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24. Jahrgang
Freitag, den 9. Juli 1897
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Fuldaer
st and es bedürfe. Es sei sehr wahrscheinlich, daß sich der Landtag schon in seiner nächsten Tagung mit entsprechenden Gesetz es Vorschlägen zu beschäftigen haben wird.
* Gegen v. Hansch ist, wie die ,Nordd. Allg. Ztg/ gegenüber anderweiten Meldungen hervorhebt, nach seiner Entlassung aus der gerichtlichen Untersuchungshaft die Disziplinaruntersuchung eingeleitet worden. Zur Zeit befinde sich v. Tausch wegen schwerer Erkrankung auf Urlaub.
* In Betreff des Achtstundentags schreibt Bebel, daß selbst unter den Wortführern der sozialdemokra- ttschen Partei nicht wenig feien, die einer allgemeinen Einführung desselben ganz skeptisch gegenüberständen und nur aus Rücksicht auf die Kongreßbeschlüsse für denselben eintreten. Als Grund für diese „Lauheit und Lahmheit" bezeichnet Bebel den Zweifel, ob es möglich sei, in Arbeitsbranchen, die jetzt bis zu zwölf oder mehr Stunden arbeiten, auf einmal oder in kurzer Zeit den Achtstundentag einzuführen. Auch zweifle man, ob derselbe keine ungünstige Wirkung auf das Lohneinkommen habe und nicht in den handwerksmäßig betriebenen Berufen einen materiellen Zusammenbruch derselben Hervorrufen könne.
* Die Berliner Bäckermeister haben ihren Plan, sich angesichts der Berliner Börsenverhältnisse von den Händlern unabhängig zu machen, noch nicht aufgegeben. Sie wollen eine eigene Mehlbörse begründen. Wie die ,Post' hört, soll dieser Plan in der Provinz großen Anklang finden. Zunächst will man aber das Ergebniß der Verhandlung zwischen den Produktenhändlern und der Landwirthschafts- kammer abwarten.
* Würnöerg, 8. Juli. Der freisinnige I. Bürgermeister der Stadt Nürnberg, in deren Mauern soeben das deutsche Bundesschießen abgehalten wird, hat bei einem Feste zu Ehren amerikanischer Schützen einen prächtigen Ausspruch gethan, der durch die Nürnberger Zustände prächtig illustrirt wird. Er erklärte nämlich, daß Nürnberg die deutscheste der deutschen Städte sei. Die Stadt mit diesem breitspurigen Epitheton ist so deutsch und so patriotisch, daß sie in den bayerischen Landtag vier Sozialdemokraten und in den deutschen Reichstag einen Sozialdemokraten schickt. Wenn man das weiß — und der Oberbürgermeister muß das doch wissen — sollte man den Mund nicht so voll nehmen, sonst wird man einfach ausgelacht. Bürgermeister Fischer von Augsburg soll übrigens beabsichtigen, gegen diese Rede seines Kollegen zu pro« testiren. Er will sich von Bismarck ein Zeugniß erbitten, daß Augsburg und besonders sein Bürgermeister den Nürnbergern „über" sind; haben sie ihnen doch den bekannten Professor Vogt ablassen können, ohne Mangel zu verspüren.
* Bamöerg. 7. Juli. Domkapitular Dr. Schäd- l er wurde zum Diözesanpräses der katholischen Arbeitervereine des Erzbisthums ernannt.
in dem Menschenknäuel. Er arbeitete sich durch und hatte nach wenigen Schritten eine der größten Wirth- schastsbuden erreicht. Jedes Plätzchen in dem weiten Raume war mit zechenden Gästen besetzt.
„Da mag der Henker einen Bekannten suchen," brummte der junge Mann und wollte wieder gehen, erhielt aber im Augenblicke einen Schlag auf den Arm.
Rafch drehte er sich um und schaute in das lachende Gesicht Sebastian Schlunds.
„Grüß Gott, Landsmann!" ries dieser und reichte ihm die Hand. „Es ist recht schön von Dir, daß Du Dich eingestellt hast. Ich warte schon ein paar Stunden auf Dich."
Hermann entschuldigte sich damit, daß er verschiedene Buden mit Sehenswürdigkeiten besucht habe und dann in dem Gedränge festgeklemmt worden sei."
„Hier finden wir keinen Platz," bemerkte Bastian nach einigem Besinnen, „denn diese Wirthschaft ist den ganzen Tag über gedrückt voll. Ich will Dir deshalb einen Vorschlag machen. Wir leeren anderswo ein paar Krüge und fahren, da Du ja die Hauptsachen auf dem Feste schon gesehen hast, nach der Stadt, wo ich Dich in ein paar Lokale führen werde, denen Du sicherlich Geschmack abgewinnst."
