t; 122 Montag, den 31. Mai 1897. 21. Jahrgang
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mit Untrrhaitungs-Keilage „Kterne und Klumen"
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Deutsches Deich*
Berlin, 29. Mai.
* Der Aoroniakralh hat das Berathungsmaterial der diesmaligen Berathung erledigt. Bei der Be- rathung des vom kaiserlichen Gouvernement von Deutsch-Ostafrika aufgestellten Verordnungsentwurfs über Einführung einer Gewerbesteuer entspann sich eine lebhafte Debatte. Der Einführung einer Gewerbesteuer wurde im Prinzip zugestimmt, für die Verordnung selbst aber verschiedene Aenderungen in der Richtung einer Vereinfachung des Steuersystems empfohlen.
□ Zu dem von dem Herrenhause abgeänderten Entwürfe einer Kandgerneirrdeordrrrmg für die Provinz Kessen-Wassau ist im Abgeordnetenhause solgender Antrag eingebracht worden:
„Das Haus der Abgeordneten wolle beschließen: den Absatz 5 im § 45 in der von dem Hause der Abgeordneten angenommenen Fassung wiederherzustellen, welche lautet:
In Landgemeinden mit mehr als 500 Einwohnern wird ein kollegialischer Gemeindevorstand (Gemeinderath) gebildet, welcher aus dem Bürgermeister, aus einem Beigeordneten als dessen Stellvertreter und in Gemeinden von nicht mehr als 2500 Einwohnern aus 3 Schöffen, von mehr als 2500 Einwohnern aus 5 Schöffen besteht. Wenn jedoch die Gemeindevertretung nach zweimaliger, mit einem Zwischenräume,von mindestens acht Tagen vorgenommener Berathung daraus anträgt, kann mit Genehmigung des Kreisausschusses von der Bildung eines kollegialischen Gemeindevorstandes (Gemeinde- rathes» abgesehen werden.
In den kleineren Landgemeinden kann durch Ortsstatut ein kollegialischer Gemeindevorstand, welcher aus dem Bürgermeister, aus einem Beigeordneten als dessen Stellvertreter und aus zwei Schöffen besteht, eingeführt werden."
Der Antrag ist unterzeichnet von den Abgeordneten: Beinhauer, Cahensly, Dasbach, Hosmann, Jung- Henn, Kircher, Dr. Lotichius und Wintermeyer.
* Im AvgeordrretenHause haben die Abgg. v. Mendel-Steinfels u. Gen. einen Antrag eingebracht, in welchem die Regierung aufgefordert wird, a) die amtliche Kontrolle für alles zum öffentlichen Verkaufe gelangende Fleisch in die Wege zu leiten; b) für die Fleischbeschau allgemein gütige Vorschriften zu erlasfen; c) im Bundesrath dahin zu wirken, daß int Ausland geschlachtete Thiere, sowie alle Fleischwaaren fremdländischen Ursprunges hinsichtlich der Kontrolle bei uns ebenso wie die des Inlandes behandelt werden.
* Daß die vom Abg. Dr. Lieber jüngst im Abgeordnetenhause angewandte Bezeichnung karrreruu" für die Provinz Pommern sehr treffend ist, zeigt ein Blick in das „Pommersche Güteradreßbuch". Laut Register finden sich in Pommern: 41 v. Puttkamer, 37 Holtz, 33 Schultz und Schulz, 29 v. Zitzewitz, 29 v. d. Osten, 29 Graf v. Behr, 27 d. Bonin, 27 v. Flemming, 26 Schmidt, 23 Krüger, 22 v. Borcke, 21 Müller, 20 v. Köller. — Die Zahl der Puttkamer ist also größer als die sonst in deutschen Landen am häufigsten verbreiteten Namen Müller, Schulze und Schmidt.
a Bit Stainern non Aildcnßrin.
Eine Erzählung aus dem Donauthal von Antonie Jüngst 21 ------ (Nachdruck verboten.)
Früher als sonst schlüpfte Richmodis am nächsten Morgen in die Zelle ihrer Gebieterin. Die Mär von der Ermordung Sonnenberg's hatte sich schnell in der Veste verbreitet. Die trunkenen Knechte hatten sich verrathen und Eins dem anderen das Fürchterliche zugeraunt.
Barbara, welche seit der Entsendung ihres Briefleins in steter zitternder Angst um das Leben des Geliebten geschwebt, hatte auch in dieser Nacht ihr Lager mit Zähren benetzt und mit brenn iden Augen den Tag herangewacht. Wohl war der Tumult auch in ihre Kammer gedrungen, aber seit die Werdenbergischen hier einlagen, verging selten eine Nacht ohne ähnliche Störung, so daß sie des Getobes nicht weiter Acht gehabt hatte.
Als nun aher die Zofe mit dem Morgengrauen über ihre Schwelle glitt, fuhr sie erfchreckl von ihrem Lager auf.
