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Jfö 169 Mittwoch, den 28. Juli 1897 24. Jahrgang

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mit Wnterhaltrmgs-KeiLage „Sterne und Klumen".

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Deutsche» Deich.

Berlin, 27. Juli.

* lieber den „SonderKnrs im Kuttusmini- sterium" klagt die,Post", das Organ des Herrn v. Stumm. Wenn Herr v. d. Recke mit seinem Vereinsgesetze auch unterlegen ist, so hat er doch den ernsten Willen gezeigt, die Sozialdemokratie zu ver­nichten. Ueberdies kann er, wie die Vorgänge in Puttkamerun zeigen, bei einigem guten Willen auch ohne Vereinsgesetz, unbequeme Erscheinungen im Ver­eins- und Versammlungswesen gründlich chikaniren lassen. Aber, seufzt die ,Post", die verderbliche Ver­wirrung der Geister kann die Regierung nicht besei­tigen, so lange nicht die gesammte Verwaltung ein­heitlich nach diesem Gesichtspunkte geführt wird. Und da wird dann dem Kultusminister der Text gelesen, weil er den sozialdemokratischen Privatdozenten Dr. Arons noch immer nicht von der Berliner Universität entfernt und neuerdings auch noch den Professor Dr. Reinhold dahin berufen hat, der „es als seine vornehmste Aufgabe betrachtet, der studirenden Jugend die gänzliche Ungefährlichkeit der Sozialdemokratie zu demonstriren". So geht es nicht weiter, erklärt das Blatt; dieser^Souderkurs der Kultusverwaltung muffe aufhören, wenn es der Regierung Ernst sei mit einer festen und kraftvollen stetigen Politik; es müsse dahin gesorgt werden, daß der Ressort-Partikularismus auf­höre .... Das beste ist wohl, man macht Herrn v. Stumm zum Kultusminister. Der wird mit sozia­listischen, katheder-sozialistischen und ähnlichen Pro­fessoren schon aufräumen und auch den sozial ange­hauchten Pastoren das Handwerk legen.

h, Herr v. Ketkdorff wird neuerdings den Konser­vativen dringend weiter als Führer empfohlen. Die .Kreuzztg/, deren früherer Leiter Frhr. v. Hammerstein .Herrn v. Helldorf gestürzt hat, will nichts davon wissen, daß in konservativen Kreisen Sehnsucht nach ihm hervorgetreten sei. Wohl aber hat sie davon gehört, daß er für den nächsten Reichstage kandidiren wolle. Sollte er gewählt werden, so stehe es ihm frei, der konservativen Fraktion beizutreten, wenn er sich zu ihrem Programm bekenne. Sie hielt es eben nicht für geschickt, ihn als den künftigen Führer zu signalisiren, der die Fraktion aus den Schlingen des Bundes der Landwirthe erretten solle. Allerdings können die Konservativen den Bund nicht wohl ent­behren, so lästig sie seine Fesseln auch manchmal

Das Sündenerde.

Original-Roman von Max Benno.

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Vogel erzählte ihm die Begegnung mit der Haid­hofbäuerin und Marthas Flucht. „Die Komödie wird mir nachgerade zu dumm/ grollte er, „und ich verlange, daß ihr ein Ende gemacht wird. Du kannst es, wenn Du willst! Du bist der Vater, und wenn Du dem Mädel den Kopf zurecht setzest, werden meine Wünsche erfüllt. Aber wie die Katze um den heißen Brei gehst Du immer um die Sache herum. Nicht einmal ein bestimmtes Jawort konnte ich bis jetzt von Dir bekommen. Das will ich nunmehr, damit ich entschieden auftreten kann.

Vogtherr stieß ein trockenes Lachen hervor. „Sei doch kein Narr," warnte er, „der mit dem Kopfe durch die Wand will. Was hilft Dir ins Henkers­namen mein Jawort, selbst wenn ich es Dir schwarz auf weiß gebe, wenn Dich meine Tochter nicht will? Dir bleibt nichts anderes übrig, als abzuwarten. Unter die Haube kommen wollen schließlich alle jungen Weibsleute, und ich bezweifle, ob Martha da­von eine Ausnahme macht. Sei es noch um einige Zährlein, dann hast Du eine hübsche Summe bei­

empfinden. Der Bund würde wohl die Freundschaft kündigen, wenn der gouvernementale Herr v. Helldmff auf den Schild erhoben würde. Hat doch jüngst noch die Korrespondenz" des Bundes erklärt, die Bündler wollten wohl Konservative, aber keine Gouvernementale unterstützen.

h, Generalfeldmarschall Graf v. Akumenthak begeht am 30. Juli zugleich mit seinem 87. Geburts­tage sein 70jähriges militärisches Dienstjubiläum. Eine Feier dieses Tages wird, da v. Blumenthal eben erst von einem Bronchialkatarrh genesen ist, nicht stattfinden, v. Blumenthal weilt zur Zeit bei seinem Schwiegersohn Generallieutenant v. Oettinger in Quellendorf.

