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166 Samstag, den 24. Juli 1897 24. J-chrgana

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mit UnterhaLtungs-KeiLage „Sterne und Klnmen".

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Deutsches R^ch*

Berlin, 23. Juli.

* Der.Reichsanzeiger' meldet, daß dem Erzabte der Benedikunergenossenschast zu Beuron Wotter der Rothe Adlerorden zweiter Klasse mit dem Stern ver­liehen worden ist.

* Zur Krisis schreibt die ,Nordd. Allg. Ztg/: „Von einem „parlamentarischen Berichterstatter" dringen verschiedene Blätter Kombinationen, die sich mit der Besetzung von vier oder fünf hohen Reichs- und Staatsämtern beschäftigen. Der Mann fcheint nach dem Grundsätze zu arbeiten: Die Masse muß es bringen, eine oder die andere Konjektur wird schon zutreffen. Derartige auf mangelnder Unter­richtung beruhende Angaben verdienen keine Be­achtung."

Die Landtagssesfion soll morgen Abend 7 Uhr geschlossen werden. Voraussetzung dabei ist voraussichtlich, daß das Vereinsgesetz vom Abge­ordnetenhaus abgelehnt wird. Wie es darum steht, ist mit Sicherheit nicht vorauszusagen; man nimmt aber allgemein an, daß eine, wenn auch geringe Mehrheit gegen das Gesetz entscheiden werde. In nationalliberalen Kreisen thut man sehr zuverlässig in Bezug auf die Festigkeit der nationalliberalen Abge­ordneten. Außer dem Abg. Bueck, der schon früher für die Zedlitzschen Anträge stimmte, und dem Abg. Schoos soll niemand dafür stimmen wollen. Ein Berichterstatter will auch heute noch wissen, Herr v. Miquel werde eine Rede zu Gunsten des Gesetzes halten. Wir können ihm unmöglich eine solche Un­klugheit und ein solches Interesse für Herrn v. d. Recke zutrauen und auch nicht annehmen, daß er auf höheren Wunsch sich zu einer voraussicht­lich erfolglosen Rede bereit finden werde. Derselbe Berichterstatter will gehört haben, im Schooße des Staatsministeriums, das sich gestern mit dem Vereins­gesetz beschäftigte, sei vorübergehend der Gedanke auf­getaucht, bei Ablehnung des Gesetzes den Landtag aufzulösen. Wenn das wahr ist, begreifen wir fehr wohl, daß der Gedanke nur „vorübergehend" auftauchle. Sollte ein Minister ihn in die Debatte geworfen haben, fo werden die anderen ihn gewiß abgewiesen haben.

* Aus Buttkamerun schreibt man: Bekanntlich wurde seiner Zeit von dem Bauernverein Nordost gegen eine Anzahl Amtsvorsteher des Kreises Stolp über das gesetzwidrige Verhalten derselben bei den Versammlungen jenes Vereins Beschwerde geführt. Der königliche Landrath, Herr geheimer Regierungs­rath v. Puttkamer, hat die betreffenden Amtsvorsteher, gegen welche Beschwerde geführt ist, inihrereigenen Sache milden Erhebungen und Untersuchungen beauftragt. Auf Grund solcher Ermittelungen lauten die Bescheide des königlichen Landraths auch ohne Unterschied, „daß die Beschwerden unbegründet seien und die betreffenden Beamten ganz korrekt gehandelt hätten." Weitere Beschwerden wurden bei den vor­gesetzten Dienstbehörden erhoben und es ist zur Er­ledigung der Beschwerden die Absendung eines Re- gierungskommisfars hierher erbeten worden. — Diese Methode ist eigentlich empfehlenswerth. Wer wüßte besser Bescheid, als der Beamte selber, über den man sich beschwert? Außerdem ist die Methode auch wegen Vermeidung überflüssiger Schreiberei allen anderen Untersuchungen vorzuziehen.

W Die „Äottf. Korr" wendet sich in einem parteioffiziösen Artikel gegen die auch von uns erwähnte Auslassung der „Korr.des Bundes der Landw.", worin diese sagt, die konservativen Mitglieder des Bundes würden unbedingt zum Bunde halten, wenn es einmal zu Differenzen zwischen „bündltrisch" und „gouvernemental", nicht „bündlerisch" und „konfeivativ" kommen sollte. Die, „Kons. Korr." verwahrt sich da­gegen, daß die konservative Partei gouvernemental sei. Sollte unter einer gouvernementalen Partei eine solche verstanden werden, die grundsätzlich opponire, so müsse betont werden, daß die konservative Partei niemals prinzipielle Opposition oder demagogische

Agitation treiben dürfe. Schließlich versichert sie, von der Treue und Klugheit der konservativen Partei eine weit höhere Meinung zu haben, als sie in den Be­merkungen der Korrespondenz des Bundes hervortrete. So ganz sicher ist die konservative Parteileitung ihrer Sache aber offenbar nicht. Das Treiben „prinzipieller Opposition" oder „demagogischer Agitation" scheint auf die Führer des Bundes gemünzt zu sein. — In einem weiteren Artikel wünscht die „Kons. Korr." Aufklärung darüber, was der Bundesdirektor Dr. Hahn unter einem Mittelstandskandidaten verstehe, wie er ihn jüngst in Hildesheim empfohlen habe.

