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24; Jahrgang

Samstag, den 24. Juli 1897

M 166

Landshut a. Isar, die Stadt -er diesjährigen Kathotikenoersammtung. (Von Johannes Dunckel.)

Mit Recht wird Landshut eine Perle bayerischer Ttädte genannt. In reizvoller Lage an den an- muthigen Berggeländen, welche das Jsarthal umsäumen, hingebettet, ladet es freundlich den Reisenden, welcher Altbayern auf der Route MünchenMegensburg durch­eilt, zur Einkehr ein.

An landschaftlichen Reizen gewährt die alte nieder­bayerische Herzogsstadt eine Fülle lieblicher und ab- wechselungsreicher Bilder, und ebenso lohnend sind auch Ausflüge in die nähere Umgebung Landshuts. Grüne Auen, von der Isar durchzogen, eingerahmt won waldgekrönten Hügelkelten, im Norden die dunkeln Wellenlinien des bayerischen Waldes, im Süden die Bayerischen Alpen: eine wundervolle Fernsicht, wie sie von der altersgrauen Trausnitz, vom Anna-, Ludwigs- oder von anderen Aussichtspunkten, wie vom Moniberg und der Schwedenschanze sich eine .entzückende Thalansicht darbietet.

Eine der landschaftlichen Hauptzierden Landshuts ift der hart an der Stadt ansteigende sogen. Hofgarten, ein waldartiger Park mit vielen verschlungenen Pfaden, die zur Hofmark Berg hinaufführen. Berg hat eine bemerkenswerthe Kirche, welche urkundlich schon im 13. Jahrhundert bestand.

LandLhut wurde im 12. Jahrhundert von dem bayerischen Herzog Otto I. von Wittelsbach begründet. Unter seiner Regierung soll der Bau des Wittels­bacher Thurmes und der Kapelle der großartig ange­legten Burg Trausnitz, sowie der Ringmauern be­gonnen worden sein. Der älteste Theil der Stadt liegt an der Fahrstraße nach der Trausnitz.

Die eigentliche Stadt mit ihren stattlichen Patrizier­häusern, ihren Klöstern und Kirchen, darunter St. Martins wunderbarer Bau, entstand in der Zeit des Ueberganges von der romanischen in die gothische Periode. Im vierzehnten und insbesondere im fünf­zehnten Jahrhundert hat Landshut die höchste Blüthe erreicht und trägt im Ganzen noch heute das einheit­liche Gepräge dieser Zeit.

Unter den vielen Sehenswürdigkeiten nimmt das unter Herzog Heinrich des Reichen Regierung 1446 ursprünglich im Stile der Früh-Renaissance erbaute Rathhaus, dessen Faxade 1858 gothisirt wurde, eine 'hervorragende Stelle ein. In neuerer Zeit ist auch das Innere einer durchgreifenden Restauration unter­worfen worfen. Den Glanzpunkt bildet der große .Rathhaussaal, der von Landshuter Meistern nach Entwürfen des Architekten Hauberisfer in München eine vortheilhafte Umgestaltung erfuhr.

Da» Sünderrerbe.

Original - Romän von Max Benno.

35 ------ (Nachdruck verboten.)

Die durch die Sturmfluth angerichteten Verheer' ungen in Feld und Wald, Brücken und Wegen, fowie der Verlust des ganzen Viehstandes übten sogar auf die Verhältnisse der vermöglichen Haidhofbäuerin «inen bedenklichen Einfluß aus, und zwar um so mehr, als sie in ihrer bekannten Großmuth und Herzens­güte zu Gunsten der noch schwerer als sie geschädigten, unbemittelten Leute auf die Entschädigung verzichtet hatte, deren reiche Summe nicht nur im engeren Vaterlande und in Deutschland, sondern auch in fremden Ländern und sogar jenseits des Oceans zur Linderung der großen Noch durch barmherzige Sama­riter aufgebracht worden war. >

Fast alle Kapitalien mußten flüssig gemacht wer­den, da der Zustand namentlich der vorher so er­tragsreichen Aecker und Wiesen geradezu trostlos war.

Scholastika verzagte jedoch nicht. Im Vergleich zu vielen Hunderten anderer Betroffenen war sie immer noch besser daran.

Da traf sie abermals ein furchtbarer Schlag.

Eines Abends erschien der Geschäftsmann Abra- cham Voos bei ihr und bat sie um Gehör.

