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Samstaa, den 19. Juni 1897.

mit Unterhaltnngs-Keilage „Sterne und Klumeu".

24. Jahrgang

Erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Vierteljährlicher Abonnementsvreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig. Inserate kosten die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum In Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

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Deutsches Deich.

Berlin, 18. Juni.

ft Die KriKs scheint sich noch eine Weile hin- schleichen zu wollen. Nachdem der ,Reichsanz/ am Donnerstag den Wechsel im Reichsmarineamt gemeldet bat, hüllt er sich wieder in Schweigen. Der ,Hamb. Korr.' hat bereits auf eine Vertagung der Krisis bis zum Herbst hingedeutet. Die,Nat.-Ztg/ dagegen glaubt, daß die Entscheidung vor dem für Anfang Juli in Aussicht genommenen Antritt der Nordlandsreise des Kaisers erfolgen werde, und sieht eine Bestätigung dieser Annahme in der ihr aus parlamentarischen Kreisen zugegangenen Mittheilung, Herr v. Miquel habe die Rückkehr nach Wiesbaden aufgegeben. Sollte ihn die Freude über das ihm bevorstehende Avancement plötzlich gesund gemacht haben?

(*) Das Entlassungsgesuch des Präsidenten des Reichsversicherungsamts Dr. Mödiker ist vom Kaiser unter Bezeigung der besonderen Zufriedenheit und unter Verleihung des Wilhelms-Ordens genehmigt worden. Die ,Rordd. Allg. Ztg/ schreibt zum Rück­tritt Bödikers offiziös, die Verdienste, welche derselbe insbesondere auf dem Gebiete der sozialpolitischen Gesetzgebung und bei der Leitung des Reichs-Versiche­rungsamts, dessen Präsident er seit der Errichtung desselben gewesen, sich erworben habe, rechtfertigten das lebhafte Bedauern, welches die zunächst berührten Kreise und besonders auch die Reichsverwaltung über das Ausscheiden aus seiner Stellung empfinden. Auch die ,Postt bedauert den Rücktritt Dr. Bödikers. Daß das Reichsversicherungsamt sich „im großen und ganzen" seiner schwierigen und wichtigen Aufgaben gewachsen gezeigt habe, sei in erster Linie das Ver­dienst seines Präsidenten. Wenn man schon aus diesem Grunde bedauern müsse, daß Dr. Bödiker vorzeitig ausscheide, so werde das Bedauern noch durch bie_ Erwägung verstärkt, daß mit ihm ein auf durchgreifende Reformen hinlenkendes Element aus der Reichsverwaltung scheide. Dr. Bödiker hat eben sein 54. Lebensjahr vollendet. Nach Einverleibung seiner Heimath Hannover in Preußen trat er aus dem hannoverschen Justizdienst in den preußischen über. 1873 wurde er Landrath des Kreises M.- Gladbach, 1881 wurde er von dort nach Berlin als vortragender Rath in das Reichsamt des Innern berufen, feit 1884 war er Präsident des Reichsver­sicherungsamtes. Wenn Gesundheitsrücksichten die Veranlassung zu seinem Rücktritt genannt werden, so weiß jeder, daß persönliche Reibereien mit dem Staatssekretär v Bötticher Herrn Bö­diker sein Amt, aus dem er allerdings, da es ein richterliches Amt ist, wider seinen Willen nicht entfernt werden konnte, verleitet haben. Herr

T Die Herz Jesu-Kirche auf dem Schulzeuberge.

Ein Wandersmann.....kommt wieder heim

aus dem fremden Land. — „Was schimmert dort auf dem Berge?" .... „Das ist die Kapelle still und klein, sie ladet den Pilger zum Beten ein."

Wenn ein in die Fremde gereister Fuldaer nach 10 Jahren in seine Heimath zurückkehrt, wird er überrascht auf dem Schulzenberge, dem Kreuzberge der Maberzeller, vor dem Lindenbaume ein Kirchlein erblicken. Der Platz am Fuße des Baumes ist geebnet, die jetzt zu Tage liegenden Wurzeln desselben sind mit Erdreich bedeckt, aus welchem er kräftige Nahrung saugt. Er sieht frischer aus und ist dickster belaubt.

Vor demselben, an der Stelle, 'wo bis zu der Franzosenzeit eine Kapelle zu Ehren des hl. Kreuzes stand, erhebt sich ein neues Kirchlein zu Ehren des allerheiligsten Herzens Jesu. Etwas tiefer, vor der nach Maberzell zu blickenden Thüre des Kirchleins, ist ein anderer geräumiger ebener Platz, ringsum von einer Mauer umgeben, zu welcher die beim Ebnen gewonnenen Steine verwendet wurden. Innerhalb und außerhalb dieser Mauer, vor den Stürmen ge­schützt, sind Schatten spendende Bäume gepflanzt.

