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Montan, den 21. Ium 1897. 24. Jahrgang

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mit Unterhaltung» KrUagr „Sterne und Ktnmen".

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h Der SkaatsseKrekär des Ikeichspollamts scheint noch immer nicht gefunden zu sein. Jetzt heißt es, ein ehemaliger Husarenoffizier (Generalmajor z. D. v. Podbielski?) habe Aussicht auf den Posten. Warum auch nicht? Die ,Poff bemüht sich inzwischen, dem kommenden Manne ein Programm auszuarbeiten. Da ist zuerst die alte Forderung, daß die Post der Eisen­bahnverwaltung ihre Leistungen besser vergüten solle. Macht Herr Thielen noch immer nicht Üeberschüsse genug? Muß er auch die des Reiches verkürzen? Sodann soll die Post nach dem Muster der preußischen Eisenbahnen nicht allein an Luxus bei Bauten, sondern

I erst im Herbst, sondern „in naher Zeit" fallen wird. Es scheint, daß sowohl Personalfragen wie sachliche Meinungsverschiedenheiten noch allerlei Schwierig­keiten bereiten. Was der Reichstag noch zu thun hat, wird er besser mit den gesunden Männern, oder auch mit bloßen Kommissarien erledigen können, als mit den neuen. Es ist ja im ganzen Einigkeit über die Vorlagen erzielt worden, und es wird bei der Mehrheit keine Neigung bestehen, neue Differenzen hervorzusuchen und das Zustandekommen zu gefährden.

Das Abgeordnetenhaus beainnt mit der zweiten Abstimmung über das Vereinsgesetz. Viel­leicht fällt es dabei über Bord, indem die National­liberalen dagegen stimmen. An eine Zurückziehung der Vorlage wird" der ,Nat.-Ztg/ zufolge von der Regierung durchaus nicht gedacht. Fasse das Herrenhaus dagegen Beschlüsse, deren Ablehnung im Abgeordnetenhause sicher seien, so wäre es möglich, daß bann die Regierung die Session schlösse, ohne erst die zweite Abstimmung des Herrenhauses abzu­warten. Wir betrachten es als selbstverständlich, daß vom Centrum am Dienstag im Abgeordnetenhause auch dann niemand fehlen würde, wenn die Zu­rückziehung der Vorlage zu erwarten stände. Es würde doch keiner so leichtfertig fein, sich darauf zu verlassen und durch seine Abwesenheit die Ablehnung der Vorlage zu vereiteln oderdie Annahme schlimmerer Beschlüsse zu ermöglichen.

Daß das Herrenhaus die Beschlüsse des Abge­ordnetenhauses ändert, darf als sicher angesehen werden. Frhr. v. Stumm soll sogar geäußert chaben, die Regierungsvorlage und die freikonservativen An­träge genügten den „Herren" noch durchaus nicht. Vor Beginn des Juli kann das Haus seine Ent­schließung gefaßt haben. Daß die Regierung dann noch viele Wochen lang die Session hinziehen sollte, in der Gewißheit, daß doch nichts aus dem Gesetze wird, halten wir für ausgeschlossen, zumal nach der neuesten Wendung. Da Ärbeitsstoff sonst kaum noch vorliegt, kann also auch die Landtagssession mit gut acht Tagen geschlossen werden.

Seiten grüßte in prächtigem Laubschmucke der Wald von den Höhen herab.

Der Mann hatte sich eine Pfeife gestopft und begann zu rauchen. Glanzvoll schaute er den Rauch- ringen nach, die er aus dem Munde stieß.

Da wurde feine Aufmerksamkeit durch das Nahen eines Wanderers geweckt. Dieser trug seinen gelben Strohhut, den er vom Kopfe genommen, zum Schutze gegen die Sonne auf feinem Stocke, konnte aber da­durch nicht verhindern, daß ihm der Schweiß von dem fast ganz kahlen Schädel über die gefurchte Stirn herabrann. Er trug einen leichten Sommer­anzug, der aber eine fo wohlgenährte Gestalt um­schloß, daß das Erhitztsein des Trägers natürlich erschien.

Vor der Schenke blieb er stehen und wischte sich das feuchte Gesicht mit einem farbigen Tuche ab. Dann schritt er mit dem Ausdrucke sichtlicher Be­friedigung dem Gartenhaufe zu. Er war von der Gaststube aus bemerkt worden, und, ihre Hände mit der Schürze abreibend, kam die rundliche Frau Wirthin ins Freie heraus.

Sie fragte den neuen Gast nach feinen Wünschen und dieser bestellte, nachdem er den schon vorhandenen Gast flüchtig gegrüßt hatte, einen Krug Bier.

Die Wirthin trippelte fort.

Deutsches Deich.