„O, Richmodis,,Du bringst schlimme Kunde. Meine Warnung ist umsonst gewesen. Wilhelm lebt nicht mehr!"
„Nein, edles Fräulein, beruhigt Euch," versicherte
* Der Ausflug zum Besuche der Kamöurger Allgemeinen Gartcnvau-AuskeMmg, zu welchem die Ausstellungsleitung die Mitglieder des Bundesraths und des Reichstags mit ihren Damen ein- geladen hatte, wurde diesen Morgen in zwei Sonderzügen angetreten. Etwa 400 Personen nahmen an demselben theil, darunter u. a. Staatssekretär Dr. v. Bötticher und der Landwirthschaftsminister Frhr. v. Hammerstein. Die Theilnehmer wurden vom Bahnhof in Equipagen nach der Ausstellung geleitet, wo die Begrüßung statffand.
* München, 29. Mai. Gegen den Redakteur des ,Südd. Postillon' Ed. Fuchs ist Anklage wegen groben Unfugs erhoben worden. Erfollmit einem Gedicht über Rebekka, die jüngst eingegangene Hündin des Fürsten Bismarck, Aergerniß erregt haben. Das Gedicht wendete sich nach der Münchener Post' in fatirischer Weise gegen eine in Hundedemuth ersterbende Abart des Personenkultus.
Ausland.
* D»aris, 29. Mai. Die Pariser Presse beschäftigt sich wieder mit ungelegten Eiern. Der ,Gaulois' hat mehreren Politikern und Publizisten die Frage vorgelegt, ob sie eine Reise des deutschen Kaisers nach Paris für möglich halten. Die bisher mitgett) eilten Antworten lauten durchaus verneinend. Madame Adam schreibt: „Wenn die Franzosen den deutschen Kaiser in Paris empfingen, würden sie sich dem Hohngelächter der ganzen Welt aussetzen." Maurice Barrös ergeht sich in nicht wiederzugebenden Drohungen und sagt, das Pariser Volk würde mit Steinen werfen. Casfagnac behauptet, der Kaiser wolle durch die Pariser Reise die Franzosen zur moralischen Abrüstung zwingen; alle Parteien müßten gegen diele Schmach protestiren. Drumont meint, der Kaiser könne nach Paris kommen, wenn er vorher Elsaß-Lothringen zurückgebe. Aber auch ein gemäßigter Politiker wie Francis Charmes erklärt die Reise für durchaus unangebracht. Der General du Barail schreibt: „Wenn der Kaiser nach Paris käme, müßte man ihn achtungsvoll aufnehmen; wenn aber der französische Patriotismus dies nicht über sich gewinnen könnte, so müßte man durch diplomatische Schritte die Reise verhindern." (Ein netter „Patriotismus", welcher den elementarsten Anstand ausfchließt!)
* A»etersöurg, 29. Mai. Rußland versucht seine Arme in Asien weiter auszustrecken. Wie der „Manchester Guardian" erfährt, hat Rußland seit dem Anfänge dieses Monats mit der Türkei darüber unterhandelt, daß Rise (zwischen Batum und Trape- zunt) an der Südostecke des Schwarzen Meeres, mit dem Gebiete bis zum Adschoroch-Flusse hinauf unter russische Verwaltung kommen soll. Die Türkei wird es kaum hindern können.
* Athen, 29. Mai. Die Lage des Kronprinzen ist noch verzweifelter geworden, weil nicht nur neuer- Richmodis, an die Bettsponde niederknieend und die Hand ihrer Herrin an die Lippen drückend, „der Ritter von Meitingen lebt und ist gesund."
„Gott sei gedankt!" flüsterte Barbara und heftete die Augen andächtig auf das Kreuz, welches zu Füßen des Bettes auf einer Mauerbrüstung stand. „Aber woher weißt Du's?" fuhr sie staunend fort. „Wie kommst Du zu so früher Stunde zu der guten Zeitung? Du kannst doch noch nicht hinunter gewesen sein zur Fähre?"
„Herr Wilhelm ist heil und gesund, wie ich schon sagte, edles Fräulein, aber--"
„Aber, — um Gotteswillen, Du willst doch nicht andeuten, daß Andreas von Sonnenberg--
„Der edle Graf ist nicht mehr," flüsterte die Zofe kaum vernehmbar. „Der Arm seines Mörders ist schnell, der Stoß seines Dolches sicher gewesen. Felix von Werdenberg hat das Ziel feiner Rache erreicht."
Barbara verhüllte das Gesicht mit den Händen, Thräne um Thräne tropfte aus ihren Augen.
„Und mein Bruder gibt dem feigen Meuchelmörder Unterstand unter seinem Dache," stöhnte sie nach einer Weile, „befleckt seine Hand mit dem Blute eines Mannes, welcher den Zimmern in allweg freundlich gesinnt gewesen! O, wenn mein Vater die Schmach
dings die höheren Offiziere gegen ihn agiliren und alle Schuld auf ihn abzuwälzen suchen, sondern weil im Volke auch das Gerücht verbreitet wird, daß der Kronprinz feinem Vater bereits erklärt habe, daß er daraus verzichte, jemals der Herrscher eines so undankbaren Volkes zu werden, wie es das griechische sei.