~ _ Nj,rt?liäbrlicber Abonnementsvreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mart 50 Psenmg.

täglich^Sann^obe?b«en Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf, bei Wiederholungen entlprechender Rabatts_______________

Im Rathhaussaale wurden die Geschicke der ! uiederbayerischen Lande berathen. Von 1230 bis 1593 । pflegten hier die niederbayerischen Landstände zu tagen. . Die glänzendsten Festlichkeiten, an denen Kaiser, ■ Könige und Fürsten Theil nahmen, wurden an dieser 1 historischen Stätte abgehalten. , 1

Von weitern Sehenswürdigkeiten nennen wir zu- ! nächst — unser Rundgang beginnt vom Bahnhose aus — das altehrwürdigeCistercienserklosterSeligen­thal, gestiftet 1232 von Ludmilla, der Gemahlin des Herzogs Ludwig I., des Kehlheimers, deren sterbliche Ueberreste auch in der Fürstengruft der Klosterkirche beigesetzt sind, in welcher später noch mehrere andere aus dem Geschlechte der Wittelsbacher beigesetzt wurden.

Die innere Jsarbrücke war vielfach der Schauplatz innerer Kämpfe, z. B. 1632 mit den Schweden, wo- beiHunderte von Landshuter Bürgern den Tod fanden. Jenseits der Brücke eröffnet sich die Altstadt, die Landshut ihr charakteristisches Gepräge verleiht. Zur Linken erhebt sich die 1407 durch den Baumeister von St. Martin, Hans Stetthammer erbaute heil. Geist­kirche, deren Giebelfaxade die bildliche Darstellung der sieben Werke der Barmherzigkeit zeigt, gemalt 1885 durch den Münchener Künstler Max Barth.

Die Bauten in der Altstadtstraße zeugen von der Wohlhabenheit der Landshuter Bürgerschaft im 13., 14. und 15. Jahrhundert. Ihre ursprüngliche Ge­staltung besitzen noch vielfach die Innern, burgartigen Höfe und Säulengänge, während die Außenseite oft mehrfachen Veränderungen unterzogen wurde.

Gegenüber dem Standbild des Königs Maxi­milian II., 1868 von der Bürgerschaft Landshuts errichtet, erhebt sich die königliche Residenz, erbaut von Herzog Ludwig 1537. Die Landshuter Stadt­residenz beherbergte unzählige Mal in ihren Räumen durch ihre Geburt und ihre Thaten hochstehende Per­sönlichkeiten. Besonders bemerkenswerth ist der große Saal. Der Residenz gegenüber liegt das Rathhaus. Das Archiv birgt einen reichen Schatz älterer Ur­kunden und Codices.

Die St. Martinskirch e steht unter den Schöpf­ungen der späteren Gothik ohne Zweifel in Bezug auf Ein­heit und Großartigkeit des Planes, auf Kühnheit und Vollendung der Ausführung allen anderen Bauwerken voran. Sie war 1422 schon zum größeren Theile fertig, der Thurmbau aber ging nur langsam vor­wärts ; die oberste Gallerie desselben wurde erst 55 Jahre später fertiggestellt.

lieber der Vorhalle erhebt sich der weltberühmte Thurm, der, vom Viereck ins Achteck übergehend, pyramidenförmig in sieben Absätzen in der Höhe von 454 Schuh sich zum Himmel emporschwingt. Den Abschluß der Thurmspitze bildet das Kreuz mit 26 Fuß Höhe und 16 Fuß langen Querstangen. Treten wir in die Kirche ein, so überrascht uns die imposante Säulenhalle, abgeschlossen durch das herrliche Chor mit seinen farbenreichen Fenstern. Der Dom ist 315 Fuß lang, 83 Fuß breit, 163 Fuß hoch sammt

Eine bange Ahnung war sofort beim Anblicke des Hebräers in der Bäuerin erwacht. Man hatte ihr nicht verschwiegen, daß Hermann bei dem Juden Geld entlehnt habe, aber Anfangs war diese Ange­legenheit durch ihren Herzensjammer in den Hinter­grund gedrängt worden, und nachher hatte sie, da Abraham mit keiner Forderung hervortrat, an die­selbe gar nicht mehr gedacht.

Nun stand der Mann mit seinen stechenden Augen und dem Raubvogelgesicht vor ihr.

„Es pressirte mir bis jetzt", begann er und zog ein Papier aus der Tasche, „nicht mit meinem Ge­schäft, da Ihr, Haidhhofbäuerin, mir gut genug seid. Aber wir sind eben sterbliche Menschen, und wie ich hörte, hat das Hochwasser auch Euch wehe gethan. Das Geld ist aber mein Acker, mein Pflug, und zu verlieren habe ich nichts. Deshalb dachte ich: Abra­ham, jetzt ist es Zeit." .

Damit schlug er das zusammengefaltete Papier auseinander und gab es Scholastika in die Hand.

, Diese las. Auf einmal knickte sie zusammen und > alle Farbe wich aus ihrem Gesichte.

„Was?" stöhnte sie, „40,000 Mark! Das ist unmöglich, das glaube ich nicht!"

