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Jfä 154 Samstag, den 10. Juli 1897. 24; Jahrgang

mit Unterhaltrmgs-Keilage „Sterne und KLnwen".

Erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Vierteljährlicher Abonnemenlspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mart 50 Pfennig. Inserate kosten die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Zur Cauisiusfeier.

Am 21. Dezember 1897 ist (wie in den letzten Monaten schon wiederholt in der,Fuldaer Zeitung' erwähnt) der dreihundertjährige Gedächtnißtag des "Todes des seligen Petrus Canisius aus der Ge­sellschaft Jesu. Dieser große Mann, ein Sohn der Stadt Nymwegen, in dem jetzt zu Holland, damals zum deutschen Reiche gehörigen Gelderlande, gleich ausgezeichnet durch heiligen Lebenswandel, Seeleneifer, unermüdliche Ausdauer, wie durch Gelehrsamkeit und Klugheit, war das vorzüglichste Werkzeug, durch welches Gott der Herr seiner Kirche in Deutschland zur Zeit der größten Bedrängniß zu Hilfe kam. Der Sturm der sogenannten Reformation hatte damals den Garten der deutschen Kirche schrecklich verwüstet. Der größte Theil der Gläubigen hatte sich der Neue­rung angeschlossen und der noch katholisch gebliebene Bruchtheil stand in der größten Gefahr, ebenso am Glauben Schiffbruch zu leiden.

Die Geistlichkeit war verachtet, manchmal aus -eigener Schuld wegen ihrer unzureichenden Bildung, ihres wenig erbaulichen Wandels und des Mangels an echtem Seeleneifer. Dazu kam noch die geringe Zahl tauglicher Priester; denn in mehreren Diözesen hatte der Klerus entweder gar keinen, oder doch nur sehr spärlichen Nachwuchs. Die theologischen Lehr­stühle waren vielfach verwaist oder mit unzureichen­den Kräften besetzt, die Volksunterweisung durch Predigt und christlichen Unterricht lag in kläglicher Weise darnieder. Vielen klarsehenden Männern schien der Untergang der katholischen Kirche in Deutschland fast unabwendbar.

Doch Gott vergaß das Erbe des hl. Bonifatius nicht: Der siegreich vordringenden Glaubensneuerung wurde ein Damm entgegengeworfen. Für Christus und seine Kirche begeisterte Männer, umgürtet mit den Waffen der Heiligkeit und Wissenschaft, erstanden, um die Wankenden im Glauben zu festigen und die Irrenden zur Heerde des Herrn zurückzuführen; es" begann die Periode der sogenannten Gegenreformation. Der Bahnbrecher und der Bannerträger dieser katho­lischen Gegenreformation ist aber gerade der große Sohn des Gelderlandes, Canisius.

Wer auch nur oberflächlich die Thätigkeit betrachtet, welche der Selige eine lange Reihe von Jahren ent­wickelte als Lebrer auf dem Katheder der Hochschule, als Prediger auf der Kanzel, als Gesandter an Fürstenhöfen und auf Reichstagen, als Seelenarzt im Beichtstühle, als Katechet der Unwissenden und Un­mündigen, als Verfasser gelehrter Werke und volks- thümlicher Schriften; wer dann dazu rechnet die ge­waltigen, in damaliger Zeit gar mühseligen Reisen von Rom nach Köln, Mainz, Worms, Augsburg, Ingolstadt, Wien, Trient u. s. w., wer endlich noch in Anschlag bringt die Masse von Briefen, welche Canisius im Interesse der deutschen Kirche und im Interesse vieler einzelner Rath und Hilfe suchender Seelen geschrieben hat, — wahrlich, der begreift es nicht, wie ein einziger Mann alles das zu leisten im Stande war. Die Erklärung läßt sich nur finden in dem glühenden, ganz selbstlosen Seeleneifer und in dem besonderen Segen Gottes, welcher über diesem großen Mann waltete.

Mit Recht feiert daher das deutsche Volk, soweit es katholisch geblieben ist, Canisius als feinen zwei­ten Apostel. Wie durch den hl. Märtyrer Boni­fatius dereinst der Glaube unter unseren heidnischen Altoorderen gepflanzt und die Grundlagen einer festen kirchlichen Organisation gelegt wurden, so wurde hauptsächlich durch die Thätigkeit des sel. Canisius die Erhaltung des Glaubens in den bis heute stoch katholisch gebliebenen Theilen Deutschlands und Oester­reichs angebahnt. Selbst yon protestantischer Seite räumt man ein, daß Canisius auf den ehrenvollen Namen eines Apostels Deutschlands Anspruch habe. So schreibt z. B. Paul Drews in Nr. 38 der Schrif­ten des Vereins für Reformationsgeschichte' S. 103: „Ueberblicken wir diese reiche, mit nie erlahmender Kraft und seltener Klugheit ausgeführte Propaganda,

die Canisius gerade auf der Höhe seines Lebens ge­trieben hat . . . , so muß man zugestehen, daß er römischerseits den Namen eines Apostels Deutschlands verdient."

