JE 156
Dienstag, dm 13. Juli 1897
24. Jahrgang
uldllkrWZkitiliiii
_________mitUrktrrhaltnugs-Skttage „Sterne und Klumen".
Wir wollen nicht behaupten, daß die Regierung in ihren Maßnahmen, besser gesagt in deren Ausführung, immer ganz klug und formvollendet vorgegangen sei. Aber die Grundsätze, von denen sie ihr Verfahren leiten ließ, müssen wir nichtsdestoweniger billigen, und diese Grundsätze entsprechen ja auch parlamentarischen Mehrheiten. Die Berliner Getreide- und Produktenhändler hätten also wohl klüger und besser gethan, die Gelegenheit zu einer Einigung, die ihnen die Regierung bot, besser auszunützen, anstatt mit schönen und glatten Worten ein Verfahren zu verkleiden, das in der That nichts weiter als ein schroffes Beharren auf alten Standpunkten ist.
Daß die Landwirthschaft auch ihrerseits ihre Maßregeln trifft für Einrichtungen, die die alte Getreidebörse ersetzen können, ist dem gegenüber sehr natürlich. In diesem Sinne wird jetzt berichtet, daß die Landwirthschaftskammern beabsichtigen, für den Umfang ihrer Geschäftskreise Centralstellen für Preisnotirungen einzurichten. Sobald die Preisnotirungen festgestellt sind, soll dann Veröffentlichung erfolgen. In Berlin soll eine Hauptstelle geschaffen werden, bei der die Notirungen aus den einzelnen Provinzen einlaufen und bearbeitet werden sollen.
r^Die Berliner Produktenbörse äst, wie bereits kurz gemeldet, am letzten Sonnabend won neuem der Gegenstand eingehender Verhandlungen gewesen. Dieselben fanden statt auf Einladung des Herrn v. Achenbach zwischen Vertretern 4er Brandenburgischen Landwirthschafts- kammer auf der einen und Vertretern der Aeltesten der Berliner Kaufmannschaft und des Vereins Berliner Getreide- und Produktenhändler auf der -andern Seite.
Zu einem Ergebnisse haben diese Verhandlungen, wie wir ebenfalls schon kurz berichteten, nicht geführt; und es scheinen auch wesentliche neue Gesichtspunkte nicht in dem Verlaufe der Verhandlungen geltend gemacht worden zu sein. Bisher liegt von genaueren Mittheilungen nur ein Bericht vor, den der Verein Berliner Getreide- und Produktenhändler versandt hat, und wir entnehmen demselben das Folgende:
Die Erklärungen, die der Handelsminister am 25. Juni im Abgeordnetenhause abgegeben hat, betrachtet der genannte Verein als versöhnliche Aeuße- rungen. Trotzdem fühlt sich der Verein „in seinen Empfindungen gekränkt" deswegen, weil die Absicht des Henn Ministers, den Klageweg zu eröffnen, in einer rücksichtsvollern Form zum Ausdrucke hätte kommen sollen. Dennoch sei der Verein der Einladung zu der Besprechung am letzten Sonnabend gefolgt, um auch seinerseits einen Beweis für feine ver- föhnlichen Absichten zu geben ... Im übrigen aber will der Verein von seinen Gesichtspunkten keinen preisgeben, so daß seine Neigung zum Beilegen des Streites eine papierne Auslassung ohne handgreiflichen Werth bleibt. Diese Gesichtspunkte sind die folgenden: Die neue Börsenordnung soll wieder beseitigt werden, und es soll alles so eingerichtet werden, daß „die Neuordnung der Berliner Produktenbörse sowohl den Rücksichten auf unsere Ehre (d. h. der Getreide- und Produktenhändler) als auch denjenigen auf unsere wirthschaftliche Unabhängigkeit Genüge leisten will.
In allgemein verständliches Deutsch übertragen heißt das also so viel, daß die Berliner Getreide- und Produktenhändler so ziemlich jede Aenderung an den früheren Zuständen und Einrichtungen wieder rückgängig gemacht haben wollen. Vor allen Dingen wollen sie nicht, daß die Landwirthschasts- kammer zur Entsendung von Vertretern in den Börsenvorstand berechtigt sein soll. Dieser Vorstand soll nach ihrer Ansicht nur zusammengesetzt sein dürfen -aus Männern nach ihrer eigenen freien Wahl. Daß die am Sonnabend anwesenden Vertreter der Landwirthschaft diese Forderungen nicht gutheißen konnten, versteht sich von selbst; und auch die Regierung kann ja unmöglich ihre eigenen Maßnahmen so bloßstellen, daß sie sich bereit zeigen sollte, sie alle mit einander wieder zurückzunehmen und vielleicht auch noch die Berliner Getreidehändler um Entschuldigung zu bitten, daß sie dieselben in ihren Empfindungen -gekränkt hat.
