Einzelbild herunterladen
 

M 168

Dienstag, den 27. Juli 1897

24. Jahrgang

FuldilerWZkitiing

mit Wnterhalturlgs-Hrttagr „Kter«e niii> § turnen“

(Frfrfwnt täflfi* Ännn. und Setertoat ausaenommen. — Vierteljährlicher AbonnementsvreiS ohne Bringerlohn und Besteige» in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

Erschetnt täglich^Sonn^ und^Fe^ g @drmonbj(eite oder deren Raum 15 Pf., ReNamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.________________

* Gewaltige Marine-Forderungen, ober, wie sich die offiziöse Preffe euphemistisch aus- drückt, Marine-Forderungen „in nicht ganz unbetracht- llicher Höhe" werden den Reichstag in seiner nächsten Session beschäftigen. Etwas Neues oder gar Ueber- 'raschendes wird damit nicht gesagt, denn wenn auch im Uebrigen in dem „Programm" unserer Zick-Zack- .Regierung Alles nebelhaft und dunkel ist, das Erne ist zweifellos, daß in diesem „Programm" tue Flottenvermehrung einen Hauptpunkt bildet, und zwar die Schaffung einer Flotte, die sich nicht auf den Küsten- und Handelsschutz beschränkt, sondern einer Offensiv-Flotte, mit der man Macht- und Welt- .politik treiben kann.

Zwar hat der Reich s ta g durch Wort und That, insbesondere durch Streichung der beiden Kreuzer 0 und P ein kräftiges Veto und einen unzweideutigen -Protest gegen derartige Pläne eingelegt, allein daß bisse Abweisung durch die Volksvertretung einen Ver­zicht auf die neue Marinepolitik zur Folge haben würde, war bei der in Preußen-Deutschland herrschenden Auf­fassung von konstitutionellem Regiment nicht zu er­warten. Gerade in Militär- und Marine-Angelegen­heiten ist noch so sehr die Anschauung vom be­schränkten Unterthanenverstand maßgebend, daß abweichende Beschlüsse der Volksvertretung nicht etwa eine Aenderung der Haltung der Regierung, son­dern nur die Mobilmachung aller verfügbaren Kräfte zur „Belehrung" der widerstrebenden Volkskreise nach sich ziehen. So ist diese Belehrung versucht worden durch persönliche Autorität des Kaisers vermittelst der Versendung der kaiserlichen Marine-Tabellen und ver­mittelst persönlicher Aeußerungen des Monarchen bei festlichen Anlässen ec. (z. B. in Köln); dann wurde die Kolonial-Gesellschaft mobil gemacht, und neuerdings hat ein konservatives Blatt sogar einer Belehrung über Marine - Angelegenheiten in der Schule das Wort geredet.

Bei dieser ganzen Flotteu-Agitation wird es immer so dargestellt, als ob Deutschland in dem Ausbau der Marine eine unverantwortliche Lässigkeit ge­zeigt habe, als ob unsere Schiffe den modernen An­forderungen nicht entsprächen und als ob wir noch weit hinter den 1867 und 1873 aufgestellten Grün­dungs-Plänen zurückgeblieben wären. Die Unhaltbar­keit der gezogenen Vergleiche ist schon mehrfach dar- gethan worden und wird auch durch die amtlichen Ziffern über die Marine-Ausgaben feit dem Jahre 1872 schlagend nachgewiesen. Seit dem Jahre 1872 sind im Ganzen läOV/s Miktionen Mark für die Marine verausgabt oder bewilligt worden. Vergleicht man die einzelnen Etatsjahre, so ergibt sich eine ganz außerordentlich zunehmende Steigerung der Ausgaben, von welcher der Löwenantheil auf das letzte Jahrzehnt, also die Zeit unter Kaiser Wilhelm 11., entfällt. Wäh­rend bis 1889/90, also in 18 Jahren, die jährlichen Ausgaben sich noch nicht verdoppelt hatten, ist der Marineaufwand im weiteren Laufe der letzten 8 Jahre

Das Mnbrnerbe.

Original - Roman von Max Benno.

37 ------ (Nachdruck verboten.)

Wenige Tage später wurden die Thalbewohner durch die Nachricht, daß der Haidhof an den Groß­knecht Valentin und den Schäfer Willibald verkauft worden sei, in nicht geringe Aufregung versetzt, lieber die Ursache dieses unerwarteten Schrittes bet Bäuerin hörte man verschiedene Vermuthungen, die der Wahr­heit theilweise ziemlich nahe kamen, obgleich von den zunächst Betheiligten, selbst von Abraham nicht, irgend Jemand in die näheren Verhältnisse eingeweiht worden war. Man hatte den Hebräer wiederholt auf dem Haidhofe im Verkehr mit Scholastika gesehen, was früher niemals der Fall gewefen, und es galt immer für kein gutes Zeichen, wenn dieser Geschäftsmann zu irgend einem Bauern oder Hofbesitzer in Bezieh­ungen trat.