Es ist somit begreiflich, wenn das kathol. Deutsch­land sich allgemein rüstet, um das 300jährige Jubi­läum dieses großen Mannes zu feiern. Auch der hl. Vater Leo XIU. hat durch den Kardinal Rampolla dem um das Zustandekommen der Jubelfeier sehr ver­dienten Kanonikus Kleiser in Freiburg in der Schweiz seine große Befriedigung über die Vorbereitungen zu der Festfeier ausdrücken lassen. Demselben Kanonikus konnte Kardinal Steinhuber mittheilen, daß Se. Heilig­keit zur geeigneten Zeit durch ein eigenes apostolisches Schreiben die Jubelfeier gutheißen und zur Theilnahme an derselben aufmuntern werde.

Wie wir aus einem im Jnseratentheile ds. Bl. enthaltenen Aufrufe des Vorstandes des Canisiusvereins ersehen, wird nach Schluß der diesjähr. in Landshut ab­zuhaltenden Generalversammlung der deutschen Katho­liken eine großartige Pilgerfahrt zum Grabe des seligen Canisius in Freiburg i. d. Schw. stattsinden. Es ist nicht zu bezweifeln, daß eine stattliche Anzahl katholischer Männer aus allen Gauen Deutschlands an dieser großartigen Kundgebung sich betheiligen wird. Doch auch diejenigen Katholiken, welche an dieser Kundgebung nicht persönlich theilnehmen können — und zu ihnen gehört begreiflicherweise die weiland größere Mehrzahl — dürfen sich nicht als von jeg­licher Betheiligung ausgeschlossen erachten. Sie mögen sich mit ihren Glaubensbrüdern, welche am 5. September am Grabe des Seligen in Freiburg niederknieen, in eifrigem Gebete vereinigen, um Gott dem Herrn zu danken für die Erhaltung ihres hl. Glaubens und das Gelöbniß, diesen hl. Glauben als ihr höchstes Kleinod stets zu schätzen und ihren Kindern und Enkeln zu überliefern, Gott dem Herrn durch die Hände des sel. Petrus Canisius aufopfern. Die beste Gabe, die alle Katholiken auf das Grab des zweiten Apostels Deutschlands niederlegen können, ist in der That der feste Vorsatz, den Glauben, für dessen Erhaltung Canisius so viel gestritten und ge­betet hat, immerdar nicht blos mit dem Munde zu bekennen, sondern auch durch Thaten in einen wahr­haft katholischen Wandel auszuprägen. Möge die Jubelfeier des Seligen eine allgemeine werdm und zur Befestigung und Erhöhung echt katholischer Glaubersfreudigkeit in unserem Vaterlande nachhaltig beitragen.

Das Sundeuerve.

Original-Roman von Max Benno.

23 ------ (Nachdruck verboten.)

Der Angegriffene hatte sich zurückzuziehen versucht, aber es gelang ihm nicht schnell genug. Die drei ver­borgenen Würfel sielen aus dem Äermel auf den Boden herab. Diese Wahrnehmung erhöhte noch Hermanns Zorn. Er erhob die Faust zum Schlage, doch in der nächsten, Sekunde fühlte er sich von mehreren Armen umfaßt. Unter Fluchen und Toben zerrte man ihn hin und her, während ein paar Spieler Bastian festhielten, der ihm helfen wollte.

Er wurde nach dem Ausgang des Zimmers ge­drängt, stolperte und stürzte nieder, sah sich aber auf einmal von seinen Bedrängern befreit.

Er richtete sich auf und bemerkte, wie ein einzelner Mann sich mit diesen im Kampfe befand. Sie wurden wie die Puppen geschüttelt, rechts und links an die Wände geschleudert, daß ihnen die Rippen krachten und Hermann vernahm den ängstlichen Ruf: „Ver­flucht, der Kraftmensch! Fort, sonst kommt uns die Polizei auf den Hals!"

Sie verschwanden und auch der Landsmann war weg. Allem Anschein nach hatte dieser sich schon vor­her aus dem Staube gemacht.

Der Mann, durch welchen Hermann aus den Händen der Falschspieler befreit worden war, trat auf ihn zu.

„Folgen Sie mir — schnell — aus dieser Räuber­höhle hinaus," drängte er, „sonst nimmt am Ende die Polizei statt der Spitzbuben uns mit."

Der Haidhofbauer zögerte nicht. Er eilte mit seinem Führer die Treppen hinab und athmete er­leichtert auf, als er sich auf der Straße befand.

