24. Jahrgang
Samstag, den 3. Juli 1897.
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mit UnterhaUungo-Krilage „Sterne und Klumrn"._________________
Deutsches Skidj*
Berlin, 2. Juli.
* Der Kaiser wird sich zwischen seiner Nordlandfahrt und der auf den 7. August festgesetzten Petersburger Reise 3—4 Tage am Tegernsee aufhalten. Für die Herbstmanöver sind bis jetzt folgende Dispositionen getroffen: In Würzburg werden Kaiser und Kaiserin, der Prinzregent mit einer Prinzessin, die Könige von Sachsen und Württemberg und die Großherzoge von Baden und Hessen in der seit dem Brande wieder völlig hergestellten Residenz, der Regent von Braunschweig und die bayerischen Prinzen bei hervorragenden Privatleuten und das Gefolge in verschiedenen Gasthöfen wohnen. In Nürnberg wird die räizmlich beschränkte alte Hohenzollernburg blos für dvs Kai-serpaar und den Regenten ausreichen, während die übrigen Fürstlichkeiten mit dem Hotel Strauß fürlieb nehmen müssen. Für die Paraden der beiden bayerischen Armeekorps sind zum Ehrendienst bei den deutschen Fürstlichkeiten Offiziere in hoher Rangstellung kommandirt, beispielsweise für den Kaiser General - Lieutenant von Steinling.
Der ,Reichsanzeiger' veröffentlicht das vom I.Juli datirte KandfchreiSen des Kaisers, worin dem Staatssekretär v. Bötticher die Bewilligung seines Entlassungsgesuches mitgetheilt wird. Der Kaiser spricht darin seinen besonderen Dank aus^ „sür die hingebende Treue, mit welcher Sie die Ihnen übertragenen verantwortungsvollen Aemter so ersolg- reich verwaltet haben." Der Kaiser sagt weiter: „Ich beabsichtige, Ihre bewährte Kraft anderweit im Staatsdienste zu verwenden, und hoffe, daß Sie mir und dem Vaterlande noch lange Zeit Ihre hervorragenden Dienste widmen werden." Herr v. Bötticher soll also Oberpräsident werden. Von einer Auszeichnung ist keine Rede. — Herr v. Bötticher hat sich heute Vormittag im Bundesrathssaale des Reichsamtes des Innern von den Beamten verabschiedet. „Manches
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Das Snndenerbe.
Original - Roman von Max Benno.
17 ------ (Nachdruck verboten.)
„Hermann, um Gottes Barmherzigkeit willen, was hast Du gethan," kreischte bei diesem Anblick Martha in tödtlicher Angst, und eilte an dem über die Wirkung seiner That selbst verblüfften jungen Manne vorüber dem Wirthshause zu.
Sie ging an den Tisch, wo Willibald und Valentin saßen und theilte ihnen das Geschehene mit, Auch andere hörten es und sofort begab sich eine Gruppe von Männern und Frauen zu dem Gartenhause hinaus.
Hier sahen sie, wie Vogel immer noch ohnmächtig am Boden lag, und wie Hermann dessen Gesicht mit Wasser, das er in seinem Hut am Brunnen geholt hatte, begoß. Auch die Angekommenen betheiligten sich an den Wiederbelebungsversuchen und Adolf kam nach einer Weile wieder zu sich.
Hermann, deffen Mienenspiel eine tiefe Reue über den in rasender Eifersucht ausgeführten Angriff ver- iKh, richtete ihn auf.
Da veränderte sich plötzlich die Scene. Adolf reckte sich und schüttelte den Freund von sich ab. Dann fuhr er, eine zornige Verwünschung ausstoßend, mit der
Zur Mikitärstrafprozeßordnung, von der man so lange nichts mehr gehört hat, meldet die ,N. Allg. Ztg/ offiziös, daß das preußische Staatsministerium vor Kurzem einen Bericht an den Kaiser erstattet hat, in dem gewisse Modifikationen des Entwurfs vorgeschlagen werden. Eine Entscheidung des Kaisers ist bisher nicht erfolgt. Die ,N. Allg. Ztg/ glaubt aber versichern zu können, daß der Reichskanzler keiner Fassung zustimmen werde, welche mit seiner im vorigen Jahre im Reichstage abgegebenen Erklärung unvereinbar wäre. In dieser Erklärung kündete Fürst Hohenlohe eine Vorlage an, die auf den Grundsätzen der modernen Rechtsanschauung beruhe. Darunter ist vor allem Oeffentlichkeit und Mündlichkeit des Verfahrens zu verstehen. Aus der Notiz der,N. Allg. Ztg/ darf man schließen, daß der Entwurf der Erklärung nicht entspricht und deshalb das Ministerium Änderungen vorgeschlagen hat. Fürst Hohenlohe scheint bei der jüngsten Krisis sein Verbleiben im Amte von der Annahme der Änderungen abhängig gemacht zu haben. Daraus würde folgen, daß sein demnächstiges Ausscheiden nicht geplant war. Allem Anschein nach kommen wir zu einer annehmbaren Militärstrafprozeßreform noch lanae nicht.