Die Matrone bekümmerte sich übrigens um das Gerede der Leute nicht viel. Die Einrichtung des Hofes wurde zum größten Theil von den Käufern übernommen, fo daß es eine kaum merkliche Verände­rung gab. Mit dem nothwendigsten Hausrath aber zog Scholastika zu Anna und richtete dort, von

vervierfacht worden: rund 117 Millionen weist das Jahr 1897/98 auf gegen nur 31 Millionen im Jahre 1872.

Wir meinen, anstatt von ^Vernachlässigung der Marine zu zeugen, müßten diese Ziffern gerade um­gekehrt zu der Betrachtung anregen, ob nicht eher die Marinelast schon zu stark angeschwollen sei, und zum mindesten darin eine Mahnung liegt, einem wei­teren Anwachsen energischen Widerstand entgegenzu­setzen. Diese Mahnung ist um so mehr am Platze, als die Steigerung der Marine - Ausgaben nicht nur die allgemeine Ausgaben - Steigerung, sondern selbst die Vermehrung der Heeres-Ausgaben pro­zentual ganz erheblich übersteigt. Die gefammten Reichs-Ausgaben haben sich noch nicht ganz verdoppelt. Diesem Verhältniß entspricht auch etwa die Zunahme der Militär-Ausgaben von 335 Millionen im Jahre 1872 auf 540 Millionen im laufenden Etatsjahre 1897/98; bei der Marine aber ist, wie oben dargelegt wurde, eine Vervierfachung eingetreten. Auf den Kopf der Bevölkerung ausgerechnet beträgt die Steigerung der Ausgaben für Militär und Marine von 7,12 Mk. pro Kopf im Jahre 1872 auf 13,41 Mk. im Jahre 1895/96, wovon die Marine allein 0,2 resp. 1,75 beansprucht.

Das sind Zahlen, deren Bedeutung man nicht so ohne Weiteres damit abthun kann, daß man von ver­änderten Schiffskonstruktionen und neuen Marine-Auf­gaben spricht. Es geht nicht an, daß man ohne Maß und Ziel die Volksbelastung in dem gleichen oder gar noch beschleunigtem Tempo steigert.

Deutsches Deich*

Berlin, 26. Juli.

* An den Kaisermanöver« werden außer den von uns bereits erwähnten Fürstlichkeiten auch noch folgende theiluehmen: der Prinzregent von Bayern nebst mehreren bayrischen Prinzen, der Prinzregent Albert von Braunschweig, der Großherzog von Sachsen- Weimar, der Fürst von Hohenzollern und zahlreiche Militärattaches.

Nach der Entscheidung über das Mereius- gesetz hört man aus dem Lager der Unterlegenen ziemlich einstimmig den Ruf: „Es war ein Pyrrhus­sieg; aufgeschoben ist nicht aufgehoben." Der alte Pytrhus muß ja immer den letzten Trost abgeben, wenn ein Besiegter weiter nichts zur Beschönigung seiner Niederlage zu sagen weiß. Warum soll denn das am Samstag ein Pyrrhus-Sieg gewesen fein? Die Mehrheit war allerdings nur klein, aber daß sie diesmal nur 4 betrug gegen 13 bezw. 19 bei den früheren Abstimmungen ist ohne alle Bedeutung. Die Parteien haben mit der einzigen Ausnahme des Abg. Schoof genau so gestimmt wie früher. Die Regierung dürfte es sich dreimal überlegen, ehe sie das Vereins­gesetz in der nächsten Session wieder einbringt. Sie weiß doch sehr wohl, daß hinter der knappen Mehrheit im Ab^eordnetenhause die große Mehrheit der Be- Martha unterstützt, eine bescheidene, aber recht wohn­liche Häuslichkeit ein.

Das Mädchen stellte sich von da an noch häufiger als vorher bei Scholastika ein. Letztere hatte an Martha eine Eigenschaft entdeckt, die ihr seither un­bekannt gewesen und durch die sie in Erstaunen ver­setzt, aber frühzeitig in hohem Grade erfreut wor­den war.

Die Matrone hatte als einziges Andenken an den verschwundenen Liebling, durch den ihr so viel Kummer gemacht worden war, dessen Handharmonika in ihr neues Heim mitgenommen, welche auch das Mädchen ein wenig zu spielen verstand. Sie begann sich auf dem Instrument zu üben und brachte es nach und nach zu einer gewissen Fertigkeit, fo daß sie verschiedene Lieder begleiten konnte. Von diesen gefiel der Bäuerin am besten: „In einem kühlen Grunde" und jedesmal wurde sie zu Thräueu ge­rührt, wenn Martha die wehmüthige Weise mit ihrer prächtigen Altstimme fang.