Der Mann schlug eine Nebengasse ein und führte ihn nach einer Anlage. In der Nähe eines großen Gaskandelabers ließ er sich auf einer der Bänke nieder und lud auch seinen Schützling zum Platz nehmen ein.

Erst jetzt hatte letzterer ihn näher betrachtet und ein Ausruf der Ueberraschung entfuhr seinem Mund. Sein Beschützer war der Herr, welcher in dem ersten Lokal den Eindruck eines gekannten auf ihn gemacht hatte.

„Sie haben, junger Mann," begann dieser nach einer Weile, „offenbar noch nicht viel in großen Städten verkehrt, sonst wären Sie schwerlich in die Falle gegangen, in welche man Sie gelockt hat. Als ich Sie mit Ihrem Begleiter das Konzertzimmer ver­lassen und den weißbärtigen Herrn, der mir nicht ganz unbekannt ist, auch aufstehen und gehen sah, schöpfte ich Verdacht. Er war nur zu berechtigt, wie ich mich überzeugte, als ich Sie an dem Spieltische fand. Ihr Begleiter ist zwar, wie ich vermuthe, ein Landsmann und Freund von Ihnen, aber ich möchte wetten, daß er mit den Hallunken unter einer Decke gespielt hat."

„Das glaube ich nicht," bestritt Hermann, „Bastian verlor ja fast so viel wie ich."

Der Mann hustete.

„Meinethalben," sagte er, „ich will glauben, daß er nur ein leichtfertiger Bursche ist, der aber die Ge­fahren, welchen er Sie entgegenführte, jedenfalls ge­kannt hat. Daß er Ihnen, wie ich sah, beispringen wollte, spricht einigermaßen für ihn. Ihr Geld haben Sie natürlich verloren, aber das ist am Ende nicht das größte Unglück. Sie werden eine Lehre daraus ziehen und ein andermal vorsichtiger sein. Wie heißen Sie denn und woher sind Sie, wenn man fragen

Diese Frage wurde in fast jovialem Tone gestellt, aber selbst dem jungen Haidhofbauern entging es nicht, wie der kräftige Mann nur mit Mühe eine gewaltige Aufregung bezwang.

Ohne sich zu besinnen gab er über Namen und Heimath Auskunft.

Der Mann zuckte zusammen wie unter dem Ein­fluß eines plötzlichen schmerzhaften Gefühls. Er hatte beide Hände auf seine Brust gepreßt. Nach einer Weile athmete er auf. Ein trübes Lächeln spielte um seinen Mund.

„Sehen Sie doch einmal nach, junger Freund," fuhr er, wieder einen scherzhaften Ton anschlagend, fort, „was Ihnen diese Galgenvögel noch übrig ge­lassen haben, und ob Ihre Baarschaft zur Heimreise reicht?"

Hermann holte seine Börse aus der Tasche und öffnete sie. Bis auf drei Nickel war alles fort.

„Nun ja, ich dachte es mir, lächelte, der Mann, „unsere Gauner pflegen saubere Arbeit zu machen. Nehmen Sie das," fuhr er, Hermann ein Zwanzig­markstück in die Hand drückend, fort, „damit kommen Sie nach dem Haidhof."

Hermann besann sich. „Ich danke Ihnen," sagte er, „aber nun müssen Sie mir auch Ihren Namen nennen, damit ich Ihnen das Darlehen, sobald ich daheim bin, wieder zurückschicken kann."

Der „Kraftmensch," wie die Spieler ihn genannt hatten, schüttelte den Kopf. „Mein Name gehört nicht zur Sache, entgegnete er; denken Sie, es sei ein einsamer Mann gewesen, dem es auf das Spenden eines solchen Betrages nicht ankommt, wenn ihn sein Herz dazu treibt."

„Dann kann ich das Geld auch nicht annehmen," erklärte Hermann, und drängte das Goldstück von sich.

Der Mann schaute einige Sekunden lang stumm vor sich hin. „Sie haben recht," nahm er wieder das Wort, „ausleihen will ich nicht und zum Ver­schenken ist es zu viel." Er brachte einen Thaler zum Vorschein. „Diese drei Mark," sagte er, „dürfen Sie getrost nehmen. Da Sie ohne Zweifel ein Retourbillet haben, ruhen Sie aus. Nachher schenken Sie den Betrag dem nächsten besten Bettler oder verwenden ihn zu einem wohlthätigen Zweck. Dann haben wir miteinander etwas Gutes gethan. Und nun Glück auf den Weg. Leben Sie wohl, junger Mann, leben Sie wohl!"

Hermann fühlte sich plötzlich von den Armen seines Nachbars stürmisch umfangen und auf Mund,