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JK 149 Montag, den 5. Juli 1897. 24. Jahrgang

FuldacrWZkitiilig

mit Unterhaltung» Beilage „Sterne und Klumen".

Erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Bierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig. Inserate kosten die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Nun noch in Kürze zu jener erstaunlichen Aufgabe, die für die Katholiken in unserer Zeit von ganz be­sonderer Wichtigkeit ist, und die ich schon kurz an­deutete. Der liebe Gott verlangt von einem nicht

Wahrhaftigkeit, Dankbarkeit, Bestrafung der Unge­rechtigkeit und nicht zuletzt durch die Freundschaft. Wir alle, die mit ihm gelitten und gestritten, wissen es: Es gab im ganzen Centrum nie einen besseren Freund eines jeden von uns. (Bravo!) Endlich war er ausgezeichnet durch seinen Starkmuth, seine Ent­schlossenheit im Kampfe, Geduld im Leiden und Be­harrlichkeit in der Vertretung seiner Grundsätze, in denen er als unerreichtes Muster vor uns steht. , . ---------, x—-,-o — -......

Und, wohl gemerkt, wir dürfen zu seinem Ruhme hier einen Augenblick bei unserem Windthorst ver­sagen, das war bei ihm nicht überall menschliche weilen kann, ist der Rückschluß nicht erlaubt, daß der

Tugend. Wer ihn gekannt, wird sich erinnern, wie ”” v '

ängstlich er sehr häufig vor einer großen Entscheid­ung, vor einem entscheidenden Treffen war. Es waren wirklich katholische Tugenden, die dieser sta-k- müthige Mann im Augenblick der Entschließung, mitten im Getümmel des Kampfes bewährte. Seine Unverzagtheit, Entschlossenheit und Beharrlichkeit be­geisterten da alle Mitstreiter, das gesammte kathol.

Volk, die er trotz aller Hindernisse im unaushaltsamen Siegeslauf mit fortriß. (Großer Beifall.)

Wir müssen heute besonders rühmen jene Ge­rechtigkeit, die er auch gegen Nichtkatholiken in allem seinem Thun und Denken, vor allem aber auf parla­mentarischem Boden bethätigte. Nicht einen Einzigen von ihnen, keinen Protestanten, keinen Juden, keinen Ungläubigen hat er jemals nicht nur nicht persönlich angegriffen, nein von irgend jemanden auch nur das kleinste Haar krümmen lassen. Wie für die eigene Freiheit, so trat er Tag für Tag auch für das Recht und für alle berechtigten Forderungen aller Volks­genossen ein.

Aber ich komme noch ein Mal auf sein Beispiel im öffentlichen Leben zurück, und da, sage ich, hat er, wie er uns nun schon zwei Tempel als Denkmäler hinterlassen hat, uns auch einen lebendigen Tempel hinter­lassen, in dem so recht zum Ausdruck kommt, ein Mal, daß unsere heutige Aufgabe im öffentlichen Leben liegt, und dann, wie ein jeder an seinem Platze,

Mann, der mehr als 20 Jahre in allen Fährnissen und Versuchungen des öffentlichen Lebens sich als die Verkörperung des Katholizismus bewährt hat, daß dieser Mann auch im Herzen ein Katholik ge­wesen sein muß? Gewiß, er hat sehr viele fromme Andachtsübungen, die müßige Katholiken pflegen können nnd sollen, unterwegs lassen müssen. Er war auch wahrscheinlich nicht Mitglied vieler, den einzeln nen durch fromme Hebungen sehr in Anspruch nehmen­den katholischen Vereine. Aber gibt dasjenigen, die weiter nichts als solche sind, auch nur den Schatten eines Rechtes, unferm Windthorst daraus einen Vor­wurf zu machen? Ich kann nicht sagen, wie sehr mein Herz sich empört, wenn heute ein Mann wie Windthorst, der von früh bis spät, ja auch manche schlaflose Nacht hindurch dem Katholizismus alles gewidmet hat, was ihm zu Gebote stand, wenn ein solcher Mann in seinem Katholizismus verdächtigt wird.

an dem seinen gethan. Weil Einer zum Apostel be­rufen, müssen wir darum alle Apostel sein? Weil der einzelne zum Propheten erwählt ist, kann darum jeder Prophet, weil der Einzelne zum Evangelisten berufen, jeder Evangelist sein, wenn wir den Aposteln, Propheten, Evangelisten als unsere Vorbilder nach­folgen sollen? Windthorst ist ein Vorbild für alle Katholiken darin geworden, daß er jedem gezeigt hat, daß man sein ganzes Kapital von Anlagen einsetzen kann, um an seinem Platz, in seinem' Berufe ein ganzer Katholik zu werden. (Beifall.) Ebenso hat der liebe Gott das Maß des Glaubens nicht einem jeden zugetheilt in gleichem Maße, und so fordert er, daß wir nicht höher von uns denken, als sich geziemt, nach dem Maße des Glaubens, das Gott einem jeden zugetheilt. Mögen in anderen Jahrhunderten, in andern Ländern, die sich zum Christenthum, zur katholischen Kirche bekennen, andere Aufgaben int Vordergründe gestanden haben und stehen: in unserer Zeit und in unferm Vaterlande stand und steht die öffentliche Bethätigung des Katholizismus an erster Stelle. (Lebhafter Beifall.) Wir wissen, auf die Dauer wird niemand sich im öffentlichen Leben als Katholik bewähren, der es nicht in sich und int Pri­vatleben wirklich ist (Sehr richtig;), und wenn ich

