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152 Donnerstag, den 8. Juli 1897. 24. Jahrgang

mit Unterhaitungs-Keilkgr „Sterne und Klumen"

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X lieber die Bevorzugung des ost- elbischen Junkerthums in der Staats­verwaltung

wird neuerdings in der liberalen Presse stark geklagt. Auch die freikonservative ,Post" hat in einer schwachen Stunde diese Bevorzugung bedenklich gefunden. Bon konservativer und gouvernementaler Seite wird setzt versucht, diese Bevorzugung abzuleugnen. So ver­weisen die,Berl. Pol. Nachr." auf das preußlfche Staatsministerium, in dem gar keine Ostelbier und eine Reihe Bürgerlicher säßen. (Soeben ist der Ost­elbier Graf Posadowsky hineingekommen, ebenso ist der neue Reichspoststaatssekretär v. Podbielski ein Ostelbier, desgl. der „kommende" v. Bülow). Darauf wurde ihnen erwidert, das ostelbische Junkerthum stelle hauptsächlich die Regierungspräsidenten und Landräthe.

Um die ganze Behauptung von der Bevorzugung des Junkerthums zurückzuweisen, hat Herr C. v. Massow in der,Kons. Monatsschrift" eine umfassende Statistik aufgestellt, die aber nicht widerlegt, sondern bestätigt. Von den Ministern abgesehen stellt sich danach das Verhältniß zwischen Adligen und Bürger­lichen in der Verwaltung wie folgt: Oberpräsidenten 8 zu 4, Regierungspräsidenten 26 zu 8, Oberregie- rungsräthe 33 zu 63, Regierungsräthe 45 zu 208, Regierungsassessoren 169 zu 359, Landräthe 246 zu 220, insgesammt 527 Adlige, 862 Bürgerliche.

Das ist doch handgreiflich eine außerordentliche Bevorzugung des Adels, wenn man bedenkt, ein wie geringen Prozentsatz der Bevölkerung die Adeligen ausmachen. Besonders in den hohen Stellen, wo das Regieren und Repräsentiren mehr in Betracht kommt, als das eigentliche Arbeiten, ist der Adel ganz enorm bevorzugt; bei den Regierungsräthen, auf denen die Arbeit ruht, dreht sich die Sache allerdings um, dagegen haben in der Klasse der herrschgewaltigen Landräthe wieder die Adligen die Oberhand. Das sind nun zwar nicht lauter ostelbische Junker, aber sie stellen doch das Gros. In Pommern sind von den 28 landräthlichen Kreisen nur 3 mit Bürgerlichen besetzt; von den 12 Landrathsämtern des Reg.-Bez. Köslin ist der vierte Theil in den Händen der Familie Puttkamer, der auch der Oberpräsident, der Regierungs- Vicepräsident in Stettin und ein Landrath im Reg.- Bez. Stettin angehört (nach dem Staatshandbuch für 1896). Von den 8 bürgerlichen Regierungspräsidenten fallen dabei 4 auf die Provinz Hannover, so daß in den übrigen Provinzen der Prozentsatz zu Gunsten der Adligen sich noch erhöht. Herr v. Massow sagt, der ostelbische Adel sei in keiner Periode des preuß. Staatslebens in der Verwaltung schwächer vertreten gewesen als in der unsrigen. Wenn er früher noch mehr bevorzugt war als heute, um so schlimmer; es ist aber damit keineswegs bewiesen, daß jetzt keine Bevorzugung stattfinde.

Das Sundenerde.

Original-Roman von Max Benno.

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In seiner gehobenen Stimmung beachtete Hermann nicht, daß der alte und mürrisch gewordene Hofhund, welchem die Haidhofbäuerin, obgleich er fast keinen Zahn mehr hatte, das Gnadenbrod gab, seine Hütte verlassen hatte und, lebhaft an der Kette zerrend, jenes eigenartige Gewinsel, mit dem er gewöhnlich gute Be­kannte begrüßte, ausstieß. Dagegen fiel ihm ein Fremder auf, der an dem Gartenzaun stand und anscheinend gleichgiltig feine Blicke zwischen den Baumstämmen hinschweifen ließ. Es war ein breitschultriger, unter­setzter Mann mit kräftigen Gliedern. Auf dem grauen, kurzgeschorenen Haar saß ein breitrandiger Schlapp­hut, die Augen waren durch eine blaue Brille ver­deckt und das Gesicht verschwand fast ganz unter einem mächtigen .Vollbart. Bei der Annäherung Hermanns drehte er sich um. Dieser grüßte flüchtig und auch der Fremde neigte den Kopf.

Der junge Mann ging weiter und hatte nach einer kurzen Wanderung das Wirthshaus zur Her­berge erreicht. Ausnahmsweise fand er die Wirths- stube. trotz des Werktags mit Gästen besetzt. Es waren Holzmacher und ihm persönlich bekannt.