Dieser wechselte die Farbe.
Was", rief er, „so viel? Ist es möglich? Ich glaubte doch" ..."
Abraham stieß ein heiseres Lachen hervor.
„Der eine wie der andere", spottete er, „und wenn er sich so nobel anstellt, wie ein Prinz. "Die Herren glauben wohl, unser einer könne das Geld hierfür nur so aus dem Aermel herausschütteln, und selbst von der Luft leben, aber das geht leider nicht. Ich bin kein reicher Mann, schöner Herr, und arbeite mit fremdem Geld, das man mir selbstverständlich nicht umsonst anvertraut. Darnach richten sich die Prozente, welche ich meinen Kunden anrechnen muß. Wenn es Ihnen recht ist, schreibe ich einen Schuldschein über den ganzen Betrag, den Sie vier Wochen nach der Uebernahme des Haidhofes bezahlen mit fünf Prozent Zins und Zinseszins."
Dem jungen Manne war es zwar nicht ganz wohl bei der Sache, und er glaubte, in seinem Innern eine warnende Stimme zu hören, aber er beachtete sie nicht.
Mit seinem E inverständniß setzte Abraham eine Urkunde über die Schuld auf. Der Jude beschrieb drei Seiten eines Bogens, auf deren letzteren sich der Schlußsatz mit der Summe und Vorbereitung zum Unterschreiben befand. Er hatte lange zur Her-
<krsch«nt täglich Sonn- und Feiertag- ausg-nomm«,. - M-rkeljährlicher Abonne mentSpreiS ohne Bringerlohn und B-steüqeld in Fulda und auswärts 1 Warf ->a 3ns-r°te kosten d,e einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen eny?rech°n^Rab°?
Deutsches Deich.
Berlin, 12. Juli.
* Zu der Meise des Kaisers «ach Ungar« zu den Manöver« wird folgendes gemeldet: Erzherzog Friedrich ist in Begleitung des Oberhofmeisters Grafen Wolkenstein in Bellye eingetroffen und besichtigte die Vorkehrungen, die zum Empfange des deutschen Kaisers, der im September eintreffen wird, bisher geschehen sind. Sämmtliche Räumlichkeiten werden mit dem größten Glanze ausgestattet, theils neugebaut, und an vielen Punkten der Domänen werden Telephon- und Telegraphenstationen eingerichtet. Das Hauptquartier des deutschen Kaisers wird sich in der Nähe der Donau befinden.
* Ueber den Unfall des Kaisers auf der „Kohenzokkeru" liegen neuere Nachrichten vor: Für die Presse ist es bei der Jsolirtheit des Ortes des Unfalls an Bord der kaiserlichen Yacht in der Nähe eines kleinen Ortes an der norwegischen Küste, selbstverständlich nahezu unmöglich, direkte Erkundigung ernzuzrehen. Auf eine Anftage an hiesiger amtlicher Stelle ist die Auskunft ertheilt worden, daß „keine beunruhigende Nachricht vorliegt." — Von ärztlicher Seite wird die Verletzung unter der Voraus- etzung, daß nur Blutgefäße, nicht die für Sehvermögen wefentlichen Theile des Auges verletzt sind, allgemein als leicht, ganz ungefährlich bezeichnet: „Wenn es sich ausschließlich um einen Bluterguß in die vordere Augenkammer handelt, so ist mit Bestimmtheit anzunehmen, daß dieser in einigen Tagen auch ohne Spezialbehandlung und ohne jede schlimme Folge Ueber dem spitzen Kinn mit spärlichen Barthaaren bog sich eine gekrümmte Nase, und unter dem schwarzen Sammetkäppchen, mit welchem der Kopf bedeckt war, hingen rechts und links weiße Haarlocken über die Schläfe bis auf die eingefallenen Wangen herab.
Mit zuvorkommendem Grüßen empfing der Jude feinen Besucher, über dessen Absicht er sich augenscheinlich nicht im Zweifel befand. „Wie viel?" fragte er.
Hermann machte ebensowenig Umstände. „Zweihundert Mark", entgegnete er.
Abraham schlug ein dickes Buch auf und blätterte darin. Dann addirte er die Zahlenreihe, welche sich auf einer Seite befand, und machte sich Notizen auf em Blatt Papier. Mit diesen trat er vor Hermann und umkrallte mit seinen mageren Fingern einen der Hornknöpfe an dessen Joppe. „Ich will Ihnen etwas sagen, schöner Herr", begann er: „Zweihundert Mark reichen nicht weit. Dann kommen Sie wieder und wir haben das alte Geschäft. Ich gebe Ihnen fünfhundert Mark, fo daß Ihre Schuldigkeit dann im ganzen eine hübsche runde Summe ausmacht."
