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j|g 132 Samstaff, den 12. Juni 1897. 24. Jahrgang

FliliuierWZeitliiig

mit Urtterhaltnrrgs-Keilagr „ Sterne und Klumen".

(Md.-im f«ntirh (Sonn-- und Reiertaqe ausgenommen. — Vierteljährlicher AbonnementSvreiS ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

**1$ S gnjerate foftcn die einspaltige Garmondzeile ober deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 2d Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

•o Das Kündenerdr.

Original - Roman von Max Benno.

2 ------ (Nachdruck verboten.)

Valentin scheint noch etwas entgegnen zu wollen. Er behält jedoch seine Gedanken für sich und geht Hinaus.

Die Frau aber nimmt ihren Gang durch das Zimmer wieder auf.

Nach einer Weile tritt sie ans Fenster und lauscht. Sie hört laute Männerstimmen, ein höhnisches Lachen, und dazwischen bellt der an der Kette liegende Hof­hund. Schmerzlich stöhnend preßt Scholastika die Hand auf das Herz.

„Das ist der Fluch der bösen That," so seufzt sie innerlich, „der mich verfolgt bis auf den heutigen Tag und der sich auf alle vererbt hat, denen mein Herz in Liebe zugethan war. Doch ich will nicht murren! Gott ist gerecht! Ich muß tragen, was mir auferlegt ist, wenn er mir nur am Tage der großen Abrechnung im Jenseits verzeiht!"

Valentin kommt wieder. Er theilt mit, daß er den Befehl vollzogen habe und der Eindringling fort­gegangen sei. Er werde jedoch bald wieder kommen, habe er vorher gedroht.

Die Bäuerin vernimmt mit anscheinender Ruhe diesen Bericht und knüpft keine weitere Bemerkung daran. Sie entläßt den Knecht und nimmt wieder Platz.

Sie will abermals beten, aber es fehlt ihr die nöthige Sammlung. Auch an Schlaf denkt sie nicht. Ihre Gedanken schweifen weit, weit fort bis zurück in die Tage der goldenen Jugendzeit, die ihr nun an der Schwelle des Alters wie ein schönes Märchen erscheint.

In wechselvollen Bildern ziehen jene Stunden an ihrem geistigen Auge vorüber, wo sie mit fröhlichem Herzen und frommem Gemüthe die Töchterschule der guten Schwestern besuchte und mit den lieben Ge­spielinnen von einer glücklichen Zukunft träumte, ohne daß sie auch nur annähernd ein Verständniß für die Natur dieses Glückes besaß. Später freilich, nad)' ihrer Heimkehr ins Elternhaus, war es anders ge­worden. Mehr und mehr hatten sich ihr die Ge­heimnisse des Lebens enthüllt, ihr eigenes Herz war erwacht — und dann — und dann ....

Da . . ., was ist das . . .? Ein Schlag an den Fensterladen und das gewaltsame Aufreißen desselben -schrecken sie auf.

Sie springt empor und eilt ans Fenster. Eine Blutwelle schießt ihr ins Gesicht und ein zorniger Blitz zuckte aus den Augen hervor.

Draußen steht ein älterer, hochgewachsener Mann, dessen aufgedunsenes Gesicht säst ganz unter dem -verwilderten Gestrüpp eines grauen Bartes ver­schwindet. Er trägt eine schäbige Pelzmütze auf dem zottigen Haar, und der hagere Körper ist in zerrissene und schmutzige Kleider gehüllt.

Er stößt ein heiseres Lachen hervor. „Nicht wahr, ich habe Wort gehalten, mein lieber Schatz," höhnte «r. „Da bin ich schon wieder, und ich sage Dir: es gibt ein Unglück, wenn Du mir das Obdach versagst. Soll ich auf der Straße erfrieren wie ein Hund, weil ich ein armer Kerl bin?"

Ein eisiger Windstoß wühlt in seinen Lumpen. •@r zittert vor Frost.