alles, sondern jeder soll seinen Glauben vertreten in der ihm angewiesenen Stelle und mit den ihm ge­gebenen Mitteln. Und in dieser Beziehung ist kaum ein zweiter so Vorbild vor uns geworden, wie Windt­horst. Sein ganzes Leben lehrt, daß jeder an seinem Platze genau dasselbe thun und wirken kann, was er

meine Absichten ehrlich sind. Nun frage ich Dich noch einmal: Willst Du mein Weib werden? Der Einwilligung Deines Vaters bin ich gewiß."

Martha hatte ihre anfängliche Befangenheit über­wunden. Sie fühlte sich im Innersten durch den herausfordernden, fast drohenden Ton dieses Braut­werbers verletzt.

„Ich begreife nicht," hielt sie entgegen und zwang sich zur Ruhe, „wie Du auf einmal zu einem solchen Anträge kommst. Ich gab Dir doch niemals eine Veranlassung dazu. Da Du es jedoch wissen willst, so sage ich Dir: einen Menschen, der ahnungslose Mädchen verfolgt, dem es nicht darauf ankäme, einen Freund im Zorn todtzustechen, der halb betrunken um diejenige zu werben wagt, welche er heimführen will, heirathe ich nicht!"

In den Augen Adolfs flammte es auf. Er erhob sich. „Du hältst mir ja ein recht hübsches Sünden­register vor," zischte er grimmig, „aber davon, daß man mich halb tobt schlug und wüthend gemacht hat, sagst Du kein Wort. O, ich weiß recht gut, warum! Das glattwangige Muttersöhnchen auf dem Haidhofe mit feiner gefüllten Geldtruhe gefällt Dir natürlich beffer, als der arme Musikant, welcher dem täglichen Brod nachgehen muß. Das hat man mir schon heute Morgen früh zugeflüstert und deshalb griff ich, um

Windthorst als Katholik.

(Schluß.)

Wie Windthorst im Bekenntniß seines Glaubens, der Vertheidigung der Rechte und Freiheiten katho­lischer Gewissen und unserer hl. Kirche, so war er aber auch zu gleicher Zeit und eben darum ein Muster in allen übrigen sittlichen Tugenden, die in feiner hohen katholischen Tugend ihre Vollendung empfingen. Vor allem war er ausgezeichnet durch Treue, die erste der sittlichen Tugenden, durch Klug­heit, Gerechtigkeit, Pietät, Ehrerbietung gegen Höhere, insbesondere gegen kirchliche Und weltliche Autoritäten,

auf die

,^ulöaer Zeitung' werden zu jeder Zeit von allen Postanftalten, den Landbriesträgern, Zeitungsträgern sowie in unserer Expedition (Harmonie) angenommen.

*<y Das Surrderrerve.

Original - Roman von Max Benno.

------- (Nachdruck verboten.)

Ju Gedanken verloren, hatte sie das Oeffnen der Hausthüre nicht vernommen und war deshalb nicht wenig betroffen, als Adolf Vogel ohne weiteres die Stube betrat. Ein peinliches Gefühl beunruhigte sie. Sre erkannte an den gerötheten Augen und der •£)a^un9 des jungen Mannes, daß derselbe ®es .®^en Breits zu viel gethan hatte.

r 2 „ ^"Worten: „Der Vater ist auf der Kohl- c te. 1ie ihn deshalb kurz abzuweisen, aber Jbolr nahm davon keine Notiz. Er setzte sich auf

„Das ist mir gerade recht," sagte er; „nun kann ich da weiter machen, wo ich gestern aushören mußte, weil der unverschämte Bengel Hermann mich nieder- schlug. -vjd) habe zwar heute schon ein Vöglein davon ptetfen Horen, daß Du schier in Verzweiflung ge­deihest, weil dem affen von mir ein paar Bluts- tropfen adgezapst worden sind, und ich kann mir un­gefähr denken, welche Antwort ich erhalte aber rotffen will ich bestimmt und aus Deinem eigenen Munde hören, wie ich mit Dir daran bin Ich fagte Dir gestern, daß ich Dich gern habe und daß

diese Aufgabe erfüllen kann und muß, indem gegen­über der neuesten und dringendsten Gefahr, die dem gefammten Katholizismus, nein, der ganzen christlich- germanischen Gesittung und dem deutschen Volke droht, das gesammte katholische Deutschland zusammen- thun muß. Ich glaube, ich habe ein Recht dazu, zu behaupten: Wir haben drei Windthorst-Tempel: die Marienkirche in Hannover, die St. Ludwigskirche in Berlin und den Volksverein für das katholische Deutschland. (Lebhafter, anhaltender Beifall.)

