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v 148 Samstag, den 3. Juli 1897 24. Jahrgang

Fill-akrWZkitiiiig

mit UnterhaLtrrngs-Kettage „Sterne und Ktumen". _______________

in unser aller Herzen schlummerte, und Niemand von uns, auch der hellsichtigste nicht, hätte damals für möglich gehalten, daß nach 25 Jahren, nach der kur­zen Spanne eines Vierteljahrhunderts, der Katholizis­mus in Deutschland mit einer Krast im öffentlichen Leben dastehen werde, wie, getrost behaupte ich es, niemals und nirgendwo anders. (Lebhafter Beifall.) Und wer hat das Verdienst? Gewiß, wir Katholiken sind die Leute nicht, alle Ehren auf einen Einzelmann zu häufen. Neben ihm standen große politische Män­ner, die wir mit ihm als längst von uns gegangen begraben haben, und es wird sich gehören, am heutigen Abend den Namen v. Mallinckrodt mit vielen anderen zu nennen, und der Männer, wie des Frhrn. d. Schor- lemer-Alst, von und zu Franckenstein, der Reichens­perger und vieler anderer in unserer Dankbarkeit zu gedenken. Ueber ihm standen große Kirchenfürsten, von denen einer auch zu feinen parlamentarischen Mit­streitern gehörte: der unvergessene und unvergeßliche große Bischof von Mainz, Wilhelm Emanuel Freiherr v. Ketteler. (Bravo.) Und als seine und unser Aller Stütze standen dichtgeschaart ungezählte Massen des gläubigen katholischen Volkes. (Bravo.) Aber ihm war es vergönnt, wie er der erste unter der erlauch­ten Tafelrunde der damaligen Zeit war, so auch einer der am längsten im Kampfe Stehenden zu fein, und wie vor dem aufgehenden Glanze der von dem seligen Mallinckrodt so schön bezeichneten „Perle von Meppen" alle anderen neben ihm verblichen, so strahlt vor ihnen allen sein Gestirn auch in alle Zukunst über unserem deutschen Vaterlande und unserem katholischen Volke.

Gewiß — auf keinen Augenblick kann und darf das verkannt werden —, was er geleistet, ist nicht zum wenigsten möglich gewesen eurch die treue und ausdauernde Mithilfe auserlesener und bescheidener Mitarbeiter und das unerschütterliche Vertrauen des katholischen Volkes. Niemand hat wie er es verstan­den, dem katholischen Glauben eine Gasse zu brechen in die Reihen seiner Feinde und aus dem Herzen des katholischen Volkes heraus in die Herzen des katho­lischen Volkes hineinzusprechen mit einem Widerhall ohne Gleichen. (Lebhafter Beifall.) Es würde viel zu weit führen, wenn ich auch nur an die wichtigsten Phasen jenes großen Kampfes erinnern wollte, den man ziemlich unbeabsichtigt mit dem fehr richtigen Namen Kulturkampf belegte. In jenem erbitterten Kampfe, man kann menschlich gesprochen sagen jenem verzweifelten Kampfe um Sein oder Nichtsein der Katholiken und des Katholizismus in Deutschland, in diesem Kampfe stand Windthorst wie der gewiegteste Feldherr, so auch der unerschrockenste Ritter, und darum war er auch auf der ganzen Linie jederzeit der Sieger (Bravo!), zuerst moralischer Sieger, zuletzt auch wirklicher Sieger. (Lebhaftes Bravo.)

Ich erinnere mich sehr gut der Zeit, da ich als junger Parlamentarier des Schriftsühreramtes im preußischen Abgeordnetenhause zu walten berufen war. Neben mir amtirte ein älterer Parlamentarier, auch Katholik, sich sogar rühmend, aus dem bekannten Wallfahrtsorte Telgte bei Münster i. W. zu stammen. Nie werde ich das Wort vergessen, mit dem er mich eines Tages während einer der heftigsten Kulturkampfs- Debatten anließ: „Lieber", so sagte er, „Sie sind doch auch viel zu gescheidt, um an den Pfaffen kram zu glauben! Sie sind auch nur aus Politik im Cen­trum!" Nun, meine verehrten Festgenoffen, wenn ein Mann, der fo sprach, in unsere Reihen eingetreten ist, und er ist voll und ganz eingetreten, so hat das größte Verdienst der Mann, der in einer Zeit und in einem Lande, wo die herrschende Gegnerschaft gegen uns gewohnt war, auf die Katholiken als auf eine rückständige Masfe von Rundköpfen herabzublicken, den eingebildetsten Pharisäern des modernen Wissens und der Bildung gezeigt hat, daß auch ein Kind des alten Glaubens sich neben diesen modernen Lichtern sehen lassen kann. (Lebhafter Beifall.) Sein unermüd­liches, unverdrossenes Eintreten hat es zu Wege ge­bracht, daß der Katholizismus wieder einen Platz im öffentlichen Leben unseres Vaterlandes einnehmen kann.