Damit hielt er Hermann den Zettel, auf welchem eine unterstrichene Zahl stand, vor das Gesicht
verschwunden sein wird. Die Heilung geht dann in der Werse vor sich, daß das Blut, welches sich durch den Anprall des Taues aus einem verletzten Blutgefäß in die erwähnte Augenkammer, die hinter der Hornhaut liegt ergossen hat, allmählig durch die Lymphgefäße des Auges aufgesaugt wird. Diese Resorption geschieht in derselben Weise, wie bei einem Bluterguß in Haut, der durch einen starken Stoß oder dergleichen hervorgerufen ist. Eine Beeinträchtigung des Sehvermögens ist bei eiuer derartigen ungefährlichen Verletzung ausgeschlossen. Der Schutzverband wurde in diesem Falle nur angelegt, um das Auge in Ruhe zu halten." — Ueber die Ursache d es Unfalls wird aus Marinekreisen berichtet: Wenn sich die „Hohenzollern" auf der Fahrt befindet, sind an ihren Masten zum Schutze derselben gegen Rauch starke Rauchbezüge von Segeltuch angebracht, welche die Masten umhüllen. Diese Rauchbezüge werden durch sogenannte „Bändsel" zusammengehalten. Ein solches Tauwerk-Bändsel hat den Kaiser verletzt. Wenn das Schiff längere Zeit in einem Hafen liegt, werden die Rauchbezüge abgenommen, um durch frische ersetzt zu werden. Bei einer solchen Verrichtung dürfte sick der Unfall ereignet haben.
* Prälat Propst Ar. IaHuek ist am Sonntag Morgen gegen 7 Uhr seinen Leiden erlegen Wenngleich an eine Besserung des Patienten nicht zu denken war, so ist seine Auflösung den Aerzten doch überraschend schnell gekommen. Die eigentliche Todesursache waren bösartige Neubildungen an der Leber. Der Dahingeschiedene war bis zum letzten Augenblicke bei Bewußtsein. Die Beerdigung findet Donnerstag Morgen statt. Der zum fürstbischöfl. Kommissar ernannte Geistlicher Rath Neuber widmet dem um die Delegatur hochverdienten Priester in der,@ermanic' einen warmen Nachruf Der Verstorbene war 1834 in Bischofswalde bei Neisse geboren; 1859 erhielt er die Priesterweihe. Nachdem er dann in Berlin Geschichte und Philosophie studirt, promovirt und das Staatsexamen absolvirt hatte, wurde er Gymnasiallehrer in Glatz. 1882 wurde er Psarrer in Schmott- seifen und erhielt 1886 die Pfarrei von St. Mauritius in Breslau. 1889 wurde er als Nachfolger Dr. Aß- manns als Propst an St. Hedwig und als fürstbischöflicher Delegat für Berlin in sein Amt eingeführt
* Mit der Regentschaft im Iiirkertttzum Ltppe, die Graf Ernst zur Lippe-Biesterfeld in Kurzem antreten wird, ist eine Dotation von 240 000 M. verbunden.
* Die Iraktionen im Reichstage. Nach dem neuesten 'Verzeichniß der Reichstagsmitglieder zählt (einschließlich der Hospitanten) die konservative Partei 58, die freikonservative 25, die deutsch-soziale Reformpartei 12, das Centrum 101, die polnische Partei 20, die nationalliberale 50, die freisinnige Vereinigung 13, die freis. Volkspartei 26, die deutsche Volkspartei 12, die sozialdemokratische Partei 48; bei keiner Fraktion sind 31. Als erledigt ist das Wiesbadener Mandat aufgeführt; dies ist unterdeß mit einem Mit-
Das Kündrnerbe.
Original-Roman von Max Benno.
2° —---- (Nachdruck verboten.)
Hermann verließ ebenfalls die Stube und trat in den Hof. Der Regen hatte aufgehört. Die Wolken verzogen sich und der Nebel hatte sich schneeballenartig in die Kronen der Bäume gehängt.
„Nun darf ich die Mutter zweimal nicht an- zapfen", flüsterte der junge Mann, „sie braucht ihre Baarschaft zu einem besseren Zweck. Was soll ich thu« ? Vom Preiskegeln ganz wegbleiben? Das wäre doch gar zu dumm, und was würden dann die Leute sagen. Aber wenn ich einmal mitmache, muß ich doch austreten, wie es dem Haidhofer ziemt. Es blewt mir also nur Abraham und sei's drum", entschied er, „auf ein paar Hundert Mark mehr oder weniger kommt es nicht an."
Er vervollständigte seinen Anzug und richtete sich ^u ernem Gang nach der Stadt, der, da nicht gearbeitet wurde, niemanden auffiel
« Ankunft daselbst suchte er sofort das
stattliche Haus Abrahams auf. Der Jude empfing ihn in seinem Geschäftszimmer. Der dürre Leib des Hebräers war in einen geblümten Schlafrock gehüllt I