Freitag, den 16. Juli 1897
24. Jahrgang
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MkkMMilig mit Unterhaltungs-Keitage „Sterne und Klnmen".
Verletzungen von Menschen durch die Polizisten
und
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daß er wünscht, für durchaus reichstreu angesehen zu werden. Nach dem alten Spruche von dem, der sich durch Entschuldigungen anklagt, kommt man gar leicht auf die Vermuthung, daß der Bürgerausschuß von Eger in diesem Punkte kein vollkommen reines Gewissen hat; und recht sonderbar liest sich in diesem Sinne die Meldung, daß die Volksmassen, als sie am letzten Sonntag durch die Stadt Eger zogen, das Lied von der „Wacht am Rhein" sangen. Ein österreichisches Nationallied ist dies bekanntlich nicht; und wenn den Machern des Egerer Volkstages diese Thatsache als ein wenig verdächtig für ihre gepriesene Reichstreue vorgehalten werden sollte, so werden sie
in den Berichten festgestellt, die von deutschnationaler Seite an die gesinnungsverwandten Blätter gesandt worden sind. Dagegen ist der Protest, der von dem Volkstage am letzten Sonntag gegen die Sprachenverordnung angenommen worden ist, in so außerordentlich scharfen Ausdrücken abgefaßt, daß selbst die Wiener liberalen Blätter theilweise Stellen des ursprünglichen Wortlautes ausgelassen haben. Die Bevölkerung von Eger aber verweigerte den Sicherheitsbeamten die Verabreichung von Lebensmitteln und Pferdefutter, so daß die Prager Polizei auf dem Bahnhofe einquartirt werden mußte.
Ein ungarisches Blatt braucht den treffenden Ausdruck, die Deutschen in Böhmen vereinigten sich immer mehr und mehr „im Kultus der Kornblume".
am besten aus dem Verlauf der ganzen Kundgebung. Das ,Wolff'fche Telegraphenbureau' meldete darüber am Montag: „Der verbotene deutsche Volkstag sand hinter verschlossenen Thüren im Stadthause' statt. Ueber 8000 Personen waren anwesend. Gegen die Regierung wurden scharfe Resolutionen beschlossen. Das Vorgehen der Schutzmannschaft mit dem Bajonett rief große Erbitterung hervor. Bis Nachmittags 4 Uhr waren ernste Ruhestörungen nicht vorgekommen. Als Abends etwa 4000 Personen von einem Ausflug nach Waldsassen zurückkehrten, zog ihnen ein großer Theil der Bevölkerung entgegen. Die nach dem Bahnhof beorderte Gendarmerie wurde ver- ___________,ul
höhnt und mußte sich zurückziehen. Die Menge zog sich darüber nicht wundern dürfen,
darauf nach dem Kaiser-Franz-Joseph-Denkmal, um ....... „lt vvusl|tcu
unter Absingung der Wacht am Rhem Kundgebungen sind nicht vorgekommen. Dies wird ausdrücklich auch zu veranstalten. Gendarmerie und Finanzwache wurden m-!jti— r n — hinbeordert, aber wiederum verhöhntundbedroht. Hierauf wurde Militär requirirt, das mit Kolben und Bajonett den Marktplatz räumte, während berittene Sicherheitswache in den Straßen die Ordnung wiederherstellte. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen. Abends 11 Uhr herrschte überall Ruhe."
Die Deutschnationalen scheuen sich, wie sich hier wieder recht deutlich gezeigt hat, längst nicht mehr, ihre Gegnerschaft gegen den andern Volksstamm in Böhmen in eine Gegnerschaft gegen die Regierung und gegen das ganze österreichische Staatswesen, die habsburgische Monarchie nicht ausgeschlossen, in recht wenig eingeschränkter Offenheit ausarten zu lassen.
In drei Kugeln wutd: gegen einen bestimmten Einsatz geschoben und die auf diese Weise erzielten Resultate zusammengezählt, so daß also aus „27 Holz" der höchste Treffer bestand.
Adolf Vogel und Sebastian Schlund betheiligten sich an dem Spiele. Letzterer hatte kein Glück und hörte bald auf. Vogel dagegen ließ sich durch feine anfänglichen Mißerfolge nicht abschrecken und überholte in der That alle seine Konkurrenten, da er mit drei Kugeln einmal acht und zweimal alle neun warf. .
Den ersten Preis bildete ein fetter Hammel sechs Gänsen, und so ging es stufenweise bis letzten herab, der aus einem einzigen Exemplar schnatternden Kapitolsretterinnen bestand.
Mit Beendigung des Nachmittags - Gottesdienstes begann der Wettkampf.
Deutsches Deich.
Berlin, 15. Juli.