v. Bötticher war eifersüchtig auf den Leiter des Reichsversicherungsamtes, bei dem er Selbständigkeits­bestrebungen vermuthete, und drängte ihn daher mög­lichst zurück. So ließ er ihn im Reichstage seit Jahren nicht mehr das Versicherungsamt vertreten, während die anderen Direktoren, z. B. der der Kolonial- abtheilung dort eine große Rolle spielten. Es trifft sich eigenthümlich, daß nun v. Bötticher und Bödiker ziemlich gleichzeitig aus dem Amte scheiden. Vielfach wird befürchtet, das Reichsversicherungsamt werde fortan nicht mehr von dem hohen sozialen Geiste geleitet werden wie bisher, sondern es werde auch in ihm die minder reformfreundliche Richtung zum Ausdruck kommen. Herrn Bödiker sind gegen ein enormes, weit über sein bisheriges hinausgehendes Gehalt Privatstellungen angeboten worden. Ob er annimmt, ist noch nicht bekannt; die Kraft besitzt er jedenfalls noch, um in einer neuen Stellung Hervor­ragendes zu leisten. Als seine Nachfolger werden genannt Ministerialdirektor v. Woetke, Geh. Ober- Reg.-Rath Gaebel.

* Im Aögeordneteuhause sind nach einer Zu­sammenstellung des Bureaudirektors noch , zu erledigen vier Gesetze (Vereinsgesetz, Entschädigung für Verluste durch Schweinekrankheiten in der Provinz Schlesien, Verbesserung der Wohnverhältnisse von Arbeitern in staatlichen Betrieben, ZwangZvollstreckungs aus For­derungen landwirthschaftlicher(ritterschaftlicher)Kreditan- stalten) vier Kommissionsberichte über Anträge, fünf Anträge, zwanzig Kommifsionsberichte über Petitionen.

st Die Kaudwerksvorkage kommt im Reichs­tage am Dienstag zur dritten Berathung. Der Centralausschuß der deutschen Jnnungsverbände hat noch eine Vorstellung an den Reichstag gerichtet, um einige Aenderungen zu bewirken. Die ,Kons. Korr/ räth, sich jetzt mit dem Erreichten zu begnügen, um nicht alles zu gefährden; man könne auf dem ge­wonnenen Boden weiter arbeiten. Wir müffen uns diesem Rathe anschließen, und zwar auch schon des­halb. weil sonst zu befürchten steht, daß selbst der Reichstag das Werk unvollendet liegen lassen muß. Die dritte Lesung ist nun mehr in einem raschen An­lauf zu erledigen. Werden noch allerlei Abänder­ungen vorgeschlagen und berathen, so ist die Gefahr, daß die Verhandlungen sich hinschleppen und kein beschlußfähiges Haus mehr zufammenzubringen ist. Uebrigens wünscht der Centralausschuß der Jnnungs­verbände selbst die Annahme des Gesetzes, auch wenn seine Abänderungsvorschläge nicht angenommen werden sollten. Die Deutsche Tagesztg/ verhält sich nach wie vor ablehnend. Für das Blatt steht immer das Agitationsbedürfniß an erster Stelle. Es glaubt unter den Handwerkern am meisten Beifall finden zu können, wenn es „unentwegt" die weitgehendsten Forderungen vertritt.

XDieMitwirkungderLandwirthschafts- kammern bei der Merivaktung und F^reisno- tirung der Märkte ist, den ,Berl. Pol. Nachr/ zufolge, in, Vorbereitung. Nachdem man aber wegen

Wenn das' Kirchlein die frommen Beter nicht alle fassen kann, wird dessen Thüre geöffnet, werden die wellblechenen Wände neben derselben in die Höhe gezogen, und die Menge wohnt von diesem Raume aus dem Gottesdienst bei.

Hinter dem Baume und dem Kirchlein, nach Rodges zu, steht ein mit Mauern und Bäumen um­friedetes Häuslein. Innerhalb der Einfriedigung fängt eine Cisterne das Regenwasser von den Dächern des Kirchleins und des Häusleins auf.

Dies ist die Wohnung des Bruders Maurus. Dieser Name eines hl. Benediktiner-Mönches wurde ihm beigelegt, als er die kirchliche Benediktiou als Einsiedler erhielt, und mit der braunen Klausner- Kutte bekleidet wurde. (Maurieella, Mavercell). In Fulda ist ein Kapital hinterlegt, dessen Zinsen er be­zieht, und die Bewohner der umliegenden Orte steuern auch noch Manches zu seinem Unterhalte bei. Denn er läutet ihnen ja täglich dreimal die Glocke des Kirchleins zum „Engel des Herrn", er unterhält das ewige Licht vor dem Herz Jesu-Altare, er läßt seine durch trichterförmige Blechmäntel verlängerten, und darum gewaltig donnernden Böller thalwärts schallen, so oft bei den Flur- oder Frohnleichnamsprozessionen der Maberzeller und der Haimbacher der Segen mit