Den liberalen Blättern, die jetzt so bitter klagen, empfehlen wir, die eigenen Reden und Zeitungsartikel wieder nachzulesen, mit denen sie die Paritäts­beschwerden der Katholiken abgewiesen haben. Sie brauchen darin nur die Worte „Katholiken" und „Protestanten" in „Bürgerliche" und „Adlige" um­zuändern, so haben sie sofort eine Widerlegung ihrer Klagen. Die ostelbischen Junker sitzen offenbar nur deshalb so zahlreich in der Verwaltung, weil sie der Regierung mehr geeignete Kräfte zur Verfügung stellen als die Bürgerlichen; letztere werden durchaus nicht zurückgesetzt, aber die Regierung findet ihrer nicht so viele als sie brauchen könnte. Die ostelbischen Junker haben aber mehr Talent als die Bürgerlichen und studiren fleißiger. Da kann man es der Regierung doch nicht übel nehmen, daß sie sich vor allem an die Ostelbischen hält, wie sie andererseits mit Recht die brauchbaren Protestanten den unbrauchbaren Katho­liken vorzieht.

Die alten und die neuen Männer,

v. Aötticher.

Am 6. Januar 1833 in Stettin geboren, studirte er in Würzburg und Berlin die Rechte, war 1860 Gerichtsassessor beim Kammergericht in Berlin, später einige Jahre Justitiar bei den Regierungen in Gum­binnen, Danzig, Stralsund und Potsdam, trat 1864 als Hilfsarbeiter in das preußische Handelsministerium, schied 1863 aus dem Staatsdienst, um ein Kommunal­amt in Stralsund zu übernehmen und wurde 1869 in das Ministerium des Innern berufen, um 1872 Vortragender Rath zu werden. Im folgenden Jahre ging er als Lcmddrost nach Hannover, 1876 als Re­gierungspräsident nach Schleswig, wo er auch 1878 für den Wahlkreis Apenrade-Flensburg in den deutschen Reichstag gewählt wurde. Er war freikonservativ, vertrat aber mit Eifer die schutzzöllnerische Politik des Fürsten Bismarck. Im Jahre 1879 wurde er Oberpräsident von Schleswig-Holstein, 1880 Staats­sekretär des Innern und preußischer Staatsminister, 1881 Stellvertreter des Reichskanzlers, 1888 Vice­präsident des preußischen Staatsministeriums.

IsrHr. Warschau v. Miöerstein.

Adolf Hermann Freiherr Marschall v. Biberstein ist am 12. Oktober 1842 zu Karlsruhe geboren. Er studirte in Heidelberg und Freiburg, wurde 1871 Amtsrichter in Schwetzingen und noch in demselben Jahre Staatsanwalt in Mosbach, von wo er in gleicher Stellung im Jahre 1872 nach Mannheim versetzt wurde. 1879 wurde er Landgerichtsrath und 1882 erster Staatsanwalt. Von 1875 bis 1883 war er Vertreter des grundherrlichen Adels in der ersten Kammer Badens und von 1878 bis 1881 Mitglied des Reichstages für den zehnten badischen Wahlkreis. Er gehörte der deutschkonservativen Partei an. Im Jahre 1883 erfolgte feine Berufung zum badischen Gesandten in Berlin und Bevollmächtigter beim

Die Leute empfingen ihn mit großer Zuvor­kommenheit und brachten ihm ihre Glückwünsche zu seiner Wiederherstellung dar.

„Wir feiern heute ein kleines Fest, Hermann," nahm einer derselben das Wort, „das auch Dich ein bischen angeht. Wir sind mit dem Holzaufmachen für Deine Mutter fertig geworden, und der Verkauf kann nun anberaumt werden, sobald ihr's gefällt. Es war eine tüchtige Arbeit und wir haben mit dem Akkord wahrlich nicht viel verdient."

Hermann lachte. „Dann müßt Ihr eben um Nachschuß bitten," sagte er, „der auch sicher gewährt wird. Vorerst will ich etwas für Euch thun. Ihr habt doch Durst and Appetit, oder nicht?"

Das Schmunzeln der Arbeiter und ihr freudiges Nicken war auf diese Frage eine genügende Antwort.

„He, Martin", wandte der junge Haidhofbauer sich an den soeben eintretenden Wirth, „leg ein an­ständiges Faß Bier für die Holzmacher auf und gib jedem ein Stück Rauchfleisch mit Brod auf meine Rechnung.""

Er trat ans Fenster und schaute, den Dankes- äußerungen der Leute kaum eine Beachtung schenkend, hinaus. Der Fremde mit seinem bärtigen Gesicht und dem Schlapphut kam gegen die Schenke heran und begab sich in das Gartenhaus.