* Der Aaifer ist in Bergen eingetroffen; fein Zustand ist zufriedenstellend. Für den verunglückten Lieutenant zur See v. Hahnke fand an Bord der Nacht „Hohenzollern" ein Trauergottesdienst statt.
* Der außerordentliche chinesische Botschafter 2*rittj Ktzau, ein Verwandter des Kaisers von China, ist hier mit großem Gefolge eingetroffen. Prinz Chan, welcher zu den höchsten chinesischen Beamten aus der direkten Umgebung des Kaisers zählt, befindet sich auf einet Rundreise durch Europa. Bevor er hier eintraf, hat er in Elbing und Danzig die Schichau'schen Werke besichtigt. Von hier geht feine Reise über Köln nach Paris.
* Prälat Propst Dr. Iahnel ist heute Vormittag zur letzten Ruhe geleitet worden. Das Leichenbegäng- niß gestaltete sich zu einer Entfaltung des katholischen Lebens, wie sie seit langer Zeit in Berlin nicht gesehen worden ist.
* In Folge der Aröeiierinnen-Schutzverord- nu»g sind am Samstag in Berlin die^ Arbeitsstuben einer ganzen Reihe von Detail- und Maßgeschäften um 5l/2 Uhr polizeilich geschloffen worden. Da die betroffenen Kreise hierin eine falsche Anwendung der
Die Wirthschaft prangte im Festschmuck, und namentlich das Gartenhaus und die Kegelbahn waren mit Kränzen, Tannenbäumchen und Fahnen geschmückt.
Die Gäste fanden sich allmählich ein: Bauernburschen aus Bürbach selbst und den umliegenden Gehöften, sowie auch mancher Bürgerssohn aus der Stadt, so daß das Gartenhaus bei Weitem nicht alle faßte und man unter den Bäumen des seinerzeitigen Festplatzes bei der Fahnenweihe wieder Tische Bänke aufgestellt sah.
K Der deutsche Volkstag in Eger.
Die Vorgänge, die sich am letzten Sonntag in Der romantisch gelegenen Stadt Eger in Böhmen abgespielt haben, sind einer kleinen Betrachtung werth. Sie sind vor allen Dingen eine deutliche Kennzeichnung der Art und Weise, wie die Deutschnationalen in Oesterreich ihre Agitation betreiben — eine Art und Weise, von der wir wenig erbaut fein können. Denn dadurch wird nichts weiter erzielt, als eine fortgesetzte Vertiefung der ohnehin so außerordentlich leidenschaftlich ausgearteteten nationalen Streitigkeiten.
Daß wir Reichsdeutschen für unsere Stammesbrüder in Oesterreich eine ausgesprochene Vorliebe hegen, wird uns niemand verdenken können. Wenn aber das Deutsche von allem, das uns sympathisch fein könnte, nur eben noch die deutsche Sprache sich bewahrt hat, in allen andern Stücken aber anders aussieht, als wir es für gut und recht befinden können. Dann müssen wir den Kopf siegen lassen über das Herz-
In dieser Lage befinden wir uns sehr häufig bei der Beurtheilung dessen, was deutschnationale Bewegung in Oesterreich genannt wird. Das Deutschthum heimelt uns an. Aber das Meiste von dem, was mit dem Begriffe dieses Deutschthums verbunden ist, stößt uns ab, und das Ende ist, daß wir in sehr vielen Fällen unseren deutschen Stammesbrüdern den Rücken kehren und, wenn auch ungern und halb widerwillig, denen Beifall zollen müssen, die auf der andern Seite stehen. Und wenn nun, wie es feit langer Zeit von den Deutschen in Böhmen und namentlich in Nordböhmen ganz offen gehandhabt wird, eine bestimmte Klasse von Leuten dem be- ! stehenden Staatswesen, der herrschenden Kaiser- tamilie sich feindlich gegenüberstellt, dagegen mit bestimmten Parteirichtungen in einem Nachbarlande liebäugelt und den Herzenswunsch gar nicht verheimlicht, bei der ersten besten Gelegenheit von diesen! Nachbarlande eingeheimst zu werden, wer wundert sich da eigentlich noch, wenn dieses Staatswesen dieser Klasse von Leuten nichts weniger als hold gesinnt ist? Uns wundert es nicht.
Wie bekannt, ist es neuerdings die für Böhmen erlaffene Sprachenverordnung, die die Gegner- fchaft der Deutschnationalen hat, die durchaus auf dem Standpunkte verharren, es muffe alles wieder so werden, wie es früher einmal gewesen ist, d. h. den Deutschen müßten Vorrechte eingeräumt werden vor den Tschechen, nach Beseitigung alles dessen, was während der letzten Jahre in dem Sinne eines gerechten Ausgleiches zwischen beiden Völker- und Sprachstämmen eingerichtet worden ist.