der gleichen Sache Tnit den Produktenbörsen in einen unabsehbaren Streit gerathen ist, hält das offiziöse Organ es für nöthig, die Landwirthfchaftskammern zur Mäßigung in ihren Ansprüchen zu mahnen. Es werde, sagt es, für diese Körperschaften vielfach eine fo weitgehende Einwirkung auf die Märkte und ihre Einrichtungen in Anspruch genommen, wie es mit den Interessen des Verkehrs und der Zweck­bestimmung der Märkte nicht wohl mehr ver­einbar sei. Ohne Aussicht auf Erfolg diene ein solches Uebermaß der Ansprüche nur dazu, die Herbei­führung der Einwirkung der Landwirthfchaftskammern auf die Märkte in den berechtigten Grenzen zu ver­zögern. Die Landwirthschaft hat das allerlebhafteste Interesse an zuverlässigen Preisnotirungen, zumal in nächster Zeit, wo die Ernte bevorsteht. Die Berliner Produktenhändler machen fein Hehl daraus, daß es ihre Absicht ist, durch Verhinderung der Preisnotir- ungen die Landwirthe in Nachtheil gegenüber den Käufern zu fetzen, um sie durch Schaden mürbe zu machen. Unter solchen Umständen können wir es nur leichtfertig ober thöricht finden, wenn die Heißsporne in den Landwirthfchaftskammern nun durch ungerechtfertigte Ansprüche auch noch die Herbei- führung besserer Preisnotirungen auf den Märkten verhindern. Die Regierung, die gesetzlich nicht verpflichtet, sondern nur berechtigt ist, den Land- wirthschaftskamrnern eine Mitwirkung bei den Märkten einzuräumen, will offenbar den Landwirthen für die mangelnden Preisnotirungen der Börse in etwa brauch­baren Ersatz schaffen. Vorgebliche Freunde der Land- wirthschast aber machen es ihr unmöglich.

□ lieber die sittliche« Zustände in Merlin war bekanntlich jüngst auf einer protestantischen Synode "in dem sogen. Ephoralberichte ein sehr ungünstiges Urtheil gefällt worden. Von verschiedenen Seiten, zum Theil von wenig berufenen, wurde dagegen leb­haft Einspruch erhoben. Am Donnerstag hat sich nun auch die Stadtverordneten - Versammlung damit be­schäftigt. Stadtoerordneten-Vorsteher Dr. Langer- Haus protestirte gegen die Anklagen des Berichtes als „beleidigend, ehrverletzend, frivol und unwahr". Ober­bürgermeister Zelle meinte, „ein derartiges Urtheil über die Berliner Sittlichkeit fei wohl noch niemals vorgekommen"; es fei eine „unglaubliche Ungeheuer­lichkeit". Ohne Zweifel waren die Behauptungen des Berichtes, so wie sie in der Presse wiedergegebeu waren, in ihrer Allgemeinheit stark übertrieben. Von belheiligter Seite ist denn auch hinterher erklärt wor­den, es liege ein Mißverständniß vor; es habe sich nur um die Kennzeichnung der Anschauungen gewisser Kreise in Fragen der Sittlichkeit gehandelt und nur gesagt werden sollen, die Verhältnisse würden vielfach so ungünstig beurtheilt, daß man der die Berliner Frauen und Mädchen beleidigenden Meinung begegnen könne. Leider ändern aber weder Verklausulirungen noch Proteste etwas an der Thatsache, daß das sitt­liche Niveau Berlins sehr tief liegt. Paul Lindau hat vor einigen Jahren in einem Feuilleton des,Berl. W———————■

dem Allerheiligsten gegeben wird, er bereitet den hie* spät Kommunicirendeu den Kaffee; und wenn er nicht betet, ist er mit Kultivirung und Verschönerung des zum Heiligthume gehörigen Berggipfels beschäftigt.

Er hat bereits um die ganze zum Kirchlein gehörige Fläche einen Graben in den Fels gebrochen. Die hierbei und bei den Kulturarbeiten innerhalb des Grabens gewonnenen Steine hat er am Außenrande desselben, ohne Mörtel zu einer Mauer aufgeschichtet. Die Mauer vergrößert er mit jedem Jahr. Kein Erdreich kann jetzt mehr vom Kirchen-Besitzthume weggeschwemmt werden. Der Graben fängt es auf, und bietet damit hineingesetzten Waldbäumen üppige Nahrung. Auch das immer mehr von Steinen befreite Innere des Raumes hat er unter Anleitung und Beihilfe eines kundigen Forstmannes mit Bäumen bepflanzt. Verdient er darum nicht, daß man ihm das zum Leben Nothwendige biete? Er arbeitet von Anfang Frühling bis in den Spätherbst für Gottes Haus. Im Winter aber treibt er fein in der Jugend gelerntes Handwerk.

Die Haimbacher und Rodgefer haben sich Wege von ihren Dörfern zu dem Heiligthume gebahnt. Die Maberzeller aber, in deren Gemarkung der Berg und das Kirchlein liegen, haben ihren bis zum Fuße