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Jfä 158 Donnerstag, den 15. Juli 1897 24. Jahrgang

FuldiicrMZeitilng

mit Urrterhaltungs-Heilagr „Sterne und Klumeu".

Erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig Inserate kosten die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Deutsches

Berlin, 14. Juli.

* Die KerrenHausmatrikek ist neu berichtigt worden. Darnach sind im Herrenhause 290 Mitglieder vorhanden, von denen 286 eingetreten sind. Es waren also bei der letzten Abstimmung über die Vereinsnovelle wenig mehr als die Hälfte Mitglieder vorhanden. Das Haus zählt gegenwärtig 74 erbliche Mitglieder, 112 Vertreter der Verbände des alten und befestigten Grund­besitzes, der Familienverbände, der Grafenverbände, der Stifter und erblichen Landesämter; 47 Mit­glieder sind aus allerhöchstem Vertrauen berufen. Da­zu kommen 6 Vertreter der Landesuniversttäten und 48 Vertreter der Städte. Aus besonderem könig­lichem Vertrauen sind in den letzten Jahren berufen worden Frentzel, Krupp und Schlutow, sodann ein Kammerherr v. Rheden, ein Graf v. Schimmelmann und ein Graf v. Hagen.

h Gegen das kreme Soziaristengesetz hat der Vorstand der nationalliberalen Ortsgruppe von Ruhrort sowie der Vorort für die liberale Partei­organisation der Reichstagswahl im Kreise Mülheim- Ruhrort eine speziell für das Industriegebiet bedeut­same Resolution beschlossen. In der Resolution wird das Vertrauen ausgesprochen, daß die nationalliberale Abgeordnetenhausfraktion gemäß ihrem einstimmig ge­faßten Beschlüsse den Vereinsgesetzentwurf geschlossen ablehne. Die Würde der Abgeordneten verlange dieses, und nach der gegenwärtigen Lage der innerpolitischen Verhältnisse sei die von den nationalliberalen Abge­ordneten beobachtete Haltung zum Vereinsgesetzentwurf die richtige.

* Der diesjährige praktisch - soziale Kursus wird auf Beschluß des Vorstandes des Volksvereins für das katholische Deutschland in den Tagen vom 5.—11. September in Beuthen - Oberschlesien ab­gehalten werden. Zur Vorbereitung desselben hat sich in Beuchen ein Komitö gebildet, an dessen Spitze Herr Geist!. Rath Schirmeisen, Pfarrer an der St. Trinitatiskirche, steht. Der Kursus wird sich wie sein Vorgänger von 95 in Dortmund haupt­sächlich mit der Arbeiterfrage beschäftigen, doch wer­den daneben auch andere wichtige Fragen die nöthige Berücksichtigung finden. Das ausführliche Programm wird rechtzeitig veröffentlicht werden. Diese kurze Nachricht einstweilen allen denen, welche sich an dem Kursus zu betheiligen beabsichtigen, um im ober­schlesischen Jndustriebezirke ihre soziale Kenntnisse in theoretischer wie praktischer Beziehung zu vervollkomm­nen. Möge Jeder, der Interesse für soziale Fragen hat, darnach seine Reisedispositionen treffen und nicht versäumen, vom 5.—11. Sept, in Beuchen zu sein.

* Bezüglich der Iteform des Wahlrechtes streiten sich die ,Berl. Polit. Nachr/ und die,Nordd. Allgem. 3tgy. Auf das Dementi, welches die,N. A. Z/ gegenüber der Meldung der,B. P. N/ gebracht hatte, daß für die nächste Session eine Vorlage, betr. die

Das Sündenerbe. •

Original - Roman von Max Benno.

27 ------ (Nachdruck verboten.)

„Du bist wirklich ein Muster," nahm Vogtherr das Wort, „und ich glaube jetzt selbst, daß Deine Absicht erreicht wird. Ich wende gegen eine Ver­bindung zwischen Dir und meiner Martha natürlich nichts ein. Du bist zwar ein alter Knabe, aber an Geld fehlt es Dir nicht, was die Hauptsache ist. Sage mir nur, wie es Dir gelang, die Falle so ge­schickt zusammen zu stellen, in welche der Haidhofer gelockt werden solle."

Ein selbstbewußtes Grinsen zuckte um Sigels Mund.