Hermann, dem von dem Freudenlärm die Ohren gellten, mar damit sofort einverstanden und eine Stunde
mit Unterhaltungs-KeUage „Sterne und Kiumerr"
Deutsches Reich.
Berlin, 8. Juli.
% Herr v. Mliqrrek läßt sich von Herrn Schweinburg gegen den Vorwurf vertheidigen, er sei an dem jetzigen Wahlgesetze mit schuld. Wir bleiben aber dabei, daß Herrenbaus und Abgeordnetenhaus die Beschlüsse des letzteren nicht wieder umgestoßen hätten, wenn Miquel ernsthaft erklärt hätte: ohne Wahlrechtsreform keine Steuerreform. Die Regierung einschließlich Hrn. Miquel hat aber sogar die eigene Vorlage verschlechtern lassen. Herr Miquel hat keinen Finger für sie mehr gerührt, als er seine Steuern in Sicherheit wußte, und der Minister Graf Eulenburg hat im Abgeordnetenhaufe den Herrenhaus-Beschlüssen einfach zugestimmt. Die Regierung selbst hatte die Wahlrechtsreform als nothwendig bezeichnet, und da sie in Folge der Steuerreform des Herrn Miquel nothwendig geworden war, hätte es diesem in erster Linie obgelegen, Alles daran zu setzen, daß das Versprechen gehalten werde. Daß er, wie er jetzt behaupten läßt, auf den Verlauf der Dinge nicht den mindesten Einfluß gehabt habe, lassen wir uns nicht wundern. Er mag das schlechte Gesetz nicht veranlaßt haben, aber er hat es nicht verhütet, wo er konnte und sollte. Nun läßt er ja für die nächste Tagung eine Neuregelung des Wahlrechtes für Staat und Gemeinden ankündigen. Es fragt sich aber, ob Nationalliberale und Rechte sich darauf einlassen. 1893 hätten sie müssen.
* Der frühere Staatssekretär Dr. v. Bötticher wird seine Amtswohnung in etwa 14 Tagen räumen. Nach der ,Mil. Pol. Korr/ wird er seine Möbel in einem Speicher aufbewahren lassen, bis er die Berufung zum Oberpräsidenten erhält. Inzwischen wird er sich in Naumburg, wo er — Domherr ist, und bei seinem Freunde, dem Frhrn. v. Bodenhausen, in der Provinz Sachsen aufhalten.
Der deutsche Botschafter in Washington, Frhr. v. Wiesmann, ist, wie verlautet, bereits zum Staatssekretär des Reichsschatzamtes ernannt oder seine Ernennung steht unmittelbar bevor. Frhr. v. Thielmann steht im 52. Lebensjahre. Seit Mitte der 70er Jahre steht er im diplomatischen Dienst. 1878 wurde er der Gesandtschaft in Washington zugetheilt, Anfangs der 80er Jahre als Botschaftsrath nach Paris ent-
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sandt und nachdem er eine Mission nach Konstantinopel und Sofia erhalten, 1887 zum Gesandten in Darmstadt ernannt, 1890 wurde er Gesandter im Hamburg, 1894 Gesandter in München und im folgenden Jahr Botschafter in Washington. Die Ablehnung des zuerst für den Posten des Reichsschatzsekretärs in Aussicht genommenen badischen Finanzministers Buchenberger erfolgte, wie die ,Nordd. Allg. Ztg/ schreibt, lediglich aus sachlichen Gründen, die in seinen persönlichen Verhältnissen lägen, nicht aber, wie einige Blätter geschrieben hätten, deshalb, weil zwischen ihm und dem Finanzminister Dr. v. Miquel Meinungsverschiedenheiten wegen der Reichsfinanzreform bestanden hätten. Uebrigens bemerkt das erwähnte Blatt, habe die Berufung v. Thielmanns dieselbe handelspolitische Signatar wie des Herrn Buchenberger.
* Die ,Schaumburg-Lippische Landeszeitung' theilt mit, daß das zur Entscheidung der Frage der Thronfolge im Inrstenthum Kippe eingesetzte Schiedsgericht die Ansprüche des Grafen Ernst zur Lippe- Biesterfeld anerkannt habe. Der Spruch des Schiedsgerichts werde dem Grafen heute zugestellt werden.