* Das Sozialistengesetz und der Kulturkampf wurden dieser Tage von der ,Köln. Zeitung' als „alle Mißgriffe" bezeichnet. Die ,Nordd. Allg. Ztg/ meint, andere möchten berechtigt sein, das zu thun, die ,Köln. Ztg/ und die Nationalliberalen jedenfalls nicht. Warum sollten die Nationalliberalen nicht auch berechtigt sein, solche Werke, an denen sie eifrig mitgearbeitet haben, nachher als Mißgriffe zu bezeichnen?
* Der Versuch der Mäekermeister Aerkkns, die das Fehlen einer amtlichen Preisnotiruug für das Mehl schwer empfanden, in ihrem Jnnungshause einen Mehlmarkt einzurichten, ist gescheitert. Die Händler wollten nicht mitthun, um die Unentbehrlichkeit der Produktenbörse darzuthun. Die Bäcker wollen nun bei der Regierung vorstellig werden. In den Kontrakten mit den staatlichen Anstalten (Gefängnissen u. s. w.) sollen die Bäcker infolge Fehlens der Preisnotirungen in einzelnen Fällen empfindlichen Schaden erlitten haben.
* Die Oberammergauer Vafstousfpieke fallen nach altem Herkommen in das Jahr 1900. Die letzten fanden 1890 statt. Die Oberammergauer sind im Laufe der Jahre kluge Geschäftsleute geworden. Das verübelt ihnen Niemand, wenn sie sich nur in den Grenzen halten, welche durch den religiösen Grund charakter der Festspiele geboten sind. Jetzt wird von einigen Blätiern gemeldet, man trage sich in Oberammergau mit der Absicht, die Passionsspiele diesmal schon ein Jahr früher, also 1899, abzuhalten und den Prinzregenten um seine Genehmigung anzugehen. Und warum diese Verschiebung? „Man sürchtet, daß die Pariser Weltausstel-
~ @r legte einen kunstgerechten Verband an und erklärte, daß Hermann unbedenklich nach Hause gehen könne. Nach einigen Tagen sei die unbedeutende Fleischwunde geheilt.
War Martha schon durch die That Hermanns in grenzenlose Aufregung gesetzt worden, so geschah dies durch das Folgende noch mehr. Sie wankte, als sie die Verwundung Hermanns erfuhr, und wäre zusammengebrochen, hätte sie nicht die an ihrer Seite befindliche Tante Anna gestützt. Auch in den Zügen der letzteren spielte sich eine unbeschreibliche Angst. Um so größer waren deshalb auch ihre Genugthuung und Freude, als nach einer Weile Valentin mit der Nachricht von der Ungefährlichkeit der Verletzung des jungen Mannes bei ihnen erschien.
Gleichwohl gefiel es dem Mädchen auf dem Feste nicht mehr. Es drängte zur Heimkehr. Damit kam es dem unausgesprochenen Wunsche der Tante entgegen. Beide verließen, obgleich es noch nicht spät wär, und trotz der Gegenvorstellungen der Vereinsmitglieder, die sich bereits über den Zwischenfall hinweggesetzt hatten, das Haus.
Vogel war nicht mehr gesehen worden. Er hatte sich, die allgemeine Verwirrung benützend, aus dem Staube gemacht. .
Am andern Morgen herrschte auf dem ^.aidhofe
Auge wurde feucht", sagt die,Nordd. Allg. Zeitung', was wir für mehr als eine bloße Phrase halten. — Heute Nachmittag hielt der Bundesrath eine Sitzung ab in welcher Herr v. Bötticher Abschied nahm und Graf v. Posadowsky als sein Nachfolger eingeführt wurde. a
* Der stellvertretende Staatssekretär des Auswärtigen Amtes v. ZSükom wird den Kaiser auf der Reise nach Petersburg begleiten. Auch den Kronprinzen und den Prinzen Eitel Friedrich erwartet man in Rußland. .