Ich will nur in aller Kürze daran erinnern, wie er es bei dem Bekenntniß seines katholischen Glaubens, bei dieser Vertheidignng der Rechte und der Freiheit des katholischen Gewissens in Reich und Staat auf parlamentarischem und politischem Gebiete nicht hat

bewenden lassen, sondern feine kärgliche Ruhezeit noch eingeschränkt hat, ,um direkt und mittelbar ermuthigend auf das katholische Volk einzuwirken; so hat er auf allen katholischen General-Versammlungen feit 1879 ermunternd, nach allen Seiten anregend und immer wieder von neuem begeisternd zu feinen Freunden, zu dem versammelten katholischen Deutschland und nur mittelbar zu seinen Gegnern gesprochen. (Beifall.) Aber auch auf diese seine, mittelbar ihnen gewidmeten Worte, mit welcher Aufmerksamkeit haben sie sich gewöhnt, von Jahr zu Jahr gespannter zu lauschen! Man kann geradezu sagen: in dem, was auf den großen Heerschauen, wie er sie nannte, in jedem Herbste Windthorst sprach, erkannte man für das ganze folgende Jahr das Wort und Feldgeschrei der deutschen Katholiken. Und mit welcher Bescheidenheit wies er alle Ehren, außer einer einzigen, zurück; die aber war ihm, wie die alte Fabel vom Riesen An- thäus e^ählt, die Mutter Erde, von der er immer wieder neue Kraft gewann im Ringkampfe mit dem Herkules: die Zustimmung, die begeisterte Anhänglich­keit des katholischen Volkes. Sonst suchte er weder Ehren noch Güter. Beinahe möchte man ihm das Letztere in unserer materiellen Zeit noch erheblich höher anrechnen. Ich habe schon bei einer andern Gelegenheit aus feinem an Belegen hierfür reichen Leben einen, meiner Schätzung nach, überzeugenden veröffentlicht, den zu veröffentlichen er mir bei Leb­zeiten streng verboten hatte. Ich trage kein Bedenken, das auch heute hier mitzutheilen. Eines Tages erhielt Windthorst von dem gekrönten Vormund eines minderjährigen katholischen Fürsten das Anerbieten der Hauptleitung der Vermögens-Ver­waltung dieses seines Mündels gegen ein Jahr­gehalt von 100 000 Mark und die entsprechende Sicherung für Frau und Kinder im Falle feines Ab­lebens. Windthorst war nicht mit Glücksgütern gesegnet, und was er außer feinem spärlichen hannoverschen Minister-Ruhegehalt noch bedurfte, hatte er sich bis zu feinem Lebensende als gewiegter praktischer Jurist mit seiner Feder verdient. Dieser Mann nun in solcher Sage, hochbetagt und angesichts der Thatsache, daß der Kulturkampf sich zu Ende neigte, was that er? Er schrieb an zwei verbannte Kirchenfürsten und bat sie zu einer Besprechung in Privat-Angelegenheiten nach einem Grenzorte. Er trug ihnen dort den Fall vor, stellte ihnen alles dar, wie es sich bei ihm zu Hause verhielt, und richtete die schlichte Frage an sie: „Halten Sie es für meine Pflicht als Katholik, dies Anerbieten von der Hand zu weisen, oder glauben Sie, daß ich es mit meinem Gewissen als Katholik vereinen kann, es anzunehmen?" Diebeiden Kirchensürften zogen sich zur Berathung zurück und kamen wieder mit der Antwort: „Deine Pflicht als Katholik ist, auszuharren, wo Du stehst!" Und Windt­horst packte fein Handköfferchen, fuhr nach Hannover und schrieb dem gekrönten Vormund ab. (Lebhafter, anhaltender Beifall.) Fürwahr, ein ergreifendes Zeug- niß dafür, wie er es mit seinem Katholizismus ernst nahm und daß es keine größere Schmähung geben kann, als diesem Mann nachzureden, er sei nur aus Politik Katholik gewesen.

(Schluß folgt.)

Windthorst als Katholik.

Der herrlichen Rede, welche der Abg. Dr. Lieber in der Fest-Versammlung nach Einweihung der Ber­liner Ludwigskirche über das Thema „Windthorst als Katholik" gehalten hat, entnehmen wir, dem Berichte der ,Germania' folgend, die folgenden Ausführungen:

Windthorst war ein großer, er war vielleicht der größte Parlamentarier aller Zeiten und aller Länder. Feiern wir (in nuferer Ludwigskirche) diesen großen Politiker? Wir können es offen aussprechen, wir feiern ihn als solchen nicht, wir feiern ihn als Katho­liken! (Lebh. Bravo!) Ich weiß sehr wohl: sehr viele außerhalb und leider noch auch sehr viele unter uns selbst haben ihm den Ehrentitel immer und immer wieder streitig zu machen gesucht. Wem wäre er nicht zu Ohren, wem nicht unter die Augen gekommen der Vorwurf, Windthorst fei Politiker und nichts als Politiker, und wie dem König Midas der alten Fabel alles, was er anrührte, durch den Fluch Apollo's zu Gold, fo fei ihm alles, auch fein Katho­lizismus, zur Politik geworden. Diesem Vorwurf zu begegnen, ihn in das richtige Licht zu stellen, habe ich für eine würdige Aufgabe des heutigen Abends, für ein entsprechendes Angebinde der deutschen Katholiken, für die Berliner für das heutige Kirchweihfest ge­halten. (Bravo!) Ich sage also: Weit entfernt, daß ihm, dem Politiker, alles, auch fein Katholizismus, zur Politik geworden fei, ist Windthorst einer der größten Katholiken, die in unferm deutschen Vaterlande in diesem Jahrhundert gelebt haben, weil er alles, auch feine unvergleichliche politische Begabung, in den Dienst des katholischen Glaubens, des Katholizismus selbst gestellt hat. (Bravo!)

