170 Donnerstag, den 29. Juli 1897 24. Jahrgang
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mit Unterhaltung- Beilage „Sterne und Klnmen".
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Deutsches Deich.
Berlin, 28. Juli.
ft Herr v. Miquel hat in seiner Rede vom Samstag einebemerkenswertheAenderungvorgenommen. Er sagte, die Stellung der Regierung zu den Parteien werde durch die Vorlage, „mag sie angenommen oder abgelehnt werden", nicht alterirt werden. Im stenographischen Berichte sind die gesperrt gedruckten Worte, die wir selbst gehört haben, gestrichen worden. Warum wohl?
Der Vizepräsident des Staatsministeriums Dr. v. Miquel hat in seiner Eigenschaft als Isinarrz- nrinister aus einer Anregung im Herrenhause Anlaß genommen, die Vorsitzenden der Einkommen st euer- Veranlagungskommissionen anzuweisen, die Mitglieder dieser Kommissionen zum mindesten über diejenigen wichtigeren Verfügungen und Entscheidungen von grundsätzlicher Bedeutung, deren Kenntniß für eine sachgemäße Mitwirkung beim Veranlagungsgeschäfte unentbehrlich ist, durch Mittheilung in den Sitzungen der Kommission oder im Wege eines schriftlichen Cirkulars zu unterrichten. Ferner hat der Finanzminister die Vorsitzenden der erwähnten Kommissionen auf eine Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts zur Nachachtung aufmerksam gemacht, wonach ein Steuerpflichtiger, welcher Gehalt aus der preußischen Staatskasse bezieht und von diesem Bezüge nach 8 2a des Einkommensteuergesetzes zu veranlagen ist, von seinem Einkommen die in dem 8 9 Nr. 6 des Einkommensteuergesetzes genannten Kassenbeiträge in Abzug bringen darf, sofern diese Verpflichtung zu der Entrichtung der Beiträge durch eine gesetzliche oder anderweite rechtliche Vorschrift mit seinem Amte verbunden ist, der Beitritt zur Kasse also nicht freiwillig ist.
* Der Landwirthschaftsminister hat infolge der zunehmenden Bedrohung der Forstbeamten von Seiten der Wilderer das unbedingte Verbot, daß die Forst- und Jagdbeamten die Waffen gegen keinen schon auf der Flucht befindlichen Frevler gebrauchen dürfen, aufgehoben. Zugleich hat er verfügt, daß auch vom Revolver Gebrauch gemacht werden darf. Im allgemeinen soll auch jetzt noch die Waffe gegen Fliehende nichtgebraucht werden dürfen, sondern nur dann, wenn diese auf erfolgte Aufforderung die Schußwaffe nicht sofort ablegen oder sie wieder aufnehmen und hierin eine Leib und Leben des Beamten bedrohende Gefahr zu erblicken ist. Lebensgefährliche Verwundungen sind nach Möglichkeit zu vermeiden, es soll ein Schuß daher stets auf die Beine des Fliehenden gerichtet und ein Hieb mit dem Hirschfänger nach den Armen geführt werden. Strenge Vorsicht hat obzuwalten, daß nicht dritte Personen getroffen werden, auch ist der Gebrauch der Schußwaffe in der Nähe von Gebäuden zur Verhütung von Feuersgefahr möglichst zu vermeiden.
* Die ,Staatsbürgerzeitungh der Beziehungen zu
Das Sündrnrrbe.
Original-Roman von Max Benno.
39 ------ (Nachdruck verboten.)
Er begab sich sofort in sein Zimmer, dessen Thüre er sorgfältig verschloß.
Dann durchmaß er in begreiflicher Aufregung den Raum.
„Da habe ich ja ein köstliches Geheimniß entdeckt," murmelte er. „Die beiden Hallunken Vogtherr und Sigel sind also die Fabrikanten und schieben den Heidenprofit ein, während der alte Sünder Georg uns mit einer Bagatelle abspeiste und mit der erfundenen Geschichte von den großen Kosten der lieber« sendung durch die vielen Hände der Agenten und Vertrauten betrog. Daß er ein Schuft ist, weiß ich; daß er aber auch mich, der die Haut für ihn zu Markte tragen mußte, so niederträchtig behandeln würde, hätte ich doch nicht geglaubt. Jetzt weiß ich, daß ich damals bei der Geschichte mit Hermann Sommer bodenlos angeführt worden bin. Die Entfernung des Haidhofers geschehe in meinem Interesse, machte der nichtswürdige Mensch mich glauben, und in meiner Verblendung reichte ich zu dem Schurkenstreiche die Hand, um den Plan dieses Spitzbuben Karl Sigel zu fördern, der Martha schon von An-
dem früheren Minister des Inneren nachgesagt werden, stellt gegenüber anders lautenden Meldungen nochmals fest, daß die Ernennung des Staatsministers v. Kölker zum Oberpräsidenten von Schleswig-Holstein bereits vollzogen wurde und zwar noch vor Antritt der Nordlandsreise des Kaisers. Daß die Ernennung noch nicht veröffentlicht worden ist, erklärt sich lediglich daraus, daß Herr v. Köller sich längere Zeil auf Reisen befand.