Berlin, 19. Juni.

wohl zu viel! Das Blatt meint, vielfach fei das Personal für die von ihm zu verrichtenden Dienste viel zu hoch qualifizirt. Das heißt mit anderem Wort: stellt weniger gebildete und tüchtige Leute an, so braucht ihr ihnen weniger Geld zu geben. Auch ein fozialer Standpunkt!

* lieber das Befinden des Staatssekretärs Frhrn. v. Warschau wird der,Nat.-Ztg/ aus Baden ge­schrieben, daß es sich beim Leiden des Staatssekretärs nach Mittheilung von zuverlässiger Seite lediglich um eine nervöse Krankheit handele, deren Heilung von kompetenter ärztlicher Seite bei entsprechender Schonung innerhalb einer nicht zu langen Frist als sicher bezeichnet werde.

* Eine Königs. Kavineksordre, ähnlich der, wonach Kriegervereine nicht mehr Namen preußischer Herrscher ohne Genehmigung führen dürfen, ist jetzt auch für Gasthöfe, Wirthshäuser und Vergnügungs­lokale ergangen. Hiernach haben die Polizeibehörden zu verhindern, daß in Zukunft derartige Unternehm­ungen sich den Namen eines preußischen Herr­schers zulegen.

h Gegen die Irmungsnoveire haben die Mit­glieder des Berliner Gewerbegerichts-Ausschusses sowohl aus dem Stande der Arbeitgeber (mit Aus­nahme eines einzigen Mitgliedes) wie der Arbeit­nehmer beim Reichstag eine Petition eingereicht. Sie bezieht sich auf die geplanten Jnnungsschiedsgerichte und macht auf die angeblichen Gefahren aufmerksam, welche der gewerblichen Rechtsprechung drohten, falls die Vorlage angenommen würde.

* Auf das Iestökakk der KatHokikenversamm» kung in Dandsljul nehmen die Postanstalten schon jetzt das Abonnement entgegen. Der Preis desselben beträgt 50 Pfg., wozu noch der Postaufschlag kommt. Es wäre gut, das Abonnement schon jetzt zu be- thatigen, damit die Auflage festgestellt werden kann und es nicht geht, wie beim Katholikentage in München 1895, wo mehrere hundert Abonnements nicht mehr effektuirt werden konnten, weil die Bestellungen zu spät eingegangen waren und die Auflage vergriffen war. Den Jnseratenbetrieb hat Herr Redakteur W. Krätzer, München, Schwanthalerstraße 67/2, übernommen.

* Maria-Aaach, 19. Juni. Der Kaiser und die Kaiserin sind heute Mittag 11'/z Uhr unter Glockengeläute hier eingetroffen und wurden bei der Kirche der Benediktinerabtei mit einer Ansprache des Abtes Benzler feierlichst empfangen. Der Kaiser begrüßte den Abt und den Erzabt und wurde sodann unter dem Gesänge der Mönche in die Kirche geleitet. Rach Beendigung des Gesanges wurde ein kurzes Gebet gesprochen, worauf sich die Mönche ins Kloster zurückbegaben. Nun besichtigten Ihre Majestäten die Abteikirche und nahmen Einsicht in die Entwürfe für die beabsichtigte innere Ausstattung und Ausmalung des Gotteshauses. Alsdann nahmen Ihre Majestäten die interessantesten Theile des Klosters in Augenschein,

Der letzte Abschnitt der Parlaments- Session

beginnt am Dienstag. Vermuthlich wird er im Reichs­tage wie im Landtage sehr kurz sein. Der Reichs­tag ist vor Pfingsten auseinandergegangen in der be­stimmten Voraussetzung, daß er nur auf höchstens acht Tage oder vielmehr nur bis zum Ende der nächsten Woche werde wieder versammelt sein müssen. Es sollten nur noch die Handwerksvorlage und die Nachtragsetats mit Beamtenaufbefferung in dritter Lesung erledigt werden. Zwar hat dieser und jener Abgeordnete noch einen besonderen Wunsch auf dem Herzen. Der Eine möchte noch die Juftiznovelle in der Form des Antrages Adt und Genossen zum Ab­schluß bringen; der andere wünscht die Vornahme dieses oder des andern Versicherungsgesetzes. Aber damit wird man kaum Glück haben, es müßte dann die Sache noch in derselben Woche mit durchge- fchleppt werden können, was wir für unwahrscheinlich halten.

Neue Vorlagen hat die Regierung inzwischen nicht gemacht. Die Militärstrafprozeßordnung, die mancher noch immer erwartete, harrt andauernd eines unsicheren Schicksals im Bundesrathe, und da vor­läufig der Kaiser nicht mehr nach Berlin kommt, ist ihre Einbringung im Reichstage für diese Session völlig ausg schlossen. Ebenso ist eine Marinevorlage, an die von Zeit zu Zeit gedacht worden ist, un­möglich.

