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Mittwoch, den 2. Juni 1897

24. Jahrgang

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mit Unterhaltrrngs-Keilage „Sterne uns KLumeu".

Erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig. Inserate kosten die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

rh Handelsminister Breseld

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hat es mit der .Deutschen Tageszeitung' vollständig verdorben, weil er nicht schneidig genug gegen die „wilden Börsen" vorgeht, ja sogar anerkennende Worte sür die Produktenbörse hat. Als die Getreidehändler in Berlin und anderen Städten zu streiken begannen, weil sie es angeblich mit ihrer Ehre nicht vereinbaren konnten, sich unter die „Kontrolle" von Landwirthen zu stellen, redete der Minister bekanntlich einer Ver­ständigung das Wort, da er fürchtete, zwangs­weise würden sich die Händler nicht auf die Börse bringen lassen und er könne mit Schneidigkeit der Landwirthschast eher schaden als nützen. Nur im äußersten Falle wollte er an das Verbot der Börse im Berliner Feenpalast denken, vorläufig aber erst Gutachten einziehen, ob es sich da überhaupt um eine Börse im Sinne des Gesetzes handele.

Darüber vergingen einige Wochen, ohne daß etwas Entscheidendes geschah. Der Bund der Land- wirthe wurde ungeduldig und richtete eine energische Eingabe an den Minister. Nun dauerte es noch eine kleine Weile, dann ließ Herr Breseld an die Ver­sammlung im Feenpalast die Aufforderung ergehen, eine Börsenordnung zur Genehmigung einzu­reichen, da sie eine Börse seien. Die Vereinigung bestritt das und kündete Klage gegen die Verfügung an.

Eine Strafandrohung hatte der Minister feiner Aufforderung nicht beigefügt. Er wollte eben den Streit immer noch in Güte schlichten. Zu dem Ende erließ er zugleich an die Aeltesten der Kauf­mannschaft, den Vorstand der V'reinigung im Feen­palast und Vertreter der Landwirthschast Einladungen .zu Verhandlungen über eine friedliche Verständigung. Aber die Verhandlungen verliefen ergebnißlos, woran wohl Börsianer und „Agrarier" in gleicher Weise die Schuld trugen. Die „Agrarier" haben die Börsen­leute durch berechtigte und unberechtigte Angriffe fchwer gereizt, umgekehrt haben die Börsenleute auch 'billige Ansprüche der „Agrarier" so brüsk und hoch- müthig behandelt, daß diese nicht in sanflmüthigster -Stimmung die Verhandlungen begonnen haben werden. 'Daß ein Friede gar nicht so unmöglich ist, sehen wir soeben in Magdeburg. Dort haben zwischen Kauf­leuten und Landwirthen Verhandlungen stattgefunden mit dem Ergebniß, daß die Kaufleute die vom 1. Januar eingestellten Preisnotirungen für Getreide :c. mit dem 1. Juni wieder aufnehmen; die Landwirthe erklärten, fie hätten volles Vertrauen zu der Sachlichkeit der 'Notirungen und verzichteten auf jede Mitwirkung dabei. Der Mangel einer amtlichen Notirung, so wurde in den Verhandlungen zugegeben, habe für die Landwirthe viel Unannehmlichkeit gebracht, da es

a Hit Ziinnmn von Wittenstein.

'Eine Erzählung aus dem Donauthal von Antonie Jüngst :23 ------ (Nachdruck verboten.)

So war der Sommer vergangen; ein früher Herbst strich mit rauhem Athemzuge über die schwäbischen 'Höhen und rauschte mit hohlem Klange in den dürren Blättern der Wälder. Herr Johann war an einem kühlen September-Abend noch unwirscher als gewöhn­lich von der Sauhatz heimgekommen. Das Haupt­schwein, dem er feit Tagen fnachgespürt und das er nun endlich gestellt, hatte mit einer unvermutheten Wendung sich gegen ihn gekehrt; nur mit genauer Noth war er dem Gebrech des wüthenden Thieres entgangen. Eine Begegnung im Beuroner Thale mit dem jungen Laubenberger auf Werenwag, in deffen Gefolge Wilhelm von Weitingen ritt, hatte seine üble Laune nicht verbessern können. Der alte Groll be­gehrte in ihm auf, und da er in dieser erregten Stim­mung einen Becher Weines nach dem andern hinunter­stürzte, wurden die bösen Geister bald übermächtig in ihm.

Ein Fehdebrief der Herren von Stetten, welchen Godehard dem Trunkenen darreichte, brachte das Maß zum Ueberlaufen. Johann's ganzer Zorn wandte sich augenblicklich gegen den Träger der schlimmen Zeitung,

ihnen an einem festen Anhaltspunkte für die Preise fehlte.