* Seit dem Regierungsantritte des . Kaisers Wilhelm II. ist eine ansehnliche Reihe von Minister« ««6 Staatssekretären verbraucht worden. An der Spitze der Reichsregierung haben drei Reichskanzler gestanden, Fürst Bismarck, Graf v. Caprivi, Fürst Hohenlohe. Ihnen zur Seite waren zwei Staatssekretäre des Auswärtigen Amtes, Graf v. Bismarck und Freiherr v. Marschall, ein Staatssekretär des Reichsamtes des Innern, v. Boetticher, drei Staatssekretäre des Reichsschatzamtes, v. Jacobi,. Freiherr v. Maltzahn und Graf v. Posadowsky, drei Staatssekretäre des Reichs-Justitzamtes, v. Schelling, Hanauer und Nieberding, ein Staatssekretär des Reichs-Postamtes, v. Stephan, vier Staatssekretäre des Reichs-Marine-Amtes, Graf v. Monts, Heusner, Hollmann und Tirpitz. — In Preußen haben wir während dieser neun Jahre gesehen: vier Ministerpräsidenten: Fürst Bismarck, Graf v. Caprivi, Graf zu Eulenburg und Fürst Hohenlohe, drei Minister des Auswärtigen, Fürst Bismarck, Graf v. Caprivi und Fürst Hohenlohe, zwei Finanzminister, v. Scholz und v. Miquel, vier Minister des Innern, Herrfurth, Graf zu Eulenburg, v. Köller und Freiherr von der Recke, drei Minister der Landwirthschaft, Freiherr v. Lucius, v. Heyden und Frhr.v. Hammerstein, fünf Kriegsminister, Bronsart v. Schellendorff 1., von Kaltenborn-Stachau, v. Verdy du Vernois, Bron- fart v. Schellendorff 2. und von Goßler, drei Justizminister, v. Friedberg, v. Schelling und Schönstedt, drei Handelsminister, Fürst Bismarck, Freiherr v. Berlepsch und Brefeld, zwei Minister der öffentlichen Arbeiten, v. Maybach und Thielen, drei Kultusminister, v. Goßler, Graf v. Zedlitz und Bosse. — Von den preußischen Staatsministern ist kein einziger während dieser Zeit im Amte gestorben, von den Staatssekretären Graf v. Monts, Hanauer und v. Stephan. Nicht weniger als 19 preußische Staatsminister sind seit dem 15. Juni 1888 aus der Regierung geschieden. Das ist, so sagen selbst nationalliberale Blätter, in der That ein starker Verbrauch von Ministern in so kurzer Zeit.
* Die nächste Sitzung des Abgeordnetenhauses hat Präsident v. Köller auf den 23. Juli anberaumi. Auf der Tagesordnung stehen das aus dem Herrenhause in veränderter Fassung zurückgelangte Handelskammergesetz, kleinere Vorlagen und Petitionen.
rechten Hand" in die Tasche und brachte ein Messer zum Vorschein. In der nächsten Sekunde stieß er damit nach Hermann, der schmerzlich stöhnend auf die Umstehenden zutaumelte, wo ihn Valentin mit seinen Armen auffing. Ein Blutstrom schoß aus seinem Halse hervor.
Nun entstand ein furchtbarer Tumult.
„Er ist gestochen — haltet den Mörder," tönte es durcheinander, während der Schäfer Willibald schnell sein Sacktuch um den Hals des Verwundeten schlang.
Glücklicherweise befand sich unter den Weilbacher Festgästen ein Wundarzt, der auf dem Platze erschien.
Auf seine Anordnung wurde Hermann nach dem Hause und in ein besonderes Zimmer gebracht. Er untersuchte sorgfältig die Wunde und sein Gesicht hellte sich auf.
„Es ist noch gut gegangen," beruhigte er den mit Valentin in begreiflicher Besorgniß an dem Lager, auf welches man den Verletzten gelegt hatte, stehenden Schäfer; ein paar Linien tiefer, dann wäre die Schlagader durchstochen worden, und alle Mühe umsonst. So aber handelt es sich nur um einen tüchtigen Aderlaß, der dem kräftigen Jungen nicht viel schaden wird."
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