„Davor bekommst Du Respekt," sagte er, „alter Schwede, nicht wahr? Und doch ist die Sache sehr einfach. Du hast ja auf der gleichen Hochschule studirt, wie ich und weißt, daß man dort vieles lernen kann. Wenn wir in unserer Langeweile an den Sonn- und Festtagen, beisammen saßen, wurde so mancher Streich zum besten gegeben. Der eine wußte dies, der andere etwas anderes. — Da bin ich denn ein aufmerksamer Schüler gewesen und habe mir die Hauptsachen gemerkt. Sie leisteten mir schon manche Dienste, was auch diesmal wieder der Fall

genannte Reform, im Landtage eingebracht werden würde, schreiben die ,B. P. 91/, daß die Staats­regierung sich ausdrücklich verpflichtet habe, die Wir­kungen der Steuerreform auf das Wahlrecht in Staat und Gemeinde zu untersuchen und aus den Ergebnissen dieser Untersuchung gegebenenfalls die entsprechenden gesetzgeberischen Konsequenzen zu ziehen. Der ,91. A. Z/ möge diese Thatsache unbekannt sein, indessen stehe fest, daß man sich an maßgebender Stelle dieser Pflicht voll bewußt und ihr zu genügen entschlossen sei. Die ,Nordd/ antwortet darauf, die angeführte Thatsache sei ihr vollkommen bekannt, aber auch die weitere, daß ein Termin für die Erfüllung der gemachten Zusage nicht gestellt sei und man es nicht für ^«gezeigt er­achten werde, unmittelbar vor den im nächsten Jahre nothwendig werdenden allgemeinen Neuwahlen zum Abgeordnetenhause eine Aenderung der Wahlrechts- Bestimmungen eintreten zu lassen.

Bezüglich der Gewährung von Staalsöei- hikfen z» Gkementarschuköauten an unvermögende Schulverbände haben jetzt der Kultus- und der Finanz­minister bestimmt, daß fortan die Zahlung der Staats­beihilfen nur in festen Beträgen erfolgen soll und daß ferner bei solchen Bauten die königlichen Kreisbau­beamten zur Mitwirkung verpflichtet sein sollen. Diese hat zu bestehen: in der Betheiligung an den Vor­arbeiten zur Feststellung des Baubedürfnisses, in der Aufstellung der Vorentwürfe und der Kostenüberschläge und in der Prüfung der von den Bauverpflichteten zu beschaffenden ausführlichen Entwurfszeichnungen, sowie in der Ueberwachung der in der Ausführung begriffenen und in der Abnahme der fertigen Bauten. Jeder Schulbau ist von den Kreisbaubeamten während der Ausführung mindestens dreimal zu besichtigen. Zu der dritten Besichtigung, mit welcher in der Regel die Abnahme des Baues verbunden sein soll, müssen jedoch stets Gemeindevertreter zugezogen werden.

Aus den Rekurs-Entscheidungen auf dem Gebiete der Unfatkverstcheruug heben wir hier nach der soeben erschienenen Nr. 7 der ,Amtl. Nachr. des Reichsversicherungs-Amtes' als interessant die folgende hervor: Der Unfall, den ein Arbeiter nach Feierabend während der Ueberstunden dadurch erlitten hatte, daß er, um sich seinen Rock zu holen, der in einem verschlossenen Lattenverschlage im Werk­stattraume sich befand, den Verschlag übersteigen wollte und dabei herabgestürzt war, ist nach der besonder» Lage des Einzelfalles als Betriebsunfall angesehen worden, weil sowohl das Ablegen wie das Heraus­holen der Kleider durch das Betriebsinteresse bedingt war, auch nicht angenommen werde« konnte, daß er sich durch das Uebersteigen der Latten außerhalb des Betriebes gesetzt habe. — Aus dem Gebiete der Jnvaliditäts- und Altersversicherung sei folgende Entscheidung erwähnt: Nach Ablauf eines Jahres ununterbrochener Erwerbsunfähigkeit im Sinne des § 10 des Jnvaliditäts- und Altersoersicherungs- Gesetzes ist freiwillige Fortsetzung des Versicherungs­sein wird, wenn jeder seine Schuldigkeit thut. Vogel und Schlund sollen nur ganz genau nach meiner An­weisung handeln, dann fehlt es nicht."

Er verweilte noch eine Weile mit dem Freunde und verließ dann den Platz.

An seinem Schreibtische saß der Polizeikommissar Theodor Forner in Weilbach, der sich augenscheinlich in großer Aufregung befand. Es war ein noch junger Mann mit schwarzem Haar und Bart und einem durchdringenden Blick. Die Oberbehörde hatte ihn erst vor wenigen Tagen an Stelle seines bejahrten Vorgängers aus besonderen Gründen in das Städtchen versetzt. Vor ihm lagen drei Hundertmarkscheine und ein amtliches Schreiben. Eine Luppe hielt er in der Hand.

Diese setzte er ans Auge und musterte die Bank­noten der Reihe nach.

„Die erste," murmelte er, „ist echt. Auf der zweiten fehlt das Tüpfchen auf dem „i" in der Unter­schrift, und auf der dritten ist auch dieser Mangel beseitigt. Nur die übrigen Unregelmäßigkeiten: die theilweise matten Schraffierungen und die etwas schiefe Haltung der allegorischen Figur sind geblieben, die man aber bloß mit scharfbewaffnetem Auge wahr­nehmen kann."

