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Dienstag, den 6. Juli 1897.
24. Jahrgang
uldaerWZkitlllig
mit UrrtrrhalLrmgs-Keilage „Sterne nnd Hinmen".
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erstenmale gemachte Entdeckung, daß Hermann Sommer auch ein Äuge auf Martha hatte und vor Eifersucht fast platzte, störte mich nicht. Im Gegentheil. Meine Genugthuung wurde dadurch nur noch erhöht. Aber es kam anders."
Im grollenden Tone erzählte er dann die Szene, welche sich bei dem Feste zwischen ihm, Martha und Hermann abgespielt hatte.
„Obgleich mir nunmehr," fuhr er fort, „die Augen halb aufgegangen waren, machte ich doch soeben "bei Martha noch einen Versuch, aber sie fertigte mich so prompt ab, daß ich mir keine weitere Mühe mehr gab. Sie leugnete gar nicht, als ich es ihr auf den Kopf sagte, daß sie es mit dem Haidhofer habe "
Durch den zornigen Erguß des verunglückten Freiers wurde auf Vogtherr kein besonderer Eindruck gemacht. Er lachte.
„Das ist freilich eine dumme Geschichte," meinte er, „die einen schon ein bischen wild machen kann. Mit Deiner Behauptung von einem heimlichen Ver- hältniß meiner Tochter mit Hermann Sommer bist Du aber ohne Zweifel stark auf dem Holzwege. Daß sie Dich nicht will, ist hierfür noch lang kein Beweis. Es ist ja möglich, daß durch den Zwischenfall, wie es häufig zu gehen pflegt, bei den beiden aus der Jugendfreundschaft etwas anderes gemacht wurde;
kommission beauftragt, die Arbeitgeber zu ersuchen, vom 15. ds. Mts. ab die neunstündige Arbeitszeit einzuführen und für Ueberstunden einen Aufschlag von 25 pCt. zu zahlen. In Leipzig haben 79 Arbeitgeber, die über 900 Maurer beschäftigen, die Forderungen der Ausständigen bewilligt, während sich noch angeblich 200 Mann im Ausstande befinden. Die Ausstandsbewegung unter den belgischen Bergarbeitern im Becken von Mons hat bedeutsame Dimensionen angenommen, 20000 Mann haben die Arbeit niedergelegt. Nachdem 8000 Maschinenbauern in London ihre Forderung bewilligt worden, traten weitere 4500 mit der Forderung des Achtstundentages in den Lohnausstand ein. Auch aus New-Aork wird gemeldet, daß eine große Anzahl von Arbeitern der dortigen Backkohlen-Bergwerke die Arbeit niedergelegt habe; den Angaben der Führer nach 250000 Mann.
Ausland.
* Aaris, 5. Juli. Auf einem demokratischen Bankett in Vesoul hielt gestern der Minister-Präsident Moli ne eine Rede, worin er den Vorzug seines Finanzplanes gegenüber dem Einkommensteuer-Entwurf Doumer's bervorhob. Des weitern bekämpfte der Minister-Präsident die Sozialisten, welche behaupteten, ein Universalmittel in dem Kollektivismus zu haben, der aber nur zur Unterdrückung der Freiheit und des Eigenthums, der beiden großen Errungenschaften der Revolution, führen würde. Möline schloß, indem er die Hoffnung aussprach, die revolutionäre Schule werde zum Wohle des Vaterlandes bald der Schule der Eintracht und der allgemeinen Brüderlichkeit Platz machen. — Jn der Deputirten- kammer setzte der Deputirte Jaurös seine vor acht Tagen begonnene Rede über die landwirthschaftliche Krisis fort. Er verwahrte sich gegen den Vorwurf, daß die Sozialisten keine positive Reform durchführten. Sie vermöchten dies nicht, da sie in der Minderheit seien. Allein man könne behaupten, daß sie in zehn Jahren die Verantwortung für die Geschicke Frankreichs tragen würden, und dann werde Frankreich, wie einst durch die religiöse, später die monarchische, zuletzt die revolutionäre Einheit, auch einmal durch die sozialistische Einheit groß werden.
* Mern, 5. Juli. Die „Schweizer Telegraphen- Agentur" versichert, daß der frühere Bundespräsident Numa Droz sich formell die Entscheidung über die Annahme des ihm angebotenen Postens des Gouverneurs von Kreta bis zu dem Zeitpunkte vorbehalten habe, wo die Mächte sich über zahlreiche, noch den Gegenstand von Verhandlungen bildende Punkte geeinigt haben würden. Die Verhandlungen seien noch nicht beendigt, und Numa Droz scheine anzunehmen, daß sie noch ziemlich lange währen würden.
x Deutsches
Berlin, 5. Juli.
* Der Hailer trat heute seine Nordlandsreise an Bord der Yacht „Hohenzollern" von Travemünde aus an. Bei der Ausfahrt dampfte der Kreuzer „Gefion" voraus, während die Torpedoboots-Division folgte.