Es wird jetzt berichtet, Staatssekretär T ir pi tzlwolle vor Antritt seines mehrmonatlichen Urlaubs im Reichs­tage wenigstens sein Programm entwickeln. Wenn ihm das Vergnügen macht, so mag er es thun. Uns ist es ganz recht, wenn wir dann „reinen Wein" möglichst bald zu kosten bekommen. Wir w ssen dann auch, woran wir sind. Nur mag der Herr Staats­sekretär nicht glauben, daß er mit seiner Programm­rede dem nächsten Marineetat die Wege ebnen wird, wenn dieser aus dem bisher innegehaltenen Programm des Reichstags in auffälliger Weise hinausgeht. Je eher wir seine Pläne kennen, um so gründlicher können wir uns darauf rüsten; nur werden wir nicht unbedingt auf die Mittheilungen des Staatssekretärs schwören, denn bis zum nächsten Herbst oder Winter kann sich das Programm ja schon wieder geändert haben. Die Freunde der Weltflotte werden ohne Zweifel neue Begeisterung aus der Rede des Kaisers in Köln sch.pfen, die deutlich auf die Vergröße­rung der Flotte hinwies. Der Staatssekretär wird aber, wiewohl er lange auf dem Wasser in Ostasien gelebt hat, doch wohl wissen, daß bei uns zu Lande diese Begeisterung bisher nicht sehr ansteckend ge­wesen ist.

geschnitten und das Gesicht glatt rafirt. Unter den starken, aber fast borftenartigen Brauen blitzten ein paar Augen von unbestimmter Farbe hervor, deren Ausdruck keine besonders gute Laune kund that. Er trug dunkele Beinkleider und eine blaue Bluse.

Jetzt öffnete er den Zinndeckel seines Trinkgefäßes und nahm einige Schluck. In augenscheinlichem Aerger verzog er den Mund. „Der Henker hole dieses Gesöss," brummte er, „das natürlich wieder eine halbe Woche alt ist. Was die Bauern am Sonntag im Faß lassen, das bekomme dann an den Werktagen ich, und doch nimmt mir der filzige Martin für das Zeug mein gutes Geld ab . . ." Aber Durst hatte er immer, und in die Stadt ist's ihm zu weit. Er trommelte mit den geschwärzten Fingern auf den Tisch und schaute in die im Sonnenglanze vor ihm liegende Landschaft hinaus. Sein Mienenspiel bekundete, daß sie trotz ihrer Schönheit wenig Reiz für ihn besaß.

Da und dort flimmerten zwischen den üppigen Kronen von Obftbäumen die rothen Ziegeldächer der bäuerlichen Gehöfte hervor, in einiger Entfernung von der Schenke schlängelte sich durch den Wiesengrund wie ein Silberband ein kleines Flüßchen, das sich in dem schmalen Thälchen allmählich unter einem doppelten Saume von Weidenbüschen verlor, und zu beiden

Ob auch Herr Vieekanzler Dr. v. Miquel nebst den übrigen kranken Männern sich dem Reichstage in nSi?Cffi°s können ist ungewiß. vtl„n, jonoern

-JlftjioS wird bestätigt, daß tue Entscheidung nicht auch am Personal sparen. Die Postbeamten faullenzen

Das Sündeuerke.

Original-Roman von Max Benno.

------ (Nachdruck verboten.)

2.

Eine Reihe von Jahren ist vergangen. In dem Gartenhause der Kegelbahn, die neben der Wirthschaft be§ Martin Schilling „Zur Herberge" hergestellt war, faß ein einziger Gast. Dieses Wirthshaus lag am <£nbe der Häuserreihe des Dorfes Buchberg, in das eine größere Anzahl von Einödhöfen und in weitem Umkreise liegenden bäuerlichen Anwesen eingepfarrt ist. Die Einwohnerschaft des kleinen Dorfes befaßt sich fast ausschließlich mit der Landwirthschaft und sinder, namentlich im Sommer, den Sonntag aus- genommen, zum Wirthshausbesuche wenig Zeit, so daß die einzige aber geräumige Schenke Äartins für

.^iklligen Bedürfnisse der meist anspruchslosen Nachbarschaft vollständig genügt.

Auch an dem schönen Sommermorgen des Jahres 189. herrschte ländliche Sülle um und in dem Wirthshause, welche nur das Gackern einiger im Hof- fanbe scharrenden Hühner dann und wann unterbrach.

Der einsame Gast, vor dem ein steinerner Krug auf dem Tische stand, mochte ungefähr fünfzig Jahre alt sein. Das bereits ergrauende Haar war kurz