Diese saß auf dem Bänkchen vor dem Hause. Es war ein wunderschöner Abend. Die Sonne ergoß ihren letzten Strahlengruß über den Wald und ver­goldete mit märchenhaftem Glanze den herbstlich bunten Laubschmuck. In sanften Schwingungen tönte von

völkerung steht. Man sollte auch nicht, wie die ,Nordd. Allg. Ztg/ es thut, gegen die „winzige Mehrheit" des Abgeordnetenhauses die „sehr große Mehrheit" des Herrenhauses ins Feld führen. Wenn im Herrenhause, nicht durch den Willen des Volkes, fast ausschließlich die Partei der Rechten vertreten ist, so ist es doch kein Wunder, daß sie eine „sehr große Mehrheit" hat.

* Die Meichsschukdenverwattuug macht im ,Reichsanz/ bekannt, daß die Abstempelung der Schuld­verschreibungen der 4° oigen Reichsanleihe und der dazu gehörigen Zinsscheine und Zinsschein-Anweis- ungen bei den Abstempelungsstellen außerhalb Berlins nur noch bis zum 31. August d. I. stattfindet. Die Inhaber solcher Effekten werden daher aufgefordert, dieselben zwecks Abstempelung ungesäumt an die ihnen zunächst gelegenen Abstempelungsstellen einzureichen.

* Die Belheikigung von Irauen an der chewerkschaftsvewegung ist in stetem Steigen be­griffen. Bei einigen Organisationen sind die Frauen schon in der Mehrheit; so hat die Berliner Filiale des Schneiderverbandes neben 650 männlichen über 800 weibliche Mitglieder. Die Organisationen, welche nur aus Frauen und Mädchen bestehen, haben sich im Laufe eines Jahres um etwa 20 vermehrt.

* Wie die ,Berl. Pol. N/ erfahren, ist man zur Zeit mit der Herstellung «etter Fünfzig - Mark­scheine beschäftigt. Sie sollen einen anderen bildnerschen Schmuck und eine andere Farbe als die jetzigen er« halten. _______________________________________________

Ausland.

* 2$rüfiet, 26. Juli. Unter dem Titel „Zu den Waffen" veröffentlicht der,Peuple' einen revolutio­nären Artikel über den zur Berathung stehenden Ge­setzentwurf über die Bürgergarde. Das Blatt gibt allen Sozialisten den Rath, sich in der Bürgergarde einschreiben zu lasten, um, wie in b»r Armee, sozia­listische Propaganda zu machen. Außerdem stelle die Regierung jedem Arbeiter ein Gewehr und Munition zur Verfügung. Unter diesen Umständen sei der Triumph des Sozialismus — und sollte es auch ein blutiger sein — nicht mehr fern.

* Saris, 26. Juli. Die Budgetkommission nahm bei der Berathung des Marine-Budgets eine Resolution an, die dahin lautet, die Regierung auf­zufordern, ihre Vorschläge über die Eeneuerung der Flotte in der Weise abzuändern, daß diese Erneuerung innerhalb dreier Jahre gesichert sei. Nach­dem sie dann noch das Budget des Ministeriums des Unterichts angenommen hatte, vertagte sie sich bis zum 1. Oktober dieses Jahres.

* Schaffhausen, 26. Juli. Das 51. eidge­nössische Turnfest wurde am Samstag Nach­mittag durch einen Festzug eröffnet, an dem etwa 5000 Personen mit 250 Bannern theilnahmen. Deutschland ist durch 41 Sektionsabordnungen ver­treten und auch aus Oesterreich-Ungarn sind zahl­reiche Abordnungen erschienen. Die Stadt ist prächtig geschmückt.

der Kapelle herüber der Angelus und in den Baum­kronen spielte mit leisem Rauschen der Wind.

Das Mädchen betete. Dann schaute sie träumerisch vor sich hin. Sie gedachte jener glücklichen Zeit, wo sie so oft zu dem Spiele des Jugendfreundes an dem gleichen Plätzchen gesungen und wo ein wohlthätiger Schleier noch die Sorgen, Kümmernisse und Ent­täuschungen des Lebens verhüllt hatte.

Nach einer Weile griff sie nach- dem Instrument, das neben ihr lag. Sie spielte einige Akkorde und das Liedchen „In einem kühlen Grunde" klang in den milden Abend hinaus.

Ohne, daß sie es wußte, hatte sie Zuhörer ge­funden. Scholastika stand hinter den Topfblumen am Fenster und lauschte, während ihr inniger Blick an dem lieblichen Mädchenbild hing; drüben am Wald­rande aber lehnte hinter einem Busche ein junger Mann an dem Stamm einer Buche — Adolf Vogel. Auch feine Augen hingen an dem Gesichte Marthas, aber mit einem Ausdrucke, in welchem eine wilde, verzehrende Leidenschaft lag.

Er schnellte plötzlich empor und schien mit einem Entschlüsse zu kämpfen, dann schritt er auf den Gartenzaun zu, öffnete das Thürchen und trat hinein.

Martha sah ihn. Sie erschrak und verstummte.