Andere Empfindungen haben augenscheinlich den Zorn der Bäuerin verdrängt. Mitleid und Angst sprechen aus ihren Mienen.

„Um Gotteswillen, Joseph, Du Unglücksmensch," -stöhnt sie durch Has geöffnete Fenster, „komme in die warme Stube herein, und will ich sehen, was sich für Dich thun läßt."

Sie wankt nach der Hausthür, schiebt den Riegel zurück und eine Minute später steht der Mann in der Stube, wo seine abschreckende Jammergestalt in dem ckraulich freundlichen Raume noch mehr hervortritt.

„Gib mir vor Allem ein Gläschen, Scholastika," Littet er, und seine Zähne klappern hörbar, „damit

mein zusammengefrorener Magen wieder aufthauen kann. Ich habe seit zwölf Stunden nichts Warmes über die Zunge gebracht."

Die Bäuerin eilt in die Küche hinaus und kommt nach einigen Sekunden mit einer Flasche und einem Trinkglase wieder in die Stube zurück.

Sie schenkt ein. Die Augen des Mannes hängen an der weißen Flüssigkeit mit gierigem Blicke.

Mit zitternden Händen greift er nach dem Glase und leert es auf einen Zug.

„Aha," schmunzelt er und reibt sich die Magen­gegend, „das thut gut, das erwärmt; über ein gutes Glas Branntwein geht eben nichts."

Er hält Scholastika das leere Gefäß noch einmal hin und diese füllt es wieder und der Inhalt ver­schwindet ebenso schnell wie zuerst.

Das Bedürfniß des Mannes ist jedoch auch damit nicht befriedigt. Er verlangt noch mehr.

Die Frau, die bemerkt, wie seine vorher halb er­loschenen Augen zu glühen beginnen, schüttelt jedoch den Kopf.

„Es ist genug," sagt sie kurz und will die Flasche an sich nehmen. Aber Joseph kommt ihr zuvor.

Mit einer raschen Bewegung bemächtigt er sich derselben und setzt sie an den Mund. In einem Augenblicke ist sie bis zur Hälfte geleert.

„So, jetzt meinethalben," lallt er mit schwerer Zunge, „will ich's gelten lassen. Bis auf Weiteres reicht es."

Er gibt der Frau, ohne deren entrüstetem Blicke eine Beachtung zu schenken, die Flasche zurück und setzt sich schwerfällig auf einen Stuhl.

Scholastika verschließt den Branntwein in einen Schrank. Dann geht sie abermals in die Küche und stellt nach einer Weile einen Teller mit kaltem Fleische nebst Brod und einem Krüglein Apfelwein auf den Tisch.

Joseph verzieht bei dieser Wahrnehmung sein Ge­sicht zu einem höhnischen Grinsen.

„Verschone mich mit diesem Zeug," knurrt er und schiebt Krug, Brod und Teller von sich; „Hunger habe ich nicht und mit dieser sauren Apfelbrühe verträgt mein Magen sich nicht. Gib mir lieber noch einmal die Flasche. Das ist ein anderer Stoff."

„Nein," entscheidet die Frau streng. „Du hast ohnehin schon zu viel. Ich werde Dir nachher ein Bett anweisen, damit Du Deinen Rausch ausschlafen kannst."

Der Mann lacht. Es ist ein böses, häßliches Lachen.

„Ja, ha." grinst er, „erst jagt man mich von meinem Strohlager auf und in Wind und Kälte hinaus, und jetzt sogar noch ein Bett! Ich danke recht schön. So bequem will ich's nicht. Ich bin's nicht gewöhnt! Aber etwas Geld könntest Du mir geben, da ich wieder einmal abgebrannt bin wie ein vergessener Kohlen­meiler. Beim Martin drüben geht es heute fidel zu und keiner der lustigen Gesellen verläßt vor Tages­anbruch die Schenke, denn es ist ja Freinacht. Da möchte ich auch dabei sein."