* Aus dem Ileiscpkau des Kaisers theilen die ,Hamb. Nachr/ mit, daß der Monarch auf der Aacht „Hohenzollern" von Christiania aus am 7 Juli in Hardanger, am 11. in Stahlheim, am 14. in Dront- heim eintreffen wird. Vom 18. bis 21. d. Mts. ist ein Aufenthalt in Ranenfjord und Nordland vorgesehen, vom 23. bis 28. ein solcher in Olden und Nordfjord; am 29. und 30. Juli gedenkt der Kaiser in Bergen zu sein. Die Rückfahrt soll dann ohne Aufenthalt nach Kiel erfolgen.
* Das Kandschreiöe« des Kaisers an Mini- Ker v. 2$5ffidjer aus Anlaß dessen Amtsentlassung erinnert, wie die ,Franks. Ztg/ bemerkt, lebhaft an das Handschreiben, das der Kaiser am 21. Juni 1895 an denselben Minister richtete, als Fürst Bismarck seine bekannte Rede von den Minister-„Klebern" gehalten hatte. Jenem Handschreiben wurde allgemein ein demonstrativer Charakter beigelegt, es wurde als eine Kundgebung gegen die auf Herrn v. Bötticher gemünzte Bismarck'sche Charakterisirung aufgefaßt. Der Kaiser empfand es als ein Bedürfniß, Herrn v. Bötticher „für die hingebende Treue", mit der er das Werk des Nordostfee - Kanals gefördert, feinen „Kaiser!. Dank" und seine „volle Anerkennung" zum Ausdruck zu bringen und ließ ihm seine Büste in Marmor als Zeichen des besonderen Wohlwollens zugehen; er sprach ihm zugleich seinen „warmen Dank" uus für die „hervorragenden Leistungen, die er ihm, seinem in Gott ruhenden Großvater und seinem Vater in patriotischer Hingebung geleistet habe, und die er noch lange sich und dem Vaterlande zu erkalten wünsche." Auch jetzt wieder hat der Kaiser das Bedürfniß gefunden, Herrn v. Bötticher seinen „besonderen Dank" auszusprechen, und zwar abermals .„für die hingehende Treue", mit der er die ihm übertragenen verantwortungsvollen Aemter so erfolgreich ^verwaltet habe. An die Stelle der Marmorbüste ist aber diesmal die Entlassung getreten, nur mit dem Vorbehalt einer Verwendung in anderer Stellung, das heißt als Oberpräsident, sei es in Schleswig oder in Hannover oder, wie es neuerdings heißt, in Kassel; auf die Erhaltung der Leistungen des Herrn v. Bötticher als Staatssekretär aber reflektirt der Kaiser jetzt, .zwei Jahre nach jenem früheren Handschreiben, nicht mehr — so schnell hat sich die Stimmung gewendet. Zwar spricht der Kaiser auch jetzt wieder die Hoffnung aus, daß Herr v. Bötticher „noch lange ihm und dem Vaterlande seine hervorragenden Dienste widme"; aber diese schöne Phrase gilt diesmal dem künftigen Oberpräsidenten und Ex-Staatssekretär, und
Das anfängliche Staunen Bastians wich einem stärkeren Gefühle. Sein Gesicht strahlte, und als Vogtherr endlich verstummte, sprang er mit einem Iubelrufe auf.
„Und sonst habe ich gar nichts zu thun?" fragte er.
,,-ediglich nichts," versicherte Vogtherr, „als dabei ^9. nnd vorsichtig zu sein. Es wird sich jedoch «mpsehlen, wenn Du nebenbei einen ähnlichen Handel wie Vogel betreibst, dann versteht sich Dein Umher- ieqen von selbst."
Wan machte einen Luftsprung. „Hurrah," rief er, „das lasse ich mir gefallen! Das gibt-ein Leben, wle es im Himmel nicht schöner sein kann! Georg, Du bist doch em wahrer Prachtmensch."
In seiner Begeisterung schloß er den Kohlenbren- mer in die Arme und preßte ihn stürmisch an sich.
