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Montag, den 14. Juni 1897
24. Jahrgang
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mit Unterhaitrrngs-Keilage „Sterne nur» Kinmen".
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Deutsches Keich*
Berlin, 12. Juni.
* Der Kaiser wird am 5. Juli die Nordlandsreise antreten. Die Yacht „Hohenzollern" wird begleitet sein vom Kreuzer „Gefion" und vielleicht außerdem noch von zwei Torpedobooten, welche den Depeschendienst versehen sollen. Auf der Reise nach Petersburg wird die 1. Division des 1. Geschwaders dem Kaiser das Geleite geben; dieselbe setzt sich zusammen aus den erstklassigen Panzern „Kurfürst Friedrich Wilhelm", „Brandenburg", „Weißenburg" und „Wörth" ; ihnen ist der Aviso „Jagd" beigegeben. — Die Kaiserin besuchte am Sonnabend in Potsdam das katholische St. Josephs-Krankenhaus.
* Prinz Keinrich hat am Sonnabend an Bord des Kreuzers „König Wilhelm" die Reise nach England zur Theilnahme an der Jubiläumsfeier der Königin Viktoria angetreten.
* Provinzialschulrath Dr. Otto Meinertz ist, wie der ,Reichsanzeigett meldet, zum geheimen Regierungsrath und vortragenden Rath im Kultusministerium ernannt worden.
h. Der antisemitische Reichstagsabgeordnete Pfarrer Jskraut ist zum zweiten Male als Prediger für die Sophiengemeinde von den vereinigten Körperschaften gewählt worden. Während Jskraut bei der ersten Wahl von 47 Stimmen 27 erhielt, fielen diesmä von 45 Stimmen 28 auf ihn. Bekanntlich ist Pfarrer Jskraut nach seiner ersten Wahl vom Konsistorium nicht bestätigt worden.
* Was für Gerüchte in Berliner politischen Kreisen über bevorstehende Veränderungen umlaufen, ist, wie uns von dort geschrieben wird, geradezu unglaublich. Es heißt da: Ich will Ihnen nur einiges von dem mittheilen, was mir in den letzten Tagen zu Ohren gekommen ist, wobei ich aber bei keiner einzigen „Nachricht" für die Richtigkeit eine Gewähr übernehme, „Sicher" ist nach diesen Schwatzmäulern also zunächst, daß v. Marschall und d. Bötticher ihren jetzigen Posten verlassen. Als Marschalls Nachfolger wird Kiderlen-Wächter bezeichnet. Herr v. Marschall selbst soll nach einigen .„Quellen" in den Ruhestand treten, nach anderen v. Böttichers Nachfolger werden, da er für die innere Politik viel mehr Talent (sic!) und Interesse habe als für die äußere. Wieder nach anderen „Gewährsleuten" wird Graf Posadowskq von Bötti- cher's Nachfolger, noch andere nennen als solchen den Oberpräsident Studt in Münster. Wenn Graf Posadowsky Staatssekretär des Inneren wird, so soll Frhr. von Huene sein Nachfolger werden; es kann aber auch sein, daß der Graf v. Miquels Nachfolger und der Finanzminister Reichskanzler wird. „Sicher" soll ferner sein, daß der Landwirth- schastsminister v. Hammerstein Oberpräsident von -Hannover und ein strammer Agrarier sein Nachfolger wird. Auch vom Abgänge des Ministers des Innern
Das Sündenerbe.
Original - Roman von Max Benno.
3 ------ (Nachdruck verboten.)
Wieder schweigt er und betrachtet mit finsterem Blicke die Bäuerin, deren Brust sich ein schmerzliches Stöhnen entringt.
„Es war eine Sünde," siüsterte sie unter hervorbrechenden Thränen, „jenes Gelöbniß, da es hinter dem Rücken und ohne Wissen der Eltern geschah. . . ."
»Die Dir vergeben worden wäre," unterbricht sie Joseph im gleichen Tone. „Denn auch Deine Eltern waren mir gut, und wenn auch mit Widerstreben^ so hätten sie zuletzt doch zu pnserer Verbindung <ya und Amen gesagt. Aber da ludest Du jene andere, jene furchtbare Schuld auf Dich, für die es keine Vergebung mehr gibt. Durch Deinen Treubruch hast Du denjenigen, der mit allen Fasern des Herzens an Dir gehangen, zu einem an Leib und Seele verdorbenen, zu einem verlornen Menschen gemacht."