Für Sonntag den 11. Juli war nach Eger ein allgemeiner deutscher Volkstag einberufen worden. Die Abhaltung dieses Volkstages war von der Behörde verboten worden. Wie sehr dieses Verbot aus inneren Gründen berechtigt war, ersieht man
Das Verbot war also erfolgt, und unbedingt mußte die Regierung nun auch ihrem Verbot Nachdruck verschaffen. Da nun in der kleinen Stadt Eger natürlich nicht genügend Polizei ist, um die Ordnung einer solchen Riesenversammlung gegenüber aufrecht zu erhalten, mußten die erforderlichen Mannschaften von anderwärts dorthin kommandirt werden. Nirgends anderswo würde man sich darüber entrüsten. Aber in Eger Hal am letzten Montag der fast vollkommen aus deutschnationalen Partei-Elementen zusammengesetzte Bürgerausschuß „seine tiefste Empörung darüber ausgesprochen", daß die Regierung Prager Polizei zur Aufrechthaltung der Ordnung nach Eger sandte, und daß nun diese Polizei den erhaltenen Befehlen und ihrer Aufgabe gemäß in Thätigkeit getreten ist — gegen „die allezeit friedfertigen, reichstreuen Bürger von Eger," wie es wörtlich in dem Beschluffe heißt! Es soll eine besondere Flugschrift zusammengestellt und veröffentlicht werden, um das Gebühren der Polizei hinreichend an den Pranger zu stellen.
Wenn die Polizei ihre Befugnisse überschritten hat, so ist es recht, wenn dies festgestellt und in gebührender Weise gerügt wird. Aber hier werden wir kaum einen unparteiischen Bericht zu erwarten haben. Merkwürdig liest es sich vor allen Dingen, daß der Bürgerausschuß einen so gewichtigen Ton darauf legt. Jemand nur einen boshaften Streich! Dies war nicht unmöglich, aber die Sache war doch von einer Wichtigkeit, die ihn zur Ergreifung der nothwendigen Maßregeln zwang.
Nach einer Weile verließ er fein Haus und begab sich in eine Wirthschaft, wo es ihm nicht schwer fiel, zu erfahren, daß das Preiskegelschieben auf den näch- j sten Sonntag, also schon den folgenden Tag, festgesetzt war.
Der Kommissar konnte in dieser Nacht nur wenig schlafen. Unaufhörlich schwirrten die verschiedenartigsten Gedanken und Schlüsse in seinem Kopfe umher, und wenn die Natur zeitweise ihr Recht verlangte, dann schreckten ihn allerlei verworrene Bilder und Seenen wieder aus der Ruhe empor. Am andern Morgen machte er sich frühzeitig auf den Weg nach dem Dorfe und suchte daselbst den Landjäger auf. Mit diesem hatte er eine längere Unterredung und ging bann in das Gasthaus zur Herberge, wo er das Mittagessen einnahm.
Da er sich erst seit wenigen Tagen auf seinem Posten befand, war er in Buchbach Niemanden persönlich bekannt. Er galt als einer der verschiedenen Festgäste, die sich regelmäßig aus dem Städtchen und der Umgebung einfanden, wenn in dem Dorfe eine besondere Festlichkeit auf die Tagesordnung gesetzt war. |
Das Sündrrrerve.
Original - Roman von Max Benno.
------- (Nachdruck verboten.)
Wieder schwieg der Polizeikommissar und trommelte noch eine Weile auf den Fensterscheiben, als er durch den Eintritt des Postboten aus feinem Sinnen geweckt wurde. Letzterer übergab ihm mehrere Schreiben. Ein Privatbrief aus der Residenz fiel dem Kom- miffar auf.
®r öffnete ihn zuerst und eine grenzenlose Ueber- raschung malte sich in seinen Zügen. Wiederholt las er den Brief, welcher nur aus ein paar Zeilen be- stand und keine Unterschrift trug. Er lautete: „Gehen Sie auf das Preiskegelschieben bei Martin Schilling in Buchberg; vielleicht finden Sie dort etwas, das sich auf die bösen Hundertmarkscheine bezieht.
Der Polizeibeamte sühlte sich in eine fieberhafte Ilusregung versetzt. Der Argwohn der Oberbehöxde fußte also doch auf einem tatsächlichen Grunde. Aber woher wußte der Schreiber des anonymen Briefes, daß ein solcher bestand? Woher wußte derselbe, daß bte Aufforderung zu scharfer Beobachtung an ihn ergangen, oder gar, daß wegen der Falschmünzerei der Wechsel auf dem Posten zu Weilbach in Scene gesetzt worden war? Vielleicht spielte mit diesem Briese