Der gefeierteste deutsche Politiker unseres Jahr­hunderts war einganzer vollwichtiger Katholik, war ein Katholik, den wir nicht nur als Muster für uns, sondern als Muster für alle Katholiken des ge- fammten Erdkreises getrosten Muthes und hocherhobener Stirn in Anspruch nehmen. (Lebhafter Beifall.)

Windthorst zeichnete vor allen Dingen das leider in unserer Zeit so vielfach aus dem Bewußtsein ge­kommene Festhalten an der Thatsache aus, daß der Glaube ein von Gott gegebenes, ein von Gott uns eingegebenes Licht sei, und daß derjenige Katholik die größte Ehre verdient, der aus diesem Bewußtsein heraus sich in der Sage, in der er sich befindet, in dem Berufe, zu dem ihn Gott bestimmt, und mit den Mitteln, die er ihm geschenkt, einen treuen, festen und lebendigen Glauben jederzeit zeigst. Einen treuen, festen und lebendigen Glauben wiederhole ich; und wer hätte da in unserer Zeit ein leuchtenderes Beispiel in dieser das Wesen eines Katholiken ausmachenden Stellung dem Glauben gegenüber gegeben, als in feinem Berufe, mit feinen Talenten, an der Stelle, auf der er gestanden, unser unvergeßlicher Führer Windthorst? (Lebhaftes Bravo!) Zu gleicher Zeit aber hat er, man kann geradezu sagen, eine Wiederbelebung des Bewußtseins von der Kraft des Glaubens in unserer Mitte geweckt und jeder wesentlichen Eigen­schaft des Katholiken das Verständniß bis in die weitesten Kreise wieder geöffnet, daß nicht einer allein, daß wohl aber alle vereinigt zusammen zu wirken haben, wie der Apostel von uns verlangt, als Glieder untereinander in die Hände zu arbeiten und als Glieder dieses Leibes der sichtbaren Kirche, deren Haupt Christus ist, die ganze Aufgabe der erlösten Menschheit zu erfüllen haben. Ich komme darauf in wenigen einzelnen Zügen zurück.

Wer sich von uns Weiteren den Zustand vergegen­wärtigen will, in welchem wir uns vor 25, ,26 Jah­ren in unserem Vaterlande befanden, der wird mir Recht geben: daß in seines Herzens Kämmerlein, in allen Werken christlichen Glaubens in Haus, Familie, Gemeinde und frommen Vereinen der Katholizismus in unserem Vaterlande wieder szu einer am Anfang dieses Jahrhunderts nicht geahnten neuen Blüthe sich entfaltet hatte. Er wird mir aber auch zugeben, daß das öffentliche Bewußtsein von der Kraft und Bedeu­tung dieses Katholizismus bis dahin noch so ziemlich

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Uermrschtes.

* Dem Andenken des Pfarrers Kneipp widmet die Münchener Medizinische Wochenschrift', welche ihm zu Lebzeiten oft sehr scharf entgegentrat und auch jetzt noch der Ansicht bleibt, daß seine Thätigkeit im Ganzen eine „un­heilvolle' gewesen sei, gleichwohl anerkennende Worte. „Kneipp war doch eine so originelle und interessante Er­scheinung, daß er mit Kurpfuschern gewöhnlichen Schlages nicht auf eine Stufe gestellt werden daff. Von diesen unter­scheidet ihn vor Allem seine Uneigennützigkeit und seine Menschenliebe. Kneipp überließ die großen Einnahmen, die ihm von selbst zuflossen, den von ihn gegründeten wohl- thätigen Stiftungen. An Kneipp 'st ein Arzt ver­loren gegangen. Man konnte ihm 'einer achtenswerthen Charakter-Eigenschaften halber nicht feind sein." Nach einer scharfen Kritik der Kneipp'schen Heilmethode giebt die Wochen­schrift zu, daß die abhärtende Behandlung und Lebensweise in vielen geeigneten Fällen auch gute Dienste geleistet und Kneipp einen günstigen Einfluß auf die Popularisirung der Anwendung des kalten Wassers ausgeübt habe.

* Musikalisches. Junger Musik-Enthusiast (nach schier endlosen und schlecht gespielten vierhsindigen Sonaten): „Herr Onkel werden gleich etwas auf dem Klavier zu hören be­kommen, was famos klappt!" — Onkel (Gast): „Freut mich sehr! Du meinst doch den Deckel?!"