Plötzlich jedoch ließ er los. Rasche Schritte Näherten sich. Er trat vor die Hütte und sah, wie Vogel gegen dieselbe daher kam. Er bemerkte dessen Verstörtes Gestcht, das ihm übrigens nach dem Voraus- begangenen durchaus nicht auffiel. Es war ja recht
nach der gemachten Erfahrung weiß man, daß solche kaiserlichen Versicherungen nicht so gar viel für die Stellung des Betreffenden zu bedeuten haben. Denn die „hervorragenden Leistungen" des Staatssekretärs hätte sich der Kaiser auch noch länger als zwei Jahre erhalten können; Herr v. Bötticher hätte schwerlich auf seinem Ausscheiden aus der Regierung bestanden, wenn ihm die Einreichung des Entlassungsgesuchs nicht außerordentlich nahe gelegt worden wäre. Er hat ja selbst in seiner Abschiedsansprache an die Beamten des Reichsamts des Innern betont, wie schwer ihm das Scheiden aus dem Staatsdienste und von seinen Mitarbeitern falle. Wir haben also den Fall vor uns, daß ein Minister nach eigener Erklärung ungern aus dem Amte scheidet, der Monarch attestirt ihm ausdrücklich die erfolgreiche Verwaltung seines Amtes — und doch muß er die Entlassung nehmen. Da ist doch gewiß die Frage berechtigt, nach welchen Grundsätzen denn überhaupt bei uns Minister entlassen und ernannt werden, wenn so eklatante Widersprüche vorliegen. Das Kapitel der Ministerentlassungen dürfte überhaupt weit charakteristischer für unsere inneren Zustände sein, als man gemeinhin annimmt.
* Der,Vorwärts' gibt aus der Windthorst- Wede des Abg. Dr. Lieber den Abschnitt wieder, worin die Mittheilung gemacht wird, daß der verewigte Centrums-Führer die Stelle eines fürstlichen Vermögens-Verwalters mit einem Jahres-Einkommen von 100,000 Mark ausgeschlagen hat, um seine Kraft und Arbeit ganz der katholischen Sache zu widmen. Das sozialdemokratische Central-Organ bemerkt dazu:
„Die Anekdote aus dem Leben Windthorst's ist wahr. „Die Perle von Meppen" war. was immer man von der Parteislellung denken map, durch und durch lauter. Es gab keinen selbstlosern Charakter, nnd dies hat ihm die hohe Achtung und Sympathie verschafft, die er noch heute bei allen Parteien genießt. Er, der Besieger Bismarck's, starb arm wie eine Kirchenmaus, während Bismarck, der, als er Minister wurde, arm mar wie eine Kirchenmaus, heute seine Millionen nach Dutzenden zählt. Die Macht Windthorst's lag übrigens, ähnlich wie die der katholischen Kirche, in dem Zauber demokratischen, oder vielleicht richtiger: volksthümlichen Wesens,, das trotz aller Enge der- religiösen Anschauung ihm eigen war, das -.hm bessere Dienste geleistet hat, als die Kunst der Diplomatie, in der er Meister war."
Mit Recht bezeichnet der,Vorwärts' als diejenige Charakter-Eigenschaft, welche Windthorst in besonderm Maße die allgemeine Sympathie sicherte, seine Selbstlosigkeit. Nichts gewinnt in solchem Maße namentlich das Vertrauen der Volksmasse. Die Stelle mit einem Jahres-Einkommen von 100,000 Mark, welche Windthorst ausschlug, war die ihm vom Kaiser vonOe st erreich angebotene Vermögens-Verwaltung des jungen Prinzen von Thurn und Taxis.
* Kaum ist der Ausstand der Bergarbeiter im Zeitz-Weißenfelser Kohlenrevier beendigt, so werden anderorts neue Arbeiterbewegungen sig- nalisirt. So haben die Stuckateure von Hamburg und Umgegend in einer Versammlung die Lohnwordenen Schonung des Haidhofers von Amts wegen in Anklagezustand versetzt und bestraft wurde.
Aus den ersten Worten des Freundes erkannte er jedoch sofort, daß dessen hochgradige Verstimmung nicht dieser Besorgniß entsprang.
„O Weiber, Weiber," knirschte dieser, ohne den ihm von dem Vater Martha's entbotenen Gruß zu erwidern. „Schlangen sind sie alle, und Deine Tochter, Georg ist um kein Haar besser, als die anderen, wenn sie schon immer so sittsam und zimperlich thut. Heu will ich fressen, wenn sie nicht schon lange mit dem Haidhofhermann unter der Decke gespielt hat. Und ich verliebter Esel merkte es nicht."
Bastian und Vogtherr wechselten einige verständ- nißvolle Blicke. Was bis jetzt bei dem einen oder andern vielleicht nur Vermuthung gewesen, nahm auf einmal greifbare Gestalt an.
„Was ist denn los?" forschte der Kohlenbrenner; „Du bist ja ganz aus Rand und Band." •
Das Sirndrnerbe.
Original - Roman von Max Benno.
-19 -—-— (Nachdruck verboten.)
„Was los ist?" wiederholte Vogel mit Wuth, „der Teufel, der mich in meiner Blindheit nicht schlecht zum Narren gehabt hat! Daß mir Deine Martha gefiel, weißt Du schon lange. Du hättest auch nichts gegen eine Heirath gehabt. Gestern schwamm ich - "».Ä-rj. S. ark «'x „V", ~r •--* »“ —■>- förmlich im Glücke, weil die Kleine so zutraulich that,
rvohl möglich, daß Adolf trotz der bereits bekannt ge- und fast nur mit mir getanzt hat. Die dabei zum