* Großherzog Beter von Gldenvurg vollendet heute sein 70. Lebensjahr unter der jubelnden Theil- nahme eines glücklichen Volkes, dem er mehr als 43 Jahre hindurch ein guter und milder Fürst, ein musterhafter Herrscher gewesen ist. Kein Haus und keine Hütte wird im ganzen oldenburgischen Lande zu finden sein, in welchen heute nicht in Dank, Liebe und Verehrung des Großherzogs gedacht wird. Obgleich persönlich ein streng gläubiger Protestant, hat doch der edle Fürst auch seinen katholischen Unter« thanen stets volle Gerechtigkeit widerfahren lassen. Zur Zeit des preußischen Kulturkampfes gab es auch im Lande Oldenburg wohl einige Hetzer, die gern den Brand anzufachen suchten. Allein durch den Großherzog sind derartige Pläne stets vereitelt worden. Mehrfach hat er sich dahin geäußert, er habe die Katholiken seines Landes stets als die treuesten Unter« thanen kennen gelernt; nie würde er daher zugeben, daß solche Gesetze, wie die Maigesetze, in seinem Lande beschlossen würden. Möge es dem edeln Fürsten vergönnt sein, noch viele Jahre in derselben Rüstigkeit wie heute sein Land zu regieren und sein Volk zu beglücken!
ft Die ,Berl. Pol. Nachr/ theilen mit, daß die preußische Regierung in naher Zeit die endgiltige Regelung des Wahlrechts für Staat und Gemeinden in die Hand nehmen wolle. Der geeignete Zeitpunkt hierfür fei gekommen, wenn die Erhebungen über die Wirkung der Steuerreform auf das Wahlrecht abgeschlossen seien. Diese Erhebungen seien dem Abschluß nahe. Schon jetzt lasse sich übersehen, daß es namentlich auf dem Gebiete des Gemeinde- wahlrechts weiterer Kautelen gegen eine Verschiebung zu Gunsten der reicheren Minderheit und zu Ungunsten des Mittel- mehr Unheil geschieht. Ohne etliche Rippenstöße, Fußbrüche und dergl. geht es freilich nie ab.
Unter solchen Verhältnissen blüht natürlich der Weizen jener über die ganze Welt verbreiteten Zunft, welche Galgen und Rad im Wappenschilde führt.
Manches Bäuerlein, das zu unvorsichtig gewesen, muß die Erfahrung machen, daß ihm fein wohlge- spicktes Beutelchen aus der Tasche praktizirt worden ist, und mancher Vertrauensselige oder Unerfahrene wird durch das planmäßige Zusammenarbeiten frecher Gauner gerupft. . .
Die Sonne brannte am Hauptfesttage des Festes glühend heiß auf die Köpfe der sich zwischen den Budenreihen hin und her schiebenden Menschenmasse, i» welcher ein junger Mann — Hermann Sommer — da er beim besten Willen keinen Ausweg finden konnte, sich fortdrängen ließ.
Die Verkäufer und Budenbesitzer schrien rechts und links aus vollem Halse, zunge Burschen fangen und schlugen mit ihren Stöcken auf den Tischen den Takt, die Jungen johlten oder bliesen auf ihren gekauften Tronipetchen und Pfeifchen, dazwischen schallte aus den Wirthsbuden flotte Musik — es war ein Summen, Surren, Ouicken, Trommeln und Gellen, daß einem Hören und Sehen verging.
Endlich entdeckte Hermann doch eine kleine Lücke
Das Sundenerbe.
Original-Roman von Max Benno.
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Cannstatter Volksfest! Ein Ereigniß, das nicht nur im Schwabenlande, sondern weit über die schwarz- rolhen Grenzpfähle hinaus einen guten Klang hat und jedes Jahr selbst aus weiter Ferne schaulustige und vergnügungssüchtige Besucher anzieht.
Schon einige Tage vor dem Beginn des Festes entfaltet sich ein reges Leben auf der ausgedehnten Wiese, die sich, von üppigen Bäumen beschattet, am Ufer des schönen Neckars hinzieht. Eine Budenreihe erhebt sich neben der andern, Karoussels werden auf« qeschlagen, Rennbahnen angelegt und im Hintergründe sieht man regelmäßig eine ganze Wagenburg in den verschiedenartigsten Farben aufgefahren, welche die Jünger und Jüngerinnen der freien Künste aus allen Himmelsgegenden zu dem Feste gebracht hat. Dazwischen werden größere und kleinere Wirthschastsbuden errichtet, in welchen bei Bier, Wein und allerlei Atzung durch die zahlreichen Militär-Kapellen der Garnison für musikalische Unterhaltung gesorgt wird.
Es entsteht jedesmal ein ungeheures Gedränge durch die nach vielen Tausenden zählenden Besucher des Festes, und man muß sich wundern, daß nicht
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