* Der Saatenstand in Deutschland um die Mitte des Monats Juli berechtigt zu folgenden Er­wartungen : (Nr. 1 — sehr gut, 2 — gut, 3 ----- mittel, 4 — gering, 5 = fehr gering). Winterweizen 2,3 (Juni: 2,2), Sommerweizen 2,7 (2,5), Winterspelz 2,2 (2,2), Sommerspelz 1,3 (1,0), Winterroggen 2,4 (2,3), Sommerroggen 2,7 (2,4), Sommergerste 2,7 (2,4), Hafer 3,0 (2,6), Kartoffeln 2,7 (2,6), Klee (Luzerne) 2,6 (1,9), Wiesenheu 2,4 (2,0).

* Kiel, 23. Juli. In hiesigen angeblich gut unterrichteten Kreisen ist die Nachricht verbreitet, Präsident Faure werde auf der Rückfahrt von Ruß­land mit seinem Geschwader den Kieler Hafen anlaufen. -

Ausland.

* ZZudapell, 22. Juli. Der heutige Minister" rath soll sich, dem Vernehmen nach, mit der parla" mentarischen Lage befaßt haben. Es sind Gerüchte verbreitet über vertrauliche Konferenzen wegen eines Kompromiffes mit der Opposition. Ein Erfolg ist jedoch nicht sichtbar geworden.

* Athen, 23. Juli. Die Blätter melden, daß die türkischen Truppen langsam aus Thessalien zurückgezogen werden. Acht Regimenter passirten Larissa auf dem Wege nach Elaffona. Der Sultan erließ ein Jrade, das bestimmt, daß die thessalischen Eisenbahnen innerhalb acht Tagen den Gesellschaften übergeben werden.

* Washington, 23. Juli. Im Repräsentanten­hause ist gestern eine Vorlage eingebracht worden, durch welche der Präsident Mac Kinley ermächtigt wird, eine Kommission zu ernennen, die untersuchen soll, welche Aenderungen in der Bank- und Währungsgesetzgebung nothwendig oder förder­lich seien, sowie welche künftige Gesetzgebung in Be­zug auf das nationale Bankwesen und den Staats­papiergeldumlauf an Noten und Zertifikaten wünschens- werth sei. ______________________________________

Aus dem Landtage.

•OP Avgcordnetenhans. — 101. Sitzung vom 23. Juli- Das Abgeordnetenhaus hat heute die vom Herrenhaus abgeänderte Novelle zum H ande ls kammerge setz in der Fassung des Herrenhauses angenommen.

Abg. Mttkert (frs. Bgg.) erblickt in den vom Herren­hause vorgenommenen Aenderungen lediglich Verschlechter­ungen und bat um Ablehnung des ganzen Gesetzes. Redner streifte weiter die Stellung der Rechten zum Handel und zum Börsengesetz, wandte sich in schärfster Weise gegen die Eingabe des Bundes der Landwirthe betr. Getreideeinfuhr­verbot und bezeichnete dieselbe als groben Unfug, der geradezu revolutionäre Bestrebungen in stch schließe.

Handelsminister Arcfekd beschränkte sich auf eine kurze sachliche Vertheidigung der Herrenhausbeschlüsse, während Vizepräsident des Staatsministeriums Dr. v. Miquel die Ausführungen Rickerts über die Eingabe des Bundes der Landwirthe damit zurückweisen zu sollen glaubte, daß er er­klärte, die Regierung werde sich den heftigen Ton, den Rickert heute angeschlagen, nicht aneignen; er (Redner) sei daher auch nicht in der Lage, die Eingabe des Bundes der Landwirthe als groben Unfug zu bezeichnen; im übrigen schlössen die bestehenden Handelsverträge die Ausführung der­selben vollkommen aus.

Abg. Aeichardt (ntl.) erklärte, seine Partei werde im Interesse des Zustandekommens der Vorlage für dieselbe stimmen, wenn sie auch die Aenderungen des Herrenhauses nicht billige.

Abg. Dr. Ktepstan-Beuthen (C.) warnte davor, bei Fragen prinzipieller Natur derartige taktische Erwägungen mitsprechen zu lasten, um prinzipielle Fragen aber handle es sich speziell bei der Frage des geheimen Wahlrechts bei den Herrenhausbeschlüssen.

Die Abgg. Hamp (srk.), v. Aroektzanken (k.) und Dr. EtKeke (ntl.) vertheidigten die Herrenhausfassung, während Abg. Holstein (frs. Vgg.) meinte, man werde gut thun, das Gesetz wegen seiner vielen Fehler heute abzu­lehnen.