Zur GinmütHigkeit mahnt die ,Deutsche Tageszeitung" eindringlich die Landwirthsbündler, denn sie sei des Sieges Bürgschaft. Nebenaktionen, so gut sie gemeint sein möchten, könnten niemals Er­folg haben; jedes noch so dankenswerthe einseitige Vorgehen könne verwirren, müsse zersplittern; das gesammte Vorgehen müsse sich gruppiren um die Organisation. Demnach scheint es irgendwo im Bunde nicht zu stimmen. Was hat der geschlossene Land­tag für die Landwirthschaft gethan? fragt die »Deutsche Tageszeitung" und sie antwortet natürlich: „Wenig, recht wenig." Das gehört ja zur Methode; alles was geschieht, wird als unerheblich und werth­los bezeichnet. Dafür aber werden wieder einige Forderungen aufgestellt, die bisher nicht erfüllt worden sind, deren „sofortige" Erfüllung aber verlangt wird. Im Abgeordnetenhause hat die Rechte nahezu die Mehrheit; das Herrenhaus wird vollständig von den Ostelbiern beherrscht. Es ist gänzlich ausgeschlossen, daß die Bündler je einen angenehmeren Landtag er­halten. Wenn nun schon dieser „wenig, sehr wenig" für die Loudwirthschast thut, was wird da erst von einem anderen zu erwarten sein? Schließlich meint das Blatt aber auch gar nicht den Landtag, sondern die Regierung. Man darf indeß ebenso bezweifeln, daß der Bund je eine ihm geeignetere und von besserem Willen für die Landwirthschaft geleitete Regierung finde. Den Führern kommt es nur darauf an, die Unzufriedenheit zu schüren, um sich selbst zu halten.

△ Den Kaiser Miktzekur - Kanal haben im 2. Quartal d. Js. 7309 Schiffe (gegen 5188 in der gleichen Zeit des Vorjahres) benutzt und an Gebühren 286 049 Mark (1896: 221904 Mk.) entrichtet. Auf den Juni entfielen 2513 Schiffe (1896: 2007) mit 100 083 Mk. Gebühren (1896: 82 355 Mk.) Daß der Kanal für größere Kriegsschiffe nicht zulänglich ist, bestätigt der ,Hamb. Korr." Größere Kriegsschiffe können den Kanal zur Zeit nur in der Mittellinie befahren. Dieses bringt bei den starken Krümmungen des Kanals die Gefahr mit sich, daß dieselben mit dem Heck oder dem Bug an den Unterwasser­böschungen festzusitzen kommen. Für die im Bau be­griffenen Panzerkreuzer „Ersatz Leipzig" und die neuen Panzerschiffe 1. Kl. vom Typ des „Kaiser Friedrich 111.“ ist diese Gefahr eine noch größere.

sammen, die sicherlich nicht ohne günstige Wirkung in die Wagschale fällt."

Trotz seiner Ungeduld begriff Vogel, daß ihm keine andere Wahl blieb, als dem Rache des Alten zu folgen, und er sprach vorerst über die Sache nicht mehr.

Nach einer Weile entfernte er sich und schlug den Weg nach dem Walde ein. Ohne, daß er es beab­sichtigt hatte, kam er auf die Kohlplatte Vogtherrs, und da er das Bedürfniß nach Ruhe empfand, ging er in die Hütte und legte sich auf die Bank. Er schlief ein. Ein Geräusch weckte ihn auf. Es mußte Jemand in der Hütte gewesen fein, der sich, ohne ihn in der Dunkelheit bemerkt zu haben, wieder ent­fernt hatte.

Vogel erhob sich und trat ins Freie. Es war indessen Nacht geworden, aber der Vollmond stand am Himmel und die Sterne glitzerten vom wolken­losen Firmament herab. Die Aufmerksamkeit des Burschen wurde durch eine männliche Gestalt geweckt, die sich an dem rauchenden Meiler zu schaffen ge­macht hatte und nun dem Walde zuschritt. Es war Vogtherr.

