädchen senkte traurig den Kopf.
„Das geschah bereits," erklärte sie, „aber damit ist es, wie ich aus verschiedenen Andeutungen des Vaters erkannte, noch nicht gethan. Dieser setzte sich, als Sigel —der meinen abschlägigen Bescheid, ohne einen weiteren Versuch zu machen, hinnahm — sich entfernt hatte, zu mir. Er drückte meine Hände und sprach in einem so sanften Tone, wie in seinem ganzen Leben noch nie. Er gab mir die Versicherung, daß Sigel ein seelenguter Mensch sei und daß er mich auf den Händen tragen werde, wenn ich ihn erhöre. Er fei dabei unmenschlich reich und habe, um mir ein recht schönes Heim anbieten zu können, das prächtige Haus nebst Ausstattung in München gekauft. Dann aber berührte er ein Thema, durch das ich in namenlosen Schrecken versetzt worden bin. Es ist mir schon lange ausgefallen, daß der Vater weit über feine Verhältnisse hinausgehende Ausgaben macht. Ich wollte wiederholt darüber mit ihm sprechen, fand aber den Muth nicht dazu. Nun nannte er mir selbst die Quelle, aus welcher er geschöpft hat. Sigel gab ihm unbegrenzten Kredit. Er scheint Schulden bei demselben gemacht zu haben in sehr hohem Betrag;
auf der Kanzel und im Beichtstühle, so daß Beide „die Apostel Wiens" genannt wurden.
Den Verleumdungen, die von den deutschen Literaten gegen Werner erhoben wurden, setzte er ein unverbrüchliches Stillschweigen entgegen. Nur einmal widerlegte er die Lügen in einem Briefe an feinen treugebliebenen Freund Hitzig, den er zum kathol. Glauben zu bekehren hoffte, was ihm jedoch nicht gelang. Dagegen führte er viele andere Protestanten zur katholischen Kirche zurück.
Nach dem Tode Hoffbanrs trat er in den Redemptoristenorden, mußte jedoch das Kloster wieder verlassen, da feine Kräfte gebrochen waren und er Andern nicht zur Last fallen wollte.
Aber unermüdlich wirkte er im Dienste Gottes durch Predigen und Beichthören bis an seine letzten Lebenstage. Werner starb in der Nacht vom 17. auf den 18. Januar 1823 sanft und ruhig im Herrn. An feinem Sarge bezeugten Tausende und Tausende, daß sie durch ibn wieder auf den Weg des Heiles geführt worden seien.
„Das ist eine flammende Grabschrift", sagt Eichendorff, „die alles eitle Gerede von Phantastern, Jesuiten u. s. ro. verzehrt, und um die mancher Dichter in der letzten Stunde ihn beneiden möchte."
Werners Leben ist beschrieben worden zuerst von feinem Freunde, dem berühmten Kriminalisten Eduard Hitzig, bann von Schütz und endlich von Heinrich Düntzer: „Zwei Bekehrte", Zacharias Werner und Sophie von Schardt. Auch Rosenthal in feinen Konvertitenbildern widmet ihm eine längere Lebensbeschreibung. Eine dichterische Behandlung seines Lebens und Wirkens wird in den nächsten Tagen im Verlage der Nehrkor n'schen Buchhandlung in Fulda erscheinen unter dem Titel: „Zacharias Werner." Episches Gedicht von I. I. Krieg. Das Ringen dieses hochveranlagten Geistes mit den mannigfachen Hindernissen, die ihm auf der Suche nach der Wahrheit in den Weg traten, bot dem Dichter einen dankbaren, aber auch schwierigen Stoff zur Bearbeitung, und wir sind überzeugt, daß diese Aufgabe in dem neuen Werke eine glänzende Lösung gesunden hat.
Sine Keule des Wucherers.
Als die Sonne aufging, standen noch die hohen Berghäupter im hellen blaßklaren B au, und in den ewig starren, zackigen Eisspitzen spiegelte sich die Sonne; in den Thälern und Schluchten aber lag dicker, weißer Nebel. Er färbte sich bläulich, er ward violett, rosenfarbig und dann stieg er wie die Dampfsäulen von Millionen Opferfeuern zum Himmel. Er lagerte sich um die hohen Eishäupter und umschleierte von dort aus das helle Firmament mit einem zarten weißen Dunsthauche, welcher der mattlächelnden Oktobersonne die letzte Wärme nahm. Es war eigenthümlich still unter diesem kalten Schleier; die Felsen, halbkahlen Bäume, Häuser, Sträucher, Brücken, Alles stand da, als ob es lauschte, als ob es etwas Geheimnißvolles erwartete. Eine eigenthümliche feierliche Stille erfüllte die Luft. In den Tiefen lag ahnungsvolles Schweigen, hoch oben aber waltete der Dunst, er flog, er zog hin und her und ward finsterer, dann schwebte er in trüber Ruhe über den Eishäuptern. Erwartungsvoller und ich," fügte das Mädchen mit plötzlich sich aufbäumender Entrüstung hinzu, „wurde dazu auserkoren, das Opfer zu fein, das an den unheimlichen Menschen zur Ausgleichung feiner Forderung förmlich verkauft werden soll."
Den letzten Mittheilungen Markhas gegenüber hielt der Gleichmuth der Matrone nicht Stand. Jenes seltsame Gefühl beschlich sie, wie die Ahnung einer unbestimmten großen Gefahr. Gleichwohl sprach sie ihrem Lieblinge Trost zu.
„So gar gefährlich wird es nicht fein," meinte sie, „und wenn man Dich je einmal wegen einer vielleicht bedeutenden Summe Geldes zu einem solchen Schritte drängen wollte, von dem Dein Lebensglück bedroht wird, bann zähle auf mich. Dein Wohlergehen steht mir viel höher als Geld und Gut."
Martha ließ sich beruhigen und man sprach vorerst über diese Sache nicht mehr.
Martha glaubte den Sturm bereits abgeschlagen zu haben, da der Vater in den nächsten Tagen auf das Heirathsprojekt nicht zurückkam. Auch Sigel hatte sich nicht mehr gezeigt.
Da machte sie bei der Tante einen Besuch, und der erste Blick in die verstörten Züge derselben weckte eine bange Ahnung in ihr. Sie sah, daß Anna