Bundesrath. 1884 bis 1890 gehörte er als vom Bundesrath gewähltes Mitglied dem Reichsversiche­rungsamte an und beseitigte sich mit Eifer nament­lich an der sozialpolitischen Gesetzgebung. Staats­sekretär des Auswärtigen Amts wurde er am 1. April 1890, und am 30. Oktober 1894 wurde er zum preußischen Staatsminister ernannt.

Dr. Adokf Graf v. ^osadowsky Mehner, der neue Staatssekretär des Innern, ist am 3. Juni 1845 in Glogau geboren. Er trat 1871 in den Verwaltungsdienst und wurde 1877 Landrath des Kreises Kröben; 1885 nahm er seinen Abschied, nach­dem er vom Provinziallandtag der Provinz Posen zum Direktor der provinzialständischen Verwaltungs­kommission gewählt worden war. Von 1889 bis 1893 war er Landesdirektor der Provinz Posen, und im August 1893 wurde er als Staatssekretär in das Reichsschatzamt berufen. Mit der Praxis, ohne jede Schuldentilgung einmalige Ausgaben nicht produktiver Natur aus Anleihen zu bestreiten, hat er mit Hilfe des Centrum gebrochen. Auf dem Gebiete der Sozial­politik, welche den wichtigsten Theil des Geschäfts­kreises des Reichsamts des Innern bildet, stehen ihm Erfahrungen zur Seite, weil er bei der Durchführung der Versicherungsgesetze in der Provinz Posen be- theiligt war.

Staatssekretär v. H^odöiekski.

Viktor v. Podbielski wurde am 26. Februar 1844 zu Frankfurt a. O. als der einzige Sohn des spätem Generalquartiermeisters geboren; er hat seine Aus­bildung vorwiegend im Kadettenhause erhalten, trat im Dezember 1860 als Sekondelieutenant bei den 11. Ulanen ein, hat sich als Generalstabsoffizier des 10. Korps unter dem damaligen Stabschef v. Caprivi im Feldzug 1870 das eiserne Kreuz zweiter Klaffe erworben, mehrere Jahre das Zietenhusarenregiment in Rathenow geführt und stand kurze Zeit an der Spitze der 34. Kavalleriebrigade in Metz, wo er im Juni 1891, nachdem er kurz vorher Generalmajor geworden war, verabschiedet wurde. Im vorigen Winter erhielt er den Charakter als Generallieutenant. Im Ruhestand widmete er sich zunächst vorzugsweise der Bewirthschaftung des von seinem Vater mit Hilfe der Kriegsdotation übernommenen Gutes Delmin im Kreise Westpriegnitz, ferner dem wirthfchastlichen Be­triebe des Unionklubs und des Deutschen Offizier­vereins, er wurde kaufmännischer Mitinhaber der Firma v. Tippelskirch u. Co., die sich in erster Linie die Ausrüstung der Tropenreisenden und ferner die Versorgung der ausländischen Staaten mit Kriegs­material zur Ausgabe gestellt hat, und endlich ist er neuerdings als Vorsitzender des Aussichtsrathes der Berliner Transvaal-Ausstellung in die Oeffentlichkeit getreten. Bei den letzten Wahlen 1893 wurde er für feinen heimathlichen Wahlkreis Westpriegnitz mit 19 Stimmen Mehrheit in den Reichstag gesandt; hier hat er sich bisher mehrfach an den Berathungen der

Hatte dieser Mann schon vorhin ein ungewöhn­liches Interesse in Hermann geweckt, so geschah das jetzt noch mehr. Ein eigenthümliches Gefühl, dessen Natur er nicht begreifen konnte, beschlich ihn.

„Wer ist dieser Patron?"" fragte er den Wirth.

Dieser schüttelte den Kopf.

„Ich weiß es nicht,"" entgegnete er. „Der Herr war vor ein paar Stunden schon da und trank im Gartenhaufe einen Krug Vier, den ihm meine Frau gebracht hat. Mit dieser knüpfte er ein Gespräch an und hat sie über Land und Leute in unserem Thale gefragt. Wie meine Helene meinte, scheint der Mann nicht unbekannt in dieser Gegend zu fein."

Der Fremde war indeffen im Gartenhause der Kegelbahn verschwunden, und die. Aufmerksamkeit Hermanns wurde auf einen jungen Mann gelenkt, der jetzt die Stube betrat. Es war Bastian Schlund, der in einem ganz neuen modernen Anzuge den Hut keck aufs Ohr gedrückt hatte und ein schwarzes Eben­holzkistchen unter dem Arm trug.

Er grüßte den Wirth und Hermann mit vertrau­lichem Handschlag.

Ersterer warf ihm einen halb bewundernden, halb spöttischen Blick zu.

„Du bist ja heute herausgeputzt wie ein Hoch­zeiter,"" sagte er, den feinen Stoff des Rockes be-