Scholastika- gibt nicht gleich eine Antwort. Ihr Antlitz spiegelt die bitteren Empfindungen wieder, von denen ihr Gemüth erfüllt ist.

„Es ist doch ein Kreuz mit Dir," sagt sie, „und der Himmel mag wissen, welches Ende Dir bevorsteht. Ich habe schon Vieles für Dich gethan. Ich ließ Dir durch Valentin namhafte Geldbeträge zustellen, aber statt damit Haus zu halten, hast Du jedesmal Alles in wenigen Wochen verpraßt. Kannst Du Dich denn gar nicht aufraffen, willst Du so fortmachen als ein verkommener und verachteter Mensch, bis . . . . "

Sie spricht das, was sie befürchtet, nicht aus.

Gleichwohl versteht sie Joseph.

Sein Gesicht wird braunroth und die glühenden Augen dringen weit aus den Höhlen hervor.

Er erhebt sich und tritt mit drohender Geberde einen Schritt vor.

„Warum sagst Du es denn nicht vollends," stößt er mit heiserer Stimme hervor — „bis man Dich auf der Straße verendet findet wie ein angeschossenes Wild! Das ist Dir doch im Halse stecken geblieben, nicht wahr? Du hast Recht. Ich glaube selber, daß es so kommt und ich leugne auch nicht, daß ich ein ver­lorener Mensch, ein Lump bin! Aber wer hat mich dazu gemacht, Scholastika? Wer? Du thatest es. Du, die stolze und reiche Haidhofbäuerin, die man

wegen ihrer Frömmigkeit und ihres Wohlthuns wie eine halbe Heilige verehrt! Du allein trägst an Allem die Schuld."

Er verstummt und athmet schwer. Mit einem un­beschreiblichen Ausdrucke sind seine Augen auf die Frau geheftet, die ihr Gesicht in den Händen vergräbt und unbeweglich vor ihm an dem Tische sitzt.

„Wenn ich daran denke," fährt er mit ruhigerem Tone fort, „wie ich damals nach meiner Dienstzeit als flotter, fröhlicher Mann in die Heimath zurück­kam, was für ein flotter Bursche ich war und Alles mich gern hatte, und wenn ich nun jetzt meine Lumpen und mein Elend betrachte, dann ist es mir freilich manchmal, als müsse ich mit dem Kopfe durch die Wand. Doch es geht vorüber, und schließlich frage ich den Teufel danach. Auch Du hattest mich gern, Scholastika! Weißt Du es noch? Erinnerst Du Dich jenes schönen Sommerabends, wo emr wie fröhliche Kinder auf der Wiese Blumen mit einander pflückten, mit denen nachher das Bild der Gottesmutter in der Kapelle am Waldrande droben von uns geschmückt worden ist? Wie wir Hand in Hand vor die Gebene- deite traten und wie wir uns Liebe und Treue schwuren bis in den Tod? Die Heilige hörte den Eid, aber er wurde uns dennoch zum Fluch. Du hast ihn ge­brochen, Du wurdest eine Meineidige, Du hast in frevelhaftem Uebermuthe mit dem Glücke Deines Lebens gespielt und mich in's Verderben gestürzt."

(Fortsetzung folgt.)

Uermrschtes.

* „Die Jesuiten nach dem Aengniß verühmter Männer", lautet der Titel eines im Jahre 1891 bei Pustet in zweiter Auflage erschienenen Büchleins, welches wir gerade in heutiger Zeit den Feinden der Jesuiten, sofern denselben daran gelegen ist, sich ein gerechtes Urtheil zu bilden, zur Belehrung empfehlen möchten. Statt der vielen Zeugnisse, welche in diesem Buche für die Jesuiten enthalten sind, sei hier nur ein einziges angeführt, das von Albrecht V., Herzog von Bayern. Dieser edle, um Bayern (namentlich um Kunst und Wissenschaft) hochverdiente Regent schrieb aml9. Juli 1573:

„Wir sind in unserem Leben vielfältig daran gewöhnt worden, daß man über die Väter der Societät Jesu nicht allein die abscheulichsten, sondern auch die aberwitzigsten und un­gereimtesten Dinge unter den gemeinen Mann streut und gar viele ernsthafte Männer gelehrten und hohen Standes daran unbesehen glauben. Und doch muß der Wahrheit zur Steuer gesagt werden, daß alle solche Dinge sürwitzige Erdichtungen sind, als man, so man der Sache auf den Grund geht, all- weg befindet. Wir und männiglich haben allzeit nicht anders befunden, denn daß die Väter der löblichen Societät in diesen unfern letzten Zeiten alles gethan haben und thun zur Pflanzung von Recht und Gerechtigkeit, Auferbauung christlichen Volkes durch Lehr und Predigt, Dienst in den Spitälern und milde Gütigkeit gegen die Armen und Aussätzigen, das ist alles vor aller Augen, aber es hilft nichts nicht bei den unserer hl. Religion Widerwärtigen. Und ist man felber, so man die Väter in ihren löblichen Werken schützt, ein Stein des An­stoßes und geht es weidlich über einen her; weiß nicht, was man alles erdichtet."

Das, was Herzog Albrecht V. schon vor mehr als 300 Jahren sagte, gilt genau auch heute noch. Wer hat nun Recht, Herzog Albrecht V. und so viele gelehrte, einsichtsvolle Männer aus allen Ständen, oder die Verleumder des Jesuitenordens? Die Antwort auf diese Frage dürfte Jedem, der verständigen und vorurtheilsfreien Sinnes ist, nicht schwer fallen.

• Der Bezirkstag des Bezirksvereins beider Hessen und Nassau im Deutschen Fleischerverbande, welcher jüngst in Frankfurt a. M. abgehalten wurde, behandelte u. a. auch die Frage der -Verwendung von unschädliche« ^tonferoc- mittekn und Iarvftotken in der Fleischerei. Wie die ,Kl. Presse' berichtet, war vom Bezirksvereine der Antrag gestellt worden, ein Preisausschreiben auf Ermittelung eines un­schädlichen Konservemittels bei Fleischwaaren zu erlassen und ferner bei dem Bundesrathe um Gestattung eines solchen Mittels zu petitioniren. Der Vorstand hatte den Antrag abgelehnt. In die Debatte griff auch der Nahrungsmittel­chemiker Herr Dr. Popp ein. Nach seinen auf mehrjährigen Erfahrungen gegründeten Urtheilen hat sich ein Bedürfniß für Konservemittel zur Herstellung von Dauerwaaren heraus­gestellt. Die Frankfurter Metzger haben von diesem Stand­punkte aus ihren Betrieb eingerichtet. Nach den von Herrn Dr. Popp angestellten Untersuchungen über Frankfurter Würste wurde von den verschiedenen Metzgern das Konservemittel — Borsäure — verschieden angewendet und nicht immer mit dem gleichen Erfolge. Versuche mit Sterilisirung durch Kochen haben keinen Erfolg gehabt. Es handelt sich aber auch nicht um Sterilisirung, fondern um Mittel zur Verhütung der Keimbildung. Ein ganz unschädliches Mittel dafür zu gewinnen wird kaum gelingen. Es handelt sich darum, nur so viel von dem Mittel zuzusetzen, daß keine schädliche Wirkung ausgeübt wird. Es müßten zunächst Versuche über das anzuwendende Quantum angestellt werden, wofür das Reichsgesundheitsamt die richtige Stelle ist. Bei seinen Ver­suchen ist der Redner zu dem Ergelmiß gekommen, daß das Konservemittel in geringem Quantum nicht gesundheitsschädlich ist. Herr Cheuliker Dr. Fritzmann bestätigte das vom Vor.