Einem unbestimmten Drange folgend, schlug Vogel den gleichen Weg ein.

da diese Schiffe in ihrer Länge das Brandenburg- geschwader um 25 Meter überragen. Wenn die Noth- wendigkeit einer Vertiefung wirklich vorliegt, fo muß man sich bei einem solchen Riesenwerk wundern, daß man erst hintendrein sich inne wird, daß dasselbe für größere Kriegsschiffe nicht tauge.

* In Gegenwart des Kaisers und des Prinzen Heinrich werden anfangs August im Kieler Hafen umfangreiche Versuche im Gekegraphireu ohne Draht stattfinden, um dessen Verwendbarkeit zu Marinezwecken zu erproben. Mit den Vorarbeiten hierzu ist man bereits beschäftigt.

* München, 27. Juli. In Bayern ist wieder ein Urtheil gefällt worden, das in weitesten Kreisen großes Aufsehen erregt. Vor der Strafkammer des Landgerichts Kempten waren unlängst die ver- heiratheten Artisten Johann und'Ottilie Mörch von Friedrichshafen wegen je eines Vergehens wider die Religion angeklagt. Dieselben hatten im Ja­nuar d. I. in einem Restaurant „Zum Stachus" in Kempten vor einer größeren Anzahl von Zuschauern folgendes „Kunststück" geleistet: Johann Mörch trat als Kapuziner gekleidet auf und fang ein Spottlied auf die Mönche. Hierauf legte feine Frau eine Art Beichte ab, in der sie bekannte, daß sie einem Manne einen Kuß gegeben habe. Der Kapuziner tröstete sie mit den Worten, das mache nichts, er würde das auch thun, und er könnte sie leicht absolviren. Hierauf kniete Frau Mörch nieder und der Kapuziner machte das Kreuz über sie, gab ihr sodann einen Kuß und fang nochmals ein Spottlied. Diesen Thatbestand stellten drei Zeugen auf ihren Eid hin fest und gaben auf die betreffenden Fragen des Präsidenten dahin eine Antwort ab, daß sie in diesem Gebühren eine Verspottung der katholischen Kirche erblickt und Aerger- niß und Anstoß daran genommen hätten, um so mehr, wie einer sagte, weil auch Kinder anwesend gewesen seien. Trotz dieser Aussage erfolgte Fr eifpr echung, weil kein Vergehen wider die Religion int Sinne des betreffenden Paragraphen St. - G. - B. vorliege. Es wäre sehr intereffant, die Urtheilsbegründung zu hören.

Ausland.

* Kaag, 27. Juli. Das neue Ministerium Pierson hat sich konstituirt. Die neuen Minister haben heute Vormittag der Königin - Regentin int Schlosse Het Loo den Eid geleistet.

* London, 27. Juli. Aus zuverlässiger Quelle verlautet, daß die britische Regierung zu dem Ent­schluß gelangt sei, die Handelst,ertrüge mit Belgienund Deutschland nicht zu kündigen, weil der Handel Großbritanniens mit diesen Ländern werthvoller erscheine, als der mit den Kolonien und die Kündigung der Verträge schwere Verluste im Gefolge haben dürfte.

* Konstanlinopek, 27. Juli. Wie von unter­richteter Seite verlautet, werden bei den Friedens­verhandlungen in Bezug auf die Zahlung der Kriegs-

Er führte abwärts in eine Schlucht.

Da sah er, wie der Kohlenbrenner plötzlich stehen blieb. Er duckte sich nieder. Vogtherr schaute sich nach rechts und links um und bog die Zweige eines Busches auseinander, hinter welchem er auf einmal verfchwand.

Vogel blieb einige Sekunden lang auf feinem Platze. Sein Geist beschäftigte sich mit dem Vor-^ gange, der sich soeben vor seinen Augen abgespielt hatte.

Dann bewegte er sich langsam den ziemlich steil abfallenden Waldweg hinab bis zu der Stelle, wo er Vogtherr aus den Augen verloren hatte und plötzlich schlug er sich mit der Faust vor den Kopf. „Da ist ja der unterirdische Gang," murmelte er; „was hat der alte Sünder nur in dieser Höhle zu thun?"

Er bahnte sich ebenfalls einen Weg durch das Gestrüpp und kam in ein schmales aufgemauertes Ge­wölbe, dessen Höhe ein aufrechtes Gehen für feine Gestalt nicht zuließ.

Vorsichtig und mit den Händen nach rechts und links greifend schlich er immer weiter in das Gewölbe hinein.

Auf einmal fah er einen Lichtschein. Dieser drang durch die Ritzen einer morschen Thüre zu ihm.