Er erhob sich und durchschritt das Gemach. „Wir

Verhältnisses behufs Erlangung der Invalidenrente unzulässig.

* AnWechsekstempersteuer»wurden inDeutsch- land im Monat Juni eingenommen insgesammt 764,593 Mk. 70 Pfg. Davon entfielen auf das Reichs­postgebiet 680,539 Mk. 10 Pfg., auf Bayern 60,461 Mk. 80 Pfg., auf Württemberg 23,592 Mk. 80 Pfg.

* ^aderöorn, 14. Juli. Gestern Abend ist der Prälat Prof. Dr. Reb b ert, Redakteur des Sonntags­blattes ,Leo', sanft im Herrn entschlafen. Gar vielen hat er durch die von ihm im ,Leo' gesammelten Spenden des Josephsfennigs den Weg zum Priesterthum theils ermöglicht, theils erleichtert.

Ausland.

* &ari$, 14. Juli. Bei dem Manöver des 5. Husarenregiments auf der Hochebene von Malzeville bei Nancy wurde während einer Attacke ein Reiter getödtet, fünf Reiter wurden verwundet.

* Kcmdorr, 14. Juli. Die Mines' erfährt aus Athen vom gestrigen Tage, officiellen Meldungen zu­folge sei es bei Kandia zu einem ernsthaften Kampfe zwischen englischen Truppen und Baschibozuks gekommen. Dabei seien auf englischer Seite 19 Mann gefallen, während die Bafchibozuks eine große Anzahl Todte hatten. Weiter wird berichtet, daß die Admirale 5 Kriegsschiffe nach Kandia entsandt haben, um die Bewegung der dortigen Muhamedaner zu unter­drücken.

* Madrid, 13. Juli. Nach einer Depesche aus New-York hätten die kubanisch en Aufständischen in der Provinz Havannah auf der Flucht vor den Truppen eine Dynamitbombe zum Explodiren ge­bracht ; 43 Soldaten seien dabei getödtet, 50 verwundet worden.

* Atom, 14. Juli. Minister Costa hat sich dieser Tage im Senate bei der Berathung des Budgets des Kultusministeriums über die Beziehungen zum Vatikan geäußert. Er führte aus, er könne nicht sagen, daß die Regierung sich jemals einer Täuschung hingegeben habe, sei es in Bezug auf Versuche zu einer Verständigung, sei es hinsichtlich der Ergreifung von Repressalien. Beides wäre vergeblich. Die Re­gierung wisse, daß es in ihrem Interesse liege, gesetz­lich und unparteiisch vorzugehen. Es handele sich in den Beziehungen zum Vatikan um Fragen, die sich nur mit der Zeit lösen ließen. Daher sei es heute noch nicht am Platze, dem Parlament ein Gesetz über das kirchliche Eigenthum vorzulegen.

X Konstantinopel, 14.Juli. Die griechisch­türkischen Friedensunterhandlungen sind ins Stocken gerathen. Die Pforte hat an die Mächte ein Schreiben gerichtet, in welchem Vor­stellungen gegen die Forderung der Räumung Thessaliens gemacht werden. Die militärische Partei in der Türkei will Thessalien zum großen Theile be­halten; man hofft dabei auf die Uneinigkeit der haben es mit einem ganz abgefeimten Spitzbuben zu thun," fuhr er fort, „von denen die zur Warnung des Publikums ergangene öffentliche Warnung sofort zur Verbesserung des Fehlers bezüglich des Tüpfchens benützt worden ist. Die übrigen kleinen Mängel konnten sie freilich nicht beseitigen, da ohne Zweifel eine ganz frische Platte nothwendig gewesen wäre, welche vielleicht nicht mestr so gut gerathen wäre wie diejenige, welche jetzt im Gebrauch ist. Sie kommen für das große Publikum auch kaum in Be­tracht, denn man kann doch nicht jedem zumuthen, daß er beharrlich eine Loupe in der Tasche nachträgt und jeden Hundertmarkschein bei der Einnahme prüft. Und geradezu schändlich ist es, mit welcher boden­losen Frechheit diese nichtswürdige Gaunerbande — denn um eine solche handelt es sich offenbar — ihr Handwerk betreibt. In Oesterreich, in Italien, Frankreich, Spanien und England, ja sogar in Amerika und den deutschen Kolonien tauchen diese Falsifikate auf und verursachen im Verkehrsleben eine förmliche Panik. Man braucht sich nicht zu ver­wundern, wenn nächstens kein Mensch mehr einen Reichskassenschein zu hundert Mark annehmen will. Und nun werden vollends auch hier die Leute durch diese Gauner in Aufruhr versetzt. Der Volksfest­trubel war ihnen natürlich willkommen. Da hat ihr