Und nun erinnere ich zum Schluß an ein Wort, welches ein vieljähriger Mitkämpfer und treuer Mit­arbeiter Windthorst's kürzlich gesprochen, Prof. Dr. Frhr. v. Herkling: „Ein Mann, der erfolgreich in die Forschung eingegriffen, dessen Name mit weit­hin sichtbaren Zeichen in den Blättern der Geschichte eingegraben ist, und der zugleich in seinem Leben sich stets als treuer Sohn der Kirche bewahrt hat, wiegt ganze Bände Apologetik auf." Machen wir die Anwendung: Ein einziger Parlamentarier, wie Windt­horst, der auf politischem Gebiete, was er geleistet, geleistet hat der katholischen Kirche zum Segen, der auf parlamentarischem Gebiete den Katholizismus zu Ehren gebracht, wie niemand vor ihm, ein einziger Politiker, ein einziger Parlamentarier, wie Windthorst, der zu gleicher Zeit in Wort und That ein Menschen­alter hindurch sich als treuer Sohn der katholischen Kirche bewährt hat, er wiegt ganze Bände der Ver­theidigung des Katholizismus vor allen seinen Wider- sgchern auf._____________________________________

Deutsches Keich*

Berlin, 3. Juli.

h. Der Dundesrattj hielt am Freitag unter dem Vorsitz des Staatssekretärs Grafen Posadowski seine letzte Sitzung in der gegenwärtigen Tagung ab. In derselben wurde den Ausführungsbestimmungen zum Margarinegesetz und dem Entwurf einer Bekannt­machung betr. die Einrichtung und den Betrieb der Buchdruckereien und Schriftgießereien mitModifikationen die Zustimmung ertheilt und die Wahl des Vorsitzen­den der Berufungskammer in Ehrengerichtsangelegen­heiten gegen Börsenbesucher vorgenommen.

* Auf die Mannschaft des Kreuzers „Möwe" haben die Alyleute von Berlinhafen nach einem beim Oberkommando bet Marine eingelaufenen Bericht während einer Vermeffungsarbeit einen Angriff ge­macht. Auf der Westspitze der Insel Aly sollte eine Bake errichtet werden. Erst halfen die Eingeborenen den deutschen Matrosen, bald aber gingen sie zum Angriff über und töbteten zwei von ihnen, während zwei verwundet wurden. In dem sich nun entspinnenden Kampfe wurden mehrere Einwohner getödtet, worauf die andern in die Wälder entschwanden. Obwohl die Besatzung der „Möwe" 96 Kanoes zerstörte, ist es den Alyleuken doch gelungen, während der Nacht von der Insel zu entkommen, so daß vorläufig nur an ihrem Hab und Gut Sühne genommen werden kann.

meine Enttäuschung hinunter zu spülen, zum Glase. Ich meinte es gut mit Dir. Ich könnte Dir kein glänzendes Loos anbieten, aber Sorgen hättest Du mch keine gehabt. Aber Du verschmähst mich, weil ich Dir der Geizteufel auch schon iu den Nacken gesetzt hat. Meinethalben! Umbringen wird die Geschichte mich nicht, aber das sage ich Dir, daß ich ein unbändiges Vergnügen empfinden werde, wenn es Dir gerade so ergeht, wie noch jedem, der sich mit diesen Haidhofern einließ."

Unter höhnischem Lachen stürmte er fort und ver- chwand in dem Walde.

Die häßliche Szene hatte das Gemüth des Mäd­chens in peinliche Aufregung versetzt und Adolf's am Schluffe ausgestoßene Drohung sie sichtlich erschreckt, lnwillkürlich zog das, was sie über Vorgänge und Ereignisse, welche in früherer Zeit mit dem Haidhofe in Zusammenhang gestanden, schon gehört hatte, an ihrem geistigen Auge vorüber und erzeugte eine wach­ende Unruhe in ihr. Hatten doch ihr Großvater und der Stiefbruder ihres Vaters, wie man behauptete und wie ihr von der Tante wiederholt schon erzählt worden war, bei jenen Begebenheiten eine Rolle ge­stielt. Das fromme Vertrauen und der Glaube an eine weise und gütige Vorsehung halsen ihr jedoch über ihre Sorgen hinweg, und ehe es Mittag wurde,