* Athen, 29. Mai. Die griechische Regierung hat den traurigen Muth gehabt, die von den Mächten ausgestellten Friedensbedingungen sammt und sonders zu verwerfen, ohne zu bedenken, daß sie durch diesen weder durch den Gang der Ereignisse noch durch die Haltung der Mächte irgendwie gerechtfertigten trotzigen Schritt ihre eigenen Jntereffen auf's Empfindlichste schädigen kann. Die Mächte haben die Vermittelung nur unter der Voraussetzung übernommen, daß ihre wohlgemeinten Rathschläge auch Gehör finden, dürften sich also jetzt, da sie schnöden Undank begegnen, versucht fühlen, die Vermittelungsaktion vollständig einzustellen, wenn Griechenland nicht noch in letzter Stunde ein Einsehen hat und sich damit zufrieden gibt, was ihm geboten wird. Und wenn die Mächte sich zurückzieheiff dann ist das Schicksal Griechenlands endgiltig besiegelt. — Die Vermittelung der Mächte dreht sich gegenwärtig, wie verlautet, um die Frage, ob den Griechen eine Verlängerung der Waffenruhe bis zum endgiltigen Friedensschluß zugebilligt werden kann. Als selbstverständlich wird dabei aber, namentlich auf deutscher Seite, vorausgesetzt, daß Griechenland sich nicht etwa beikommen lasse, die europäischen Regierungen, welche bei der Pforte zur Wahrnehmung seiner Interessen thätig fein werden, dadurch zu des- avouiren, daß es die Bedingungen, deren Erfüllung nicht einseitig von der Türkei, sondern von allen Mächten zur Sicherung des Friedens auf der Balkanhalbinsel verlangt wird, für unannehmbar erklärt. Die deutsche Regierung dürste, nach ihrem bisherigen Verhalten, in dieser Mitwirkung an gemeinschaftlichen Bemühungen um enb gütige Waffenruhe die Grenze deffen erblicken, was sie zu Gunsten Griechenlands vor Annahme der Friedensbedingungen in Konstantinopel zu befürworten geneigt ist.____________________
Aus dem Kandtage.
Kcrrenhans. — 20. Sitzung vom 29. Mai.
Eine Debatte von allgemeiner Bedeutung entspann sich nur bei der Interpellation des Grafen.«rCeilk-Schwar- zin, betr. die Mängel bei der Veranlagung zur Einkommensteuer. .
Der Interpellant führte aus, daß diese Mängel nicht un Gesetze selbst begründet seien, sondern nur in der fiskalischen Handhabung desselben.
' Diesen Vorwurf wies der Finanzminister Dr. v. Miquek mit Entschiedenheit zurück. Daß sich Mängel einstellen würden, habe die Regierung bei der Ausarbeitung des Gesetzes von vornherein gewußt, weil das Gesetz eine völlige Umwälzung der bestehenden Verhältnisse bedeutet habe. Zur Zeck sei eine Revision desselben verfrüht. In einigen Jahren könne man an eine solche denken, indessen betone er, daß der Grundcharakter des Gesetzes durch dieselbe nicht umgeändert würde; übrigens seien die Beschwerden in der Abnahme begriffen, sie betrügen heute nur 5 Prozent der Einschätzung.
erlebt hätte! Wenn er wüßte, was auf dem Wilden- ftein vorgeht! Zerbrechen würde er den Schild des ehrlosen Werdenberg, ihn nicht einen Augenblick noch dulden unter dem Banner des unbezwinglichen Löwen. Aber, Richmodis", fuhr die Erschütterte leiser fort, „ich weiß immer noch nicht, wie Wilhelm v. Meitingen gerettet und vor der ihm drohenden Gefahr bewahrt worden?"
Die Magd berichtete nun mit gewohnter Zungengeläufigkeit , was sie in der Nacht hier erlauscht und dort erfragt, und wie es nach allen Berichten ganz zweifellos fei, daß der Graf von Sonnenberg die Heimfahrt von Abtshausen ohne jede Begleitung angetreten und wehrlos in die Hände _ der aus dem Hinterhalt ihm Auflauernden gefallen sei.
„Ich möchte glauben, möchte hoffen wider allen Anschein von Hoffnung," seufzte Barbara, als die Zofe geendet. Mein Herz klammert sich nur all zu willig an den schwächsten Strohhalm, aber es ist schier undenkbar, daß Graf Andreas den Ritt durch das Mengerer Ried sollte allein gewagt haben, nachdem Wilhelm ihm die Warnung hatte zukommen lassen."
„Ihr fragt nicht, edles Fräulein, ob es dem Ritter möglich gewesen, die Warnung, die ihm durch Euch geworden, dem Grasen mitzutheilen? Als ich gestern Abend mit Harro--"