Nach einer weiteren Auseinandersetzung zwischen den Abgg. Dr. Kahn (wild) und Holstein über die Eingabe

des Bundes der Landwirthe wurden in der Spezialdiskusston unter Ablehnung sämmtlicher Abänderungsanträge die Herren- hausbeschlüfle bestätigt und in der Gesammtabstimmung das ganze Gesetz.

Der Gesetzentwurf betr. die Verpflichtung der Gemeinden in Hessen-Nassau und Schlesien zur Bullenhalt­ung wurde ohne erhebliche Debatte inerster undzweiter Lesung angenommen.

Der Bericht der Budgetkommission über die Denkschrift über die Ausführung des Gesetzes zur Verbesserung der Wohnungsverhältnisse von Arbeitern und gering besoldeten Staatsbeamten wurde durch Kenntnißnahme für erledigt erklärt.

Abg. Möller (ntl.) wünschte eine Aenderung des Renten­gutsgesetzes dahin, daß für die Arbeiter mehr als bisher die Möglichkeit geschaffen werde, stch eigene Häuser zu bauen.

Abg. Dr. Stepstan-Beuthen (C.) betonte die Noth- wendigkeit des Baues von Ein- und Zweifamilienhäusern und bat, bei weiteren Bewilligungen für diese Zwecke von der Bestimmung abzusehen, daß eine dreiprozentige Ver­zinsung des Baukapitals angestrebt werden solle.

Der Antrag des Abg. Euter betr. die Förderung des Fachschulwesens der Innungen wurde nach un­erheblicher Debatte, an der stch nur die Abgg. Aetitch (k.) und Dr. Lungerst aus (frs. Vp.) betheiligten, auf Antrag der verstärkten Budgetkommisston der Regierung zur Berück­sichtigung überwiesen.

Hierauf wurde eine Reihe von Petitionen ohne jedes allgemeineJnteresse debattelos nach den Kommissionsbeschlüssen erledigt.

Nächste Sitzung heute Ab end 71/« Uhr (Petitionen.-)

Der Jahresbericht der Hanauer Handelskammer für 1896 ii.

Die Brauereien in Hanau verwandten int Jahre 1896: 51,241 Centner Malzschrot (gegen 53,340 Ctr. im Vorjahre) und produzirten hieraus 119,234 Hekto­liter 77 Liter Bier (gegen 113,942 Hektoliter 26 Liter im „Vorjahre). Hiervon wurden in Hanau 49,893 Hektoliter 80 Liter konsumirt, während nach auswärts 69,340 Hektoliter 97 Liter versandt wurden. Die Brauer zahlten an die Stadtkaffe als Aversum den Betrag von 31,000 Mk. An fremdem Bier wurden 1896 in Hanau im Ganzen 2957 Hektoliter 78 Liter eingeführt. Von einer der berichterstattenden Hanauer Firmen wird mitgetheilt, daß der Absatz von Bier bei niedergehenden Preisen erschwert sei. Die Kon­sumtion vermöge sich mit der Produktion nicht mehr auszugleichen. Eine Firma in Poppenhausen berichtet das Gleiche. Aus Fulda ist uns ein Bericht nicht zugegangen.

Aus Kirche und Schule.

>{< Intda, 24. Juli. Seine Bischöfl. Gnaden sind heute Mittag nach unserer Nachbarstadt Hün­feld abgereist, um daselbst morgen das heil. Sakra­ment der Firmung zu spenden. Von da werden Hochdieselben nach dem nahen Burghaun sich be­geben und gleichfalls am nächsten Dienstag die Firmung daselbst spenden und Abends wieder hier- her zurückreisen.

Lokales.

Fulda, 24. Juli.

Q Die öffentliche General-Versammlung des St. Mincenz-Wereins, welche statutengemäß am morgigen Sonntag stattfinden sollte, wird in diesem Jahre verschiedener Behinderungen halber ausfallen.

In der gestrigen Sitzung des Aürgeraus- schuffes wurden zunächst einige Löschungs-Angelegen­heiten zur Kenntniß genommen. — Ein kleiner Ge­ländeaustausch zwischen der Stadt und Herrn Ferdi­nand Höfling wurde ohne Debatte genehmigt. Es handelt sich um die Geradeführung einer Grenzmauer. — Zur Führung eines Prozesses gegen den Bäcker­meister Huhn ertheilte der Ausschuß die Genehmigung. Herr Huhn hat im Jahre 1893 in seiner Backstube und Küche Steine ausbrechen lassen und für die Be­nutzung der Mauer bis 1. Februar ds. Js. jährlich 5 Mk. Pacht an die Stadt bezahlt. Jetzt hat er das Pachtverhältniß gelöst und will keinerlei Verpflichtung mehr anerkennen. Die Sache soll nun zur gericht­lichen Entscheidung kommen. — Die Dienstzeit und Löhnung des Thurmwächters und des Beiwächters soll vom 1. April d. Js. ab wie folgt geregelt werden: Das Gehalt des Thurmwächters wird von 360 auf 400 Mark erhöht bei freier Wohnung und steigt nach 5 Jahren auf 450 Mk. Alle 3 Wochen hat derWächterSonntags von 2 — 7Uhr frei und wird vom