Abraham griff nach der Urkunde. Seme Nase bog sich fast auf die Lippen herab. „Da steht es

Dachstuhl. 16 schön gegliederte schlanke Säulen tragen das gothische Gewölbe der dreischiffigen Kirche. Der Hochaltar ist eine hochschätzbare Relique der alten Kunst. Eine Perle gothischer Holzbildhauerei ist das Chorgestühl. Das Presbyterium wird durch den Kreuz­altar von dem großen Kirchenschiff abgesperrt. Der lebensgroße Christus am Kreuz ist von Silber: jdie Fenster der Kirche zeigen prachtvolle Glasmalereien. Auch die Altäre der Seitenkapellea sind sehenswerth. An der Außenseite der Kirche' sind sehr interessante Grabsteine angebracht.

Der Martinskirche gegenüber liegt das einstige, mit alten Fresken geschmückte Landschaftshaus der niederbayerischen Stände. Jetzt ist in diesem Gebäude das Landshuter Postamt untergebracht. Straßenauf- wärts gelangen wir an das Gebäude des königlichen Landgerichtes mit dem davorstehenden Monumente Herzog Ludwigs des Reichen, dem König Ludwig I. hier als dem Gründer der Universität Jngolstadt- Landshut-München dieses Denkmal setzte.

Straßenaufwärts links führt der Weg zur viel­genannten Burg Trausnitz. Urkundlich erscheint die Burg zum erstenmal 1183. Landeshuota nannte sie sich. Der Name Trausnitz ist bisher nur bis 1570 zurück zu verfolgen. Nachdem Ludwig I. 1232 durch Mörderhand gefallen war, verlegte fein Sohn Otto II. feinen ständigen Hofhalt in die Trausnitz. Kaiser Friedrich II. hielt sich hier sammt großem Gefolge 1235 den ganzen Mai hindurch auf und verlobte bei dieser Gelegenheit seinen Sohn Konrad mit des Herzogs Tochter Elisabeth, die später hier ihren unglücklichen zu Neapel enthaupteten Sohn beweinte. Von nun an fügte jeder der folgenden Regenten bis herab zu Herzog Georg den alten Schloßbauten neue an. Nach Herzog Georgs, dcs letzten niederbayerischen Regenten Tod hörte die Trausnitz auf, ständiger Wohnsitz eines regierenden bayerischen Fürsten zu sein. Ein Theil der Gemächer wird jetzt als Archiv und zu Amts­wohnungen der Archivbeamten benützt. Renovirt wurde die überaus sehenswerthe Schloßkapelle, der älteste Bau des Schlosses.

Treten wir aus der Kapelle heraus, so schließt sich mit dem Hallenzugang die spätere Türnitz an. lieber die breite Haupttreppe gelangen wir zunächst in das erste Stockwerk und treten dann in die Wohn- und Empfangsräume der Fürsten ein. Diese Gemächer sind durchgehends prächtig bemalt. Das zweite Stock­werk des Schlosses enthält die von König Ludwig 11. zu einem Absteigequartier bestimmten, prachtvoll ge­schmückten Gemächer. An die königlichen Gemächer schließt sich der Rittersaal an. An denselben stößt der obere, seit 1762 unterfangene Theil des ehemaligen Speisesaales. Zuletzt öffnet sich der hohe Söller mit fünf Bogenöffnungen, von dem man einen prächtigen Blick auf die Stadt genießt. Der Wittelsbacher-Thurrn, ein kolossales Gebäude, zählt zu den ältesten Bau­werken der Burg.

Durch den Hofgarten, wobei ein Abstecher m den schwarz Uff weiß," hielt er entgegen, „und ich denke, die Unterschrift des noblen Herrn Sohnes ist Euch nicht unbekannt. Uebrigens kann ich die Richtigkeit meiner Forderung beschwören, wenn es nothwendig wird."

Die Bäuerin wankte. Sie mußte sich setzen. Schwer und geräuschvoll rang der Athem sich aus der Brust.

„Ich bitte Euch, Abraham," nahm sie nach einer Weile das Wort, „drängt mich nicht und laßt mir Zeit. Ich bin augenblicklich zu Allem unfähig. Kommt übermorgen wieder, dann gebe ich Euch Bescheid."

Damit war der Geschäftsmann vorläufig zufrieden­gestellt. Er verwahrte den Schuldschein und schlich mit demüthigem Grinsen davon. Scholastika saß nach seiner Entfernung noch lange unbeweglich auf ihrem Platze. Wiederholt kam ihr das Wasser in die Augen, aber tapfer kämpfte sie gegen den grenzenlosen Schmerz, 1 welcher ihr Inneres zerriß. . ..

Sie suchte Valentin auf und führte ihn in die Stube. Der Schrecken des Alten war noch viel größer, als derjenige der Bäuerin gewesen war, als sie die i Urkunde las. l ,, ..

Daß Hermann," begann der Großknecht, nachdem - er sich einigermaßen gefaßt hatte, „sich mit dm ^uden ! abgab und Geld von ihm erhielt, wußte ich wohl.

Fuldaer MZkituiig

mit Unterhultinigs-Krilage „Sterne und Klnmen".______________