Scholastika zuckt auf und will sprechen. Der Mann aber stößt heftiger hervor:
„Ja, Scholastika, das hast Du gethan. Denn als ich erfahren hatte, daß jener vornehme Herr,
knickt die kräftige Gestalt zusammen und ein schmrrz-
Wieder fährt Scholastika Sommer auf und will ung erscheint auf ihrem Gesicht. Plötzlich jedoch sprechen. Aber der Mann kommt ihr wieder zuvor: I f '" ' ’ " ‘ "
Bei den letzten Worten schnellt sie auf, stolz hebt sie ihr Haupt und der Ausdruck unsäglicher Erbitter-
„Wohl, ohne Theilnahme blieb ich nicht. Im Gegentheil. Dein Unglück in seiner schnellen Folge beschäftigte mich Tag und Nacht in dem Maße, daß die traurigen Vorfälle in meinem eigenen Hause spurlos an mir vorüber gingen. Es machte wenig Eindruck auf mich, als man mein Weib begrub, als mein Sohn Georg wegen schlechter Streiche ins Zuchthaus kam und als Anton gerade vierzehn Tage vor Deiner Josephine verschwand. Ich stand allein und verlassen wie Du. Nur war ich ein armer Kerl und Du reich. Ich sank tiefer und tiefer, mein Gütchen wurde mir auf Zwangswegen verkauft, und schließlich mußte ich froh sein, daß ich als Lumpensammler mein klägliches Fortkommen fand. Das alles hast Du auf dem Gewissen. Du trägst an meinem Elend Schuld. Und Du willst mir auch noch Vorwürfe machen, statt auf den Knieen um Verzeihung für das zu bitten, was Du mir gethan hast!"
Scholastika hat ihre Augen wieder mit den Händen verhüllt. Thräne um Thräne rollt zwischen den Fingern hervor.
Seine Majestät der Kaiser und König haben den Huldigungsgruß der in der Reichshauptstadt versammelten Vertreter der Raiffeisen'schen Organisation gern entgegen; genommen und lassen für die Kundgebung treuer Anhänglichkeit herzlich danken. Auf Allerhöchsten Befehl: gez. v. Lucanus, Geh. Kabinetsrath.
* Geradezu üverkegler Word scheint das neuliche Duell bei Bonn gewesen zu sein, wenn sich folgende Angaben der,Köln. Vztg/ bestätigen:
Bekanntlich fand der Zweikampf statt zwischen zwei Assistenten an der chirurgischen Klinik, Dr. Rensing und Dr. Fischer. Ueber die Veranlassung erfährt man, ersterer habe letzterem vorgeworfen, durch seine Schuld sei eine Operation mißglückt. Ob dieses Vorwurfes kam es zunächst zu einer Auseinandersetzung und dann zur Forderung. Ueber das Weitere sind in Bonn die befremdlichsten Einzelheiten verbreitet. Danach war in dem vorhergehenden Ehrengericht Vorsitzender der Professor der Chirurgie Schede. Unparteiischer beim Duell war ein Assistenzarzt des Bonner Husaren-Regiments; Sekundanten der außerordentliche Professor der Chirurgie Dr. Rieger und der Assistent an der Augenklinik Dr. Graf von Vissing. Dr. Reusing streckte den Dr. Fischer durch einen Schuß in die Brust sofort nieder. Ueber die Vorbereitung des Siegers wird erzählt, er habe sich wochenlang im Pistolenschießen geübt, bis er es so weit gebracht hatte, daß er auf fünfzehn Schritte Entfernung — die Entfernung beim Duell — das Herz- Aß aus einer Spielkarte herausschoß! Noch mehr; um ganz sicher zu sein und durch nichts beim Duell erregt und in der Treffsicherheit gestört zu werden, mußten Freunde von ihm während dieser Uebungen die Duell-Kommandos rufen und gar Pistolenschüsse dazwischen abgeben! Bestätigen sich diese Angaben, so kann man es dem „Laien" wirklich nicht übel nehmen, wenn er den Unterschied zwischen dem .Zweikampf" des Strafgesetzbuches und der mit Vorsatz und Ueberlegung ausgeführten Tödtung nicht begreift.
O Die Getreidebörse im Berliner Ieenpakak hat aufgehört, zu bestehen. Am 11. Mai hatte der Oberpräsident den Vorsitzenden der Händlervereinigung aufgefordert, eine Börsenordnung einzureichen, da die Versammlung als Börse zu betrachten sei. Der Vorstand kam der Aufforderung nicht nach, sondern erklärte, sich an das Oberverwaltungs-Gericht wenden zu wollen. Am letzten Freitag hat nun der Polizeipräsident von Berlin eine Verfügung erlassen, worin er die Fortsetzung der nicht genehmigten Börsenversammlungen untersagt und für den Fall der Zuwiderhandlung unmittelbaren Zwang androht. Zu Zwangsmaßregeln haben es die Händler indesfen nicht kommen lassen, sondern die Versammlungen wurden gleich eingestellt. Der Vorstand hat die Entscheidung des Oberverwaltungs-Gerichtes angerufen. Die,Magdeb. Ztg/ bezweifelt, ob das überhaupt gehe, da keine gesetzliche Bestimmung die Verwaltungsklage in diesem Falle für zulässig erkläre und meint, es stehe nur die Beschwerde an den Minister offen, auf dessen Anweisung der Oberpräsident gehandelt hat. Handelsminister B r e f e l d muß cn aerer Ansicht sein, denn er hat im Januar selbst auf die Entscheidung des Ober- verwaltungs-Gerichtes verwiesen. Wenn die börsenfreundliche Presse so thut, als werde das Gericht vielleicht zu Gunsten der Händler entscheiden, so ruht diese Hoffnung selbst bei ihr offenbar auf sehr schwachen Füßen.
v. d. Recke sprechen einige Leute, und zwar haben sie ihm das Oberpräsidium von Westfalen zugedacht, falls Herr Studt einen höheren Posten in Berlin erhalten sollte. Nun, jetzt werden Sie ja ziemlich „orientirt" sein — oder auch nicht. Ich weiß nicht, ob wirklich kein Minister feststeht, jedenfalls wird in den Unterhaltungen der „Salons" ihrer aller Position für „wackelig" gehalten, und das ist nicht gut, denn es erzeugt Unsicherheit.