* In der Armee haben wieder zahlreiche 2?er- sonakveränderungen stattgefunden. Nicht weniger als 8 Generalmajore sind in Genehmigung ihres Abschiedsgesuchs zur Disposition unter Bewilligung der Pension gestellt worden.
* Der Landtag wird sich nach einer Aeußerung der dem Finanzminister nahestehenden,Berl. Pol. Nachr/ in der nächsten Tagung mit der Erhöhung der Witwenpension der evangelischen Geistlichen zu beschäftigen haben.
h. Was die ,Deutsche Tagesztg/ bei ihrer Mahnung an die Bündler zur Ginmüthigkeit im Auge gehabt hat, ist bis jetzt nicht recht klar gestellt. Die,Nat.-Ztg/ hatte gemeint, die Führer fürchteten ein Zerfallen des Bundes und bemerkt, in neuerer Zeit seien wieder Tausende aus dem Bunde ausgetreten. Die ,Deutsche Tagesztg/ bestreitet das und fügt hinzu: „Unsere Mahnung zur Einmüthigkeit zielte nach einer ganz andern Stelle." Sollten etwa die konservativen Mitglieder des Bundes gemahnt werden, sich im Streit mit den Konservativen zur Bundesfahne zu stellen, bei der allein Heil fei und die konservative Standarte im Stich zu lassen!
h. Die ,Post' warnt die Regierung dringend davor, nach dem Scheitern des Vereinsgesetzes nun das vom Reichstage beschlossene Wslh-WereinsgefeH anzunehmen. Die Regierung habe mit ihrer Vorlage ja ihre Zusage erfüllt; ferner lasse die karge Mehrheit im Abgeordnetenhause demnächst mit Bestimmtheit auf positiven Erfolg hoffen; endlich sei die Annahme des Reichstagsbeschlusses ganz unmöglich angesichts der Art, wie der Vorstoß durch Dr. Lieber, Singer und Beck im Reichstage inscenirt worden sei. Es wäre mit der Würde der Regierung völlig unvereinbar und für ihr Ansehen verderblich, wenn sie zustimmte. Nach der Meinung der ,PosU verlangt wohl die Würde und das Ansehen der Regierung, daß sie immer das Gegentheil von dem thut, was die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung wünscht.
* Gevlrum rmd Kandwerkerfrage. Die,Allg. Handwerker-Zeitungs Organ des Allgemeinen deutschen, des bayerischen und des badischen Handwerker-Bundes, schreibt über das Centrum: „Die große Masse der Centrumswähler auch in unserer Provinz weiß es wohl zu würdigen, daß das Centrum nicht einseitige Inte ressen-Po litik betreiben kann, und daß es gerade sein Verdienst ist, daß ihm das Wohl und Wehe des Ganzen so hoch steht, und alle Stände an ihm eine angemessene Vertretung haben, fang aufs Korn genommen und mit dem heillosen Kohlenbrenner unter der Decke gespielt hat. Und jetzt will man mir auf den Leib rücken, weil ich im Wege stehe und unbequm bin. Fast möchte ich es darauf ankommen lassen und erfahren, welches Mittel Sigel, dieser rücksichtslose Unhold, zu meiner Entfernung ausdenkt. Doch der Mensch ist zu allem fähig, und wenn ich mich vorsehe, wird es doch besser fein. Ha, ich will über euch kommen, ich will euch die schamlose Maske vom Gesicht reißen und euch beweisen, daß man mit Adolf Vogel in solch schamloser Weise nicht spielen darf."
Nur allmählich legte sich der ungeheure Sturm in dem Innern des jungen Mannes, und es war fast Mitternacht, als er sich zur Ruhe begab.
Am anderen Morgen stand er frühzeitig auf und kleidete sich an. Er gedachte ein Wort mit Vogtherr zu sprechen, ehe Sigel bet demselben mit seinem Plane eintras. Als er in die Nähe des Häuschens kam, sah er, wie sich Martha entfernte. Er errieth den Zweck ihres Ganges, da sie ein Gebetbuch in der Hand trug.
Es war ihm lieb, daß er den Kohlenbrenner allein zu Hause antraf.