Wir meinen, der friedliche Ausgleich des Streites war das Vernünftigste, was man beginnen konnte. Die ,Deutsche Tagesztg.' aber ist ganz ent­rüstet darüber. Die Verständigung ist zwischen den Kaufleuten und Vertretern des „Vereins für Land- wirthschast und landwirthschaftliches Maschinenwesen" erfolgt. Verrnuthlich wird dieser Verein einigermaßen wissen, was im Interesse der Landwirthschast liegt. Das Organ des Bundes ärgert sich aber, weil es nicht Vertreter der Landwirthschaftskammer warm und erklärt: „Will der Verein für Getreidehandel eine angemeldete Börse eröffnen, so hat er vor derselben die Vertreter der Landwirthschaftskammer zu empfangen." Eine solche unbedingte Verflichtung kennt indessen das Gesetz nicht. Die „Verwirrung in den Köpfen" soll durch das Verhalten des Handelsministers verschuldet sein. Das Blatt erinnert deshalb an das Wort des Kaisers, daß unsere Zeit stählerne Männer verlange, was hier bedeuten soll: Minister Breseld muß fort von seinem Platze und Herr v. Plötz oder sonst ein „stählerner Mann" muß hinauf.

Alles Vertrauen hat der Minister bei der ,Deutschen Tagesztg.' verloren in Folge seiner jüngsten Herrenhausrede. Dort sagte Herr Breseld: „Er habe die Hoffnung auf eine Verständigung auch in Berlin noch nicht aufgegeben; man könne eine Organisation des Produktenhandels thatsächlich nicht entbehren, weder im Kriege noch im Frieden, und dürfe die Produkten­börsen nicht ohne genügenden Anlaß in die Brüche gehen lassen, so lange man nicht wisse, was dann an ihre Stelle treten solle. Aufgabe der Regierung fei es nicht, etwas Anderes an ihre Stelle zu fetzen, son­dern auf eine Verständigung hinzuwirken." Die »Deutsche Tageszeitung' kann nicht Worte genug finden, um ihren Verdruß über die Aeußerung auszulassen. Sie legt „den schärfsten Protest" dagegen ein, spricht dem Minister „Fähigkeit und Festigkeit" ab und ver­langt, daß die Regierung die Durchführung des Ge­setzes erzwinge und die „illegalen Börsen" auflöse. Hinter den großen Worten verbirgt sich nur zu noth- dürstig die Enttäuschung über die Wirkung des Börsen­gesetzes. Man hat so lange der Börse Schuld an allen Leiden der Laudwirthschaft gegeben, daß man nun in Verlegenheit ist, weil auch das Börsengesetz die in Aussicht gestellte Lösung der landwirlhschaft- lichen Frage nicht gebracht hat.

Wer ruhig und besonnen die Dinge beurtheilt, wird zugestehen müssen, daß der Minister recht hat. Leute, die sich mit ihren Anklagen gegen die Börse, sobald sie genauer fubftantiirt waren, so arge Schlappen geholt haben, wie verschiedene Anhänger des Bundes der Landwirthe in Reichstag und Land­tag, thäten gut, den Mund nicht so voll zu nehmen. Wir sind die Letzten, welche die Börse preisen und den Widerstand der Produktenhändler stärken möchten, aber wir sehen nicht ein, wie man auf dem Wege des daß auch diese ältesten Freunde und Nachbarn um des Sonnenbergischen Handels willen von ihm abftelen.

„Verfluchter Knecht," knirschte er, „konntest Du Andreas von Sonnenberg nicht unbehelligt seines Weges ziehen lassen? Ohne Deinen Beistand würde Werden­berg es wahrlich nicht gewagt haben, den tapferen Grafen anzugreifen."

„Ihr vergeßt, edler Herr, daß Ihr selbst mich und meine Leute dem Gebote des Werdenbergers unter­stellt hattet," vertheidigte sich der Söldner. „Der Tod des Grafen von Sonnenberg war eine beschlossene verschworene Sache."

„Ja, doch nur, wenn der verhaßte Weitingen mit ihm zur Hölle geschickt würde. Sonst hätte Andreas von Sonnenberg meinetwegen leben können bis zum Ende aller Tage. Aber Dein Dickschädel birgt auch nicht für eines Hellers Werth Verstand, Du elender Wicht!"

Ein tückischer Blick des Gescholtenen traf den Ritter. Aber Herr Johann hatte deffen nicht Acht, sondern fuhr nur heftiger fort:

„Ich begreife nicht, daß ich Dir nicht schon längst den verdienten Lohn gegeben, und Dich mit Schimpf und Schande aus meinem Dienst entlasten habe."