+ Der 8. evangelisch-soziale Kongreß ist am Freitags in Leipzig nach zweitägiger Verhandlung geschlossen worden. In der letzten Versammlung befürwortete Prof. Hüpeden die Wiederherstellung einer Verbindung mit den evangelischen Arbeitervereinen. Prof. Schmoller-Berlin sprach über das Thema: „Was verstehen wir unter dem Mittelstand? Hat er im 19. Jahrhundert zu- oder abgenommen?" Schmoller unterscheidet zwischen der Zeit vor und nach 1850 und meint, daß der ländliche und gewerbliche Lohnarbeiterstand durch die Entwicklung der Technik, den modernen Verkehr und den Großbetrieb seit 1850 eine ganz andere Bedeutung bekommen habe und zahlreiche Elemente des sinkenden Mittelstandes in sich aufnehme. Aber der deutsche Bauernstand behaupte sich nicht bloß, sondern nehme neuestens wieder zu. Der kleine Handwerksbetrieb gehe in vielen Gewerbszweigen (Spinner, Weber, Schuster, Tischler u. a.) zu Grunde, aber er erhalte sich theilweise als Mittelbetrieb und die Zahl der Meister nehme auf dem Lande und in den Städten noch zu. Andere Gruppen des Mittelstandes hätten sehr zugenommen: Das höhere Verwaltungspersonal der Unternehmungen und die liberalen Berufe; ein Theil der besser bezahlten Arbeiter (Werkmeister 2c.) bilde einen neuen Mittelstand. Landgerichtsrath v. Oertzen-Freiburg forderte, daß die Großindustrie aus den Städten auf das Land verlegt werde. Prof. Delbrück befürwortete die Koalitionsfteiheit der Arbeiter, welche die Grundlage der Neuentwicklung des Mittelstandes sei. Schließlich wurde eine Resolution angenommen, in welcher von der Ueberzeugung Schmollers mit Genugthuung Kenntniß genommen wird, daß die volkswirthschaftliche Entwicklung der „Neuzeit" nicht mit innerer Nothwendigkeit zur Auflösung eines für die Vermittlung sozialer Gegensätze | wichtigen und für das sittlich religiöse Volksleben erfahrungsmäßig hochbedeutsamen Mittelstandes führen müsse, daß vielmehr zwar gewisse Theile des bisherigen Mittelstandes voraussichtlich verschwinden, dagegen andere sich erhalten werden und neu sich bildende die niedergehenden ersetzen werden." Im weitern hält die Resolution es für nöthig, durch Hebung der Schul- und technischen Bildung und durch Stärkung der moralischen Kräfte des ganzen Volkes die volkswirthschaftliche Entwicklung zu fördern.
* Auf das von dem Vereinstag ländlicher Ge- «ossenschaften Baiffei sen'scher Hrganisation an den Kaiser gerichtete Huldigungstelegramm ist folgende Antwort 'eingegangen:
ener Baron, mit feinem ungeheueren Reichthum und seinen glatten Worten Dich bethört habe, als ich mit eigenen Augen die Ueberzeugung von dem Gräßlichen und fast Unglaubbaren gewann, da hielt ein böser Geist seinen Einzug in mein Gemüth. Er bekam immer größere Gewalt über mich, und unter einer Herrschaft wurde ich allmählich das, was ich etzt bin. Die Vergeltung blieb nicht lange aus. Der schöne Herr hatte Dich nur als ein angenehmes Spielzeug betrachtet, und als es ihm nicht mehr paßte, warf er Dich weg. Deine Thränen flössen vergeblich. Vielleicht hast Du damals auch empfunden, wie wehe Enttäuschungen und Treulosigkeit thun? Ich weiß, daß Du bereutest, daß es mich nur ein Wort gekostet hätte, um Dich abermals zu gewinnen, aber um alles in der Welt hätte ich dieses Wort nicht über die Lippen gebracht. Das Gift hatte in meiner Seele schon so weit um sich gefressen, daß es kein Gegenmittel mehr gab. Ich haßte Dich ebenso- ehr, wie ich Dich einst geliebt hatte, und deshalb empfand ich auch eine unbändige Genugthuung, als Dich später Schlag auf Schlag traf. Alles bemit- eidete Dich. Ich nicht. Ich lachte und sagte: sie hat es um Dich verdient."