Dieser saß beim Frühstück am Tische und begrüßte in gewohnter Weise den frühzeitigen Gast, ohne den
* Im Iieichspostdienst sind bekanntlich verschiedene Hauptleute a. D. zu Postdirektoren befördert worden. Dies hatte in einem Theil der Presse der Vermuthung Raum gegeben, als ob unter dem neuen Regime eine Bevorzugung früherer Militärs stattfinde. Die ,Nordd. Allg. Ztg/ sucht diese Vermuthung abzuschwächen, indem sie betont, daß jene Herrn bereits jahrelang im Vorbereitungsdienst gewesen wären und ihr Examen abgelegt hätten.
* Das Sammeln von Gekdöeiträge« z« KHren gesHenken an Vorgesetzte ist den Eisenbahn- beamten vor einiger Zeit verboten worden. Jetzt sind vom Eisenbahnminister diese Sammlungen auch für alle diejenigen Fälle verboten worden, in denen es sich nur um Ehrengeschenke an Kollegen („Mitbeamte") handelt. Ausnahmen sind nur mit besonderer Genehmigung der vorgesetzten Eisenbahn-Direktion gestattet.
* Detmold, 27. Juli. Die gestrige Landtags- Eröffnung gestaltete sich wie der ,Köln. Vztg/ geschrieben wird, unvermutheter Weise sehr erregt. Vom regierenden Fürsten zu Schaumburg-Lippe ist ein Protest gegen die etwaige Thronfolge der Söhne des Grafen-Regenten eingereicht worden. Der Antrag Asemissen, diesen Protest sofort auf die Tagesordnung zu stellen, fand nicht die Mehrheit; dann wurde die Sitzung auf eine halbe Stunde vertagt; in der zweiten Sitzung wurde eine Glückwunsch-Adresse an den Regenten beschlossen und darauf der Landtag auf unbestimmte Zeit vertagt. Neber die Entwickelung der Angelegenheit ist man nicht klar, sicher aber wird der Landtag den Protest nicht gelten lassen. Man fürchtet, daß auswärtige Einflüsse sich kräftig geltend machen werden, was bei der getheilten Stimmung im Lande immerhin von Bedeutung fein wird. Der Regent hat unter allen Umständen einen schweren Stand.
Anstand.
* Paris, 28. Juli. Die großen Pariser Geschäftsmagazine haben beschlossen, in Ansehung der Vortheile, welche ihnen die Erhöhung des Maximalgewichts der Postpackete auf 10 Kilogramm gewährt, Komptoire im Auslande zu errichten, insbesondere in Deutschland und in Südamerika.
* AtHe«, 28. Juli. Von den Zuständen, welche in Griechenland in Folge des unglückseligen Krieges mit der Türkei zu Tage treten, gibt folgende Meldung ein charakteristisches Bild. Die Regierung in Athen hat zwar gegen das Räuber Unwesen abermals auf die Dauer eines Jahres ein äußerst schweres Gesetz in Kraft gefetzt; Erfolge hat sie damit jedoch noch nicht erzielt. Gegenwärtig befinden sich fünfzehn Räuberbanden im Lande, zu denen auch theilweise desertirte Soldaten der Armee gehören. Mehrfach belagerten sie volkreiche Ortschaften, um von ihnen ein Lösegeld zu erpressen. Nur zwei dieser finstern Ausdruck zujbemerken, der auf dessen Gesichte lag. — „Du bist heute ja sehr bald auf den Beinen," sagte er, „ich schlief nur wenig und habe mich deshalb erst vor einer halben Stunde aus den Federn gemacht."
Vogel nahm Platz.
„Wahrscheinlich hat Deine Unterredung mit Karl Sigel in dessen Kellerraume so lange gedauert," platzte er, unfähig sich länger zu halten, ohne alles Weitere heraus.
Vogtherr zuckte zusammen und erbleichte. „Was sagst Du," stotterte er, „Sigel — Kellerraum . . . ?"
Vogel warf ihm einen giftigen Blick zu.
„Du brauchst Dich nicht zu verstellen, wortbrüchiger Mensch," zischte er in neu aufkochendem Grimm, „ich weiß Alles. Ich weiß jetzt, daß die Scheine durch Sigel und Dich hergestellt werden, daß Du Deine Tochter an den alten Schuft verkuppeln willst, und daß der Plan bereits ausgeheckt ist, der mich ebenso unschädlich machen soll, wie es seiner Zeit mit Hermann Sommer geschah."
In grenzenloser Bestürzung war Vogtherr in die Höhe gefahren und seine Fäuste ballten sich unwillkürlich, doch er beherrschte sich mit Gewalt.
„Und woher weißt Du denn das?" forschte er anscheinend ruhig.