„Wenn Ihr meiner nicht mehr bedürft, Herr, mögt Ihr mich immerhin ziehen taffen. Es giebt

Zwanges zu einer geordneten Börse kommen will, wenn die Händler nicht mitthun. Die Deutsche Tages- ztg.' sagt, die Landwirthe würden sich nöthigenfalls mit den Müllern direkt verständigen. Als wenn das für alle Landwirthe, besonders die kleinen, so leicht ginge und die Müller kein größeres Verlangen kennen würden, als möglichst hohe Preise zu zahlen! So lange unsere bisherigen Marktverhältniffe nicht völlig umgestaltet find, werden wir die Händler nicht ent­behren können, und mit ihnen eine friedliche Verstän­digung. anzubahnen, liegt im Interesse aller Betheiligten.

Deutsches ikify

Berlin, 1. Juni.

* Amtlichen Mittheilungen zufolge trifft das Kaiserpaar am 18. Juni in Bielefeld ein. Dasselbe fährt Mittags nach Köln zur Einweihung des Kaiserdenkrnals und übernachtet im Brühler Schlöffe. Andern Tages wird es dem Kloster Maria-Laach einen Besuch abstatteu.

ff Die diesjährige große IrüHjahrsparade der in Berlin, Charlottenbnrg und Spandau garni- sonirenden Truppentheile, sowie des Gardeschützen- Bataillons und der Hauptkadettenanstalt in Groß- Lichterfelde fand heute Vormittag auf dem Tempel- Hofer Felde vor dem Kaiserpaar statt. Die Parade befehligte der kommandirende General des Gardekorps v. Winterfeld. Die Paradeaufftellung erfolgte in zwei Treffen. Bei dem Erscheinen des Kaisers wurden die Ehrenbezeugungen zuerst im ganzen, dann brigade­weise ausgeführt. Es fand nur ein Vorbeimarsch statt. Nach dem Vorbeimarsch versammelten sich die Generale, sowie die'Regiments- und die selbständigen Bataillonskommandeure zur Kritik bei dem Kaiser; anschließend fanden militärische Meldungen statt. Später ritt der Kaiser mit der Fahnenkompagnie in die Stadt zurück. — Wie die ,Nat.-Ztg.' vernimmt, ist die Kaiserin bei der heutigen Parade zum Chef des Gardegrenadierregiments Nr. 5 ernannt worden. Nachdem der Kaiser in das Schloß zurückgekehrt war, hörte er den Vortrag des Chefs des Militärkabinets Generals v. Hahnke.

* Der nationalliberale Reichstagsabgeordnete Siegle-Stuttgart hat, wie die ,Nat. Ztg/ vernimmt, die definitive Erklärung abgegeben, daß er mit Rück­sicht auf feinen Gesundheitszustand nach Ablauf der gegenwärtigen Legislaturperiode ein Mandat für den Reichstag nicht mehr annehmen werde.

* Mit einem Pfingstfestartikel „Komm Heiliger Geist, Herr Gott" beginnt das vierte Heft der Zeit­schrift „Der Dolksverei«", herausgegeben vorn Volksverein für das katholische Deutschland. Der zweite Artikel behandelt die Frage „Wie schützen wir die vom Lande in die Städte ziehende Jugend". Sodann enthält das äußerst interessante Heft eine Statistik über die Verbreitung der katholischen Ar­beitervereine; weiter die Fortsetzung des Aufsatzes noch Burgen genug im Schwabenland, welche einem nie fehlenden Schwerte, wie dem meinen, gern ihre Thore aufthun."

„So geh' ! geh' gleich! noch heute Abend, noch diese Stunde?" schrie Johann von Zimmern, seiner Sinne nicht mehr mächtig, indem er die Kanne vom Tische griff und nach dem Knechte zielte.

Der aber bog das Haupt zur Seite; das schwere Geschoß flog gegen die künstlich gebrannten Fenster des Erkers. Klirrend stürzten Die zerbrochenen Scheiben in den Saal und hohnlachend fuhr der Wind hinten­nach.

„Habt keine Sorge, Herr, ich gehe schon," fragte Godehard mit fester Stimme, „aber Ihr werdet meiner gedenken."

Sein Ange bohrte sich dabei drohend in das feines plötzlich ernüchterten Gebieters. Herr Johann griff nach der Stirne, wie um sich zu besinnen; bevor er jedoch ein Wort erwidern konnte, hatte Godehard dröhnenden Schrittes den Raum verlassen.

Der Zurückbleibende blickte ihm verstört nach. Ihn fröstelte. Der ungehemmt hereinpfeifende Nordwind durchschanerte ihn bis aufs Mark der Knochen.

„Was meinte er? Was wollte er?" lallte der Ritter unsicheren Tones. „Aber Thor, der ich bin, mich durch die großen Worte eines käuflichen Schalken